Der wilde Westen “nebenan”: Kurztrip nach Pullman City

Als ich mit meinem Sohn (11 Jahre jung) an der Kasse die Hälfte des Eintrittsgeldes bezahlt hatte (es war an einem Freitag) und um die Ecke ging, befand ich mich – mir nichts, dir nichts – im „wilden Westen“.

Mit dem Planwagen durch den kleinen wilden Westen

Da waren viele Gebäude aneinandergereiht, auf deren terassen-artigen Holzböden man laufen konnte, wenn man nicht direkt von der einen zur anderen Seite flanieren wollte – an jenem Tag ging das übrigens nur durch Matsch. Aber das war okay so. Es musste Matsch sein. Eine matschige Straße an verregneten Tagen, eine staubtrockene im Sommer. Wilder Westen eben. Nichts gepflastert. Eine Stadt, die, wie eine Wurzel, in die Erde gesetzt wurde.

Wild West Show

Natürlich gibt es in den vielen Läden viel zu sehen, natürlich hat man – es ist ja immer noch Tourismus – auch die Möglichkeit, sein Geld für Hüte, Tassen und vielerlei Andenken zu lassen. Am Schönsten dabei war für uns das gemeinsame Foto, für das wir von einer freundlichen Dame mit viel Sachverstand in zeitgenössische Kleidung gesteckt und abgelichtet wurden.

Im „Yukon Saloon“ gab es ein rustikales Steak mit Bacon und Bratkartoffeln  bzw. mit Pommes für den Sohn. Später, nach der 45minütigen kurzweiligen Wild West Show auf der Main Street, gönnten wir uns im Big Moose Saloon einen warmen Kakao bzw. ich einen heißen Kaffee, um uns etwas aufzuwärmen. Die Atmosphäre stimmte überall. Die Macher hinter Pullmann City wissen genau, was zu tun ist, damit man sich selbst dann noch im „wilden Westen“ fühlt, wenn man an einer aufgeblasenen Hüpfburg vorbeigeht oder an anderen Besuchern in alltäglicher Kleidung.

Im Sheriff´s Office

Getragen wird das natürlich auch von den vielen Hobbyisten, die sich zeitgenössisch kleiden und vom ebenso geschmackvoll angezogenen Personal. Schon im Town – Office am Anfang, wo wir die Marken für die Kutschfahrt erhielten – stand uns ein hemdsärmeliger junger Mann gegenüber, der aus einem X-beliebigen Western hätte stammen können.

Ein Teil des Teams hinter Pulman City

Die Kutschfahrt selbst war – mit allem Knirschen und schaukeln – eine echte kleine Zeitreise. Eine interessante Erfahrung war das allemal.

Manches freilich muss in Pullmann City kleiner sein als in Echt, so der Yukon River, der im Original über 3000 km lang ist und hier nur mit einem Gewässer angedeutet wird, in dessen Nähe man Gold waschen kann. Natürlich kein echtes Gold, aber das tut dem Zauber keinen Abbruch.

Am “Yukon – River” (fast)

Später, bei meiner Recherche, erfuhr ich, mit wieviel Mühe Pullman City´s “Macher” daran gegangen waren, um eine echte, amerikanische Kirche zu überführen und texanische Longhorns ansässig zu machen! Oder welch große Rolle Pulman City für die Squaredance- und Country-Szene spielt!

Texanische Longhorns

Wer sich für Western begeistern kann, bereit ist echten „Typen“ zu begegnen – begonnen bei der attraktiven, dunkelhaarigen Hutverkäuferin bis hin zum etwas “nüchternen” und “direkten” Zierwaffen-Verkäufer, wer ein wenig Fantasie mitbringt und die richtige Einstellung, kann hier in der Tat erleben, dass Pullman City eine Insel im Herzen des Harz ist, wie es in dem Lied auf der Website heißt. Diese “Insel” führte und verführte uns in den Wilden Westen und in jene Zeit, in der alles einfacher, klarer, erdiger war. Mit dem Luxus freilich, dass die Schattenseiten jener Zeit ausgeblendet werden durften. Von Krankheiten, Zahnbehandlungen ohne Betäubung und dergleichen war hier natürlich nicht die Rede.

Der größte Saloon vor Ort

Kürzlich sagte mir mein Sohn, er müsse immer lächeln, wenn er das Bild von uns sehen würde. Er als Gentleman-Pokerspieler, ich als echter Cowboy, mit Gewehr in Händen. Ich verstehe ihn nur all zu gut, mir geht es ähnlich.

Denn als wir jene Western-Stadt verließen, da war uns klar: Pullman City wird uns wieder sehen. Was wir neben Hut und Foto mitbrachten war nämlich unbezahlbar: Eine wunderschöne Erinnerung und eine tiefe Sehnsucht nach baldiger Rückkehr. Jedes Jahr einmal, haben wir uns vorgenommen. Schön wäre es auf jeden Fall!

 

 

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.