Der Mehrgewinn der Brutalität

Ich bin immer wieder verwundert, wenn ich von Freunden höre, dass sie die Brutalität in Serien und Filmen und Computerspielen entweder teilnahmslos oder sogar begierig aufnehmen. Ich sah die Serie „Gotham“ bis zu jener Folge, in der Victor Zsaz einen abgetrennten Kopf in seiner Hand hielt, der noch blutete. Das war in der Gegend der Folge, in der sich ein anderer Charakter mit einem Löffel ein Auge aus dem Schädel gedrückt hat, um aus ihrer perversen Gefangenschaft als potentieller Spender von Körperteilen entkommen zu können. In „Ripper Street“ gab es auch genügend Folterszenen, verweste Leichen und blutende Wunden, um für eine Strecke von Alpträumen zu sorgen. Beide Serien haben aber nicht nur ihre verheerende Brutalität zu eigen, sie sind darüber hinaus auch extrem spannend – und gelten hier nur als Beispiel einer Unzahl von hoch gefeierten Serien, Filmen, Spielen, sogar Hörspielen, in denen Grausamkeit offenbar von der Masse gern gesehen wird.

Darauf angesprochen argumentieren viele Fans von Brutalität, dass sie eben auf „Realität“ setzen. Ich nenne so was „Sofa-Brutalität“. Es erinnert an die Gladiatorenkämpfe im alten Rom oder die öffentlichen Hinrichtungen des Mittelalters. Bequem im Sofa fletzend schauen sich diese Anhänger von Grausamkeit quasi „reales“ Geschehen an.

Bei diesem Thema erinnere ich mich immer wieder daran, dass ich als Schuljunge – das war in den 1980er Jahren – mal einen kritischen Text zum Thema „Überreiz“ in Englisch analysieren musste. Der Text erklärte, dass es schon im damaligen Amerika in den Medien immer mehr zur Darstellung von Gewalt käme, weil die Zuschauer sonst nichts mehr dabei „spüren“ würden. Die Gewaltdarstellungen seien wie eine Droge, von der man immer mehr brauche, um das gleiche spüren zu können, wie „beim ersten Mal“.

Doch wie verpönt ist die, meiner Meinung nach gesunde, Einstellung, sich solchen optischen und akkustischen Gewaltdarstellungen widersetzen zu wollen? Jeder, der das wissen möchte, kann mal in einem entsprechenden Forum die Frage formulieren, ob man – in dem ansonsten genialen Spiel – „Red Dead Redemption II“ die Gewaltdarstellungen (Blut, Verstümmelungen) ausstellen kann. Wo immer man im Internet deutlich macht, dass man solche Gewalt nicht sehen will, bekommt man aggressiven Gegenwind. Unsachliche, fast beleidigende Reaktionen sind der Fall und zeigen, dass sich die Konsumenten von großer Gewalt offenbar selbst wie ganz rauhbeinige „Soldaten“ fühlen, die durch „Blut und Schlamm“ gewatet sind. Dabei ist das einzige, was in der Regel die Hand eines Zuschauers oder Gamers berührt eine verschüttete Cola ist. Mit Realität hat das alles nichts zu tun. Ein „Battlefield“ – Spieler, den man eine halbe Stunde an der ECHTEN Front im ersten Weltkrieg aussetzen würde, käme vermutlich weinend und seelisch zusammengebrochen wieder zurück in die Realität. Und er würde vermutlich nie wieder – oder mit einer ganz anderes Sichtweise– Battlefield spielen.

Ob sich unter den Gamern vereinzelt auch wahre Attentäter befinden, ist ein Thema für sich. Eltern, die ihren Kindern unzensiert und vor Allem unkommentiert in der heutigen Medienlandschaft machen lassen, was sie wollen, verstehen meiner Meinung nach nichts vom Erziehungsauftrag. Ich hatte das Glück einen Vater zu haben, der den zweiten Weltkrieg auf manch schmerzliche Weise erlebt hat. Durch das von ihm direkt überlieferte, wurde mir klar, dass „Krieg“ und Grausamkeit nichts ist, was der „Unterhaltung“ dienen sollte.

