{"id":2959,"date":"2024-11-10T20:44:16","date_gmt":"2024-11-10T19:44:16","guid":{"rendered":"https:\/\/starbase-fantasy.de\/?p=2959"},"modified":"2024-11-10T21:32:39","modified_gmt":"2024-11-10T20:32:39","slug":"parzival-eine-kurzgeschichte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/starbase-fantasy.de\/?p=2959","title":{"rendered":"PARZIVAL &#8211; Eine Kurzgeschichte"},"content":{"rendered":"<p><strong>Mein Name ist Ghamuret.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Ich danke euch, das ihr meine Zeilen lest. Es war nicht leicht f\u00fcr mich, einen Verb\u00fcndeten in eurer stofflichen Welt zu finden, der sie aufschreibt. Ich bin schon lange tot.<\/strong><\/p>\n<p>Als mich die Lanze traf, zweifelte ich noch einen Moment an meinem Ende. Mein letzter Gedanke geh\u00f6rte meinem Sohn Parzival. Er war noch sehr klein und es war f\u00fcr mich das bitterste, das ich ihm nie das reiten, das Bogenschie\u00dfen, das k\u00e4mpfen mit dem Schwert beibringen k\u00f6nnte. Ihm nie w\u00fcrde zusehen k\u00f6nnen, wie er ein erwachsener Mann wird. Dieser Gedanke erzeugte einen tiefen Schmerz in mir, der sich mit dem des Speers in meiner Brust mischte. Ich st\u00fcrzte vom Pferd und schon im st\u00fcrzen trennten sich meine Seele und mein K\u00f6rper. Ich f\u00fchlte nicht einmal mehr den Aufprall auf dem sandigen Boden.<\/p>\n<p>Ich sah, wie mein Knappe, der Getreue, um mein Leben rang und anderen Rittern, die sich ebenfalls im Kampf befanden, anrief, man m\u00f6ge ihm helfen. Wie gerne h\u00e4tte ich ihm eine Hand auf die Schulter gelegt und ihn beruhigt! Aber das konnte ich nicht mehr. Meine Zeit auf Erden war so kurz gewesen \u2013 und ein f\u00fcr allemal beendet.<\/p>\n<p>Von meiner fabelhaften Reise in Gottes Reich erz\u00e4hle ich euch nicht. Es w\u00e4re mir m\u00f6glich, w\u00fcrde aber meiner eigentlichen Erz\u00e4hlung abtr\u00e4glich sein. Au\u00dferdem w\u00fcrdet ihr mir nicht mehr recht glauben, insofern ihr \u00fcberhaupt bereit seit, einem \u201eGeist\u201c zu glauben.<\/p>\n<p>Ich trat, wie soll ich es beschreiben? Ja, ich trat vor Gottes \u201eThron\u201c und ich bat ihn, meinen Sohn Parzival bis zum Mannesalter begleiten zu k\u00f6nnen. Gott ist ein g\u00fctiger Gott und nicht so erb\u00e4rmlich, wie ihr ihn euch oft vorstellt. Er ist wahrhaftig ein gro\u00dfer Geist \u2013 und er hatte ein Einsehen mit mir. Er erbarmte sich meiner.<\/p>\n<p>Als Geist waren mir die M\u00f6glichkeiten gebunden, aber immerhin konnte ich ein wenig Einfluss auf das Leben meines Sohnes nehmen. Ein einziges Mal d\u00fcrfte ich sein Geschick lenken. Das war ein Geschenk, das ich mit auf meinen Weg bekam.<\/p>\n<p>Wenn ich euch erz\u00e4hle, dass meine Frau und ihr Sohn Parzival bescheiden in einer Holzh\u00fctte im Wald lebten, m\u00f6gt ihr euch fragen, wie das sein kann, da ich doch ein Ritter\u00a0 war und ein Ritter eine Burg besitzen m\u00fcsse! Das war auch so.