{"id":1145,"date":"2019-03-06T11:28:33","date_gmt":"2019-03-06T10:28:33","guid":{"rendered":"http:\/\/starbase-fantasy.de\/?p=1145"},"modified":"2019-03-06T11:30:33","modified_gmt":"2019-03-06T10:30:33","slug":"ufo","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/starbase-fantasy.de\/?p=1145","title":{"rendered":"UFO 1978"},"content":{"rendered":"<p>Das Ger\u00e4usch des laufenden Motors beruhigte ihn, wie er auf dem R\u00fccksitz lag. Gerade acht Jahre alt. Er betrachtete die Linien, die sich durch die Heckscheibe zogen. Die Heizung, wie die Eltern ihm gesagt hatten, \u201efalls es mal friert.\u201c Sein Vater sa\u00df vorne auf dem Beifahrersitz, kaute auf seinem Kaugummi, seine Mutter fuhr schweigsam. Dann und wann jedoch unterhielten sie sich, \u00fcber langweiliges Zeug. Politik und \u00fcber was sich Erwachsene eben so unterhielten.<\/p>\n<p>Jetzt fuhren sie mitten durch einen Wald. Er konnte die hervorstehenden \u00c4ste und Zweige sehen. Als w\u00e4ren es Riesen, die auf ihn herabblickten. Sch\u00f6n war das, die B\u00e4ume so vorbeifahren zu sehen. Langsam wurde es dunkel.<\/p>\n<p>\u201eWie lange noch?\u201c hatte er nun schon vor einer Weile gesagt, bevor sie bei der Tankstelle angehalten hatten. Er war auf die schmutzige Toilette gegangen, die so aussah als w\u00e4re sie seit Monaten nicht gereinigt worden. Mit spitzen Fingern und Servietten hatte er ein Br\u00f6tchen gegessen, dass mit einem Klops Mett belegt war. Dazu eine Fanta und ein Bounty.<\/p>\n<p>Nun lag er wieder satt auf der R\u00fcckbank. Die Eltern hatten das Radio eingeschaltet. Wenn es stimmte, was sie gesagt hatten, w\u00e4re es nur noch eine halbe Stunde bis sie zuhause w\u00e4ren. Oder wenigstens nicht viel mehr. Aus seiner Liege-Position konnte er ganz hoch schauen \u2013 bis in die Sterne, die jetzt so vorbei zogen wie zuvor noch die \u00c4ste der riesigen B\u00e4ume. Fern waren sie, doch wirkten sie so als wenn er sie ganz einfach so greifen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Er hockte sich jetzt hin, denn hinter ihnen waren keine Autos mehr, die mit ihren strahlenden Lichtern blenden konnten. Dort zog sich \u2013 im Kreis des R\u00fccklichts \u2013 die Stra\u00dfe hin. Die unterbrochenen Striche auf der Stra\u00dfe schienen zu pulsieren. Bum \u2013 Bum \u2013 Bum&#8230; Oder waren es Laserstrahlen? Ja, genau! Piu! Piu! Die Striche bekamen etwas einschl\u00e4ferndes. Bald w\u00e4re er wieder zuhause. Seine \u00e4lteren Geschwister waren dort, w\u00fcrden sicher wieder anfangen, ihn zu \u00e4rgern. Sie liebten es, ihn zu \u00e4rgern. Oft hatte er sich gefragt, warum das so war. Lag es daran, dass er nichts B\u00f6ses wollte? Das er der J\u00fcngste war? Er verstand es nicht. Egal. Jetzt waren da nur seine Eltern, er und die Striche auf der Stra\u00dfe, die sich in die Ferne zogen.<\/p>\n<p>Vielleicht w\u00e4re er eingeschlafen, aber da sah er etwas, was er nicht glauben konnte. Er sah es zuerst in der Ferne, da wo ein Dorf zu sein schien. Da war ein seltsames Licht, das zu schweben schien. Es hing einfach so in der Luft, war aber zu weit entfernt, um wirklich erkennen zu k\u00f6nnen, was es war. Bestimmt nur eine optische T\u00e4uschung. Sie hatten einmal \u00fcber optische T\u00e4uschungen im Unterricht gesprochen. Dann vergas er das Licht, was vielleicht daran lag, dass es pl\u00f6tzlich nicht mehr zu sehen war. Sie fuhren weiter. Das Ger\u00e4usch des Autos, die W\u00e4rme der Heizung, die seine Eltern nun eingeschaltet hatten, lie\u00dfen ihn noch m\u00fcder werden. Bald w\u00e4ren sie zuhause&#8230;<\/p>\n<p>Er legte sich wieder auf die R\u00fcckbank. Wieder blickte er in die Richtung der Sterne. Aber die Sterne waren fort. Es hatte sich wohl bezogen. Vielleicht w\u00fcrde es bald regnen? Nun inspizierte er die Muster der Sitzbank. Pfeile, die ineinander \u00fcbergingen. Jetzt sah er wieder nach oben. Da erkannte er, dass die Sterne doch zu sehen waren, das es etwas anderes gewesen war, was ihm die Sicht genommen hatte \u2013 nicht die Wolken! Es war rundlich. Eine runde Scheibe, die \u00fcber ihrem Auto schwebte! Er konnte es nicht glauben. Nun \u2013 als sie weiter fuhren \u2013 konnte er diese Scheibe im Ganzen sehen. Gro\u00df, ja, riesig und schwebend und pl\u00f6tzlich ging ein inneres Licht von dem Objekt aus. Er erkannte eine Art \u201eKuppel\u201c. Ein gr\u00fcnlicher Strahl hangelte sich \u00fcber die Fahrbahnmarkierungen auf ihn \u2013 auf ihr Auto &#8211; zu, wie eine zarte, vielgliedrige Hand aus Licht. Obwohl er sich sonst immer als Angsthase empfand und seine Geschwister ihn immer als \u201eMimose\u201c bezeichnet hatten, was ihn so oft verletzt und in ihm ein Gef\u00fchl der Ohnmacht ausgel\u00f6st hatte, f\u00fchlte er nun gar keine Angst. Es f\u00fchlte sich sogar erhebend an. Als w\u00e4re es genau so richtig, was hier geschah. Ganz nat\u00fcrlich.<\/p>\n<p>Je \u00e4lter er wurde, desto mehr verblasste das Ereignis jener Nacht und als er ein junger Mann war, ordnete er seine vagen Erinnerungen in dem Bereich seiner \u00fcbersprudelnden Fantasie ein. Ein Teil von ihm jedoch wusste, dass das eine L\u00fcge war. Das an jenem Abend auf dem Weg nach Hause etwas Besonderes mit ihm geschehen war. Etwas, was ihn f\u00fcr den Rest seines Lebens ver\u00e4ndert hatte. Es war ein Samen in ihm gepflanzt worden. Ein St\u00fcck vom Weltraum existierte seither in ihm. Am deutlichste sp\u00fcrte er das immer dann, wenn er sehnsuchtsvoll in den von Sternen \u00fcbers\u00e4ten Nachthimmel blickte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Ger\u00e4usch des laufenden Motors beruhigte ihn, wie er auf dem R\u00fccksitz lag. Gerade acht Jahre alt. Er betrachtete die Linien, die sich durch die Heckscheibe zogen. 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