Dabei möchte ich eine Erfahrung aus dem Jahr 2002 anrbingen. Damals, am 11. September, stand mein Geburtstag kurz bevor und ich hatte mir ein Star Trek Spiel gewünscht, in dem es darum geht, als ehrenhafter Klingone in den Krieg zu ziehen. Es war ein Spiel, dass alleine auf Raumschiffe fixiert und gänzlich unbrutal war. Abgesehen davon eben, dass ich mit Torpedos feindliche Schiffe besiegen musste.

Nach dem realen Angriff auf die Zwillingstürme in New York, hatte ich jedoch keine Lust mehr das Spiel zu spielen. Die wahren Eigenschaften des Krieges waren durch den Anschlag näher gekommen, waren spürbar und bedrohlich geworden. Das hier waren „nur“ zwei Hochhäuser, die zum Einsturz gebracht worden waren, wie viel grausamer noch muss dann ein Krieg sein, in dem manche Städte ausradiert wurden / werden!? Die Trauer ergriff damals große Teile der Welt. Natürlich war die Politik der Amerikaner in mancher Hinsicht zweifelhaft und das Motiv für den Anschlag an sich vielleicht nachvollziehbar, aber hier ging es nicht um große politische Vorstellungen oder richtige und falsche Entscheidungen hoher amerikanische Politiker, sondern um einzelne Schicksale. Menschen mit Familien, Leute wie Du und ich, die von heute auf morgen unnötig aus dem Leben gerissen wurden und tiefe Wunden auf Generationen hinterließen.

Das ich dieses „Star Trek“ Spiel erstmal nicht anfasste war für mich ganz natürlich. Wie konnte ich jetzt vor dem PC sitzen und bei Chips und Cola Spaß am „Krieg spielen“ finden?

Doch die Werte verfallen, wie in jeder fortgeschrittenen Zivilisation. Es ist „wie im alten Rom“, das passt schon. Nein, ich glaube nicht, dass man ein „Weichei“ ist, nur, weil man in Serien und Filmen dargestellte Grausamkeit ablehnt. Für mich ist quasi reale Darstellung in einem ansonsten guten Film kein Mehrgewinn, sondern ein Hinderniss.

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EUROPA Gruselserie Nr. 4: Projekt X – Invasion der Aliens

Ich weiß nicht, für wen die neue EUROPA – Gruselserie „gemacht“ wird, aber als „Kassettenkind“ der 70er / 80er – Jahre war für mich von Anfang an klar, dass ich sie verfolgen würde, weil ich sie schon „damals“, noch unter Regie von H. G. Francis, mit Begeisterung verfolgt hatte.

Wurde diese Folge – „Projekt X – Invasion der Aliens“ – für „uns“ produziert? Für „uns“, die wir damals selbst mit Bonanza – Rädern durch die Welt fuhren (oder jemanden kannten, der dies tat)? Für uns, die wir bei „E.T. – der Außerirdische“ eine Träne im Kino verdrückten oder zuvor der „unheimlichen Begegnung der dritten Art“ folgten? Die späten 70er und frühen 80er Jahre waren für mich persönlich oft von solchen UFO – Fantasien geprägt. Mit einer Mischung aus Faszination und Schauer stellte ich mir oftmals eine Begegnung der dritten Art vor. Steven Spielberg war mit dieser Fantasie nicht allein.

So ist es kein Wunder, dass ich mich beim Anhören der aktuellen Folge sofort abgeholt fühlte. Es war so ein bischen wie bei den drei ??? – was wohl zudem an der Musik von „Betty George“ (https://felsenstrand.de/die-drei-fragezeichen-und-ihre-pseudonyme-wer-ist-betty-george/) lag, aber auch an der nostalgischen Handlung selbst, die eine Art geborgene Atmosphäre erschafft, inerhalb derer man sich auf angenehme Weise gruseln darf:

Zwei Freunde, Michi (Lino Kelian) und Robby (Lovis Harloff), erfahren über Funk (d.h. mit einem Funksprechgerät ;)) von seltsamen Geschehnissen im nahen Wald und machen sich sofort auf den Weg, um dann offenbar Zeugen einer Alien-Invasion zu werden. Nicht alles ist so wie es scheint, aber gruselig wird es auf jeden Fall…

Viel mehr möchte ich zur Handlung gar nicht sagen. Sie ist kurz und knackig. Anders als bei den Vorgängern, die einen Hauch zu lang waren. Sie führt uns in die 80er Jahre und teilweise in unser eigenes Kinderzimmer von einst zurück. Erinnerungen werden wach.

