Apollo 13 – Ein Drama mit „Happy End“

von Matthias Wieprecht

(Dieser Artikel erschien ursprünglich im Fedcon Insider, dem internen Magazin aller Fedcon – Besucher. Siehe auch Fedcon.de. Mein Ziel war es, ein möglichst umfassendes, allen verständliches Bild der damaligen Ereignisse zu vermitteln. Dabei merkte ich schnell, dass ich selbst noch sehr viel zu lernen habe. Trotz aller Fehler, die diesem Unfall vorausgingen, bleiben die Pioniere der Raumfahrt in Ost und West für mich Helden. Wahre Helden.)

Apollo 13 – Ein Drama mit „Happy End“

von Matthias Wieprecht

Wissen Sie, was Triskaidekaphobie ist? Das ist die Angst vor der Zahl 13. Es gibt Menschen, die die „13“ meiden wie die Pest. In Hochhäusern „fehlt“ manchmal die 13. Etage, auf Schiffen wird das 13. Stockwerk ausgelassen, bei der „Formel 1“ wird die 13 bei der Nummerierung des Fahrzeuge ausgelassen, Napoleon führte an keinem 13. eine Schlacht an, Bismarck unterzeichnete nie an einem 13. einen Vertrag und bei der Numerierung von Flugzeug-Gates wird auch mal die 13 ausgelassen.

Grundlos, möchte man meinen, haben so viele Menschen auf unserer ach so zivilisierten Welt Angst vor der Zahl „13“. Na gut, die Leute vom „Fedcon Insider“ eher weniger und auch Sie, die Leser nicht, denn Sie lesen sie ja gerade: Ausgabe Nr. 13!

Warum ist die „13“ eine Unglückszahl? Der Ursprung für „des Teufels Dutzend“, wie die 13 auch mannchmal genannt wird, liegt im Christentum begründet. Genauer: Im Abendmahl, wo Judas, der „13.“ am Tisch, ja nunmal den Verräter gab und Jesus ans Kreuz brachte. Seither gilt die 13 als Zahl für zu erwartendes Unglück. „Faszinierend“, würde Spock sagen und er hätte Recht.

Als Jim Lovell erfuhr, dass er als Kommandant mit der Apollo XIII zum Mond fliegen sollte, hatte er anderes im Sinn als abergläubische Vorausahnungen. Er war einfach glücklich, ausgewählt worden zu sein. Das Management der NASA hatte entschieden, Astronaut Alan Shepard – der eigentlich für die „Apollo 13“ eingeteilt worden war – mehr Vorbereitungszeit für seinen Flug ins All zu geben., da er durch eine Ohr-Operation für eine Weile ausgefallen war. Lovell durfte daher nicht erst mit der „14“, sondern schon mit der „13“ fliegen.

Lovell hatte schon eine Menge Erfahrung im Weltall. Als Pilot der Gemini 7 hatte er mit Frank Borman einen Rekord von 14 Tagen im Weltall aufgestellt. Während des Gemini 12 – Flugs (dem letzten der Gemini-Reihe) war er Kommandant. Ihm zur Seite stand damals niemand geringeres als Edwin „Buzz“ Aldrin, der zweite Mensch auf dem Mond. Schließlich kam Lovell während des Apollo 8 Flugs dem Mond sehr nahe als er, gemeinsam mit Frank Borman und William Anders, am 24. Dezember 1968 – erstmals für die Menschheit – dessen Umlaufbahn erreichte und sie über Funk aus der „Genesis“ des Alten Testaments vorlasen.

Vor dem Apollo 13-Flug bereiteten sich Ken Mattingly, der als Pilot für die Kommandokapsel eingeteilt worden war und Fred Haise, Pilot der Landekapsel, für den Flug vor. Beim Training gab es auch eine Ersatzmanschaft. Diese sah unter Anderem Charles Duke als Ersatz für den Piloten des Landemoduls vor. Nur fünf Tage vor dem Starttermin bekam Duke Röteln, gegen die Mattingly nicht imun war. Um sicher zu gehen, dass Mattingly sich nicht bei Duke angesteckt hatte, schied er aus dem Team aus. Nur 72 Stunden vor dem Start wurde John Leonard „Jack“ Swigert als Steuermann für die Komandokapsel festgelegt. Mattingly bekam nie die Röteln.

Nur zwei Jahre vor dem Start der Apollo 13 – nämlich 1968 – kam Stanley Kurbricks „2001 – a Space Odyssey“ in die Kinos. Viele haben sicher daran gedacht als man erfuhr, dass das Kommandomodul, also das eigentliche Raumschiff der Mission, „Odyssey“ genannt wurde. Anspielen sollte dieser Name allerdings eher an Homers „Odyssee“. Das Landemodul (LEM = Lunar Excursion Module = Landefähre) erhielt den Namen „Aquarius“ (nach dem Sternbild des Wassermanns).

Das Abzeichen der Apollo XIII – Mission ist vielleicht das Schönste von allen. Es zeigt Apollo, der seine Pferde antreibt und dabei die Sonne mit sich führt. Weit hinter ihm hat er die Erde gelassen. Jim Lovell – in einem Interview mit Glen Sanson: „Warum (unsere) Namen (auf das Abzeichen) setzen? Wir entschieden uns, unsere Namen zu löschen und dafür in Latein „Ex Luna, Scientia“ oder „Zum Mond, Wissenschaft“ (auf das Abzeichen zu setzen).“

In der Tat sollte die „Apollo 13“- Mission die erste Mission sein, bei der es um die wissenschaftliche, u.a. geologische Auswertung geht als einfach nur darum „auf dem Mond“ zu sein. So wählte man einen unbekannten Bereich auf dem Mond aus, den Fra Mauro – Krater, benannt nach dem Mönchen und Kartografen Fra Mauro, der einen Durchmesser von 95 Kilometern mißt.

Am 11. April 1970 startete die „Apollo 13“ und zwar, wie sollte es anders sein, um 13:13 Uhr Militärzeit. Jim Lovell: „Die Faszination daran, in den Weltraum zu gehen, existierte hunderte von Jahren, doch wie wir diese Dinge tun und damit erfolgreich sind, beginnen die Leute sich zu langweilen.“ Tatsächlich erlangte der Flug, der die dritte Mondlandung innerhalb von neun Monaten zeigen sollte, kein mediales Aufsehen. Dies sollte sich bald ändern.

Ausgerechnet am 13. April, nach 55 Stunden und 54 Minuten Flug, in einer Entfernung von 300.000 km zur Erde, gab es eine hörbare Explosion an Bord, die zunächst niemand erklären konnte. Swigert erinnert sich: „Das deutlichste Geräusch, dass ich hörte und das mir sagte, dass etwas Schlimmes vorging, war wie das Zerquetschen einer Dose, ein metallenes Knirschen im Tunnel.“ Swigert checkte seine Kontrollen und entdeckte, dass der „main B bus“, eine von zwei Stromsammelschienen, die die Energie für die Kommandokapsellieferten, ausgefallen war. Lovell erklärte der Bodenstation: „Wir hatten da gerade ein Problem!“ und während seine Stimme recht gefasst klang, war sein Puls von 70 auf 130 Schläge angestiegen. Zuerst dachte er, sie seien von einem Meteor getroffen worden.

Was war geschehen?

(c) Universal

Das Servicemodul beinhaltete vier Sauerstofftanks, die weit mehr liefern sollten als bloß Sauerstoff. Jeffrey Kluger und Jim Lovell beschreiben dies in ihrem Roman „Apollo 13“: „Das eigentliche technische Wunderwerk kam erst zum Tragen, wenn Sauerstoff und Wasserstoff aus den superkalten Tanks ausströmte. Die Tanks nämlich waren mit drei Brennstoffzellen verbunden, die wiederum mit drei als Katalysatoren wirkenden Platin-Elektroden verbunden waren. Sobald die Gase in die Zellen strömten (…) kam es zu einer chemischen Reaktion, bei der drei Abfallprodukte entstanden: Strom, Wasser und Wärme.“

Nun zeichnete die Firma North American Aviation für den Bau des gesamten ursprünglichen Servicemoduls verantwortlich, doch hatte sie den Bau der Sauerstofftanks weiter an die Firma Beechcraft gegeben. Der Thermostatschalter der Sauerstofftanks war ursprünglich auf 28 Volt Gleichspannung ausgerichtet. Als die NASA 1965 die Vorgaben für die Sauerstofftanks dahingehend änderte, dass sie für 65 Volt ausgerichtet waren, vergaß Beechcraft, auch den Thermostatschalter der Tanks auf 65 Volt auszulegen! Niemand bemerkte dieses Versäumnis. Der Thermostatschalter war dafür da, alles abzuschalten, falls es zu heiß wird. Bis zur Apollo 13 – Mission war es nie zu einer Überhitzung gekommen, weswegen dies nie aufgefallen war.

