{"id":1207,"date":"2019-04-05T11:54:19","date_gmt":"2019-04-05T09:54:19","guid":{"rendered":"http:\/\/starbase-fantasy.de\/?p=1207"},"modified":"2019-04-05T11:54:19","modified_gmt":"2019-04-05T09:54:19","slug":"star-trek-discovery-die-zweite-staffel-vollkommen-subjektives-feedback-eines-fans-der-ersten-stunde","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/starbase-fantasy.de\/?p=1207","title":{"rendered":"Star Trek Discovery: Die zweite Staffel &#8211; Vollkommen subjektives Feedback eines Fans der ersten Stunde"},"content":{"rendered":"<p>Ich wuchs mit Captain Kirk auf, mit Spock und Pille und mit einer Serie aus den sp\u00e4ten 60iger \u2013 Jahren, in denen es futuristisch war, dass die Crew in Schlafanzug-gleichen Uniformen herumliefen. Der Au\u00dferirdische Nummer 1 war \u201eMr. Spock\u201c, der mit den \u201espitzen Ohren\u201c. Sein Aussehen begeisterte. Der Captain war ein Frauenheld, der Bordarzt ein rauher, aber herzlicher Typ, der in jedem Western ebenfalls einen guten Doc abgegeben h\u00e4tte. Die Themen hatten in der Regel damit zu tun, dass das \u201eRaumschiff Enterprise\u201c auf irgendein \u201eDing der Woche\u201c stie\u00df und damit umgehen musste. Mal war es eine riesige Hand, die die Enterprise festhielt, dann ein bunter W\u00fcrfel, mal war es ein junger Typ mit Superkr\u00e4ften, dann eine Zeitreise, ein Spukschlo\u00df im Weltall oder kleine, runde bepelzte \u201eTribbles\u201c, die f\u00fcr \u2013 zugegeben \u2013 ungeheure Unterhaltung sorgten. Das war lange vor CGI und Pay-TV. Sch\u00f6n, dass ich diese Serie als erste kennelernte und quasi mit den nachfolgenden mit-wachsen konnte.<\/p>\n<p>In den 80igern kam dann die \u201enext generation\u201c, setzte qualitativ etwa da an, wo das \u201eRaumschiff Enterprise\u201c von einst geendet hatte. Die erste Staffel war f\u00fcr viele noch \u201egrottig\u201c, ich f\u00fchlte mich aber schon gut unterhalten. Ja, Riker war dem Kirk \u00e4hnlich, Data dem Spock, wie ihm auch Besuch vom (ur)alten Doc \u201ePille\u201c McCoy best\u00e4tigt wurde, aber der franz\u00f6sische Captain mit dem britischen Akzent war von Anfang an \u00fcberraschend. Sein gro\u00dfer Humanismus, seine zur\u00fcckhaltende, \u00fcberlegte Art zeigte: Er war das Beste, was die Sternenflotte je hervorgebracht hatte. Ein Captain par excellence. Besser ging es kaum. Der Klingone Worf an Bord der Enterprise zeigte: In jenem fiktiven Universum, in dem die Rasse mit den B\u00e4rten und \/ oder Stirnw\u00fclsten die erbitterten Feinde der F\u00f6deration gewesen waren, bewegte sich was. Und zwar in die RICHTIGE Richtung. Kein Wunder, dass ich die Serie, die ab Staffel 3 komplett zu sich selbst gefunden hatte und besser und besser wurde, seinerzeit als meine \u201et\u00e4gliche Dosis positives Denken\u201c bezeichnete.<\/p>\n<p>Nach dem Tod von Gene Roddenberry, dem bekannten Erfinder von \u201eStar Trek\u201c, wie das Ganze in Amerika von Anfang an hie\u00df (der Name etablierte sich erst durch die Kinofilme in Deutschland), \u00fcbernahm damals Rick Berman, dem man viel anlastete. Teils vielleicht zurecht, denn sein Deep Space Nine war so gar nicht das, was sich Roddenberry je ertr\u00e4umt hatte. Er war stets der Ansicht gewesen, dass Religion in Star Trek nichts zu suchen hatte und das Krieg nie eine L\u00f6sung w\u00e4re. Er setzte