Was die Sprecher angeht, sind besonders K. Dieter Klebsch und Lutz Mackensy sowie Anne Moll hervorzuheben, die ihre Rollen ohne Probleme meistern.

Der Gruselfaktor geht nicht gerade durch die Decke, aber dass muss er auch nicht, denn diese Reihe steht für „sanftes Gruseln“. Schon unter H.G. Francis gab es diverse Varianten des Gruselns, vom Weltraummonster über Dracula bis zum „Monster mit der blutigen Spur“. Offenbar hat auch Andre Minninger viel Fantasie, so dass er uns diverse Spielarten des Gruselns offenbart und noch darbieten wird. Ein Blick in die nahe Zukunft verrät denn auch schon den nächsten Titel:Dracula – Tod im All“. Das klingt auf angenehme Weise trashig. Ich bin gespannt.

Bleibt nur zu hoffen, dass die Verkaufszahlen stark sind, denn heutzutage überhaupt eine Gruselreihe zu präsentieren, in der das Blut nicht in Litern fliest, sondern die sogar noch eine zeitgemäße Botschaft hat, ist ein mutiges Alleinstellungsmerkmal dieser Reihe. Genau deshalb ist sie so wertvoll und nötig in der Hörspiellandschaft.

Und sie macht eine Menge Spaß. 🙂

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Sindbad und das Auge des Tigers (Blu-Ray bei Koch-Media)

Dieser englische Film aus dem Jahre 1977 ist der letzte Sindbad-Film von Charles H. Schneer und Ray Harryhausen. Noch mehr als die ersten beiden Titel (Sindbads siebte Reise und Sindbads gefährliche Abenteuer) wirkt die Handlung dieses Teils wie ein Märchen. Speziell auf der Blu-Ray kommen die Farben der goldenen, bunten Kostüme mehr zur Geltung und erstrahlen im ungewohnten Glanz.

Wenn man ehrlich ist, dann waren schon die Handlungen der Vorgänger nicht besonders anspruchsvoll. Dennoch haben sie richtig Spaß gemacht und dies ist auch hier der Fall. Es ist die Art und Weise, wie die Handlung serviert wird – die orientalische, fantasievolle Atmosphäre, in die man als Zuschauer zur Filmmusik von Roy Budd eintaucht, die uns als Jugendliche begeistert hat und noch heute einen eigenen Charme versprüht. Last but not least gehört diese Blu-Ray in jede gute Fantasy-Sammlung.

Das der Sindbad-Darsteller Patrick Wayne, Sohn von John Wayne, dabei von „the voice“ Christian Brückner synchronisiert wurde, hebt die Atmosphäre des Films noch eine Nuance mehr. Auch andere tolle Synchronstimmen sind mit dabei: Sigrid Lagemann etwa oder Frank Glaubrecht und der Cineasten wohlbekannte Arnold Marquis, der u.a. auch John Wayne, Robert Mitchum und Kirk Douglas synchronisierte.

Nun zur Handlung: Der Prinz Kassim soll gekrönt werden, da verzaubert ihn Stiefmutter Zenobia in einen Affen, denn sie möchte nicht, dass er gekrönt wird. König soll ihr Sohn Rafi werden. Als Sinbad das Königreich Charnak erreicht, erfährt er vom Schicksal des Freundes Kassim, den er um die Hand seiner Schwester bitten wollte. Da er nun ein Affe ist, ist das jedoch kaum möglich. Die Zeit läuft aus, denn nach wenigen Wochen würde der zum Affen verwandelte Prinz entthront werden und der Weg zur Krone durch Rafi wäre bereitet. Sindbad erinnert sich an einen alten Eremiten, der an der phrygischen Küste, auf der Insel Casgar, leben soll. Zwar ist unklar, ob die Legenden, die sich um diesen Melanthius ranken, wahr sind, aber wenn jemand helfen kann, dann er. Zenobia sieht das natürlich nicht gerne und verfolgt den nun aufbrechenden Sindbad, der den „Affen Kassim“ und dessen Schwester dabei hat.