Dann war da noch der Sauerstoffbehälter Nr. 2. Eigentlich war er einmal in der Apollo 10 eingebaut worden, wurde jedoch damals – für eine Modifikation – ausgebaut, fiel dabei zu Boden und erlitt einen Schaden. Er wurde beiseite gestellt, um repariert zu werden und Apollo 10 bekam einen neuen zweiten Tank. Als es soweit war, testete man den „Apollo 10“-Sauerstoffbehälter. Er funktionierte an sich, doch zeigten sich Probleme beim Entleeren es Tanks, die jedoch niemand – einschließlich der Crew – all zu ernst nahm. Hätte man sich dafür entschieden, Tank Nr. 2 gegen einen neuen einzuwechseln, hätte das Apollo 13 einige Monate gekostet.

Nachdem der Sauerstofftank 2 routinemäßig aktiviert worden war, zeigte er eine Füllstandshöhe von über 100% an. Gab es Probleme mit dem Füllstand, ging man davon aus, dass das kryogene Sauerstoff (teils gasförmig, teils flüssig) durchgerührt werden musste. Obwohl dies geschah, änderte sich nichts am Füllstand.

Als Jack Swigert etwa 55 Stunden später den Sauerstofftank erneut in Gang setzte, kam es zum Kurzschluß: Da das Mischen des Sauerstofftanks Nr. 2 während des Flug länger als gewöhnlich gedauert hatte, wurden die Brennstoffzellen zu heiß und der Thermostatschalter, der nicht auf 65 Volt ausgelegt war, wurde aktiviert und schmorte durch. Da es nun keine „Notabschaltung“ mehr gab, wurden ca. 500 Grad Fahrenheit (ca. 260 Grad Celsius) erreicht! In der Sauerstoffatmosphäre breitete sich nun sehr schnell ein Feuer aus, bis die dünnen Wände des Servicemoduls dem Druck nicht mehr stand halten konnten und es zur Explosion kam.

Seymour „Sy“ Abraham Liebergot, der als EECOM (Electrical, Environmental and Consumables Manager) tätig war, konnte nicht glauben, was ihm seine Anzeigen sagten. Sy Liebergot: „Wenn ich glauben sollte, was mir die Anzeigen sagten, hatte ich Sauerstofftank 2 vollkommen verloren, ich verlor Sauerstofftank 1 und zwei oder drei Stromversorgungssysteme.“

Lovell sah aus dem Fenster und entdeckte, das etwas austrat: Sauerstoff! Würde der Sauerstoff ausgehen (als ob das nicht schlim genug wäre), gäbe es bald auch keinen Strom mehr, da die Elektrizität mit Sauerstoff erzeugt wurde. Ohne Strom hätte es auch keine Steuerung mehr gegeben. Damit stand die Zukunft der Besatzung auf Messers Schneide, denn realistisch gesehen hatten sie eine Chance von höchstens 10 Prozent (wie an in NASA-Kreisen munkelte) wieder lebend zurück zur Erde zurückzukehren.

Es war Zeit dafür, dass Unlösbare zu lösen. Oder wie sagte es doch der leitende Flugdirektor, Gene Kranz? „Failure is not an option!“ Versagen oder das Aufgeben war keine Alternative, die er und sein Team in Betracht ziehen wollten. Die Herangehensweise von Kranz und seinen Leuten war höchst profesionell, ihre Fähigkeiten vielseitig: Kreativität, die Fähigkeit zur Zusammenarbeit, die Fähigkeit, in einer schwierigen Situation die Ruhe zu bewahren und diszipliniert sowie mit know how an einem Ziel zu arbeiten.

Man entschied sich, die Mission als solche abzubrechen und das Raumschiff per „swing by“-Manöver die Gravitation des Mondes ausnutzen zu lassen, um wieder in Richtung Erde zu fliegen. Durch dieses Mannöver wurde mehr Strom gespart als wenn man versucht hätte, direkt die Erde anzusteuern.

Zwei Stunden nach der Explosion schaltete die Crew das Kommandoschiff ab, um Strom zu sparen und retten sich in die Landefähre, Aquarius. Die Aquarius war mit einem eigenen Strom- und Sauerstoffsystem versehen, welches zwei Menschen für zwei Tage versorgen konnte. Nun beherbergte das „Rettungsboot“ drei Menschen und wäre etwa vier Tage unterwegs. Um die Luft zu filtern, dachten sich Kranz´Mitarbeiter aus, wie die Crew der Aquarius mit vorhandenen Mitteln – u.a. eine Socke und Klebeband – einen Luftfilter bauen konnten und funkten diese Bauanleitung der Besatzung zu. Kaum hatten sie den Filter installiert, sank der CO2 – Gehalt in der Kapsel. Lovell, Haise und Swigert waren dem Überleben gerade um einiges näher gekommen.

Die Frage war nun, wie – und ob – man das Kommandomodul vor dem Wiedereintritt in die Erdatmosphäre mit möglichst wenig Energie wieder zum Laufen bringen konnte. An Bord der Aquarius herrschten Temperaturen wie im Kühlschrank, selbst die Astronautennahrung war gefroren und Fred Haise dehydrierte und bekam hohes Fieber.

Nach etwa zweieinhalb Tagen trennten sie sich vom Servicemodul und sahen erstmals das beeindruckende Loch, welches die Explosion verursacht hatte und wie nahe sie dem sicheren Tod gewesen waren.

Nur eine Stunde vor dem Eintritt wechselten die Astronauten von der Aquarius, die eigentlich auf dem Mond hätte landen sollen und von der sie sich anschließend etwas wehmütig verabschiedeten, in die Kommandokapsel. Niemand wusste, ob sie intakt war: Würde das Hitzeschild halten oder war es, durch die Explosion oder Frost beschädigt worden sein? Hatte die elektrischen Bestandteile durch Feuchtigkeit einen Schalden erlitten oder würde alles halten und funktionieren wie geplant? Zum wiederholten Male stand das Leben der Astronauten in Gefahr, ein frühes Ende zu finden. Die Auswirkungen, die so ein dramatisches Ende, auf das Apollo – Programm gehabt hätte, kann man sich vorstellen. Es hätte ein tragisches und jähes Ende gefunden – oder wäre zumindest noch mehr gekürzt worden als dies später der Fall war.

Üblicherweise dauert die Eintrittsphase, in der die Astronauten nicht über Funk erreichbar sind, drei Minuten. Diese 180 Sekunden verstrichen furchtbar langsam, nachdem die Landekapsel in die Atosphäre eintrat und deren Hitzeschild mehrere tausend Grad Celsius aushalten musste. Als die vierte Minute anbrach und noch immer nichts zu hören war, hielten nicht nur die Nasa-Mitarbeiter im Kommandozentrum den Atem an. Gene Kranz: „Ich denke, während der Zeit musste ich doch hart schlucken, weil ich an all die gefällten, lebenswichtigen Entscheidungen dachte. Ich hatte Angst, dass wir doch etwas übersehen hätten.“ Es hatte einen guten Grund, dass die Landekapsel länger brauchte als üblicherweise: Normalerweise hätte sie Mondgestein an Bord gehabt und wäre dadurch schneller durch die Atmosphäre gerumpelt. Als sie endlich an den Hauptfallschirmen durch die Wolkendecke brach, gab es endlich Gewissheit: Apollo XIII legte eine „geglückte Notlandung“ hin!

Wir können heute nur erraten, welche Erleichterung sich im folgenden Applaus in der Komandozentrale, in den Familien der Astronauten und in den Herzen vieler Menschen in der ganzen Welt, Luft machte. Die Besatzung der Apollo XIII kehrte lebend heim – und war in wenigen Augenblicken zu weltweiten Helden geworden!

Vielleicht ist die 13 gar keine Pechzahl, sondern eine Glückszahl, denn gerade bei dieser Mission waren so viele richtige Leute an richtigen Orten um das richtige zu tun. Jim Lovell sagte einmal, er habe aus dieser Geschichte eine gewisse Gelassenheit mitgenommen, da er seither jeden Tag als Geschenk betrachtet.

Wenn Sie also, lieber Leser, bei der Zahl „13“ ängstlich werden, da Sie vermuten, es könne etwas Schlimmes passieren, denken Sie an die Apollo 13, deren Unfall vielen Menschen die Möglichkeit gab zu beweisen, dass das schier Unglaubliche möglich ist.

Am 11. April 2015 ist der Start der Apollo XIII genau 45 Jahre her.

Quellennachweis:

‚Why put names on it?‘ We decided to eliminate the names and instead put in the Latin ‚Ex Luna, Scientia‘ or ‚From the Moon, Knowledge.‘ (Jim Lovell, from an interview with Glen Swanson published in the Spring 1995 issue of Quest, The History of Spaceflight Magazine).

