Star Trek Discovery: Die zweite Staffel – Vollkommen subjektives Feedback eines Fans der ersten Stunde

Ich wuchs mit Captain Kirk auf, mit Spock und Pille und mit einer Serie aus den späten 60iger – Jahren, in denen es futuristisch war, dass die Crew in Schlafanzug-gleichen Uniformen herumliefen. Der Außerirdische Nummer 1 war „Mr. Spock“, der mit den „spitzen Ohren“. Sein Aussehen begeisterte. Der Captain war ein Frauenheld, der Bordarzt ein rauher, aber herzlicher Typ, der in jedem Western ebenfalls einen guten Doc abgegeben hätte. Die Themen hatten in der Regel damit zu tun, dass das „Raumschiff Enterprise“ auf irgendein „Ding der Woche“ stieß und damit umgehen musste. Mal war es eine riesige Hand, die die Enterprise festhielt, dann ein bunter Würfel, mal war es ein junger Typ mit Superkräften, dann eine Zeitreise, ein Spukschloß im Weltall oder kleine, runde bepelzte „Tribbles“, die für – zugegeben – ungeheure Unterhaltung sorgten. Das war lange vor CGI und Pay-TV. Schön, dass ich diese Serie als erste kennelernte und quasi mit den nachfolgenden mit-wachsen konnte.

In den 80igern kam dann die „next generation“, setzte qualitativ etwa da an, wo das „Raumschiff Enterprise“ von einst geendet hatte. Die erste Staffel war für viele noch „grottig“, ich fühlte mich aber schon gut unterhalten. Ja, Riker war dem Kirk ähnlich, Data dem Spock, wie ihm auch Besuch vom (ur)alten Doc „Pille“ McCoy bestätigt wurde, aber der französische Captain mit dem britischen Akzent war von Anfang an überraschend. Sein großer Humanismus, seine zurückhaltende, überlegte Art zeigte: Er war das Beste, was die Sternenflotte je hervorgebracht hatte. Ein Captain par excellence. Besser ging es kaum. Der Klingone Worf an Bord der Enterprise zeigte: In jenem fiktiven Universum, in dem die Rasse mit den Bärten und / oder Stirnwülsten die erbitterten Feinde der Föderation gewesen waren, bewegte sich was. Und zwar in die RICHTIGE Richtung. Kein Wunder, dass ich die Serie, die ab Staffel 3 komplett zu sich selbst gefunden hatte und besser und besser wurde, seinerzeit als meine „tägliche Dosis positives Denken“ bezeichnete.

Nach dem Tod von Gene Roddenberry, dem bekannten Erfinder von „Star Trek“, wie das Ganze in Amerika von Anfang an hieß (der Name etablierte sich erst durch die Kinofilme in Deutschland), übernahm damals Rick Berman, dem man viel anlastete. Teils vielleicht zurecht, denn sein Deep Space Nine war so gar nicht das, was sich Roddenberry je erträumt hatte. Er war stets der Ansicht gewesen, dass Religion in Star Trek nichts zu suchen hatte und das Krieg nie eine Lösung wäre. Er setzte darauf, dass die Menschen der Zukunft bessere Lösungen finden konnten. Und so mochte es ja auch sein, aber Berman erkannte, dass die Zuschauer eine friedliche Zukunft langeweilig finden. Oder war es nur eine These? Jedenfalls fanden DS9, Voyager und die „back to the roots“-Serie „Enterprise“ eine Menge Fans. Ich verfolgte natürlich alles, was den Namen „Star Trek“ trug, mal begeistert, mal entgeistert…

Nach „Star TrekVI“, dem letzten großen Kinofilm der alten Crew folgten vier Filme mit Picard und drei mit einem neuen Kirk und seiner Crew. Aber im Kino wurde es immer zweidimensionaler. Trotz (später) „3D“. Filme mit mehr oder weniger Unterhaltungswert waren das schon, aber die Seele, der Geist, das Herz von Star Trek, seine Philosophie, der Humanismus, die Toleranz etc., wurden in den Kinofilmen kaum zelebriert.

Einer der „Macher“ hinter den jüngsten Kinofilmen war Alex Kurtzman. Ich gebe zu, ihm skeptisch begegnet zu sein, denn der andere Typ, der verantwortlich für die Drehbücher war, Roberto Orci, war der eigentliche Star Trek Fan, hatte eher Ahnung davon, was Roddenberry zeigen wollte als dieser einst an seinem Expose zu „Star Trek“ feilte. Das wurde in Nebensätzen immer wieder auf Trekomovie.com und auf anderen Seiten erzählt. Ausgerechet Kurzman und nicht Orci sollte das (Haupt)ruder für „Discovery“ übernehmen. Aber auch der Sohn von Gene Roddenberry, der „Star Trek II“ – Autor Nicholas Meyer, die großartige „Voyager“ – Autorin (sie schrieb, was nach der Serie passierte) Irsten Beyer etc. sollten mit von der Partie sein. Ich war gespannt.