(c) Koch-Media & Columbia; Erste Kreaturen versuchen Sindbad daran zu hindern, Kassim zur Hilfe zu eilen…

Beim Einsiedler angekommen, weiß dieser letztlich nur einen Rat: Auf der Insel Hyperborea wäre es vielleicht möglich, den Fluch von Kassim zu nehmen… So offensichtlich das angedeutete Ende auch sein mag, werde ich es nicht erzählen. Ein wenig Spannung soll dem Interessenten bleiben 😉

(c) Koch-Media & Columbia; 1001 Nacht: Ein alter Freund Kassims, eine schöne Prinzessin und Sindbad mit seinen Gefährten, bereit zu einem neuen Abenteuer…

Unterwegs begegnen Sindbad und seinen Leuten diverse Ungetüme. So ein großer, eiserner Mann mit Stierkopf, Minoton (gespielt von „Chewbacca-Darsteller“ Peter Mayhew), ein Säbelzahntiger und eine Art riesenhafter Urmensch. Wer die mit Dynamation beworbenen Effekte Harryhausens sehen will, wird und wurde hier gut bedient.

Der Film hat echten 70er-Jahre-Flair. Gedreht wurde u.a. in Jordanien, Madrid und auf Malta. Die Effekte wurden in etwa 1 ½ Jahren durch Harryhausen gefertigt.

Fazit: „Sindbad und das Auge des Tigers“ gehört in jede gute Fantasy-Sammlung. Das vorweg. Dies ist ein Film, dessen Größe – mit 7 Millionen USD war es der teuerste Sindbad-Streifen – man dem Film durchaus anmerkt. Obwohl er durchaus sehenswert ist – und auf BluRay auch wert ist noch einmal gesehen zu werden – ist die Handlung nach der ersten halben Stunde im Großen und Ganzen vorhersagbar. Nach zwei Vorgängern mit ähnlichem Strickmuster ist natürlich klar, wie diese Sindbad – Filme in der Regel so funktionieren. Warum der Film schon ab 6 Jahren freigegeben wurde, ist mir schleierhaft, denn die Effekte der Monster sind genau so genial, wenn nicht teilweise noch gruseliger, als bei den Vorgängern, die ab 12 freigegeben wurden.

Wer sich den Film anschafft, dem empfehle ich unbedingt die Blu-Ray aus der Ray Harryhausen Collection von Koch, denn abgesehen von einem hübschen Schmuck-Cover bietet die „Collection“ – Blu-Ray auch noch Extras: The Harryhausen-Chronicles (60 Minuten) und ein fünfminütiges Featurette zum Thema „Dynamation“:

http://www.kochmedia-film.de/blu-ray/details/view/film/sindbad_und_das_auge_des_tigers_blu_ray/

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Survival

Salzige Krusten

aus Blut und Tränen

meiner Seele

wettergegerbt

ließen mich oft stöhnen

unter den Lasten des Lebens.

Glühendes Stahl

gebohrt in das weiche, offene, warme Herz.

Es ist genug,

ich bin roh und müde geworden,

das Leben hat mich oft genug seine Peitsche spüren lassen

unter den Augen so vieler ignoranter Menschen,

die mich so nett und harmlos fanden.

Ist es nicht klar,

dass jeder Mensch sich einmal aufbäumen wird,

sei es nur um

jeden Tag in sein Spiegelbild schauen zu können?

Ist es nicht klar, dass jeder es einmal satt hat, unterschätzt zu werden?

Ich gehe weiter,

in die Schneewüste,

in die Glutprärie,

in die unendliche Einsamkeit.

Mein Leben ist längst ein Überleben geworden.

Selbst im Überleben finden sich Wunder in der Natur,

aber Menschliches ist mir zuwider und Tiere zu fremd.

Ich überlebe mein Leben so lange es geht.

Die Lügen der Liebe habe ich abgestriffen,

ich gehe… gehe… bis ich eines Tages sterben werde.

Nicht ohne ein Lächeln hier und da, aber mir bewusst,

das viele Versprechen hier nur Seifenblasen sind.