„Ex-Astronaut Jim Lovell Back In Spotlight, Like Space Program — Speaks In Seattle, Urges Nation To Keep Exploring Final Frontier“ by Janet I-Chin Tu, Seattle Times Staff Reporter

Apollo XIII (Bonus DVD zum Film mit Tom Hanks)

Apollo 13 (Roman zum Film von Jim Lovell und J. Kluger)

Wikipedia.de

„Apollo 13 – Die wahre Geschichte“ (Film – Dokumentation)

https://www.hq.nasa.gov/alsj/a13/a13.summary.html

„Apollo 13“ von J. Kluger und Jim Lovell

weiterführene LInks:

http://www.apolloeecom.com/

(Liebergots website)Electrical, Environmental and Consumables Manager

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Kurznachricht: Christian Rode und Peter Groeger

Als ich gestern erfuhr, dass Christian Rode gestorben ist, nur etwa einen Monat nach Peter Groeger, erfasste mich – während meiner Arbeit – eine Welle von Traurigkeit.

Es gibt immer noch Menschen, die nicht wissen, wer das war. Oder die sich kaum vorstellen können, was das bedeutet, das sie nun BEIDE gestorben sind!

Ich werde ihre Stimmen als die ultimativen deutschen Sprecher von Sherlock Holmes und Dr. John H. Watson nie vergessen. Im Gegenteil, ich werde mir den gesamten Canon, den sie aufgenommen haben – ja, ALLE Originale von Sir Conan Doyle UND MEHR! – regelmässig anhören.

R:I:P

Peter Groeger
1933 – 2018

und

Christian Rode
1936 – 2018

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Inspector Lestrade – Ein Fall für Scotland Yard – Teil 1/3

Fall 1/3: Der Augenblick des Todes

In den besten Fällen von Sherlock Holmes trifft man häufig auf Inspektor Lestrade. So auch in den „neuen Fällen von Sherlock Holmes“,  jener wunderbaren Hörspiel-Reihe, in denen Christian Rode und der unlängst verstorbene Peter Groeger, Sherlock Holmes und Dr. Watson ihre Stimme geliehen haben.

Der Verlust von Peter Groeger (geboren am 1. Juni 1933 in Gröbzig, gestorben am 16. Januar 2018 in Berlin) wird den Anhängern dieser Reihe noch lange nahe gehen. Groegers Stimme hatte das gewisse Etwas eines wahren „treuen Watson“. Wie sehr seine Freunde und Angehörige ihn vermissen, kann man nur ahnen. Für die Fans von Sherlock Holmes und dieser Hörspiel-Reihe im Speziellen, stand sein „Watson“ in einer Reihe mit Darstellern wie David Burke, Edward Hardwicke oder etwa Nigel Bruce. In seiner Darstellung vereinte er die liebenswerte Art des zuletzt genannten mit der kompetenten der zuerst genannten.

Wir dürfen umso dankbarer dafür sein, dass es noch einige unveröffentlichte Hörspiele der Reihe geben wird. Auch in „Der Augenblick des Todes“ sind Rode und Groeger kurz zu hören. Im Mittelpunkt steht aber natürlich der dieser neuen Serie namens-gebende „Inspector Lestrade“.

Seit Beginn der „neuen Fälle“ bei Romantruhe Audio (siehe auch www.allscore.de) wird dieser bekannte Inspektor von Lutz Harder gesprochen.

Dieses Hörspiel erinnerte mich entfernt an das ein oder andere Hörspiel der Reihe „Die größten Fälle von Scotland Yard“ einerseits, andererseits auch entfernt an die TV-Serie „Ripper Street“. Hier können wir endlich einmal mehr über den Inspektor erfahren, über seinen Arbeitsalltag bei der Londoner Polizei, über seine Kollegen und mehr.

Über Allem steht natürlich ein spannender Fall.

Als man in einem Waschhaus die Leiche einer Frau entdeckt, ahnt Inspector Lestrade noch nicht, dass ihn diese auf die Spur eines gefährlichen Serienmörders bringen wird. Und auch wenn die Opfer willkürlich ausgewählt wurden, ein verstörendes Detail haben sie im Tode doch gemein: Ihre Augen sind schneeweiß. Gemeinsam mit seinem Kollegen Dash macht sich Lestrade auf die Jagd nach einem Mörder, der sich bisher geschickt in den Schatten der Unauffälligkeit ducken konnte. Und der bereits wieder zum Sprung ansetzt, um sein wahnsinniges Ziel zu erreichen…

Mit von der Partie sind, neben Lutz Harder, so bekannte und interessante Sprecher zu hören wie Michael Pink, Udo Schenk, Hartmut Neugebauer, Christian Rode, Peter Groeger, Anke Reitzenstein, Jürgen Thormann, Nicole Hannak, Gerald Paradies, Jörg Hengstler, Helmut Krauss und Tino Kießling.

Mein Gesamteindruck der ersten Folge ist positiv. Es ist ein schönes Hörspiel mit guten Effekten, guten Sprechern und einem interessanten Skript. Vor Allem macht dieses Hörspiel eines: Lust auf mehr!

Hier kann man sich den ersten Teil von „Inspector Lestrade“ bestellen:

https://www.amazon.de/Augenblick-Todes-Folge-1/dp/3864733367/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1518775986&sr=8-1&keywords=inspector+lestrade+1+-+der+augenblick+des+todes

https://www.romantruhe.de/mp3/inspector-lestrade-ein-fall-fuer-scotland-yard/mp3-download-inspector-lestrade-1-der-augenblick-des-todes-16367

(c) Allscore.de (c) Romantruhe Audio

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Königsritterburg von Playmobil

(Königsritterburg mit Erweiterungen)

Ich kenne Playmobil seit seinen Anfängen Ende der 70iger Jahre. Nie habe ich ein so derart durchdachtes Set angetroffen, wie diese Ritterburg. Ich werde gerne erklären, warum das so ist.

Eine übliche, gute Ritterburg benötigt Türme, eine Zugbrücke, Zinnen, vielleicht noch ein Verlies. Sie sollte schon beim Anblick „rüstig“ wirken. Das bietet diese Ritterburg auf jeden Fall. Ursprünglich sind da zwei Türme, aber man kann aus dem Online-Shop noch eine Turm-Erweiterung kaufen (http://www.playmobil.de/turmerweiterung-fuer-koenigsburg-und-falkenritterburg/6373.html). Ja, da kommt einiges an Geld zusammen, was man da aufbringen kann, aber es lohnt sich. Die Türme sind nicht nur „Türme“, sondern sie sehen liebevoll gestaltet aus, drinnen führen Leitern oder Treppen nach oben, wo man die „Falltüren“ schließen kann. Anders als in billigen Burgen (oder älteren) sind hier in dieser Ritterburg ohnehin alle Wege so durch Treppen und Leitern miteinander verbunden, dass man wirklich von A nach B kommt. Dazu später mehr.

Der prunkvolle Eingang (gehalten in gold und blau) kann rücklings verbarrikadiert werden. Es scheint eine Zugbrücke jedoch zu fehlen. An anderer Stelle wird dies aber wieder „gut“ gemacht. Es gibt nämlich auch ein Häuschen in dieser Burg. Dieses Häuschen hat zwei Etagen („Erdgeschoß“ und „1. Etage“. Diese Räume kann man einrichten. Da sich ein Thron dabei befindet (Sitzgelegenheit für den König), bietet es sich an, die obere Etage als Thronsaal zu verwenden. Der Raum ist nicht sehr groß, kann aber mit etwas Fantasie nett eingerichtet werden. Auch hier helfen Sitze, Kerzen etc. aus dem Online-Shop, wenn man will. So kann hier auch ein zusätzlicher Thron für die Königin bestellt werden, den ich im Set etwas vermisst habe. Der König kann sitzen, die Königin nicht… ja, mei. Aber es ist nur ein kleines Manko.

Um zu diesem Thronsaal zu gelangen, muss man natürlich erstmal den Haupteingang passieren. Wenn das nicht geht, kann man auch versuchen, durch die Mauer rechts daneben zu brechen (was möglich ist, denn die Mauer wurde entsprechend konstruiert). Nun gut, gehen wir also im Geiste durch den Haupteingang. Dann die über den Burghof zur steinernen Treppe. Dann gelangen wir zu – Zugbrücke! Denn damit die obligatorische Zugbrücke dieser Burg nicht fehlt, wurde sie intern verwendet. Die Mechanik ist praktisch und anmutig, kann man sagen. Sie aufzubauen (speziell bezüglich des zu verwendenden Fadens) ist etwas kniffelig. Speziell für Kinder, aber – keine Sorge – auch für die Großen 😉

Der Stall – von der Seite bespielbar

Wenn die Zugbrücke heruntergelassen wird, kommt man an der Stelle vorbei, wo die große Kanone steht. Bei mir steht da keine Kanone. Warum? Zwar soll es schon seit 1284 erste primitive Kanonen geben, aber für mich gehören sie eindeutig ins Spätmittelalter – oder zu den Piraten von Playmobil. Aber das kann jeder halten wie er / sie das will.

Vorbei an der Kanone kommt man zum größten Turm, unter dem man nun hindurch gehen muss. Im Weg sein könnte einem hier allerdings ein Fallgitter. Mittels einer sehr einfachen, schön gelösten Mechanik kann man hier ein hübsches Gitter heruntersausen lassen oder auch nicht.