darauf, dass die Menschen der Zukunft bessere L\u00f6sungen finden konnten. Und so mochte es ja auch sein, aber Berman erkannte, dass die Zuschauer eine friedliche Zukunft langeweilig finden. Oder war es nur eine These? Jedenfalls fanden DS9, Voyager und die \u201eback to the roots\u201c-Serie \u201eEnterprise\u201c eine Menge Fans. Ich verfolgte nat\u00fcrlich alles, was den Namen \u201eStar Trek\u201c trug, mal begeistert, mal entgeistert&#8230;<\/p>\n<p>Nach \u201eStar TrekVI\u201c, dem letzten gro\u00dfen Kinofilm der alten Crew folgten vier Filme mit Picard und drei mit einem neuen Kirk und seiner Crew. Aber im Kino wurde es immer zweidimensionaler. Trotz (sp\u00e4ter) \u201e3D\u201c. Filme mit mehr oder weniger Unterhaltungswert waren das schon, aber die Seele, der Geist, das Herz von Star Trek, seine Philosophie, der Humanismus, die Toleranz etc., wurden in den Kinofilmen kaum zelebriert.<\/p>\n<p>Einer der \u201eMacher\u201c hinter den j\u00fcngsten Kinofilmen war Alex Kurtzman. Ich gebe zu, ihm skeptisch begegnet zu sein, denn der andere Typ, der verantwortlich f\u00fcr die Drehb\u00fccher war, Roberto Orci, war der eigentliche Star Trek Fan, hatte eher Ahnung davon, was Roddenberry zeigen wollte als dieser einst an seinem Expose zu \u201eStar Trek\u201c feilte. Das wurde in Nebens\u00e4tzen immer wieder auf Trekomovie.com und auf anderen Seiten erz\u00e4hlt. Ausgerechet Kurzman und nicht Orci sollte das (Haupt)ruder f\u00fcr \u201eDiscovery\u201c \u00fcbernehmen. Aber auch der Sohn von Gene Roddenberry, der \u201eStar Trek II\u201c &#8211; Autor Nicholas Meyer, die gro\u00dfartige \u201eVoyager\u201c &#8211; Autorin (sie schrieb, was nach der Serie passierte) Irsten Beyer etc. sollten mit von der Partie sein. Ich war gespannt.<\/p>\n<p>Dann kam Star Trek: Discovery, die erste Staffel. Eierk\u00f6pfige Klingonen, seltsame, neuartige Raumschiffe, ein Sporenantrieb, von dem vorher nie die Rede gewesen war, standen einer neuen, frischen Crew, atemberaubenden Effekten und Geschichten gegen\u00fcber, die, so eigen sie mir auch erst erschienen, doch immer wohl\u00fcberlegt wirkten. W\u00e4hrend ich manchmal bei den letzten Folgen von Voyager beispielsweise das Gef\u00fchl hatte, man h\u00e4tte recht un\u00fcberlegt etwas aufs Papier gebracht, um es rechtzeitig drehen zu k\u00f6nnen, wirkten schon die ersten Drehb\u00fccher von \u201eDiscovery\u201c sehr \u00fcberlegt und mit viel Liebe erschaffen. Dennoch stellte sich bei mir erst nur ein Gef\u00fchl von \u201eJa, das ist guter Science Fiction, aber ist das auch Star Trek?\u201c ein. Ich blieb der Serie am Ende der ersten Staffel zwar gewogen, aber war auch skeptisch.<\/p>\n<p>Dann begann Staffel 2. An dieser Stelle muss ich tief Luft holen. Der Grund, warum ich bisher nichts \u00fcber diese Staffel schrieb, liegt (auch) daran, dass ich aus der Begeisterung nicht herauskomme. Die Serie l\u00e4sst mir keinen Moment, mich zu sammeln, die vielen Handlungsstr\u00e4nge, Charakterentwicklungen, Twists und \u00dcberraschungen halten mich so derma\u00dfen \u201ein Atem\u201c, dass ich kaum reflektieren kann.