Dann kam Star Trek: Discovery, die erste Staffel. Eierköpfige Klingonen, seltsame, neuartige Raumschiffe, ein Sporenantrieb, von dem vorher nie die Rede gewesen war, standen einer neuen, frischen Crew, atemberaubenden Effekten und Geschichten gegenüber, die, so eigen sie mir auch erst erschienen, doch immer wohlüberlegt wirkten. Während ich manchmal bei den letzten Folgen von Voyager beispielsweise das Gefühl hatte, man hätte recht unüberlegt etwas aufs Papier gebracht, um es rechtzeitig drehen zu können, wirkten schon die ersten Drehbücher von „Discovery“ sehr überlegt und mit viel Liebe erschaffen. Dennoch stellte sich bei mir erst nur ein Gefühl von „Ja, das ist guter Science Fiction, aber ist das auch Star Trek?“ ein. Ich blieb der Serie am Ende der ersten Staffel zwar gewogen, aber war auch skeptisch.

Dann begann Staffel 2. An dieser Stelle muss ich tief Luft holen. Der Grund, warum ich bisher nichts über diese Staffel schrieb, liegt (auch) daran, dass ich aus der Begeisterung nicht herauskomme. Die Serie lässt mir keinen Moment, mich zu sammeln, die vielen Handlungsstränge, Charakterentwicklungen, Twists und Überraschungen halten mich so dermaßen „in Atem“, dass ich kaum reflektieren kann.

Die – absolut genialen – TNG-Folgen beinhalteten jeweils nur ein Thema, das gemächlich und gut überschaubar behandelt und in der Regel auch gelöst wurde. Gute Folgen hinterließen ein Gefühl von Erkenntnis oder dienten als Inspiration für den Alltag, was mich betrifft. „Discovery“ hingegen schleudert in jeder Folgen so viele Themen heraus, dass es sich wie ein wilder Ritt anfühlt, eine Folge zu sehen. Genau das macht mir aber auch so einen Spaß daran!

„Discovery“, speziell hier in der zweiten Staffel, hat mich total gepackt. Das IST Star Trek und vielleicht mehr als irgendeine Serie zuvor. Wobei das unfair gegenüber der TOS – Serie ist, die ja den Grundstein legte.

Begonnen mit der Begegnung mit der Enterprise 1701, dem Kennenlernen von Captain Pike, später Spock sowie der Sektion 31 in ihren Anfangszeiten, auf der rein formalen Ebene, inhaltich spielend mit Begriffen wie Zeitreisen, Toleranz, Selbstbestimmung und „über sich hinauswachsen“, der „gleichgeschlechtlichen Liebe“ sowie der Aufopferungsbereitschaft ganz besonderer Menschen bis hin zum „Feiern“ der Star Trek Historie in der „Ersten Zeitlinie“, bietet diese Serie nunmehr alles und mehr als ich erwartet hätte.

Ja, ich bin begeistert. Ich bin begeistert, wenn auf Thalos IV die selben Soundeffekte erklingen wie in der Original-Serie, wenn ich diesen Planeten und seine Bewohner überhaupt mal wieder sehe, bin ich schon fasziniert. Auch ist es genial, dass ich nun die Möglichkeit habe, Captain Pike in Aktion zu sehen. Schon in den J. J. Abrams – Filmen spielte dieser Charakter eine wichtige Nebenrolle, aber in „Discovery“ weiß er – nun als „der“ Captain! – mit einer Mischung aus Kirks Cowboydiplomatie und der Überlegenheit von Picard zu erfreuen, so dass ich Lust bekommen habe, die „ersten Abenteuer der Enterprise“ mit Captain Pike zu verfolgen, würde es diese zu sehen geben.

Aber auch zu erleben, dass die Sektion 31 hier eine Rolle spielt, dass auch ein Ort wie Boreth vorkommt, so dass ich – als alter Hase – mich auf diese Weise zu der Serie eingeladen fühle, begeistert mich genau so sehr wie zu sehen, dass mein 13jähriger Sohn diese Serie als die aktuell beste bezeichnet, die er kennt.

Letzteres zeigt, was „Star Trek – Discovery“ aktuell leistet. Nämlich einen Bogen über die Generationen zu schlagen. Anders als die letzten Kinofilme, die nicht schlecht waren, aber vor Allem Mainstream sein wollten und es vermieden, die Hardcore-Fans als Zielpublikum anzuvisieren, schafft es „Star Trek – Discovery“ sie alle zu umarmen: Die neuen und die alten Fans – und jene, die noch gar nicht wissen, dass sie gerade zum Trekkie werden.

Ich kann es nicht differnzierter sehen. Wer sich verliebt, ist eh nicht mehr objektiv. Und in diese Serie habe ich mich verliebt. Hoffe, es bleibt so, aber im Moment bin ich einfach nur Feuer und Flamme für „Discovery“. Und das ist es doch, was einen Fan ausmacht, oder?

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