Weihnachtsgedanken 2018

„Früher war alles besser…“

Wer so spricht, ist alt. Da war ich lange Zeit ganz sicher und muss mich nun selbst überführen, denn ich sehe es langsam genau so. Ich sehe, wie meine lieben Kinder sich immer teurere Dinge zu Weihnachten wünschen, gelenkt durch gut durchdachte, überall anwesende Werbung. Wenn ich heute in der Werbung etwas entdecke, was meinen Kindern Spaß machen könnte, wissen sie schon ALLES darüber. Werbung, Youtubvideos und andere Quellen machen es möglich.

Wie sehr liebe ich es da, mich an „früher“ zu erinnern. Die Vorweihnachtszeit lag unter einem doppeltem Glanz. Zum Einen war es der Glanz des allgegenwärtigen Schnees und der Kälte, dann der Glanz dieser irgendwie verzaubert wirkenden Zeit. Mutter versteckte Geschenke im Schlafzimmer, mal im Schrank, mal unter dem Bett. Es dauerte Jahre, bis ich dahinter kam und mir so einen Großteil des Spaßes nahm, ein wenig von meiner eigenen Unschuld raubte.

Einst wie heute liebte ich die feierlich geschmückten Fenster an allen Orten. In der Grundschule wurden – je näher es an die Feiertage ging – auch mal ein oder zwei Stunde dem Vorlesen durch die Lehrerin gewidmet, während wir Kerzen anzündeten und der Duft von Mandarinen in der Luft hing.

Die Süßigkeiten am Nikolausmorgen… ja, es war schon so: Als Kind war ich bereit alles zu glauben. Auch die Anwesenheit vom Nikolaus. So mag es nicht verwundern, dass ich einmal durch das Schlüsselloch in die Festtagsstube blickte, in der es eigentlich nichts überirdisches zu sehen geben konnte. Aber ich war mir sicher, dass ich ein Kind in einer Krippe sah und einen heiligen Schein!

Neben all dem Zauber jener Zeit gab es natürlich auch bei uns die Sehnsucht, ja ich sage es offen: die SEHNSUCHT nach einem Geschenk. Etwas, was heute rar geworden ist: Der Wunsch nach DEM EINEN Geschenk! Hätte mich jemand drei Wochen vor Weihnachten gefragt, was ich mir zu Weihnachten wünsche, hätte ich es zu berichten gewusst: In allen Einzelheiten! Viele Kinder können das heute nicht mehr. Unsere Kinder sind zum Teil instrumentalisiert worden. Sie wurden von der Werbung den Bedürfnissen der Marktwirtschaft angepasst. Früher war es noch etwas anders: Spielzeugwerbung etwa war so dermaßen selten, dass ich immer froh war, wenn es mal welche zu sehen gab. Ging es dann dabei auch noch um „mein“ ersehntes Spielzeug, klopfte mein Herz noch lange nach…

Dann gab es damals so wunderbare Filme zu sehen. Jimmy Stewart in „Ist das Leben nicht schön“ oder „Jede Frau braucht einen Engel“ mit Cary Grant. „Wir sind keine Engel“ mit Peter Ustinov und anderen gesellte sich später noch dazu. Im Kinderprogramm gab es hier und da einen Bezug auf Weihnachten und Heiligabend selbst die „Weihnachtswartesendung“.

Freilich lebten damals auch noch mehr Familienmitglieder. Meine liebe Oma, mein Vater, meine Tanten und meine Onkel und mein Großvater. Mein Vater fehlt selbstverständlich sehr, so ganz gewöhnt man sich daran nie, wenn ein Elternteil gestorben ist… Aber „sein Geist“ ist anwesend. Meine Oma war um Weihnachten früher auch immer bei uns und ich genoss es, denn sie war besonders.

Familientreffen sind etwas, was der / die Einzelne höchst subjektiv wahrnimmt. Es wäre eine Lüge zu sagen, dass im Übermut der Feiertage nicht auch mal mehr oder weniger verletztende Worte gewechselt worden, aber Dramen – wie ich es von anderen Familien gehört habe – gab es bei uns nie.

Älter zu werden ohne zu erkennen, wie viel Berechnung seitens der Wirtschaft in Bezug auf Weihnachten vorherrscht hieße ewig Kind bleiben. Ein vielleicht schöner Zustand, doch ohne Entwicklung. Schade ist das, aber im Kleinen war das früher schon so. Na gut, es war viel kleiner früher….

Wie dann noch Weihnachten genießen? Je nachdem, wie fest man im christlichen Glauben ist, kann der Glaube selbst dazu beitragen. Glaubt man aus sich heraus, dann kann man Weihnachten vielleicht sogar am Meisten genießen und erkennen als das, was es wirklich sein soll.

Und dann erinnere ich mich noch an eine Geschichte meiner Tante. Sie war einmal recht verzagt, wie jeder Mensch mal verzagt ist. Da meinte ihr damals noch junger Neffe: „Dann mach es doch einfach mal so wie zu der Zeit als es dir gut ging! Mach doch mal alles so wie früher!“ Das fand sie sehr klug und ich finde es inzwischen auch sehr klug. Man muss nichts neu erfinden: Wenn ich mich früher mit Cary Grant gut unterhalten und in Stimmung versetzt fühlte, warum nicht heute? Wenn ich früher mit kleineren Geschenken zufrieden war, warum nicht heute? Usw. Usf.

Last but not least ist Dankbarkeit ein Schlüssel. Zählen Sie einmal auf, wofür sie im Moment dankbar sein können. Und wenn sie schon dabei sind, schreiben sie auch auf, was jetzt gerade, in der Weihnachtszeit, das ist, was sie am Meisten schätzen und mögen. Und dann geben Sie sich dem hin. Außer es ist Schokolade, da sollte die Waage eine Rolle spielen 😉

Ich wünsche allen Besuchern meines Bloggs eine schöne Vorweihnachtszeit und ein besinnliches Weihnachtsfest!

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