Bombenfund in Hildesheim

Gut, da gibt es die rein faktische Darstellung. Ein Bauarbeiter stößt auf eine alte Fliegerbombe. Im Umkreis von 1 KM wird alles evakuiert, was vergleichsweise gut klappt. Natürlich mag das keiner. Aber natürlich mag es auch keiner, wenn ihm die Splitter seiner Fenster um die Ohren fliegen, weil eine Bombe explodiert.

Bombardiert wurde Hildesheim am 22. März 1945 und in Schutt und Asche gelegt. Wer Bilder sehen will, kann diese auf https://www.hildesheimer-allgemeine.de/bomben.html finden.

Immer, wenn so eine alte Bombe in Hildesheim gefunden wird, denke ich an die Erzählungen meiner Eltern. Wie mein Vater als sehr junger Mann seinem Vater half eine Brandbombe vom Dachboden herauszuschaufeln, damit sie sich nicht durch das Haus frisst. Wie er über die Überreste des Andreasturms bestieg und über das zerstörte Hildesheim blickte.

Zu jeder Nacht legte mein Vater seine Kleidung so hin, dass er sie blitzschnell anziehen konnte. Für den Fall eines Angriffs.

Oder wie meine Mutter und ihre Schwester – gut, das war nicht in Hildesheim – auf einer Wiese spielten und plötzlich um sie herum Bomben herunterkamen.

Was in meinen Eltern damals vor sich ging, wie der Krieg sie und ihre Sichtweise verändert hat, kann ich nur ahnen. Vielleicht ist es ihnen selbst nie bewusst geworden.

Die Zeit hat sich rasant verändert, aber trotzdem ist das gerade mal 72 Jahre her. Das ist nicht ganz die durchschnittliche Lebenserwartung eines Menschen.

Solange es gut geht und niemand zu Schaden kommt, können wir diesen Bombenfunden danken! Sie geben uns einen Hauch der Erinnerung daran, was Krieg wirklich bedeutet.  Es wird langsam unmodern an „damals“ zu denken. „Die Deutschen“ können es immer weniger hören, welches Leid durch Deutschland, aber auch über Deutschland während des Krieges kam. Genau das bleibt jedoch unendlich wichtig. Nicht nur für die Deutschen, sondern generell für alle Menschen auf der Welt, die sich gerade im Frieden befinden und meinen, das wäre normal.

Mein Großvater erinnerte sich damals sogar noch daran, wie er zusah als die jungen Männer freudig und singend in den ersten Weltkrieg zogen. Sie dachten, Krieg ist was „geiles“, um es modern auszudrücken. Nur wenige kamen zurück. Die Rückkehrer waren oft für ihr restliches Leben gezeichnet. Wenn ich die jungen Menschen heute so anschaue, die mit Begeisterung z.B. „Battlefield“ spielen, glaube ich manchmal, sie denken auch so. Einige von ihnen, die Realität und Spiel nicht trennen können. Aber Krieg ist nichts „geiles“. Wird es nie sein. Es ist immer nur Leid, Schmerz und Zerstörung.

Daran erinnerte auch dieser Bombenfund.

Lasst uns – gerade anbetracht der politischen Spannungen in der Welt – für den Frieden dankbar sein. Er ist nicht selbstverständlich!

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