{"id":1895,"date":"2021-01-27T10:03:19","date_gmt":"2021-01-27T09:03:19","guid":{"rendered":"http:\/\/starbase-fantasy.de\/?p=1895"},"modified":"2021-01-27T10:26:33","modified_gmt":"2021-01-27T09:26:33","slug":"wie-ich-die-letzten-jahre-mit-star-trek-lebte-und-was-ich-hoffe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/starbase-fantasy.de\/?p=1895","title":{"rendered":"Wie ich die letzten Jahre mit Star Trek lebte und was ich hoffe&#8230;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Der Anfang&#8230;<\/strong><\/p>\n<p>Als Star Trek Fan, geboren im Jahr der Mondlandung, wuchs ich mit James T. Kirk auf. Als Kind war das originale Star Trek f\u00fcr mich genau das Richtige. Bunt, mit Spezialeffekten und heroischen Vorbildern best\u00fcckt \u2013 und dann auch noch im Weltraum spielend!<\/p>\n<p>Am Rande flammte immer wieder mein Interesse f\u00fcr Star Wars auf, aber f\u00fcr lange Zeit waren das eben \u201enur\u201c drei Filme, w\u00e4hrend die original Serie immerhin auf drei Staffeln kam. Au\u00dferdem schien das Universum von Star Trek komplexer zu sein. Es gab mehr zu entdecken und die Forscher waren die neuen Helden, die ins unbekannte zogen, bereit es mit (wissenschaftlich erkl\u00e4rbaren) Monstern und Ph\u00e4nomenen aufzunehmen.<\/p>\n<p>Allen voran Kirk, der schelmisch l\u00e4chelnde Frauenschwarm, mit dabei seine treuen Begleiter Spock, der K\u00fchle und McCoy, das Herz der Gruppe, der Heiler. Es h\u00e4tten auch Ritter sein k\u00f6nnen, w\u00e4hrend Roddenberry ja immer meinte, es sein ein \u201eWaggon Trail to the Stars\u201c, also eher einem Western nachempfunden.<\/p>\n<p>Star Trek (oder \u201eRaumschiff Enterprise\u201c) packte mich also als Kind. Das ist wesentlich, denn was einen in dieser Zeit packt, wird mehr Teil des eigenen Verst\u00e4ndnisses von dieser Welt, weil man als Kind selbst Forscher ist und die Welt erst St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck erleben und erfahren muss, um erwachsen werden zu k\u00f6nnen. So waren schon in meiner Kindheit die Leute vom Raumschiff Enterprise nicht nur Freunde im Geist, sondern auch Weggef\u00e4hrten.<\/p>\n<p>Dennoch schien auch Star Trek \u2013 die Originalserie lange Zeit ein abgeschlossenes Kapitel zu sein und wurde unwichtiger, wenn auch immer in gl\u00e4nzender Erinnerung gehalten, als ich \u00e4lter und ein junger Erwachsener wurde.<\/p>\n<p><strong>TNG &#8211; der n\u00e4chste Schritt<\/strong><\/p>\n<p>\u201eStar Trek \u2013 das n\u00e4chste Jahrhundert\u201c oder eben TNG war die Antwort auf meine Frage: Wie m\u00fcsste ein Star Trek sein, dass mir jetzt \u2013 als junger Erwachsener \u2013 ein Wegbegleiter und Freund im Geiste w\u00e4re?<\/p>\n<p>W\u00e4hrend Kirks diplomatischste Antwort in der Regel ein Faustschlag war (neben einigen gepfefferten Reden), verstand sich Picard in der Kunst der hohen Diplomatie, w\u00e4hrend McCoy das Herz eines Landarztes einbrachte, gab es auf der 1701 D eine Counselor f\u00fcr psychische Probleme, einen Androiden, der die Welt \u2013 bei allem Wissen \u2013 aus einer v\u00f6llig unvoreingenommenen Sicht betrachtete, einen Klingonen, der seine machohaft-traditionellen Werte teilweise mit einem gelegentlichen L\u00e4cheln tauschen sollte und viele, viele mehr. Das waren wirklich hochkar\u00e4tige Weggef\u00e4hrten durch das Leben, die mir als jungen Erwachsenen ebenfalls hilfreich war.