Wonder Woman (2017)

Was ich wusste und erwartete

Ich ging in den Film „Wonder Woman“ eigentlich nur, weil ein Facebook-Freund, ein Star Trek Autor, davon geschwärmt hat. Er meinte, er hätte sich nach dem Film ähnlich gefühlt wie damals als er aus dem Kino kam, nachdem er „Superman“ mit dem legendären Christopher Reeve gesehen hatte.

Dennoch war ich skeptisch. „Batman v Superman“ war ein zynisches, lautes, grelles Spektakel geworden, vor dessen bombastischen Special Effects man nicht mal den Hut lüpfen konnte, ohne Angst zu haben, dass es einem die Haare wegweht. Warum sollte Wonder Woman anders sein?

Außerdem hatte ich Wonder Woman bislang immer etwas belächelt. Ich kannte nur Filmschnippsel aus der 80iger Jahre Serie, die mich ein wenig an den „Batman hält die Welt in Atem“-Batman erinnerten. Nichts gegen den leider unlängst verstorbenen Adam West, aber es ist ja kein Geheimnis, dass sein Batman eine eindeutig lustige Note hatte.  Die Serie entwickelte einen ganz eigenen Kult, was völlig okay ist und an heißen Sommerabenden liebe ich es, mir den lustigen Film mit meinen Kindern anzusehen.

Das es bei Wonder Woman nur Filmschnippsel waren, die ich kannte, lag wohl auch an meinem mangelnden Interesse. Begonnen bei ihrer Kleidung, über das seltsame „Lasso“, dessen besondere Eigenschaft mir unbekannt waren bis hin zu ihrem Minirock, der wohl aus der amerikanischen Flagge genäht worden war, wirkte sie auf mich eher „billig“. Sorry, ja, ich war von Vorurteilen besetzt. Ich gebe es zu.

Was ich im Kino erlebte

Da ich ein Wonder Woman – Neuling war, faszinierte mich der Anfang des Kinostreifens möglicherweise mehr als solche, die sich mit der Superheldin auskannten.

Da war eine griechische, mythologische Insel! Die Amazonen kämpfen zu sehen war eine Augenweide. Nicht nur aufgrund ihrer optischen Reize, sondern auch, weil ihr Kampfstil schlicht atemberaubend war. Die kleine Diana da herumlaufen zu sehen, wie sie eifrig die großen Kampfbewegungen der Kriegerinnen nachahmte, brachte mich zum Lächeln.

So gewann der Film mich für sich – und das schon in den ersten Minuten! „Batman v Superman“ schaffte das nicht mal bei seiner kolossalen Überlänge von etwas über 3 Stunden!

Die Origins-Geschichte mit einem Steve Trevor, der – mit einem neuen Haarputz – von „Captain Kirk“-Pine gespielt wurde, der aus dem ersten Weltkrieg in jene Welt der Amazonen einbricht, Dianas naive Suche nach einer Möglichkeit, den Frieden zu bringen, das bezauberte mich um so mehr in den rund nächsten zwei Stunden.

Der Film schaffte noch etwas: Statt die Gunst der Stunde zu nutzen und emanzipatorisch auf die „niedere Art der Männer“ zu schimpfen, zeigte er, wie sie gemeinsam stark sein können.  Sogar eine offensichtlich überlegene Zeus-Tochter wie Diana schafft es, gemeinsam mit gewöhnlichen Menschen – Männern ein Team zu bilden. Leute, die Zukunft liegt gewiss nur darin, denn solange Männer oder Frauen überlegen tun, wie soll dann ein Miteinander funktionieren? Aber das ist ein anderes Thema und ich werde der Versuchung widerstehen, Loriot zu zitieren.

Zurück zum Film.

Es gab wunderbare Momente zum lachen oder schmunzeln, es gab aber auch Gänsehaut-Momente wie jenen, in dem „Diana Prince“ sich auf den Weg ins kriegerische Niemandsland macht. Mit der Naivität eines Kindes und dem Mut einer Göttin berührte sie hier das Kind in mir. Filme, die das schaffen, haben bei mir immer schon gewonnen. Wenn ich weinen und staunen, lachen und mitfiebern kann, ist es ein großer Film – für mich.

Unsere komplizierte Welt,  die es immer schwerer macht, täglich die News zu lesen, braucht so eine Heldin mehr denn je. Ich persönlich habe es zum Beispiel genossen, wie Diana Prince dem „Chef der Soldaten“ gehörig den Marsch bläst. Sinngemäß „ein wahrer Feldherr würde seine Soldaten nie sterben lassen, wenn es nicht nötig wäre und er würde mit ihnen an vorderster Front stehen und nicht in einem Stuhl in Sicherheit sitzen.“ Ah, das tat gut!

Vielleicht ändert sich die Welt nie wirklich. Die Politiker oder Könige werden immer ihre eigenen, undurchsichtigen Geschäfte machen, während sich die einfachen Menschen den „Deus ex machina“ wünschen, der reinen Herzens  für Ordnung, Frieden und Gerechtigkeit sorgt. Solche Mythen und Legenden sowie Märchen brauchten die Menschen immer schon für ihr Seelenheil, eben weil die Realität komplexer ist – oder um dem Kind in uns nicht ganz zu verbieten, an das angeblich „Unmögliche“ zu glauben.

Fazit

Als ich aus dem Film kam, ging es mir ähnlich, wie jenem Facebook-Freund. Mein Sohn war übrigens auch mit. Auf dem Heimweg wünschten wir uns, Superhelden zu sein und für das Recht und für den Frieden zu kämpfen. Verdammt ja, das wäre toll, wenn das ginge!

Der Film hat jeden Hauch Erfolg redlich verdient.

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