<\/p>\n<p>Die \u2013 absolut genialen \u2013 TNG-Folgen beinhalteten jeweils nur ein Thema, das gem\u00e4chlich und gut \u00fcberschaubar behandelt und in der Regel auch gel\u00f6st wurde. Gute Folgen hinterlie\u00dfen ein Gef\u00fchl von Erkenntnis oder dienten als Inspiration f\u00fcr den Alltag, was mich betrifft. \u201eDiscovery\u201c hingegen schleudert in jeder Folgen so viele Themen heraus, dass es sich wie ein wilder Ritt anf\u00fchlt, eine Folge zu sehen. Genau das macht mir aber auch so einen Spa\u00df daran!<\/p>\n<p>\u201eDiscovery\u201c, speziell hier in der zweiten Staffel, hat mich total gepackt. Das IST Star Trek und vielleicht mehr als irgendeine Serie zuvor. Wobei das unfair gegen\u00fcber der TOS \u2013 Serie ist, die ja den Grundstein legte.<\/p>\n<p>Begonnen mit der Begegnung mit der Enterprise 1701, dem Kennenlernen von Captain Pike, sp\u00e4ter Spock sowie der Sektion 31 in ihren Anfangszeiten, auf der rein formalen Ebene, inhaltich spielend mit Begriffen wie Zeitreisen, Toleranz, Selbstbestimmung und \u201e\u00fcber sich hinauswachsen\u201c, der \u201egleichgeschlechtlichen Liebe\u201c sowie der Aufopferungsbereitschaft ganz besonderer Menschen bis hin zum \u201eFeiern\u201c der Star Trek Historie in der \u201eErsten Zeitlinie\u201c, bietet diese Serie nunmehr alles und mehr als ich erwartet h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Ja, ich bin begeistert. Ich bin begeistert, wenn auf Thalos IV die selben Soundeffekte erklingen wie in der Original-Serie, wenn ich diesen Planeten und seine Bewohner \u00fcberhaupt mal wieder sehe, bin ich schon fasziniert. Auch ist es genial, dass ich nun die M\u00f6glichkeit habe, Captain Pike in Aktion zu sehen. Schon in den J. J. Abrams \u2013 Filmen spielte dieser Charakter eine wichtige Nebenrolle, aber in \u201eDiscovery\u201c wei\u00df er &#8211; nun als \u201eder\u201c Captain! &#8211; mit einer Mischung aus Kirks Cowboydiplomatie und der \u00dcberlegenheit von Picard zu erfreuen, so dass ich Lust bekommen habe, die \u201eersten Abenteuer der Enterprise\u201c mit Captain Pike zu verfolgen, w\u00fcrde es diese zu sehen geben.<\/p>\n<p>Aber auch zu erleben, dass die Sektion 31 hier eine Rolle spielt, dass auch ein Ort wie Boreth vorkommt, so dass ich \u2013 als alter Hase \u2013 mich auf diese Weise zu der Serie eingeladen f\u00fchle, begeistert mich genau so sehr wie zu sehen, dass mein 13j\u00e4hriger Sohn diese Serie als die aktuell beste bezeichnet, die er kennt.<\/p>\n<p>Letzteres zeigt, was \u201eStar Trek \u2013 Discovery\u201c aktuell leistet. N\u00e4mlich einen Bogen \u00fcber die Generationen zu schlagen. Anders als die letzten Kinofilme, die nicht schlecht waren, aber vor Allem Mainstream sein wollten und es vermieden, die Hardcore-Fans als Zielpublikum anzuvisieren, schafft es \u201eStar Trek \u2013 Discovery\u201c sie alle zu umarmen: Die neuen und die alten Fans \u2013 und jene, die noch gar nicht wissen, dass sie gerade zum Trekkie werden.<\/p>\n<p>Ich kann es nicht differnzierter sehen. Wer sich verliebt, ist eh nicht mehr objektiv. Und in diese Serie habe ich mich verliebt. Hoffe, es bleibt so, aber im Moment bin ich einfach nur Feuer und Flamme f\u00fcr \u201eDiscovery\u201c. Und das ist es doch, was einen Fan ausmacht, oder?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich wuchs mit Captain Kirk auf, mit Spock und Pille und mit einer Serie aus den sp\u00e4ten 60iger \u2013 Jahren, in denen es futuristisch war, dass die Crew in Schlafanzug-gleichen Uniformen herumliefen. 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