{"id":1028,"date":"2018-07-26T21:32:49","date_gmt":"2018-07-26T19:32:49","guid":{"rendered":"http:\/\/starbase-fantasy.de\/?p=1028"},"modified":"2018-07-26T21:35:08","modified_gmt":"2018-07-26T19:35:08","slug":"ein-viel-zu-heisser-tag-western-mini-story","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/starbase-fantasy.de\/?p=1028","title":{"rendered":"Ein viel zu hei\u00dfer Tag (Western Mini Story)"},"content":{"rendered":"<p>von Matthias Wieprecht<\/p>\n<p>Es war einer von diesen Tagen an denen einem der Schwei\u00df \u00fcber die Stirn rinnt, wenn man \u00fcber ein schwieriges Thema nachdenkt. Die K\u00fche auf den Weiden muhten ersch\u00f6pft. Einige waren schon an Hitzschlag gestorben. Der Hufschmied hatte es sich in einer k\u00fchlen Ecke seiner Werkstatt gem\u00fctlich gemacht, nachdem er die Preise auf der Aushang-Tafel derma\u00dfen erh\u00f6ht hatte, dass niemand es wagen w\u00fcrde, ihn zu bel\u00e4stigen, wenn nicht das Leben des Pferdes davon abh\u00e4ngen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>John Johnson stand auf dem Absatz des Hotels, direkt vor dem Saloon. Hinter ihm schwankten noch die T\u00fcren. Er sp\u00fcrte, wie ein Schwei\u00dftropfen langsam, dann immer schneller \u00fcber seine Stirn, schlie\u00dflich seine Nase kroch. Aus einer anderen Pore sprang ein weiterer Tropfen geradezu heraus und folgte dem Ersten. Seine Hose klebte jetzt schon widerlich. Zudem war ihm sehr mulmig in der Magengegend. Unsicher tasteten die Finger seiner rechten Hand nach dem Revolver in seinem Halfter. Wie er ihn f\u00fchlte, erinnerte er sich an seine Kindheit. Damals als Tom und er \u201eCowboys\u201c spielten. Mit Platzpatronen. Er hatte noch nie einen Menschen get\u00f6tet. Heute w\u00fcrde er auf Tom, seinen Bruder, schie\u00dfen m\u00fcssen \u2013 oder selber sterben.<\/p>\n<p>Molly Cartwright sah teilnahmslos aus ihrem Hotelzimmer herunter. \u201eWas f\u00fcr ein Feigling\u201c, dachte sie. Ihr war es egal, ob sie ihm oder seinem Bruder geh\u00f6ren w\u00fcrde. Der wilde Westen war ein hartes Pflaster. Nachdem ihre Eltern vor zehn Jahren nach Amerika gekommen und zwei Stunden nach Ankunft in Philadelphia von Wegelagerern erschossen worden waren, kam es ihr nur darauf an zu \u00fcberleben. Niemand konnte ihr daraus einen Vorwurf machen. Niemand tat es. Tief in ihrem Innersten verachtete sich Molly Cartwright daf\u00fcr, sich selbst aufgegeben zu haben, nur, um zu \u00fcberleben.<\/p>\n<p>\u201eDu kannst es dir noch \u00fcberlegen, Tom!\u201c sagte Pfarrer Brady. \u201eEr hat sie beleidigt, Hochw\u00fcrden, er meinte, sie w\u00fcrde ihn lieben!\u201c rief er w\u00fctend vor sich hin. Er war ganz in schwarz gekleidet. Ein Freudenfest w\u00e4re das heute nicht, nein, sicherlich nicht. Schwarz w\u00e4re gottgef\u00e4lliger, meinte er, der er bei Pfarrer Brady sozusagen \u201ein der Lehre\u201c war, denn viele Pfarrer gab es hier nicht. Brady war ein Ire von gesunder Gesichtsf\u00e4rbung und nat\u00fcrlich roten Haaren, die sich um sein fleischiges Antlitz kr\u00e4uselten. F\u00fcr seinen gewaltigen Appetit war er doch recht schlank. Er hatte ein Feuer in seinen blauen Augen und auf der Kanzel konnte er so eindrucksvoll predigen wie Petrus selbst. Jedenfalls behaupteten das die Cowboys, wenn sie nach der Predigt in den Saloon gingen, um einen Whiskey zu trinken oder zwei, ehe sie heimkehrten. \u201eZu t\u00f6ten ist eine S\u00fcnde, Tom!\u201c rief Brady nun voller Zorn und mit weit ausgerissenen Augen. Tom sah ihm eine Weile in die Augen, dann blickte er zu Boden. \u201eDann beten sie f\u00fcr mich, denn meine Seele ist verloren\u201c, sagte er und verlies, mit G\u00fcrtel, Halfter und Revolver das Haus.<\/p>\n<p>\u201eDie beiden Br\u00fcder waren fr\u00fcher unzertrennlich.