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Inspector Lestrade – Fall 6 – Vier Schläge am Mittag

Ein Mann wird auf unvorstellbar brutale Weise im Glockenturm des Westminster Palace ermordet. Lestrade und Dash finden neben der Leiche zudem einen merkwürdigen Versuchsaufbau, den sie sich nicht erklären können. Der Nebel lichtet sich erst, als die Beamten die Identität des Opfers herausfinden können: Es ist der bekannte Wissenschaftler Westbrook. Zu Lebzeiten hatte dieser behauptet, eine Möglichkeit gefunden zu haben, die Zeit zu manipulieren. Hat der feige Mord etwas mit dieser Behauptung zu tun?

Die Umgewöhnung vom „Maritim“ – Volker Brandt – Lestrade zum „Highscore Music“ – Lutz Harder – Lestrade fiel mir einst, bei Erscheinen der ersten „neuen Fälle“ von „Sherlock Holmes“ schwer. Brandts Stimme gefiel mir einfach besser und tut es in gewisser Weise heute noch. Seine Stimme hat Hollywood – Flair, ist voluminöser, geschmeidiger.

Dennoch hat es Lutz Harder geschafft, einen authentischen Lestrade abzugeben. So echt, dass er mir in der „Inspector Lestrade“ – Reihe von Allscore, zusammen mit seinem Team, vertraut geworden ist. Man unterschätze nie das vertraut gewordene! Vor Allem nicht in einer Hörspiel – Reihe! Stimmen, die regelmässig zu Gast in den eigenen vier Wänden sind, fühlen sich schnell so an, wie gute Bekannte oder gar Freunde.

Ich habe mich von daher durchaus angefreundet mit Lutz Harder´s Inspector Lestrade, mit Michael Pink´s Inspector Dash , mit Hawksley, gesprochen von einer meiner Lieblingsstimmen: der von Bodo Wolf. Dann wären da noch Dr. Thomas Lovell, der von Jörg Henglstler gesprochen wird. Großartig besetzt! Oder Rigby, der die freundliche Stimme von Heiko Akrap erhielt.

Das ich mich mit dem Polizei-Team rund um Lestrade angefreundet habe, wurde mir nie so klar, wie bei dem aktuellen Fall, „Vier Schläge am Mittag“. Gut, okay, zugegeben: Der obligatorische Mord in diesem Fall, den Andreas Masuth geschrieben hat, ist auch wieder mal nicht von schlechten Eltern. Ich bin kein Liebhaber von brutalen Morden und wenn schmatzende Geräusche deutlich machen sollen, in welchem Zustand sich die Leiche befindet, höre ich nicht hin, sondern weg.

Dennoch ist dieser Fall mein bisheriger Lieblingsfall der Reihe. Das liegt nicht zuletzt daran, dass ich H.G. Wells mag, das ich letztes Jahre in Oxford war und das ich das Motiv dieses Mal so gelungen und ausgefallen finde, wie lange keines mehr. Der Fall bleibt von Anfang an spannend und wird auch nicht langweilig. Wenn dann, gegen Ende, Eckart Dux in einer schönen Nebenrolle auftaucht, freue ich mich einfach nur extra.

Ich verrate nichts über den Fall, denn dieses Hörspiel, das sollte sich wirklich jeder selbst anhören, der etwas mit „Sherlock Holmes“ oder „viktorianischen Krimis“ anfangen kann. Nur eine Frage ist mir bis zum Schluß unklar geblieben. Es ist eine Nebensache und hat damit zu tun, wie… ach, ich darf es ja nichts verraten. Na gut. Ich schweige.

Ein toller Fall, für mich bisher der beste der Reihe!

Ab 26.07.2019 hier zu erwerben:

https://www.romantruhe.de/serien/krimi-und-thriller/inspector-lestrade-ein-fall-fuer-scotland-yard/inspector-lestrade-cd-6-vier-schlaege-am-mittag-17098

https://www.amazon.de/Schl%C3%A4ge-Mittag-Folge-Inspector-Lestrade/dp/3864734029/ref=sr_1_1?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&keywords=inspector+lestrade+6&qid=1563987942&s=gateway&sr=8-1

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Sindbads gefährliche Abenteuer (1973) auf Blu-Ray!