<\/p>\n<p>Meine geliebte Frau hie\u00df Herzeleid. Wahrhaftig erlebte sie schon oft in ihrem Leben gro\u00dfen Kummer, gro\u00dfes \u201eHerzeleid\u201c. Als sie von einem Boten erfuhr, dass ich im Kampf gefallen war und das unser Sohn die Burg und alles erben sollte, weinte sie bitterlich. Ich sah es mit an! Ich konnte bis in ihr Herz sehen! Sie sah vor ihrem inneren Auge, dass eines Tages auch ein Bote daher kam und vom Tod unseres lieben Sohnes Parzival erz\u00e4hlen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Was soll ich sagen? Sie packte alles ein, was n\u00f6tig war \u2013 und nichts mehr als dies \u2013 und zog mit Parzival in den Wald. \u201eDu wirst kein Ritter\u201c, sagte sie dem kleinen Kerl, der noch kein Jahr alt war. Sie hatten nicht viel, aber immer genug. Ern\u00e4hrten sie sich von Pilzen, Beeren und ein Mal im Monat fuhren sie, mit einer alten Kutsche, auch in die benachbarte Stadt, um sich Nahrung zu kaufen.<\/p>\n<p>Parzival wurde ein starker J\u00fcngling. Aber er kannte au\u00dfer Herzeleid niemanden. Wenn er sich f\u00fcr die Frauen in der Stadt interessierte, erz\u00e4hlte sie ihm: \u201eDiese Frauen bringen nur Kummer, bleib lieber bei mir.\u201c Und wenn andere M\u00e4nner, etwa der Sohn des B\u00e4ckers, Fabian, mit ihm einen Humpen Bier trinken gehen wollte, erhob sie Einwand: \u201eDas ist kein Umgang f\u00fcr dich, vertraue mir!\u201c sagte sie ihm dann.<\/p>\n<p>Lange Jahre lebten die beiden zufrieden in ihrer Holzh\u00fctte. Es war ein bescheidenes Leben, aber hatte durchaus seinen Reiz. Ich konnte sie sogar verstehen, wenngleich mir beide dennoch sehr leid taten. Herzeleid hatte ich durch meinen Tod das Herz gebrochen und Parzival verpasste so unendlich viele, wunderbare Dinge im Leben. Dennoch war Parzival zufrieden und ich begn\u00fcgte mich damit, dass er zufrieden war.<\/p>\n<p>Tage gingen und N\u00e4chte flossen dahin, wie der Fluss, der in das Meer m\u00fcndet. Bald war Parzival ein richtiger Kerl, noch gr\u00f6\u00dfer und st\u00e4rker denn je und sein Herz war voller Leidenschaft und ehrenhaftem Mut. Er wollte sich der Welt stellen, er wollte wissen, was au\u00dferhalb ihrer H\u00fctte geschah. Das bemerkte Herzeleid und war voller Kummer. \u201eWenn er das tut\u201c, meinte sie, \u201edann werde ich ihn verlieren und er wird sein Leben verlieren.\u201c sagte sie, in einer stillen Stunde, zu sich.<\/p>\n<p>Wie gerne h\u00e4tte ich ihr zugefl\u00fcstert: \u201eDu irrst! Vertraue dem Leben! Ein Mann muss in die Welt gehen, muss Fehler machen d\u00fcrfen, muss wachsen d\u00fcrfen!\u201c Als Geist war mir dies jedoch unm\u00f6glich. Abgesehen davon h\u00e4tte sie mir kaum zugeh\u00f6rt, hatte ich doch durch mein st\u00e4ndiges K\u00e4mpfen in der Welt mein Leben verloren und ihr Herz gebrochen. Wie konnte ihr jemand, der so gelebt hatte, einen \u201eguten Rat\u201c geben k\u00f6nnen? Ich konnte sie verstehen, aber ich sah auch bek\u00fcmmert, wie mein lieber Parzival immer trauriger wurde und all seine gro\u00dfe Kraft verlor sich im Laufe der so kostbaren Zeit.<\/p>\n<p>Ja, vermutlich denkt ihr, dass ich an diesem Punkt in sein Geschick eingriff? Genau so ist es gewesen. Denn eines Tages ritten drei Ritter\u00a0 durch den Wald, in dem die H\u00fctte stand. Ihre Namen tun nichts zur Sache, wohl aber, dass sie wundersch\u00f6ne, gl\u00e4nzende R\u00fcstungen trugen. Ich warf ihnen einen Baum in den Weg, so dass sie an der H\u00fctte vorbeikommen mussten. Parzival, der gerade Feuerholz spaltete, sah sie und erstarte vor Ehrfurcht. \u201eSeid ihr g\u00f6ttliche Wesen? Seid ihr Engel?\u201c fragte Parzival. Die Ritter lachten. \u201eB\u00fcrschchen, willst du uns auf den Arm nehmen?