Dieses Fallgitter passiert, kommt man schließlich ins untere Geschoss des Häuschens. Ich habe aus diesem Raum ein „Wach-Zimmer“ gemacht. Hier sitzen die Wachen und würfeln, trinken und bieten die letzte große Hürde auf dem Weg zu König. Von hier aus kann man dann wiederum eine Treppe hoch gehen und kommt zum Thronsaal.

„Thronsaal“ und „Wachstube“ können von hinten bespielt werden. Mit dabei sind u.a. der angesprochene Thron mit König und Königin, ein Tisch mit einer „Urkunde“ auf dem ein interessanter Text in mittelhochdeutsch steht. Dabei handelt es sich um eine Nibelungenstrophe. Es ist interessant, mit wie viel Liebe zum Detail auch hier gearbeitet wurde.

Auf dem Weg zum Thronsaal haben wir schon viele Besonderheiten der Burg kennengelernt, aber das sind nicht alle. Da wäre zum einen das Geheimversteck im Boden der Wachstube. Getarnt mit einem großen Wappen in einem scheinbar steinernen Boden, kann man hier z.B. einen Schatz verstecken – oder auch mal sich selbst. Des Weiteren können in der Wachstube auch Bösewichter ins Verlies geworfen werden. Das Verlies (mit dabei: Ein angekettetes Skelett, sitzend auf einem Heuhaufen) kann man bespielen, indem man einen Teil des Gebirges wegnimmt, auf dem der hintere Teil der Burg aufgebaut wurde. Dieser Teil des Gebirges ist ist durch ein Gitter einsehbar.

Weiter links daneben befindet sich eine Höhle. Ich persönlich habe sie verwendet, um meinem „Merlin“, meinem Hofzauberer einen Unterschlupf zu bieten (Playmobil 9096). Der Fantasie sind hier kaum Grenzen gesetzt. Mein Sohn meinte, der müsse dort auch noch einen kleinen Drachen haben…

Im Hof der Ritterburg kann man auch noch einen Stall für die Pferde finden. Zuerst fand ich es schade, dass dieser Stall nicht zugänglich ist, aber er ist es doch! Mittels eines Zugangs, denn man problemlos öffnen kann, hat man auch volle Kontrolle über alles, was im Stall passieren soll / kann.

Wem der Hof der Ritterburg zu klein ist, kann diese noch erweitern (siehe http://www.playmobil.de/mauererweiterung-fuer-koenigsburg-und-falkenritterburg/6371.html).

Der Aufbau dieser imposanten Ritterburg (samt Erweiterungen) dauerte etwa 3 Stunden. Aber das ist individuell verschieden. Kinder sollten sich Erwachsene zur Hilfe hinzuziehen.

Zwei Dinge machen für mich diese Playmobil Ritterburg zu etwas ganz Besonderem. 1) sie sieht mittelalterlich aus, das ist mir wichtig. Zwar kann man in der „Knights“-Reihe auch Zwerge und Trolle finden, aber ob man lieber das Mittelalter oder Legenden und Mythen nachspielen / erfinden will, ist jedem selbst überlassen. Die Ritterburg ist für beide Spielarten die Richtige. 2) Beim Aufbau und Betrachten der Ritterburg im fertigen Zustand fiel mir auf, wie durchdacht die Burg mit ihren Gängen, Verstecken, Räumen etc. ist. Selbst Erwachsene werden diese Ritterburg mögen, aber Kinder können sich hier mit ihrer Fantasie richtig gehend austoben. Schön gemacht!

Was könnte man noch besser gemacht haben?

An sich gar nichts. Natürlich wäre es schön, wenn da mehr als zwei Räume wären, aber wäre es dann noch eine Burg und wie groß müsste die dann ausfallen, um gut auszusehen?

Wie schon Eingangs erwähnt, halte ich diese Spielzeug-Ritterburg für außerordentlich gelungen und durchdacht.

Die Kosten liegen bei ca. 120 EUR – 169 EUR. Suchen und vergleichen im Internet lohnt sich auf jeden Fall!

Links:

https://www.amazon.de/Playmobil-6000-K%C3%B6nigsburg-der-L%C3%B6wenritter/dp/B00IF1VYEW/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1518360743&sr=8-1&keywords=playmobil+k%C3%B6nigsritterburg

http://www.playmobil.de/koenigsburg-der-loewenritter/6000.html

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Kein Märchen

Mit großen, weiten Augen sah das Kind seinen Vater an. Sie waren die letzten ihrer Art und würden wohl auch nicht mehr lange leben.

„Warum habt ihr damals nichts getan?“ fragte das Kind. „Waren die Zeichen in der Welt nicht deutlich genug?“

Der Vater seufzte tief.

„Wir waren eine Gesellschaft, die von vielen Ablenkungen betäubt war. Das Wesentliche, das Leben selbst, wurde von uns schon lange für den Wert des Geldes eingetauscht. Das war einfach so.“

„Ich hätte gerne die Zeit erlebt als man noch aus den Flüssen trinken konnte.“

„Und ich hätte sie dir gerne gezeigt, diese Flüsse. Sie waren aber schon zu meiner Kindheit voller Gift, Plastik und, kurz, man hätte das Wasser auf jeden Fall abkochen müssen. Naja, ich hätte es auch dann nicht getrunken.“

„Du wolltest mir aber erklären, warum niemand etwas getan hat. Was hat eure Regierung getan, bevor es zum Krieg kam?“

Der Mann musste lachen. Es war ein bitteres Lachen.

„Sie befassten sich damit, eine große Koalition zu bilden.“

„Was meinst du damit?“

„Nun, damals waren viele Parteien in einem ungewöhnlichen Verhältnis zueinander gewählt worden und nun mussten sie sich einigen, wer regieren soll und wie. Dabei wurden sie sich nicht einig.“

„Aber bestimmt haben sie trotzdem gemerkt, dass die Spannungen zwischen den Kriegs-Entscheidern immer größer wurden, oder?“

„Es schien ihnen nichts auszumachen. Der amerikanische Präsident, der so undiplomatisch war wie kaum einer seiner Vorgänger, wenn überhaupt, reizte seine Gegner ständig. Diese Feinde hatten eine eigene, merkwürdige Weise von Macht.“

„Wie in Star Wars?“

„So ähnlich. Wenn Menschen, die von Macht besessen sind die politische Führung übernehmen, ist das sehr gefährlich.“

„Ich sehe es.“ sagte das Kind und blickte traurig über den Leichenteppich in den verstaubten Straßen. Die Häuser waren stehen geblieben, aber die Menschen waren hinweggefegt worden.

„Hat denn niemand begriffen, dass es um das Leben ging?“

„Niemand sah es als echte Bedrohung. Es lag jenseits unserer Vorstellungskraft. Niemandem haben wir den Wahnsinn zugetraut, die erste Rakete zu zünden. Niemandem. Und dann waren wir abgelenkt. Vom Alltag, vom Internet, von faszinierenden Techniken, dutzenden von Fernsehprogrammen und davon zuzusehen, wie unsere Regierung sich formen wollte.“

„Und sonst in der Welt? Niemand hat etwas gesagt oder getan?“

„Der Papst hatte gesagt, dass er wirklich Angst vor einem Krieg hätte. Nicht, dass ich die Kirche so toll fand, aber das ist jetzt auch egal. Er war der einzige an den ich mich erinnern kann. Ach so, Stephen Hawking auch. Irgendwie hörten wir nie auf die klugen, weisen Menschen. Wir lebten so wie die Gorillas im Dschungel. Wer am lautesten brüllen konnte, sich am Besten darstellen konnte, dem wurde zugehört und applaudiert, der wurde gewählt. Es gab Ausnahmen. Aber das waren eben… Ausnahmen.“

Sie schwiegen eine Weile. Dann sah das Kind ein Buch auf dem Boden. Ein Märchenbuch, Staub bedeckt. Sie nahm es, schüttelte den Staub ab und gab es ihrem Vater.

„Wenn du kannst, würdest du mir ein Märchen vorlesen?“

„Jetzt?“

„Papa, wir werden bald tot sein und ich will wenigstens noch einmal so tun als wäre alles wie früher, so normal!“

Der Vater lächelte. Der Gedanke gefiel ihm. Natürlich war es unter seinen Schmerzen und anbetracht des Todes um sie herum unmöglich so zu tun wie früher. Aber es war einen Versuch wert.

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Letzte LETZTE JEDI Gedanken

Eine Geschichte besteht immer aus „Einleitung – Hauptteil – Schluss“. Als J.K. Rowling begann „Harry Potter“ zu schreiben, war sie in Hogwarts im Kopf schon zu Hause und als George Lucas seine Trilogien filmte, wusste er (wenigstens grob) wohin die Reise jeweils geht.

Bei der neuen Trilogie um Star Wars ist das nicht so! Genau das ist auch der Grund dafür, dass LAST JEDI so toll und nicht so toll ist. Beides gleichzeitig.

Rian Johnson konnte zwar adäquat an Episode VII andocken (Luke / Rey z.B.), aber nicht an IX, weil es dafür keine Idee gab! Rian Johnson hatte KEINE AHNUNG, was in Episode IX passieren wird als er sein Skript für Episode VIII schrieb! Es gab offenbar keinen Plot, kein Grundgerüst, wie das bei den anderen SW Trilogien der Fall war.