Die „Sindbad“ – Verfilmungen verfolgte ich schon als junger Jugendlicher mit Begeisterung. Da war zunächst einmal „Sindbads siebente Reise“, ein Film aus dem Jahre 1958, in dem der Special Effects – Künstler Ray Harryhausen durch seine großartigen Stop-Motion-Trickeffekte eine ganze Reihe von phantastischen Kreaturen zauberte, gegen die Sindbad, damals gespielt von Kerwin Mathews (1926 – 2007), zu kämpfen hatte. Unvergessen: Das kämpfende Skelett.

Sindbads gefährliche Abenteuer“ (The golden voyage of Sinbad),  von 1973, war der zweite Sindbad – Film, der mit Hilfe von Ray Harryhausen zum Leben erweckt wurde. Die Produktionskosten für diesen Fantasy-Mythos beliefen sich auf „nur“ 1 Million Dollar. Die Arbeit an den Trickeffekten dauerte mehrere Monate.

Am Anfang der Handlung begegnet Sindbads Crew einem fliegenden Homunculus, der ein Teil eines runden Geschmeides auf Deck fallen lässt, nachdem man versuchte ihn – für einen Vogel haltend – mit Pfeil und Bogen abzuschießen. Besonders Rachid, gespielt von Martin Shaw, hält es für keine gute Idee, dieses goldene „Teil“ zu behalten. Er glaubt, dass dies das Schiff in Unglück stürzen würde. In der Tat wirkt es auch zunächst so, als das Schiff in der folgenden Nacht, in der Sinbad von vielsagenden Alpträumen gepeinigt wird, in einen wilden Sturm gerät. Durch den Sturm an Land gedrängt, finden sie sich in Marabia wieder. Dort begegnet Sindbad dem schwarz-magischen Prinzen Koura, für den das Geschmeide eigentlich gedacht war. Er will es Sindbad entreißen, doch die Soldaten des Groswesirs stehen ihm zur Seite. Koura (Tom Baker) schafft es nur zu fliehen, indem er mittels Zauberkraft die Stadttore schließt, wobei er aber altert, denn jeder schwarz-magische Zauber fordert Lebensenergie.

Es kommt zu einem Gespräch zwischen dem Großvesir und Sinbad, an dessen Ende die Mission Sindbads klar ist: Die Insel Lemuria zu finden, um dort, vom magischen „Brunnen des Schicksals“ drei wunderbare Geschenke zu erhalten: Ewige Jugend, ein unsichtbar machendes Schild und eine Krone von unermesslichem Wert! Für die Suche unerlässlich ist u.a. jenes Geschmeide, aber es müssen noch die übrigen Teile des Kreises gefunden werde, um zu wissen, wo Lemuria eigentlich liegt!

(c) Columbia Pictures (c) Koch-Media

Dieser Film ist inhaltlich anspruchsvoller als sein „Vorgänger“ und: Ray Harryhausens special effects sind wieder sehr beeindruckend!

Dies ist ein durch und durch spannender Film, der nun, Koch – Media sei Dank, auf Blu-Ray vorliegt, in einer gestochen scharfen Qualität. Die Blu-Ray steckt in seiner Plastikverpackung zusätzlich in einem hübschen Pappschuber, der dem kleinen Meisterwerk gerecht wird.

Interessant noch zu erwähnen ist, dass Tom Baker, der den Zauberer Koura spielt, später auch Dr. Who und Sherlock Holmes darstellen sollte. Koura sollte eigentlich von Christopher Lee gespielt werden. Martin Shaw (*1945), der den „Rachid“ darstellt, mag durch seine Rolle als „Doyle“ in „Die Profis“ und als Henry Baskerville in der „Hund von Baskerville“ – Verfilmung mit Ian Richardson bekannt sein. Auch Douglas Wilmer (1920 – 2016), ein großartiger Sherlock Holmes Darsteller, ist mit von der Partie: Als Visier darselbst. Immer wieder erstaunlich, wie sich in solchen Kultfilmen Kult-Darsteller finden! Die wunderschöne Caroline Munro (*1949) spielt die weibliche Hauptrolle, Margiana, die Sindbad zunächst nur in seinen Träumen erscheint…

Nicht sehen, aber hören, kann man einen anderen Star der Branche: Den Filmkomponisten Miklos Rozsa (1907 – 1995), der schon für „Ben Hur“, „Quo Vadis“, „King of Kings“ und „Ivanhoe“ die unvergessliche, beeindruckende Musik schuf. Hier begleiten seine eingängigen Klänge Sindbads größtes Abenteuer.

