Gastbeitrag von Sven Wedekin: Jurassic World II

Eine spoilerfreie Kritik

65 Millionen Jahre ist es nun schon wieder her, seit die Dinosaurier ausgestorben sind.

Doch seit eine zweibeinige, einigermaßen intelligente und körperlich nicht annähernd so eindrucksvolle Spezies namens Mensch das Licht der Welt erblickte und die sterblichen Überreste jener schrecklichen Urzeitechsen mehr durch Zufall entdeckte, ist die Erinnerung an die einstigen Herrschen der Erde wieder erwacht.

Bereits unmittelbar nachdem findige Forscher die ersten Fossilien ausbuddelten wurden auch schon allerlei Geschichten rund um die Dinos – zunächst in gedruckter Form – dem staunenden Publikum dargeboten. Niemand geringerer als „Sherlock Holmes“ Erfinder Arthur Conan Doyle verfasste 1912 mit seinem Roman „The Lost World“ einen Klassiker der phantastischen Literatur, der archetypisch für alle künftigen Erzählungen wurde, in denen Dinosaurier aller Art im Mittelpunkt standen. Und davon sollten noch viele kommen. Wahrscheinlich weiß niemand genau wie viele Bücher und Filme in den letzten hundert Jahren die Menschen überall auf der Welt in ein Land vor unserer Zeit entführten.

Doch 1993, vor genau einem Vierteljahrhundert, sollte ein Film die Kinos erobern, der nicht nur unser Bild der Dinosaurier, sondern auch das Medium Kino selbst für immer verändern sollte: Steven Spielbergs „Jurassic Park“ war der erste Film mit fotorealistischen, computeranimierten Bildern, den heutzutage schier allgegenwärtigen CGIs. Diese ermöglichten es Tyrannosaurus rex, Veloceraptor, Brachiosaurus und Co. mit einem nie dagewesenen Realismus auf der Leinwand darzustellen. Das Publikum strömte so dann auch in Massen in die Kinos und machten „Jurassic Park“ zum bis dahin erfolgreichsten Film aller Zeiten.

Bei diesem Welterfolg war es so dann auch kein Wunder, dass der Streifen gleich mehrere Fortsetzungen nach sich zog, die jedoch von recht unterschiedlicher Qualität waren. Deren aktuellste, „Jurassic World – Das gefallene Königreich“, wurde nun pünktlich zum Jubiläum des Erstlings veröffentlicht.

Drei Jahre nach den Ereignissen des ersten „Jurassic World“ Film, der unter der Regie von Colin Trevorrow einen Reboot der Reihe darstellen sollte, leben die tierischen Bewohner des zerstörten Freizeitparks friedlich auf der Isla Nublar. Doch die Idylle wird vom drohenden Ausbruch des Inselvulkans bedroht, der allen auf der Insel lebenden Dinosauriern den Gar aus machen könnte. Um sie zu retten tun sich ehemalige Managerin des Parks, Claire Dearing (Bryce Dallas Howard) und der smarte Dinobändiger Owen Grady (Chris Pratt) zusammen um so viele Tiere wie möglich von der Insel zu retten. Der Industrielle Benjamin Lockwood (James Cromwell) hat für sie ein Habitat auf dem Festland errichtet, in dem sie in Frieden leben können. Doch dessen intriganter Geschäftspartner Elli Mills (Rafe Spall) hat andere Pläne: Er will die geretteten Exemplare gewinnbringend verkaufen. Dazu sorgt er dafür, dass Dinosaurier verschiedenster Art auf Lockwoods riesiges Anwesen in den Wäldern von Nord-Kalifornien gebracht werden, wo er sich in einer nächtlichen Auktion an die Meistbietenden versteigern will. Doch es kommt, wie es kommen muss: Den Sauriern gelingt es aus ihren Gefängnis zu entkommen und machen Jagd auf die nun im Gebäude gefangen Menschen…

Um es gleich zu sagen: In punkto Spannung stellt der Film eine eindeutige Steigerung zu seinem direkten Vorgänger dar. Regisseur J. A. Bayona, der sich unter anderen mit „The Impossible“, einer Verfilmung der verheerenden Tsunami-Katastrophe vom Dezember 2004 einen Namen machte, versteht es vor allem in der zweiten Hälfte des Streifens die Spannungsschraube geschickt anzuziehen, in dem er einen neuen, künstlich gezüchteten Dinohybriden einführt und die Geschichte an einem recht ungewöhnlichen Schauplatz verlegt, wodurch er ihr neue Impulse verleiht.