Was passiert aber, wenn es keinen festgesteckten, übergreifenden Plot gibt? Klar: Das, was passiert wird beliebig und während Autor A mit viel Liebe daran gearbeitet hat, dass der Bösewicht XYZ eingeführt wird, wird Autor B diesen nicht beachten oder töten, weil IHM diese Figur egal ist. Autor C könnte das dann aber wieder ganz anders sehen und alles umwerfen, was A und B geschrieben haben.

In der Folge sind es dann drei Einzelfilme mit mehr oder weniger zufällig den gleichen Figuren. Es ist so als wenn Kinder mit den gleichen Actionfiguren spielen und nur festgelegt ist (mehr oder weniger) wer gut und wer böse ist.

Als „Rian Johnson Einzel-Star Wars – Film“ funktioniert LAST JEDI imo hervorragend! Als Teil einer großen Trilogie jedoch beinahe gar nicht. Es fühlt sich schon jetzt nicht aus einem Guss an. Johnson hat die meisten Handlungsstränge abgearbeitet, es gibt nichts mehr zu erzählen! Dabei sollte das Ende des MITTELTEILS vor Spannung nur so vibrieren! Egal, ob es der beginnende Klonkrieg ist oder die bohrende Frage, wie Luke damit umgeht, das Vader sein Vater ist, während Han Solo von Jabba befreit werden muss.

Das Ende von LAST JEDI ist schön für den Film, aber fragwürdig für die Trilogie. Anders ging es auch gar nicht: Wenn Johnson nicht wusste, was in Episode IX passieren wird, konnte er auch nichts zeigen, was dahin weist! Er konnte nur SEINE Version verfilmen, weil das große Ganze nicht existierte.

Ich kann es nicht fassen, dass man offenbar bei Lucasfilm keinen Plot für die Geschichte geschrieben hat, bevor man daran ging, die Trilogie zu verfilmen, aber natürlich merkt man das nun auch in den Episoden. Das kann man Johnson nicht ankreiden, Abrams auch nicht. Aber sehr wohl Disney und deren Verantwortlichen. Was hat man sich dabei gedacht?

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Warum die Macht in „Last Jedi“ die Macht aus „Empire“ ist…

Das Internet macht manches schwieriger. In den 80iger Jahren kam ein Film in die Kinos, ohne vorher hochgelobt oder niedergemacht zu werden. Es gab keine zig-tausend Blogs (wie diesen hier), sondern vor Allem gab es ein tolles Ereignis: Den Kinobesuch. In einer Zeit zumal, in der es im Fernsehen KINOfilme nicht gab. Die ARD begann irgendwann einmal damit, James Bond – Streifen zu feiern und mit Sat.1 kam dann sogar mal ein Star Wars Film ins heimische Wohnzimmer. Nicht auf Super-8, nicht auf Video, sondern wirklich gesendet von einer Werbeanstalt, entschuldigung, Fernsehanstalt, aber eben mit Werbeunterbrechungen.

Kinofilme hatten damals so etwas wie Territorial-Hoheit. Wer einen Film per se nicht mochte, sah ihn sich nicht an, wer von einem Film enttäuscht wurde, konnte das nur mit dem natürlichen Sozialnetzwerk – seinen Freunden – teilen. Es gab keine „Welle“, keine Aufrufe, den Film zu streichen oder ähnlichen extremen Blödsinn.

Ohne Internet war ein Film nur ein Film. Ein Star Wars Film war etwas mehr als das, aber letztlich auch „nur“ ein Film. Von einem zum anderen Teil vergingen stets an die 2 Jahre!

Wir leben nun aber im Jahre 2017 und jede Schmeißfliege kann ihr Gedankengut verstreuen. Jeder Kinobesucher und sogar Leute, die nie in einem Film waren, können nun in Videos und auf Blogs (wie diesen hier) ihre Meinung kundtun.

Für mich ist das  mit den Blogs ein Segen. Ein Segen für den ich den eben beschriebenen „Fluch“ akzeptieren kann und – seien wir ehrlich – auch muss. Was ich schreibe wird und kann ja auch nicht jedem da draußen gefallen. Soll es auch nicht, denn dann wäre ich meinungs-los.

In letzter Zeit lese ich öfter, George Lucas sei mit der Darstellung der Macht im „letzten Jedi“ sicherlich unzufrieden. Ich denke das nicht. Und wisst ihr auch warum ich das nicht denke? Weil Yoda in Episode V es schon sagt: Die Macht fliest durch alle lebenden Geschöpfe!

Der Fokus der bisherigen Filme lag zwar immer auf den Skywalkers, aber das ändert ja nicht die Natur der Macht! Nur, weil es einen berühmten Autoren gibt, hieße das nicht, er besäße das Recht auf Tinte und nur, weil es einen sehr guten Sänger gibt, gehören ihm nicht Mozarts Arien. Die Macht gehört nicht den Skywalkers, ja, sie gehört nicht mal den Jedis an sich. Diese Aussage wurde nie explizit gesagt, aber auch nie verneint und – sie passt zu Meister Yodas Lehre von der Macht: Sie fließt durch alle lebenden Geschöpfe!

Warum sollte das also George Lucas wütend machen? Er selbst schrieb es Yoda in den Mund, das es so ist.

 

 

 

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Star Wars – Die letzten Jedi – Poster-Kalender von HEYE

Während die bekannten Illustrationen zu „Das Erwachen der Macht“ eher gezeichneter Natur waren, kam zu „Episode VIII“ auch ein schöne Foto-Kalender heraus, der es beinahe auf Poster-Größe bringt.

Ich persönlich konnte Episode VIII erst in  2D  so recht genießen, weil hier das Können von Rian Johnson und seinen Kamera-Leuten so recht zum Ausdruck kam. Wie schön haben sie zum Beispiel das rauhe Inselklima von Ahch To für die Kamera festgehalten!

Ein schöner, großer Kalender zur achten Episode erschien bei HEYE und ist beispielsweise hier….

https://www.amazon.de/Star-Wars-Episode-VIII-Posterkalender/dp/3840156742/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1514492260&sr=8-1&keywords=star+wars+posterkalender+2018

… (noch) für rund 17 EUR zu haben.

Ich füge noch Kostproben der großformatigen Motive (der Kalender hat die Maße 34,4 x 1,2 x 44,6 cm) bei. Mir gefällt der Kalender sehr gut, aber mir gefiel ja auch der Film sehr gut 😉

(c) Disney (c) Lucasfilm

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Drei plus Eine Erfahrung

Heute ist Heiligabend. Genauer: Der 24. Dezember 2017, früh morgens. Naja, so früh auch nicht. Es ist 08:11 Uhr und draußen ist es immer noch recht dunkel, was auch an dem durchweg bedeckten Himmel liegen mag.

Erfahrungen über Texte zu überliefern ist vielleicht sinnlos. Vielmehr erscheint es mir so, dass man selbst die Erfahrungen machen muss. Wäre das anders, würde unsere Welt anders aussehen. Die Kriege der Welt alleine hätten dann ausgereicht, weil genug über das Elend der Kriege weitergegeben wurde, um weitere zu verhindern. Aber es gibt sie immer noch. Auf dem Gebiet sind leider recht beschränkte Männer am Werk, aber das ist ein anderes Thema…

Trotzdem möchte ich hier drei (plus eine) Erfahrungen mit euch teilen.

I.

Die erste Erfahrung ist das „Leben im Hier und Jetzt“. Ekkhard Tolle, Buddha, der Dalai Lama…. viele Autoren und Geistliche haben darüber schon geschrieben. Es ist die eine Wahrheit, die zu mehr Glück führen kann. Genauer gesagt… das möglichst bewusste Leben in der Gegenward minimiert Ängste, die nur im Kopf da sind, weil man sich dessen bewusst wird, dass sie nur im Kopf da sind, wenn man im Hier und Jetzt lebt.

Das Leben im Hier und Jetzt sorgt in Guten Zeiten dazu, dass man das Leben „aufsaugt“, wo es am süßesten ist und weiß, dass etwas zu tun ist, wenn es sich mal nicht so toll anfühlt. Bewusstes, gegenwärtiges Leben führt zu der intensiven Erfahrung namens Leben. Man kann auch sehr unbewusst leben, das wäre dann das Gegenteil. Wird von vielen bevorzugt.

II.

Wenn ich mir meine Eltern vor meinem geistigen Auge vorstelle, sehe ich, wie wenig sie wohl als Kinder einst wertgeschätzt wurden. Dabei waren ihre Eltern nicht mal „schlechte“ Eltern, sie waren nur Produkte ihrer Zeit. Wie wir alle.

Dennoch ist von dem Denken, sich selbst nicht so wichtig zu finden, aber anderen, fremden Menschen viel Bedeutung beizumessen, noch viel in unserer Zeit zu finden. Es gibt in meiner Familie ältere „Mitglieder“, deren Lebensmotto darin besteht, sich für andere aufzuopfern, weil das „edel“ ist, aber für sich selbst nicht da zu sein.