\u201c fragte einer der Ritter und Parzival verneigte sich und sprach: \u201eKeinesfalls, mein Herr. Entschuldigt. Ich habe noch nie jemanden gesehen, der so edel gewandet war!\u201c Jetzt sahen sich die Ritter an und es wurde klar, dass sie meinen Sohn mochten. Der \u00c4lteste von ihnen richtete sein Wort an ihn. \u201eDu hast also noch nie Ritter gesehen? Nun, dann sind wir die ersten, die du zu Gesicht bekommst. Wir sind Ritter und wir k\u00e4mpfen und streiten f\u00fcr K\u00f6nig Artus, den gerechtesten K\u00f6nig, den es je gab und geben wird.\u201c<\/p>\n<p>Parzival war in diesem Moment sicher, dass auch er Ritter werden wollte. Als Herzeleid bemerkte, dass sie ihren Sohn nicht aufhalten konnte, in die Welt zu gehen \u2013 und sie hatte es beileibe versucht \u2013 kleidete sie ihn bunt und keck, so dass er eher wie ein Hofnarr aussah. Sie erhoffte sich, dass ihn so gekleidet niemand bei Hofe ernst nehmen w\u00fcrde. Sie tat das nicht aus B\u00f6swilligkeit, sondern weil sie sich sicher war, ihn so vor einem zu fr\u00fchen Tod als Ritter bewahren zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Ich beobachtete noch vieles, aber will euch nicht langweilen. Das Wichtigste scheint mir ist, dass Sir Parzival bald ein Ritter bei Hofe des K\u00f6nigs wurde und mehr als das! Er fand den Heiligen Gral, den Gral des wahrhaftig letzten Abendmals von Jesus, unserem Herrn.<\/p>\n<p>Vielleicht sollte ich noch erw\u00e4hnen, dass er nach 7 Jahren und vielen bestandenen Abenteuern zu seiner Mutter zur\u00fcckkehrte. Er nahm sie zu sich, auf seine Burg, und k\u00fcmmerte sich um sie, denn sie war alt und gebrechlich geworden. Als sie eines Abends in einem gem\u00fctlichen Zimmer seiner Burg, auf ihrem Bett lag und merkte, dass sie bald diese Welt verlassen w\u00fcrde, kniete sich Parzival zu ihr und sie beteten zusammen. Dann sagte sie: \u201eParzival, sieh dich nur an. Du bist ein wunderbarer Mann geworden. Ich war im Unrecht. Es war falsch, Dich all die Jahre zur\u00fcck zu halten.\u201c Aber Parzival legte ihr nur einen Finger sanft auf ihre Lippen und meinte: \u201eEs ist alles gut, Mutter.\u201c L\u00e4chelnd schlief sie ein.<\/p>\n<p>Das war dann auch der Augenblick, in dem ich mich g\u00e4nzlich aus dem irdischen Leben verabschiedete. Obwohl ich zuvor noch eine Sache zu erledigen hatte. Genau, es ging darum, diese Zeilen einem Menschen zukommen zu lassen, der sie dann aufschrieb. Ich setzte mich in dessen Kopf, so dass er meinte, ihm selbst w\u00e4ren diese Gedanken gekommen.<\/p>\n<p>Ich bin froh und erleichtert, dass alles so gut ging. Und euch kann ich nur bitten, euren Herzen zu folgen, denn all die Angst vor all den Dingen, die passieren k\u00f6nnten, halten euch nur davon ab, ein erf\u00fclltes Leben zu f\u00fchren. Ihr m\u00fcsst ja nicht gleich den heiligen Gral finden, aber &#8211; wer wei\u00df &#8211; vielleicht findet ihr euren ganz pers\u00f6nlichen &#8222;Gral&#8220;? Was das f\u00fcr euch ist, das m\u00fcsst ihr selbst herausfinden.<\/p>\n<p>Jetzt kann ich endlich in Frieden ruhen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mein Name ist Ghamuret. Ich danke euch, das ihr meine Zeilen lest. Es war nicht leicht f\u00fcr mich, einen Verb\u00fcndeten in eurer stofflichen Welt zu finden, der sie aufschreibt. Ich bin schon lange tot. 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