<\/p>\n<p>Denn neben den unterhaltsamen, spannenden, witzigen und lehrreichen Handlungen, vermittelte die Serie eine Art von Denken, von der sich mancher Chef in mancher Chefetage eine dicke Scheibe abschneiden kann. F\u00fcr mich \u2013 als \u201eNormalo\u201c &#8211; waren die intelligenten und emphatischen L\u00f6sungsans\u00e4tze f\u00fcr diverse Krisen, die Offenheit zu einer klugen Weltsicht und einer ehrlichen Selbstreflexion, wie sie immer wieder, in unz\u00e4hligen Folgen, an diversen Beispielen gezeigt wurde, ebenfalls eine gute Anleitung f\u00fcr den Alltag. Lange Zeit nannte ich TNG meine \u201et\u00e4gliche Dosis positives Denken\u201c.<\/p>\n<p><strong>TNG im Kino<\/strong><\/p>\n<p>Als TNG ins Kino kam, war es nicht mehr TNG. Einiger Tiefe beraubt, inhaltlich teils nicht mehr passend zu den Geschehnissen in der Serie, starteten die Kinofilme mit \u201eTreffen der Generationen\u201c; einem Film, der von Zerfall und Verg\u00e4nglichkeit berichtete, wobei Kirk zwei mal starb, die Enterprise D zerschrottet wurde, die Geschwister Lursa und Bethor starben, die Familie von Picards Bruder in einem Brand ums Leben kam, und das alles, damit Kirk und Picard zu dem denkbar ung\u00fcnstigen Zeitpunkt aus dem \u201eNexus\u201c springen konnten (was per se als unm\u00f6glich galt), um sich mit Soran, dem B\u00f6sewicht des Films, pr\u00fcgeln zu k\u00f6nnen. Nat\u00fcrlich wollte man die Fans beider Generationen ins Kino locken, um den Profit zu maximieren. Ja, Ferengis haben ihre Vorbilder in der wahren Welt&#8230;<\/p>\n<p>Ich verglich das Drehbuch zum ersten TNG Kinofilm damals mit einer \u201eunaufgetauten Pizza Deluxe\u201c, denn der Film hatte viel Potential, dass aber verschenkt wurde. Die Charaktere trugen teils Uniformen vom Nachbarset (Deep Space Nine), denn der Film wurde generell \u201emit der hei\u00dfen Nadel\u201c gestrickt. Auf seine plumpe Weise war es der letzte Star Trek Kinofilm (bis evtl. Nemesis), in dem es weniger um Action als um Inhalt ging. Immerhin konnte man noch eine kleine Erkenntnis aus diesem Film ziehen: Sterblichkeit geh\u00f6rt zum Leben und es ist kl\u00fcger die Zeit, die man hat zu nutzen als \u00fcber die, die man nicht mehr hat, zu klagen. Nach \u201eFirst Contact\u201c und \u201eInsurrection\u201c erz\u00e4hlte erst \u201eNemesis\u201c wieder von einer kleinen Lektion: dass das Streben danach, mehr zu sein als man ist den Unterschied macht.<\/p>\n<p>Im TV trugen uns die Nachfolgeserien auf ihren Schwingen ins neue Jahrhundert: DS9, Voyager, Enterprise.<\/p>\n<p>Alle drei Serien wurden mit viel Liebe angelegt, aber auf meiner ersten Convention sagte Bob Justman, Roddenberry w\u00fcrde sich bei der Vorstellung einer Star Trek Serie um eine Raumstation im Grab umdrehen. Genes Frau, Majel Barret-Roddenbery, meinte sp\u00e4ter, es sei in der Serie zu sehr um Krieg gegangen. Das sei nicht mehr die Vision ihres verstorbenen Ehemannes.<\/p>\n<p>\u00dcber \u201eVoyager\u201c hie\u00df es b\u00f6se, Berman h\u00e4tte die Serie in einen anderen Quadranten verlegt, um sich von Roddenberry inhaltlich zu befreien: \u201eNeuer Quadrant, neues Gl\u00fcck\u201c &#8211; aber am Ende wurde die Serie doch eine Art \u201eTNG mit neuen Charakteren\u201c. Enterprise wurde als \u201eSchritt auf die Fans zu\u201c umworben und erlebte gerade noch so seine vierte Staffel.