Wer aber für sich selbst nicht da ist, kann das auch nur begrenzt für andere! Wer sich selbst liebt (ich meine keine Egozentrik) und wertschätzt, wer also in seinen Selbst-wert investiert, aufmerksam und liebevoll (auch im Gedanken!) zu sich selbst ist, kann auch besser lieben und wer sein eigener „bester Freund“ wird, gerät nicht so schnell in Abhängigkeiten zu anderen.

Viele meiner Beziehungen gestalteten sich jahrelang so, dass ich mir von der potentiellen Partnerin erhoffte, sie möge mir das an Liebe schenken, was ich mir selbst nicht geben kann. Viele denken so. Frauen wie Männer. Und es funktioniert nicht. Wer sich selbst liebt, kann ehrlich lieben und geliebt werden (das dann auch annehmen). Selbstliebe macht auch unabhängig.

III.

Das ist meine jüngste „Baustelle“. Euch davon zu erzählen ist ein wenig unaufrichtig, weil ich hier selbst noch Erfahrungen sammele, aber ich habe bereits ein paar gemacht: Akzeptanz! Annehmen! Loslassen!

Stressfreier lebt man auf jeden Fall, wenn man nicht zu abhängig davon ist, dass das Leben so wird, im Detail wie im Groben, wie man es sich vorgestellt hat. „Das Leben ist das, was passiert, während du damit befasst bist, eigene Pläne zu schmieden.“ Sinngemäße sagt John Lennon damit viel über die Natur des Lebens, deren immerwährende Eigenschaft die Veränderung ist. Wer sich  – während er im Hier und Jetzt lebt und sich selbst wert schätzend zur Seite steht – darauf einlassen kann, dass das einzig sichere das ist, was just im Moment passiert und ansonsten alles im Fluss und ohne Garantie ist, sieht das Leben meiner Ansicht nach realistischer, wird flexibler und lernt auch, aus unerwarteten Änderungen noch das Beste zu machen, so weit möglich.

IV.

Manchmal weiß ich nicht, was ich glauben soll. An einen Gott, der Kinder an Krebs sterben lässt usw. ? An nichts?  An Buddha?

Ich bin weit davon entfernt, „Gott“ zu verstehen, aber bin mir über eines sicher: „Es gibt mehr zwischen Himmel und Erde als unsere Schulweisheit sich träumen lässt!“

 

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Eine Sherlock Holmes Weihnachtsparodie

Das Geheimnis der schwarzen Witwe

eine Sherlock Holmes Weihnachtsparodie

von Matthias Wieprecht 

Ich muss gestehen, dass meine Nerven noch lange nach dem zweiten afghanischen Krieg angeschlagener waren als es mir lieb gewesen wäre. So gab es Zeiten, in denen mich die Schrecken jener grausigen Epoche meines Lebens einholten, was sich in Alpträumen in der Nacht und einer geschwächten Konstitution am Tage bemerkbar machte. Sherlock Holmes begann mir jedoch schon damals, am Anfang unserer Freundschaft, langsam zu einem Anker zu werden. An seinen Fällen teilzuhaben, wurde mehr und mehr Sinn meines Lebens, neben meiner später gut florierenden Praxis.

Es war kurz nach einer jener Phasen nervlicher Schwäche und zudem noch sehr kurz vor Weihnachten als ich eines Abends aus einem bitterkalten Schneegestöber kommend, in das heimleige Wohnzimmer unserer gemeinsamen Behausung trat.

Bald schon gönnte mir ein Glas Sherry, legte meine Beine hoch und nahm mir den Roman, der an meinem Platz vor dem Kamin auf dem Beistelltisch lag. Sherlock Holmes saß mir mit geschlossenen Augen gegenüber und döste vor sich hin. Ich begann darüber nachzusinnen, wie es einfache Freuden vermögen, das Leben doch nahezu perfekt zu machen. In der Tat waren nicht Reichtümer, sondern solche Augenblicke wie hier, die das Leben lebenswert machten. Ich Empanada Dankbarkeit für die friedliche Ruhe, dafür, fernab von jeglichem Kriegsgetümmel und den Schreien verletzter Kameraden, verwöhnt im warmen zu sitzen, während der kalte Ostwind gegen unsere Scheiben drückte. Ich seufzte wohlig – und wurde mir – überrascht! – des Kopfschüttelns von Sherlock Holmes gewahr, der mit halb geöffneten Augenlidern begann zu sprechen:

Sie sind ein Romantiker, Watson, das steht einmal fest“, sagte er. „Aber“, dabei entzündete er seine Pfeife, „ich finde es hier auch viel gemütlicher als da draußen. Speziell seit Mrs. Hudson Holz aufgelegt hat. Bevor sie fragen: Ich folgte ihrem Blick, auch, wenn sie mich schlafend wähnten und außerdem kenne ich sie ein wenig. Das hat für die Folgerungen gereicht, dass sie gerade im Gedanken die Behaglichkeit unserer Wohnung preisen.“

Nun, dann ist es wohl so. Doch hat das nichts mit Romantik zu tun.“ stellte ich nüchtern fest und blickte etwas brüskiert zum Fenster, vor dem der Schnee in Massen vom Himmel segelte. Unvermittelt dachte ich an Jane Combridge, weil ihr kleiner, anmutiger Schattenriss zwischen Fenster und Sekretär meine Aufmerksamkeit erregte. Jane war einst meine Verlobte gewesen. Eine Krankheit hatte sie viel zu früh aus meinem Leben gerissen, was mich dazu veranlasst hatte, mich Hals über Kopf in den Krieg zu stürzen. Unreife der Jugend! Vor meinem inneren Auge dachte ich an gemeinsame Picknicks und Wanderungen, die wir unternommen hatten. Im Gedanken an Jane flammte in mir abermals der Wunsch nach einer Frau auf. Wie hätte ich ahnen können, dass sie mir in Gestalt von Mary Morstan schon so bald begegnen würde?

Und wieder schüttelte Holmes mürrisch den Kopf.


„Einer Frau doch wohl nicht?“


Ich setzte mich auf.


„Wieso eigentlich nicht?“ antwortete ich und fragte mit Absicht nicht danach, wie er schon wieder meine Gedanken erraten hatte. Damals glaubte ich noch, dass er oft rät. „Was haben sie gegen die Vorstellung einer schönen Beziehung, vielleicht sogar einer Ehe? “

Och, nichts, eigentlich. Nur … ich dachte, sie wollten Ruhe und Frieden? Natürlich sehen viele Frauen bezaubernd aus mit ihrem Lächeln und ihrem ganzen Erscheinungsbild. Nüchtern betrachtet sind Frauen in der Regel äußerst verschlagen. Jedenfalls ist das meine Erfahrung. Tun sie, was sie wollen. Was mich betrifft: Dieses Kapitel in meinem Leben ist erledigt.“


Sherlock Holmes all zu schlechte Meinung den Frauen gegenüber wurde mir im Laufe der Zeit zur Selbstverständlichkeit, da ich ihn immer besser kennenlernte, doch am Anfang brachte er mich damit oft zur Weißglut. Dieses Mal ignorierte ich seine abfälligen Bemerkungen absichtlich, da er mich neugierig gemacht hatte. Würde er mir aus jenem „erledigten Kapitel“ seines Lebens berichten? Das fragte ich mich. Abermals erkannte er, was in meinem Kopf vor sich ging. Er konnte in meinem Gesicht lesen wie in einem Buch.

Einem Bilderbuch!“, setzte er schlecht gelaunt hinzu. „Und was ihre Frage angeht: Eher würde ich nackt den Tower besuchen.“

Ich bin empört!“ erklärte ich und wandte mich mit einer Geste der Erschütterung meinem Buch zu, das ich leider falsch herum hielt. Holmes überging dies mit einem kurzen Lächeln, das über sein Gesicht huschte. Beide schwiegen wir uns aus, während ich mich meinem Roman zuwandte und Sherlock Holmes an seiner Pfeife zog, bis der Big Ben in der Ferne Mitternacht schlug.

Holmes zog seine Uhr aus seinem Morgenmantel und erklärte:

Das war natürlich nur ein Scherz.“

Was meinen sie?“ fragte ich.

Ich würde nie nackt den Tower besuchen!“ erklärte er, aber ich blieb unversöhnlich, starrte weiter Seite 49 meines Romans an.

Ach, Watson, sie sind doch mein Boswell!“ entfuhr es ihm nun.

Ich fühlte mich natürlich geschmeichelt, aber wenn es sein Ziel gewesen war abzulenken, würde ich ihm dieses Mal die Suppe versalzen. Es war mein fester Vorsatz, eine Antwort zu erzwingen. Warum ich mich darin so sehr verbissen hatte, wurde mir erst viel später klar. In jener Zeit unserer Freundschaft schaffte es Sherlock Holmes sehr oft, mir das Gefühl zu geben, ziemlich, wie soll ich es sagen, minderbemittelt zu sein. Ich musste erst noch die wahre Größe seines Geistes kennenlernen, um zu bemerken, dass so ziemlich jede Person in seiner Gegenwart ziemlich dämlich erschien. Damals wollte ich ihn von seinem Podest zu uns normalen Menschen, speziell jedoch zu uns normalen Männern, herunterziehen. Der Grad, in dem selbst die schönste Frau für ihn reizlos zu sein schien, machte mich geradezu sprachlos.

