{"id":1687,"date":"2020-07-08T10:20:10","date_gmt":"2020-07-08T08:20:10","guid":{"rendered":"http:\/\/starbase-fantasy.de\/?p=1687"},"modified":"2020-07-09T07:43:46","modified_gmt":"2020-07-09T05:43:46","slug":"kolumne-weihnachtliches-im-juli","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/starbase-fantasy.de\/?p=1687","title":{"rendered":"Kolumne: Weihnachtliches im Juli"},"content":{"rendered":"<p>Was machst du in der Weihnachtszeit? An Freunde denken, Familie, und Dir die Zeit daf\u00fcr nehmen, dar\u00fcber nachzudenken, wer du bist und an welchem Platz in deiner Lebensgeschichte du angekommen bist, w\u00e4hrend der Schein der Kerze die Dunkelheit erhellt?<\/p>\n<p>Ein \u00e4hnlich bizarres Ansinnen erfasste mich im Juli dieses Jahres. Ich h\u00f6rte mir Weihnachts \u2013 Songs an und rutschte so in jene Stimmung, die normalerweise vom Duft gebackener Pl\u00e4tzchen und Weihnachtsbraten umrahmt ist. Nun war sie von Sonne umrahmt und von vielen Menschen, die mit einem Mund- Nasenschutz herum liefen.<\/p>\n<p>Dennoch brachte mir diese innere Einkehr auch im Monat der beginnenden Sommerferien ein Gef\u00fchl davon, was ich am meisten ersehne. Das ist das Eine. Es sind so herk\u00f6mmliche Sehns\u00fcchte wie die nach einer intakten Familie, in der die Liebe ungehindert flie\u00dfen kann oder nach einer Beziehung, in der die Liebe ebenso in ihrer sch\u00f6nsten Harmonie existiert. Sehns\u00fcchte, die viele Menschen unserer Gesellschaft haben und deren Erf\u00fcllung nur selten erlebt wird. Vielleicht auch, weil es letztlich mehr um das Geld und den Konsum als um irgendetwas sonst geht.<\/p>\n<p>Merkw\u00fcrdig, dass ich an Weihnachten denke und mich dies dazu animiert, den Konsum zu kritisieren, nicht weil ich von Weihnachten rede, sondern dadurch, dass ich besinnlich werde und dar\u00fcber sinniere, worum es im Leben eigentlich gehen sollte.<\/p>\n<p>Also um Liebe. Aber auch um ein nettes Miteinander. Nettigkeit ist keinesfalls etwas schlechtes, genau so wenig wie es schlecht ist ein \u201eGutmensch\u201c zu sein. Das der Wert dieser Begriffe \u00fcberhaupt verteidigt werden muss zeigt, was in unserer Gesellschaft in der Regel hoch angesehen wird: Der \u201eSchlecht-Mensch\u201c und alle, die sich eben nicht \u201enett\u201c verhalten. Wir sind halt \u201eTiere mit Krawatte\u201c, nicht mehr und nicht weniger. Oder doch?<\/p>\n<p>Genau das kam mir, w\u00e4hrend ich einen wundersch\u00f6nen Song von Pentatonix h\u00f6rte, in den Sinn. Denn Weihnachten hat mich immer weich gemacht. Nicht, dass ich sonst der knallharte Typ bin, aber der Teil von mir der wei\u00df, wie hilfreich es sein kann, einem verst\u00e4ndnisvollen Menschen zu begegnen, regt mich \u2013 speziell in der Vorweihnachtszeit \u2013 dazu an, ebenfalls daf\u00fcr zu sorgen, dass meine Mitmenschen einen sch\u00f6nen Tag haben.<\/p>\n<p>Wie gestaltet sich mein Leben eigentlich sonst? Ehrlich gesagt, auch das wurde mir beim lauschen der Weihnachts-Songs klar, ist dies vor Allem ein Kampf. Irgendwie, denke ich mir, hat es die Menschheit geschafft, das Geschehen des Dschungels und der Natur auch in die selbstgeschaffene \u201eZivilisation\u201c zu tragen: Der Kampf ums (\u00dcber)leben findet hier nur anders statt. Zum Beispiel in unz\u00e4hligen Begegnungen mit den \u201eSchlechtmenschen\u201c des Alltags. Manche von ihnen leben ihre Launen, ihre eigenen Probleme aus, andere machen \u201enur ihren Job\u201c und machen das Leben ihrer Mitmenschen dennoch zur H\u00f6lle oder wenigstens bedeutend stressiger. Ein Grund, warum ich niemals Gerichtsvollzieher werden wollte und es mir, vor Urzeiten, auch nicht sonderlich gefiel in einem Praktikum Ordnungswidrigkeiten zu verfolgen (wobei man fairer Weise sagen muss, dass einige davon auch von \u201eSchlechtmenschen\u201c zutage traten und wirklich verfolgt werden mussten).<\/p>\n<p>Worauf ich aber hinaus will ist dies: Mein Leben f\u00fchlt sich oft an wie einer von diesen Faustk\u00e4mpfen auf einem fahrenden Zug, wie man es aus Western und Actionfilmen kennt. Bei einer Kerze innehalten ist das Gegenteil und es l\u00e4sst vieles im Alltag so unn\u00f6tig und \u2013 das Wort passt schon wieder! \u2013 bizarr wirken.<\/p>\n<p>Und es ist vieles unn\u00f6tig. Verletzungen, die man \u00fcber sich ergehen lassen muss, Herausforderungen, nach denen man nie gefragt hat, ja, selbst der ein oder andere Bescheid des ein oder anderen Amtes, der nat\u00fcrlich zum Wochenende kommt, um jenes so richtig versauen zu k\u00f6nnen. Schon Shakespeare\u00b4s Hamlet dachte dar\u00fcber nach, sich wegen des &#8222;\u00dcbermuts der \u00c4mter&#8220;, das Leben zu nehmen. Ein altes Leiden unserer Welt also.<\/p>\n<p>Die popul\u00e4re, selten umgesetzte Wahrheit ist wohl die, dass man nur bei sich selbst anfangen kann, diese Welt zu einem etwas freundlicheren Platz zu machen. Und das ist es auch, was mir \u201eWeihnachten\u201c stets sagt. Eine verdammt n\u00f6tige und gute Idee, finde ich. Warum nur wird sie auf den letzten Monat des Jahres verbannt? Sie sollte immer und \u00fcberall propagiert und vorgelebt werden. Von Schauspielern, Politikern und Spitzensportlern.<\/p>\n<p>Ich werde noch oft Weihnachtsmusik h\u00f6ren in diesem Sommer, mir dabei eine Kerze anz\u00fcnden und dar\u00fcber sinnieren, was eigentlich gerade um mich herum und in mir passiert. Sei es nur, um mir immer wieder klar zu machen, worum es wirklich geht, was wirklich z\u00e4hlt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was machst du in der Weihnachtszeit? An Freunde denken, Familie, und Dir die Zeit daf\u00fcr nehmen, dar\u00fcber nachzudenken, wer du bist und an welchem Platz in deiner Lebensgeschichte du angekommen bist, w\u00e4hrend der Schein der Kerze die Dunkelheit erhellt? 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