<\/p>\n<p>Die Luft war raus. Weder im Kino, noch auf dem \u201ekleinen Bildschirm\u201c hatte Star Trek noch eine Bedeutung. Manche Fans meinten damals, die Kuh sei totgemolken worden.<\/p>\n<p>Und wie dachte ich dar\u00fcber?<\/p>\n<p>Damals h\u00e4tte f\u00fcr mich \u201eEnterprise\u201c gerne noch bis in die siebte Staffel gehen k\u00f6nnen und zwar so, wie es vor der \u00dcbernahme von Manny Coto und Co. gedacht war. Als eine Serie um das erste Warp-f\u00e4hige Raumschiff der Menschheit, dass eine Menge aufregende Erstkontakte hatte. Es wurde stattdessen brutaler. Sp\u00e4testens die Folge \u201eCold Station 12\u201c zeigte Szenen einer Folterung, die Star Trek von einer Familienserie zu einer Serie f\u00fcr die \u00e4lteren machte. So sollte Star Trek nie sein, doch scheint das Franchise seither nur bedingt familienfreundlich zu sein.<\/p>\n<p>Das war mir damals allerdings noch relativ egal, denn ich war ja \u00e4lter. Nur wollte auch ich mich nie an Brutalit\u00e4t in Star Trek gew\u00f6hnen.<\/p>\n<p>Die Inhalte der sp\u00e4teren Serien (DS9 &#8211; ENT)\u00a0 jedoch waren \u2013 bis auf wenige Ausnahmen \u2013 nicht mehr so sehr dazu angehalten als Schablone f\u00fcr t\u00e4gliches Denken und Handeln in der echten Welt zu dienen. Ein Sisko, der mir erz\u00e4hlt, wie er gemogelt hat, um die Romulaner in den Krieg gegen das Dominion zu ziehen: Das war perfekte Unterhaltung, aber nichts, was ich mit in den Alltag nehmen konnte.<\/p>\n<p>Aus meiner Perspektive verw\u00e4sserte die Botschaft von Gene Roddenberry nach seinem Tod mehr und mehr.<\/p>\n<p>Dann wurde es still um Star Trek.<\/p>\n<p><strong>Und wieder im Kino&#8230; Star Trek (2009)<\/strong><\/p>\n<p>Der erste Kinofilm, der dann \u2013 2009 \u2013 von J.J.Abrams geschaffen wurde ,war ein guter Ausgangspunkt f\u00fcr eine Reihe guter Filme. Abrams kann zwar gut ein tot geglaubtes Franchise wiederbeleben, aber es fehlte dann stets an den \u201eSanit\u00e4tern\u201c (um im Bild zu bleiben), die den Patienten wirklich wieder fit werden lie\u00dfen. Er entz\u00fcndete stets ein Feuer, aber dann kamen andere \u2013 und im Fall \u201eStar Trek\u201c sogar er selbst \u2013 und nahmen diesem initialisierten Feuer die Kraft.<\/p>\n<p>So war im Kino nach drei Filmen, die von Paramount eindeutig nicht f\u00fcr die Fans, eher f\u00fcr die Masse geschaffen worden waren, Schluss. Ger\u00fcchte folgten und blieben Ger\u00fcchte. Es hie\u00dft damals, der Pr\u00e4sident von Paramount habe kein Interesse an Star Trek.<\/p>\n<p>Der sp\u00e4tere Erfolg von Star Wars zog auch weitere Wiederbelebungsversuche bei Star Trek nach sich. War ja klar. Jedes Studio will sein Pferd ins Rennen schicken und wenn \u201eWeltraumserie\u201c angesagt ist, wird produziert.<\/p>\n<p>Im Grunde bin ich froh, dass das so kam. Ich freue mich, dass es Serien wie \u201eDiscovery\u201c, und &#8222;Picard\u201c\u00a0 gibt und in K\u00fcrze auch \u201eStrange new worls\u201c geben wird. Speziell \u201eDiscovery\u201c ist meiner Ansicht nach wieder n\u00e4her an Roddenberry dran, was vielleicht auch daran liegt, dass sein Sohn im Produktionsteam ist. \u201ePicard\u201c wurde f\u00fcr mich pers\u00f6nlich zur relativen Entt\u00e4uschung.