Auf der Blu-Ray mit dabei sind diverse Extras:

  • Filmdokumentation
  • Trailer
  • Bildergalarie mit seltenem Werbematerial

Die Blu-Ray ist u.a. hier erhältlich:

http://www.kochmedia-film.de/blu-ray/details/view/film/sindbads_gefaehrliche_abenteuer_the_golden_voyage_of_sinbad_blu_ray/

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Affenspiele der Liebe

Als junger Mann sah ich
in vielen Frauen,
die mit funkelnden Augen
und langen Haaren
auf hohen Hacken
an mir vorbei stolzierten
die Eine, die Prinzessin,
die ich erobern muss.

Nicht mehr ganz jung
sehe ich heute die Herzen
hinter den groß geschminkten Augen,
dem Lippgloss und den wallenden,
hochgesteckten Haaren.

Gelassener kann ich nun beobachten
wie die Frauen sich in Schale werfen
und die Männer sich wie Affen zum Clown machen,
nur um endlich „erhöhrt“ zu werden.

Ich beobachte die Machtspiele,
in denen schon früh das Elend
des Untergangs festgelegt wird.

Ich erkenne noch etwas anderes:
Das mein Herz fest und aufrichtig daran glaubt,
dass Du, die Du auch in die Herzen sehen kannst,
die Du – wie schön Du auch sein magst – ein wenig
über den affigen Spielereien stehst, so dass  so ein Spiel
Spaß macht und die tiefste Befriedigung darin erwächst,
Hand in Hand dem Leben zu trotzen
und es zu genießen,
weil wir sind wie wir sind und es nicht mehr nötig haben
zu zeigen, wer wir nie waren.

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Oma – im Gedenken an

Sei ganz still, setze dich.

Dein Blick ist wie ein Sonnenstrahl.

So ist es gut.

Deine Worte machen mich ruhig.

Hier hast du ein Stück Apfel.

Hier darf ich einfach sein.

Nein, du bist gut so wie du bist.

Du erwartest nichts.

Ja, mache ruhig Musik.

Am Klavier verliere ich mich.

Lass uns Mensch-ärgere-dich-nicht spielen!

Au ja!

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Zu spät! Ein Gedicht

Ein gelber Schmetterling

umkreist bunte Blumen,

bezaubert den Anblick

der alten Leute.

 

Die Jugend ist wie ein gepflückter Strauß Rosen.

So wunderschön und doch schon am sterben.

Es gab sie, die Menschen, die rechtzeitig zugriffen,

wenn der Hauch des Glücks wie ein Bienenschwarm an ihnen vorbei flog.

 

Sie schmissen sich in das Leben

wie ein Trunkener in die Wellen

und wie bei Narren üblich, so war es auch nicht an ihnen

daran zugrunde zu gehen.

 

Ich sehe sie vor mir:

Lachende, dicke Frauen und Männer,

die sich in die Wellen schmeißen,

rücklings.

 

„Hey, komm doch auch in die Wellen!“

 

Ich will nicht sagen,

dass ich es nie gewagt hätte,

den Strand wenigstens einen Fuß lang zu verabschieden…

Ich will nicht sagen,

dass ich nie gerne eingetaucht wäre in die Fluten des überschäumenden Lebens,

ohne es je zu tun…

 

So wie manche so reden, muss es ein tolles Ding sein.

Sie reden von Mädchen, den roten, blonden, braunen, schwarzen

und wie sie geküsst hätten

während ich am Rand stand und zusah,

neidisch und hungrig.

 

Das ist der Unterschied: Sie gingen frech in das Leben hinein,

„wo steht das Klavier“,

ich zögerte – und bekam eine Ohrfeige von ihr und vom Leben und überhaupt.

Meine Lektion blieb

das es schmerzt zu leben.

„Tut es auch“, rufen da die Dicken von den Wellen her.

 

Ich verstehe zu spät.

 

Und der Schmetterling, der lag auf dem Boden

als ich abends heimkehrte.