\u201c erkl\u00e4rte der Barkeeper im Saloon dem Fremden, der an diesem Tag zuf\u00e4llig in die Stadt gekommen war. Er hatte das ganze Getuschel in der Stadt und besonders im Saloon bemerkt und offen nachgefragt. Der Fremde hatte einen gewaltigen Bart, der von wei\u00dfen Str\u00e4hnen durchdrungen war und der insgesamt gekleidet war wie ein Trapper. \u201eIch kenne sie schon lange. Ein Jammer, dass sie sich heute t\u00f6ten m\u00fcssen.\u201c \u201eDas ist wirklich ein Jammer\u201c, sagte der Trapper und sch\u00fcttelte den Kopf. \u201eUnd dann auch noch wegen einer Frau.\u201c \u201eWas haben sie denn dagegen, sich wegen einer Frau zu t\u00f6ten?\u201c fragte ein junger Mann, der Sohn des Hufschmieds, trotzig und spielte mit der Hand an seinem Colt herum, doch der Nebenmann, John Hughes, der Gemischtwarenh\u00e4ndler, zog ihm seinen Hut tief ins Gesicht. \u201eDaf\u00fcr bist du noch zu gr\u00fcn hinter den Ohren!\u201c sagte er und alle lachten \u2013 au\u00dfer dem Barkeeper. \u201eSie kenne die Beiden wirklich schon lange, was?\u201c sagte der Trapper, vielleicht um etwas Mitgef\u00fchl zu zeigen. \u201eSie sa\u00dfen \u2013 als sie klein waren \u2013 da dr\u00fcben am Klavier und spielten immer mit \u2026 oh, Moment mal!\u201c Dann holte er sich eine kleine Leiter und holte aus einem Nebenschrank eine Kiste hervor, die recht verstaubt war. Er \u00f6ffnete sie und holte zwei Zinnsoldaten heraus. \u201eDamit spielten sie! Hatten sie aus ihrer Heimat, aus England, mitgebracht.\u201c<\/p>\n<p>John Johnson sah Tom nur etwa 300 Meter entfernt. Sp\u00e4t war er nie gewesen. Er wusste ganz genau, dass er heute sterben w\u00fcrde und, so merkw\u00fcrdig das auch klingt, machte sich am meisten Sorgen darum, ob er seinen Bruder verletzen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Wenig sp\u00e4ter standen sie sich gegen\u00fcber. Im Staub, der sogar zwischen den Z\u00e4hnen knirschte und den sich mit dem Schwei\u00df des K\u00f6rpers mischte, um wie eine zweite Haut auf H\u00e4nden, Hals und Gesicht zum Liegen zu kommen. Tom und John sahen sich lange an. Jeden Moment war es soweit. Tom merkte pl\u00f6tzlich, dass es ein verr\u00fcckter Fehler w\u00e4re zu schie\u00dfen, John sah die Frau, die sich unter die aufkommende Menge von Zuschauern gemischt hatte, und ihm wurde pl\u00f6tzlich klar, dass er seine Liebe nie wirklich von ihr erwidert worden war!<\/p>\n<p>Vielleicht w\u00e4re der Schuss gefallen. Aber dazu kam es nicht, denn der Trapper stellte sich zwischen die Br\u00fcder, in seinen H\u00e4nden hielt er die Kiste mit den Zinnsoldaten.<\/p>\n<p>\u201eSie stehen im Weg, Sir\u201c, sagte Tom und wunderte sich \u00fcber seine augenscheinliche Selbstsicherheit.<\/p>\n<p>Der Trapper hatte eine laute Stimme. \u201eKommt her, seht euch das hier an und wenn ihr euch dann noch t\u00f6ten wollt, nur zu!\u201c sagte er.<\/p>\n<p>Sie sahen sich die Zinnsoldaten an, sie staunten und lachten und verfielen in viele Erinnerungen, bis Tom sagte: \u201eHeute ist es eh zu hei\u00df f\u00fcr ein Duell, oder?\u201c \u201eJa, genau\u201c, sagte John, \u201everschieben wir es auf \u2026 irgendwann.\u201c<\/p>\n<p>Molly Cartwright stand w\u00fctend und bebend vor ihnen.<\/p>\n<p>\u201eWas immer du brauchst \u2013 von uns bekommst du es nicht.\u201c sagte John.<\/p>\n<p>Als John, Tom und der Barkeeper dem Trapper danken wollten, war er jedoch wie vom Erdboden verschluckt. Er war ein Geist, sagen die Einen. Er war ein guter Reiter, der keine Spuren hinterlassen konnte, sagten die Anderen. Aber seien wir ehrlich. Es blieb bis heute ein R\u00e4tsel, woher er kam und wohin er verschwand.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Matthias Wieprecht Es war einer von diesen Tagen an denen einem der Schwei\u00df \u00fcber die Stirn rinnt, wenn man \u00fcber ein schwieriges Thema nachdenkt. Die K\u00fche auf den Weiden muhten ersch\u00f6pft. Einige waren schon an Hitzschlag gestorben. 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