<\/p>\n<p>Was meiner Meinung nach all diesen Serien fehlt ist die Metaebene. Die gro\u00dfen, wundervoll inszenierten Geschichten, deren Budget damalige Kinofilme \u00fcbersteigt, mit ihren tollen, f\u00e4higen Schauspielern, vermissten es lange Zeit, einen deutlichen Bezug zu unserem Leben zu ziehen. In Ans\u00e4tzen vielleicht mal, aber viel weniger als das bei TNG der Fall war.<\/p>\n<p>Das ist jedenfalls das, was mir pers\u00f6nlich fehlt. Es ist heutzutage eine Krankheit jeglicher Fans, dass sie meinen zu wissen, was nicht nur f\u00fcr sie stimmt, sondern auch f\u00fcr alle anderen stimmen muss. Ich kann nur sagen, dass mir pers\u00f6nlich die M\u00f6glichkeit fehlt nach der Sichtung einer weiteren Folge \u201erauszugehen und das gerade gesehene in meinem Leben anzuwenden\u201c. Nicht umsonst gibt es dieses Buch mit dem Titel \u201eAlles was ich gelernt habe, habe ich von Star Trek\u201c (oder \u00e4hnlich). Nicht umsonst gibt es B\u00fccher, die sich Picards Denken als Anleitung f\u00fcr Manager oder zum Bew\u00e4ltigen von Alltagsproblemen, widmen. Genau DAS fehlt mir pers\u00f6nlich am neuen Star Trek. Das sorgt daf\u00fcr, dass es f\u00fcr mich aktuell keine Star Trek Serie ist, die mich so mitreisst, dass ich l\u00e4nger daran denken muss als in der Stunde, in der ich die jeweilige Folge sehe.<\/p>\n<p><strong>Hoffnung<\/strong><\/p>\n<p>Einen Hoffnungsschimmer gibt es jedoch. Die letzte Staffel \u201eDiscovery\u201c zeigte uns ein ver\u00e4ngstigtes \u201eerwachsenes Kind\u201c, dass Angst davor hat, sich der Welt zu \u00f6ffnen, die voller Grausamkeit, aber auch voller Sch\u00f6nheit ist. Wenn Saru und Co. Ihm anbieten, ihn als Weggef\u00e4hrten dabei zu begleiten, diese wahre Welt kennenzulernen, spricht das auch mein \u201einneres Kind\u201c an, welches seinerzeit Kirk und Co. zu seinen Weggef\u00e4hrten machte.<\/p>\n<p>Die dritte Staffel kann auch als Gleichnis f\u00fcr jene Fans genommen werden, die so sehr in ihrer Fantasie leben, dass das wahre Leben an ihnen vorbeigeht. Die Geschichten, die uns als Kind erz\u00e4hlt werden sind nicht das Ende, sie sind der Anfang von etwas Gr\u00f6\u00dferem. Es geht darum, in die reale Welt zu ziehen, ohne dabei die Geschichten je zu vergessen, denn sie k\u00f6nnen dabei helfen auch mit den grausamen \/ harten Dingen im Leben besser umgehen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Verdammt ja, das ist Star Trek. Einzig bedauerlich, dass \u201eDiscovery\u201c f\u00fcr diese wirklich gute Message, \u00fcber die sich Gene Roddenberry sicherlich gefreut h\u00e4tte, eine ganze Staffel gebraucht hat. Mag aber sein, dass sie langsam wirklich wieder wissen, worum es eigentlich geht. Aus meiner Sicht. Wenigstens schlie\u00dfe ich diese Gedanken mit Hoffnung auf (weitere) echte Star Trek Episoden in weiteren Serien. Noch haben sie mich nicht so ganz erwischt, aber Captain Pike und seine Crew k\u00f6nnten die n\u00e4chsten Weggef\u00e4hrten in meinem Alltag werden. Wer wei\u00df? <i>The Sky is the limit<\/i>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Anfang&#8230; Als Star Trek Fan, geboren im Jahr der Mondlandung, wuchs ich mit James T. Kirk auf. Als Kind war das originale Star Trek f\u00fcr mich genau das Richtige. 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