Ich bin ihr Boswell, schön. Wenn ich schon ihr Biograph bin, erzählen sie es mir. Wie kommen sie darauf, Frauen seien verschlagen? Waren sie selbst einmal verliebt? Es fällt mir schwer, mir das vorstellen zu können. Dennoch… warum eigentlich nicht? Na…? Na….? Was ist ihre Antwort?“, stichelte ich.

In diesem Moment vernahmen wir im Treppenhaus Stimmengewirr. Mrs. Hudson hatte jemanden eingelassen. Als wir die schweren Schritte vernahmen, seufzte Holmes.

Gott sei Dank, Lestrade!“ rief Holmes unangemessen erleichtert aus und sogleich trat der Inspektor mit dem Frettchen – Gesicht, roten Wangen und zutiefst von der Kälte dieses schauerlichen Wetters durchzogen, ein. Ich kredenzte ihm einen Weinbrand, den er in einem Zug austrank. Dann lies er sich auf das Sofa fallen und stöhnte:

Warum muss ich ausgerechnet heute Dienst haben?“

Was meinen sie mit „ausgerechnet heute“?“ fragte der Detektiv und ich folgte meinem Vorsatz, ihn nicht daran zu erinnern, dass wir uns am Anfang des ersten Weihnachtstages befanden. Holmes übersah Feste jeglicher Art.

Watson“, hatte er einmal gesagt, „wozu soll ich meinen Geist mit Weihnachten oder Ostern belasten? Welchen Zweck hätte das?“

Inspektor Lestrade konnte es kaum glauben, dass Holmes so ahnungslos war.

Welchen Tag wir haben? Diese Frage ist nicht ernst gemeint? Oder? Doktor?“ fragte der Inspektor mit hochgezogenen Augenbrauen unter seiner von tauendem Schnee bedeckten Melone.

Doch, doch!“, bestätigte ich. „Er hat wirklich keine Ahnung, was für ein Tag das ist!“

Oh!“ sagte Lestrade nur und schaute zwischen Holmes und mir hin- und her, bis Holmes, nach näherer Begutachtung des Inspektors, eben diesen fragte:

Mein Gott, Lestrade, warum wollen sie mir ein Geschenk machen? Warten sie, mein Geburtstag ist nächsten Monat. Ich wüsste nicht, was… Haben wir…“

Dann sah er mich mit großen Augen an.

„…Weihnachten?“

Frohe Weihnachten, Holmes!“ sagte ich. „Fangen sie jetzt aber nicht wieder an zu diskutieren, wie sinnvoll es ist, sich so ein Fest zu merken…!“

Lestrade zog eine Schachtel unter seinem weiten Mantel hervor, gemeinsam mit einem Briefumschlag.


„Frohe Weihnacht ihnen Beiden!“ sagte er, gab mir die Schachtel und Holmes den Umschlag.

In der Schachtel befanden sich köstliches Konfekt, während Holmes sich über einige Papiere sehr zu freuen schien.

Sind es etwa die Originale?“ fragte er erfreut.

Nein, aber genaue Kopien, wie sie sie damals haben wollten, Holmes. Und kein Wort davon! Wenn Warren davon erfährt, bin ich meine Stelle los!“

Sherlock Holms einmal so vergnügt zu sehen, hätte ich nie erwartet. Wie weggeblasen waren seine misanthropischen Allüren. Mit frohen, geröteten Wangen schüttelte er Lestrade die Hand und bedankte sich überschwänglich.

Sehen sie doch; Watson, sehen sie! Alle Papiere, die mir im ungelösten „Johnson-Fall“ noch fehlten!“

Johnson Fall?“ fragte ich.“

Das ist streng geheim, Doktor Watson“, erklärte Lestrade, „sagen wir, es ist ein alter, ungelöster Fall. Holmes half uns damals sehr, aber wurde nach dem Abschluss von ihrer Majestät in keiner Weise mehr aufgeklärt, wie er ausging.“

Weil die Auflösung das Königshaus in ein schlechtes Licht gerückt hätte!“ rief Holmes. „Ich wette immer noch, dass eine gewisse Person aus erlauchten Kreisen sich in den nächsten Jahren als Massenmörder in Whitechapel einen Namen machen wird. Sollten meine Theorien stimmen, Lestrade, dann denken sie an meine Worte, wenn es los geht!“

Sagen sie das nicht zu laut!“ klagte Lestrade, offenbar um seine Stelle bangend.

Meine Lippen sind versiegelt!“ versprach der Detektiv.


„Nun“, sagte ich, ich habe auch noch eine Kleinigkeit für …. sie Beide. Für sie, Lestrade, einige literarische Versuche, einen historischen Roman über Napoleon zu schreiben. Es wird vermutlich nie Beachtung finden, aber ich denke, es könnte ihnen gefallen. Constable Masterson meinte, sie würden sich privat für Historie interessieren! Und für sie, Holmes… ja, für sie habe ich auch etwas.“

Ich schenkte ihm ein altes Buch über Morde im antiken Griechenland. Auch darüber freute er sich maßlos, wobei die Johnson-Papiere ihn mehr zum Schwelgen brachten als es eine ganze Garnison Bleisoldaten bei einem Kind vermocht hätte.

Lestrade war von meinem Geschenk sichtlich berührt. „Woher wussten sie, dass ich hier her käme?“ fragte er.

Ebenfalls der Constable Masterson. Der meinte, sie würden auf ihrer Route mit Sicherheit hier einkehren, wenn noch Licht wäre.“

Lestrade lächelte in sich hinein. „Da ist wohl ein Constable auf eine Beförderung aus.“ Er lachte laut aus und blätterte interessiert in meinem Manuskript, das ich ihm geschenkt hatte.

Holmes sah plötzlich verlegen aus.

Ich habe so gar nichts für sie beide. Weihnachten vergesse ich immer, wie sie wissen, Watson. Schon meine Eltern hielten es mit Weihnachten eher …. sagen wir bescheiden. Aber“, wandte er sich an Lestrade, „sie haben in der Vergangenheit öfter angedeutet, dass sie gerne einmal ein paar Stücke von meine Geige hören wollten. Zwei, drei Weihnachtslieder vielleicht?“

Das wäre ganz ausgezeichnet!“ antwortete der Inspektor und rieb sich die Hände. „Aber geht das um diese Zeit? Mrs. Hudson…“

„…wird das nichts ausmachen. Sie ist ja selbst noch wach!“

Dann nehme ich ihr Geschenk liebend gerne an!“ sagte Lestrade. Holmes öffnete sogleich seinen Geigenkasten als ich (etwas keck) einwarf: „Ich wüsste auch, was ich mir wünsche.“

Holmes Augen blitzen kurz auf, wurden dann aber schnell sanftmütig.

Also gut, ich werde ihnen von der einen Frau erzählen, die mich so dermaßen um den Verstand brachte, dass ich um ein Haar ihr Opfer geworden wäre. Sie können den Fall als „Der Fall der schwarzen Witwe“ bezeichnen.“

„Eine grandiose Idee“, antwortete ich.

Nein, viel zu dramatisch. Das war doch bloß ein Scherz!“, antwortete Holmes, „außerdem soll davon nie jemand erfahren. Meinetwegen können sie in ihrem Testament vermerken, dass diese Geschichte im Jahre … 2017 veröffentlicht werden darf, aber nicht zu meinen Lebzeiten!“

Zweitausendsiebzehn“, lachte Lestrade in sich hinein. „Da wird sich kaum noch jemand an uns erinnern, meine Herren.

In diesem Augenblick erschien Mrs. Hudson mit einem Plumpudding in der Tür.

Es ist noch sehr spät- oder früh, aber hat jemand Interesse an einem Christmas-Pudding?“

Aber ganz und gar nicht!“ rief ich. „Sie sind ein Engel, Mrs. Hudson.“

Sie errötete mädchenhaft.

Haben sie noch etwas Weinbrand, Doktor?“ fragte Lestrade.

Der Pudding roch außerordentlich lecker. Ja, unsere alte schottische Hauswirtin wusste uns schon zu verwöhnen!

Mrs. Hudson, wollen sie nicht bleiben und zuhören, wenn Mr. Holmes gleich einige Weihnachtslieder spielten wird?“ fragte ich sie und sie nahm diese Einladung gerne an.

Wir aßen, unterhielten uns, lachten und lauschten schließlich weiterer Musik von Holmes. Als wir danach satt und noch zufriedener in unseren Sesseln und auf dem Sofa Platz genommen hatten, erinnerte sich Holmes des Versprechens, das er mir gegeben hatte.