Die vorangegangen Szenen auf der, aus Teil eins bekannten Isla Nublar ließen mich hingegen merkwürdig kalt. Während der Vulkanausbruch so spektakulär inszeniert ist, dass „Dantes Peak“ dagegen aussieht wie ein Werbespot für eine Knallfroschfirma wirken die Angriffe der Dinos nur wie ein Neuaufguss der entsprechenden Szenen aus den vier Vorgängerstreifen. Vielleicht habe ich aber auch einfach schon zu viele „Jurassic Park“ Filme gesehen, in denen Menschen von wildgewordenen Raubsauriern durch den Dschungel gejagt werden.

Doch sobald sich die Handlung auf das Festland verlagert, emanzipiert sich Bayonas Film sowohl inhaltlich als auch visuell von seinen Vorgängern, wodurch er enorm an Reiz und eben auch an Spannung gewinnt. Außerdem lässt der Film es sich hier auch nicht nehmen ein wenig Kapitalismuskritik zu üben. Dies haben allerdings vor allem die ersten beiden Beiträge des Franchises auch schon getan, weswegen dies kein wirklich neuer Aspekt in der Geschichte darstellt, zumal sie her doch recht stark mit dem erhobenen Zeigefinger daherkommt.

Im Hinblick auf die Leistungen der Darsteller gibt es hingegen nichts zu bemängeln. Chris Pratt ist wieder souverän als jungenhafter Draufgänger und wirkt dabei so charmant und cool wie immer.

Bryce Dallas Howard tritt hier wesentlich tougher und nicht mehr ganz so nervig auf wie im ersten „Jurassic World“ Film.

Erfreulicherweise gibt es auch ein Wiedersehen mit Jeff Goldblum als Chaosmathematiker Dr. Ian Malcolm, dessen Szenen leider nur sehr kurz sind und sich letztlich nur auf einen Cameoauftritt beschränken.

Ein echtes Ärgernis war für mich hingegen dieser nerdige Freund von Howards Figur, dem vom Newcomer Justice Smith gespielte Franklin Webb. Dieser sollte wohl witzig sein, ging mir aber mit seinem ewigen Gekreische nur auf die Nerven. Fast wünschte ich, er wäre einem der Fleischfresser zum Opfer gefallen.

Das eher offene Ende des Streifens hat mir dafür wiederum umso besser gefallen, da es Raum für eine interessante Fortsetzung lässt, welche die Reihe in eine neue Richtung lenken könnte.

Das gefallene Königreich“ (kann mir mal jemand erklären, was dieser Titel eigentlich zu bedeuten hat?) ist somit ein rundum unterhaltsamer, actionreicher und spannender Dinothriller geworden, den man als würdigen Beitrag zu dem Franchise bezeichnen kann. Nur Originalität sucht man hier im Grunde vergeblich. Der Film ist ein typisches Produkt unseres modernen Blockbusterzeitalters, dessen Merkmale von Steven Spielberg selbst 1993 neu definiert wurden als er dem Kino durch die Erfindung der digitalen Tricktechnik neue Möglichkeiten erschloss. Leider stehen diese Möglichkeiten nur selten in einem adäquaten Verhältnis zum Inhalt. Auch „Jurassic World 2“ bildet hier keine Ausnahme. Trotz einiger wirklich guter Ansätze und origineller Ideen gelingt es dem Film nicht sich so nachhaltig von seinem berühmten Vorgänger zu lösen, um etwas wirklich Eigenes zu schaffen. Einen neuen Hype wird der Streifen so ganz sicher nicht auslösen.

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