Ich überlegte, ihn mitzunehmen

für das Album…

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Der Junge und die Frau

 

Die dunkelhäutige Frau saß neben dem dunkelhäutigen Jungen auf einer Bank in der Straßenbahn. Ihre in Furchen gelegte Stirn sprach von kühler Betrübnis, von enttäuschter Ernüchterung, von zerstörten Träumen. Jeder Atemzug erinnerte sie quälend daran, zu leben. Jeder Herzschlag ihres warmen Herzens war wie der Hammer eines Schmiedes, der irgendetwas furchtbares schmiedete, um sie von innen heraus zu martern.

Sie war hübsch anzusehen. Ordentlich gebügelte, farbenfrohe Wäsche, die akkurat ihren Körper umhüllte und den Eindruck vermittelte, sie sei perfekt. Auch der Junge wirkte so. Seine lustige Mütze, die Augen trug, was so aussah als hätte er irgendwie einen zweiten Kopf, das fröhliche orangene T-Shirt, die kurzen blauen Hosen, das alles wirkte so normal.

Wären da auch fröhliche Augen gewesen. Seine Augen waren matt. Sein Körper mochte noch so jung sein – und er war sicher nicht älter als 9 – aber seine Augen wirkte wie die eines alten Mannes, so müde des immer wieder kehrenden schlechten Lebens. Täglich packte seine Mutter ihn unerwartet am Ohr, drehte es, geschickt so, dass es niemand sehen konnte, es „unter ihnen blieb“ und unendlich schmerzte. Dann zischelte sie fiese Gemeinheiten in sein kleines Ohr, direkt in seine müde Seele.

Die Ursache mochte ein verspäteter Zug, eine sauer gewordene Milch oder ein auf dem Boden zerscheltes, alter Senfglas sein, welches sie als Trinkglas verwendeten. Selbst wenn er einen Tag lang keinen Fehler beging und auch der Tag seine Mutter wie geschmiert lief, fiel es ihr oft ein, ihm dennoch all ihre Kälte und ihre Abscheu zu zeigen. Jeden Tag fühlte er sich schuldiger.

Seine Augen fielen, vom regelmässigen Rattern der Bahn, von der schwülen Hitze und seiner unendlichen Müdigkeit, zu. Nur einen Moment, sagte er sich. Sie wird es sowieso nicht merken. In der Tat igrnorierte sie ihn die ganze Zeit und wenn ihre Hautfarbe sie nicht unzertrennlich verbunden hätte, dann hätte man meinen können, dass sie gar nichts miteinander zu tun hatten.

Er sah seine Mutter und sich auf einer grünen Wiese. Sie lachte und legte sich auf eine ausgebreitete Decke, auf der sie auch Wassermelonen, Äpfel, Kiwi und Datteln gelegt hatte. In einem Gefäss voller geschlagenem Eis lagen mehrere Dosen Limonade. Er erinnerte sich an seinen Vater. So stattlich sah er aus. In allem was sein Vater und seine Mutter taten, spürte er die Liebe seiner Eltern. Der Vater spielte ihm den Ball zu. „Los, nimm ihn auf! Ja, genau so!“ rief er.

Gewitterwolken zogen über die grüne Wiese.

Seine Mutter stand am Küchenfenster, welches von träge dahin fließenden Regentropfen gesprenkelt war. Es donnerte. Seine Mutter hielt einen Brief in ihrer Hand und weinte.

„Jeden Tag, wenn ich dich sehe, erinnerst du mich an deinen Vater!“ spie sie ihm einmal ins Ohr. Es war kein liebevoller Gedanke, es war ein Vorwurf, der schwerer wiegen sollte, schwerer als Blei. Und er war schwer.

Das konnte man dem Jungen nun auch gut ansehen, wie er da mit gesenktem Haupt und geschlossenen Augen müde auf dem Sitz saß. Doch wo war seine Mutter geblieben? Da kam sie von der Tür her und stieß mit ihrer Faust gegen seine Schulter. Kein Wort, nur ein strafender Blick, weil er seinem Vater ja so ähnlich war.

Mutter und Sohn strömten mit einer Masse von Menschen hinaus in die anonyme Stadt, in der es stets zu laut war, um ein leises Kinderweinen zu hören.

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