Er trank einen Zug aus seinem Sherry – Glas (er bevorzugte Sherry dem Weinbrand) und sah gedankenverloren in das lodernde, knisternde Feuer unseres Kamins als er begann zu erzählen.

Ich wohnte noch in der Montague – Street. Meine Wohnung war klein, aber erfüllte ihren Zweck. Schon damals forschte ich zeitweise im Labor des Bartholomew Hospitals. Eines Tages klopfte es an der Tür meines Untersuchungsraums, in dem ich mich gerade über ein Experiment beugte, dass nachweisen sollte, wie sich Eisen im geschmolzenen Zustand verhält, wenn es mit Blut zusammentrifft. Vor mir stand unerwartet eine, ja, wunderschöne Frau. Tja, Watson, ihre „Denkmaschine Holmes“ hatte auch einmal solch großzügige Gefühle gegenüber dem anderen Geschlecht. Sie hatte langes, braunes Haar und ein Feuer in ihren Augen – das es mir völlig unmöglich machte, meinen Blick von ihr zu wenden. Sie hatte mich schon in ihrer Hand, auch, wenn ich mir das nicht eingestehen wollte.“

„So? Und mit welchem Anliegen kam sie zu ihnen?“ fragte Lestrade. „Welches Verbrechen sollten sie für die Dame aufklären? Mord, Raub oder etwa Erpressung?“

Oh nichts der Gleichen, guter Inspektor. Sie hatte etwas gänzlich anderes im Sinn. Sie hatte sich in das Labor geschlichen, weil es eigentlich nur Männern zugänglich ist. Nun wollte sie, dass ich ihr dabei behilflich war, eine Ausnahme von dieser Regel zu werden. Ich fragte sie, wie ausgerechnet ich das tun könne und sie erklärte, sie sei davon überzeugt, das ein Mann wie ich, mit meiner Intelligenz, sicher etwas einfiele. Da begann ich mich zum Narren zu machen, Watson, wie ein Mann sich nur zum Narren halten lassen konnte. Ich erlaubte ihr, sich zeitweise in Zukunft für mich auszugeben. Ich war damals sehr empfänglich für Komplimente. Später erst erkannte ich, dass man neutral und objektiv bei der Beurteilung von Allem bleiben sollte.“

Ich räusperte mich. Holmes sah mich verdutzt an.

Oh ja, ich schweife ab. Ich erklärte gerade, dass sie sich für mich ausgeben wollte. Wie anziehend sie auch war, hätte sie mich doch nie dazu gebracht, ihr in solch frapanter Weise zu helfen, wenn sie mich nicht in ein faszinierendes Gespräch über Eisen im Blut und die Wirkung von Schnecken… egal, sagen wir: Sie war äußerst intelligent und ich hätte es als Vergeudung von Talent angesehen, wenn ich ihr nicht geholfen hätte, ihre Forschungen zu betreiben. Also verkleidete sie sich und wurde zu meinem Double sozusagen.“

Aber das hätte man doch sicherlich bemerkt!“ meinte Mrs. Hudson und nahm mir mein Wort aus dem Mund, denn genau dies wollte ich auch bemerken.

Damals entwickelte ich die Fähigkeit der Verkleidung, in der ich immer besser wurde. Menschen hatte ich immer schon beobachtet, aber als sie zu mir kam und mich bat ihr dabei zu helfen, im Labor ihre Forschungen betreiben zu können, willigte ich ein und lernte, was es zu lernen gab, um sie perfekt und schnell in mich zu verwandeln. So teilten wir uns das Labor unter der Woche. Ihre Verkleidung war überzeugend, glauben sie es mir. Da ich zudem ohnehin eher ein wortkarger Mann war, schon damals, kam es auch zu keinen Gesprächen, in denen meine – also ihre – viel höhere Stimme aufgefallen wäre. So ging das tagelang, ohne das es jemandem auffiel.“

Das war sehr galant von ihnen, Holmes, das muss ich sagen.“ meinte Lestrade und stopfte sich noch ein Stück Plumpudding in den Mund. Wie ging es aber weiter?“

Holmes nahm einen Zug aus seiner Pfeife. Dann erzählte er weiter. „Diese Dame und ich – wir hatten mehr gemeinsam als nur unsere Liebe zur Wissenschaft. Sie vermochte es, mich zum Lachen zu bringen. Es gab manch alberne, aber ungeheuer witzige Momente, wenn ich ihr half, sich in meine Person zu verwandeln. Dies geschah immer in meiner Privatwohnung.

Eines Tages kam es auch tatsächlich zu einem Kuss zwischen uns. Kurz bevor sie ging, küsste sie mich und sah mir ernst in die Augen. Diesen Blick habe ich bis heut enicht vergessen.

Einen Tag später, ich war wieder persönlich im Labor, wunderte ich mich, denn ich stellte im Labor fest, dass sie offenbar ein neuartiges, schnell wirkendes Gift hergestellt hatte. Das erkannte ich an den Überresten in der Petri-Schale und im Erlenmeyer-Kolben. Ich wollte sie zur Rede stellen, aber sie war spurlos verschwunden! Bevor ich diesbezüglich meine Untersuchungen beginnen konnte, stand plötzlich ein Inspektor von Scotland Yard vor meiner Tür in der Montague Street. Ich wäre ein Mörder, hieß es.“

Wie war sein Name?“ wollte Lestrade wissen.

Finlayson war sein Name. Ein kleiner, untersetzter Mann. Ire, wenn ich mich richtig entsinne.“

Ah gut, den kenne ich in der Tat nicht. Ist wohl schon zu lange her.“ sagte Lestrade.

Ich bekam einen Anwalt, um den sich Mycroft kümmerte. Offenbar sei ich regelmäßig im Labor gewesen und hätte das Gift selbst hergestellt, hieß es. Außerdem wäre ich gesehen worden, wie ich im Eaton Place in ein Haus gestiegen sei und in der Küche eine Mahlzeit vergiftet hätte. Allerdings sei ein Butler darauf aufmerksam geworden und hätte auf mich geschossen, mich aber verfehlt. Das Essen wurde untersucht. Das Gift enthielt Wirkstoffe, wie sie nur in großen Krankenhaus-Laboren vorkommen und in dieser Zusammenstellung nur in „meinem“ Labor. Es wurde jemand gesucht, der, neben Ärzten und Wissenschaftlern, Zutritt zu diesen Orten hatte. So kam man auf mich. Die Polizei hatte schlechte, aber für ihre Verhältnisse ganz passable Arbeit geleistet und war zur falschen Schlussfolgerung gekommen.“

„Das ist ja unglaublich!“ riefen Lestrade und ich gleichzeitig.

Niemand glaubte meiner Version der Geschichte, dass sie eine Frau suchen, die sich wie ich verkleidet hatte. Ich konnte es ihnen nicht einmal verdenken und da ich im Gefängnis saß, konnte ich auch nicht das Gegenteil beweisen. Ich kam vor Gericht, mir wurde der Prozess gemacht. Der Grund für die Härte der Strafe hatte wohl damit zu tun, dass das „Opfer“ ein recht mächtiger Regierungsmann gewesen wäre. Vorausgesetzt, er wäre vergiftet worden und sie wäre nicht erwischt worden. Eine Nacht vor meiner Hinrichtung saß Mycroft bei mir in der Zelle und versuchte mich aufzumuntern.

Im Angesicht des Todes erkannte ich, wie gefährlich es war, seinen Emotionen zu erlauben, die Oberhand zu gewinnen! Erstaunlicherweise jedoch erhielt die Polizei von der gesuchten Dame ein Schuldbekenntnis zugesandt, welches letztlich für meine Freilassung sorgte. Zugegebenermaßen hatte Mycroft allerdings auch schon einen gewissen Einfluss in der politischen Szene. Dieses Bekenntnis war der Strohhalm, auf den er gehofft hatte, um seine Beziehungen spielen zu lassen. Jetzt wissen sie es, Watson, warum ich stets bestrebt bin, frei von Gefühlen zu bleiben. Nur ein besonnener Mann kann besonnene Schlussfolgerungen ziehen!“

Das Feuer im Kamin knisterte und für einen Augenblick schien die Zeit stillzustehen. Niemand sagte ein Wort. Ich räusperte mich.

„Holmes, warum haben sie denn nie darüber gesprochen?“

Emotionen sind nicht meine Freunde, Watson. In allem, was logisch erklärbar ist, finde ich meinen Trost in dieser düsteren Welt des Scheins.“

Außer dem Knistern des Feuers im Kamin war nichts zu hören. Niemand sagte ein Wort, bis Holmes die unerwarteten Worte sprach: „Wenn ich mich hier jetzt so umsehe, muss ich den klaren Schluss ziehen, dass ich dennoch kein einsamer Mann bin.“

Sherlock Holmes erinnerte sich fortan jedes Jahr an Weihnachten und bestand darauf, dass wir uns – wie erstmals an jenem Abend – trafen, um miteinander ein paar fröhliche Stunden zu verbringen.

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Veröffentlicht unter Lyrik | 2 Kommentare