Sherlock Holmes – die neuen Fälle: Schatten der Vergangenheit

MILDE SPOILER! MILDE SPOILER! MILDE SPOILER! MILDE SPOILER!
(Ich werde den Verlauf der Handlung nicht beschreiben, aber man mag ahnen, wie die Stimmung und ganz grobe Handlung dieses Hörspiels sein könnte, wenn man diesen Text liest). 

Jedes neue Hörspiel dieser Reihe wirkt wie ein Vermächtnis von Christian Rode und Peter Groeger. Man mag das als sehr emotional bezeichnen, was es auch ist, aber jedes neue Hörspiel mit dem vielleicht besten Holmes-Watson-Hörspie-Team, das es je gab, erfüllt mich mit Dankbarkeit.

Dieser Fall zieht am Anfang schön an. Schon in zwei Minuten nach betätigen der „Play“-Taste war ich voll in dem Fall drin. Das Grauen von Jack the Ripper hatte mich erfasst. Nach etwa einer viertel Stunde, in der meine Begeisterung exponentiell zunahm, flachte das Hörspiel leider zu früh und zu steil ab. Zwar waren die Erinnerungen an „damals“ – als Holmes nicht zu jenem schrecklichen Fall im Herbst 1888 hinzugezogen wurde – von John Watson sowie Inspektor Aberline für die Rahmenhandlung interessant und werteten die Qualität des Hörspiels stimmungs – mässig und inhaltlich enorm auf, worauf ich auch nicht hätte verzichten wollen, aber meiner Ansicht nach hätte man das Hörspiel besser schneiden können. Wäre das ein oder andere einen klein wenig früher passiert, hätte das vermutlich das ganze Skript durcheinandergebracht, aber es hätte auch die Spannung um ein vielfaches erhöht.

(c) Romantruhe

Ich glaube, in keiner Reihe von Holmes-Hörspielen habe ich je so viel schmatzendes, blutendes Fleisch zu hören bekommen wie in diesen „neuen Fällen“. Auch der Geruch der Übelkeit – erregenden Verwesung kommt in dieser Serie weit öfter vor als in den Original – Geschichten von Sir Arthur Conan Doyle. Das gibt auch diesem Hörspiel, in dem sich solcherlei „Dinge“ natürlich mehr anbieten als das bei anderen Folgen der Fall war, einen leicht „trashigen“ Zug, der manchem Hörer gefallen wird, aber nicht jedem. Mir zum Beispiel nicht, ich könnte auch ohne…

Christian Rode´s Stimme ist wirklich „die Stimme“ von Sherlock Holmes, doch in diesem Hörspiel wirkte er auf mich gegenüber der schauspielerischen Leistung von Peter Groeger punktuell (im Zusammenspiel!) etwas blass. Auch Christian Rode´s Leistung war, wie immer, eine wirklich Gute, aber Peter Groeger erfasst hier das Grauen und die Angst um Jack the Ripper stellenweise mehr und überzeugender als es Christian Rode tut. Aber auch Rode´s Holmes kann seine Abscheu gegenüber den Taten von einst sowie den neuen Schrecken hörbar nicht verbergen.

Insgesamt ist diese Folge für mich eine der allerbesten Folgen der ganzen Serie. Das liegt – neben der Leistung der Sprecher – an der guten Recherche und Tiefe der Story.Weiterer Plus Pnkt: Lestrade, den wir aus den Lestrade – Hörspielen etwas besser kennen, hat durch eben jene einen Vertrautheits – Bonus bekommen. Er ist nun – nach dem Hören der zwei ersten Lestrade – Hörspiele, mehr als nur ein leidlich fähiger Inspektor, der mehr oder minder das tut, was Holmes sagt und sich mit fremden Federn schmückt. Nun ist er ein echter Typ, ein Charakter. Auch die Hintergrundmusik, die aus meiner Sicht zuweilen etwas zu verspielt daher kam in den älteren „neuen Fällen“, ist dieses Mal viel besser gelungen. Nur stellenweise wird auf ältere Stücke zurückgegriffen.

Was diese Folge für mich aber vor Allem ausmacht ist gar nicht die (vermeintliche) Lösung des Falls, sondern die aufgefächerte Stimmung um den Mythos „Jack the Ripper“. Wenn der Ripper schon wieder (wie z.B. in den Filmen „Mord an der Themse“ oder „Sherlock Holmes größter Fall“ sowie in dem Hörspiel „Sherlock Holmes und die Whitechapel Morde“), bemüht wird, dann sollte dies auch mit einem gewissen Know How geschehen. Andreas Masuth hat genau das in guter Weise in seinem Skript erledigt.

Nicht unerwähnt bleiben sollte, dass sich hier insgesamt ganze 15 ! Sprecher vereint haben!

Schade finde ich – neben einem Teil des Endes, den jeder erkennen wird, der es gehört hat – das der Fall sich am Anfang viel größer anhört als er am Ende ist. Denn am Ende geht es wirklich nur um einen „Schatten der Vergangenheit“, wennglich dieser auch recht grausam aussieht.

Für Holmes sowie „Rode / Groeger“ – Fans ein Hörspiel, dass ich – mal wieder, aber dieses Mal mit dem Brustton einer größeren Überzeugung – empfehlen kann.

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