{"id":3079,"date":"2025-06-13T11:32:46","date_gmt":"2025-06-13T09:32:46","guid":{"rendered":"https:\/\/starbase-fantasy.de\/?p=3079"},"modified":"2025-06-13T11:32:46","modified_gmt":"2025-06-13T09:32:46","slug":"mr-jones-und-das-alter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/starbase-fantasy.de\/?p=3079","title":{"rendered":"Mr. Jones und das Alter&#8230;"},"content":{"rendered":"<p>Als Mr. Jones an diesem Morgen aufwachte und in die K\u00fcche zu seinen Medikamenten gehen wollte, kam er \u2013 wie jeden Morgen \u2013 an seinem Spiegel im Flur vorbei. Er sah sich nur kurz von der Seite an, aber das, was er da sah, brachte ihn dazu, noch einmal genauer hinzuschauen.<\/p>\n<p>Graue, fast wei\u00dfe Haare sah er, einen Alt-M\u00e4nner-Bauch (er a\u00df sehr wenig, aber irgendwie wusste das sein K\u00f6rper nicht) und ein Gr\u00fcbchen an seinem linken Auge. Er zog sich den Stuhl von der Garderobe heran und setzte sich. Auf seinen Unterarmen zeigte sich die feine Maserung seiner Haut, jedoch mit einem unangenehm trockenen \u201eNetzmuster\u201c. Seine Schuppenflechte war ebenfalls dabei, sich auszubreiten.<\/p>\n<p>Er sackte in dem Stuhl zur\u00fcck und seufzte.<\/p>\n<p>Sein 25j\u00e4hriges Ich kam in diesem Moment ebenfalls aus dem Schlafzimmer und g\u00e4hnte. Mr. Jones konnte ihn genau vor seinem inneren Auge sehen. Einen Bauchansatz hatte der auch, aber mein Gott, wie schlank er doch war! Der 25j\u00e4hrige hatte bisher nur drei Leistenbruch \u2013 Operationen hinter sich gebracht. Zum Vergleich: Mr Jones von heute hatte bereits f\u00fcnf hinter sich und der letzte verlief so ung\u00fcnstig, dass er regelm\u00e4\u00dfig Beschwerden hatte.<\/p>\n<p>Er verfolgte sein j\u00fcngeres Ich ins Badezimmer, ohne zu indiskret zu sein, da kam er ihm schon wieder entgegen. Der junge Mann setzte sich an seinen K\u00fcchentisch, wobei er drei Br\u00f6tchen dick mit Nougatcreme bestrich. Sein Kaffee war schon durchgelaufen und er genoss auch diesen in gro\u00dfen Schl\u00fccken.<\/p>\n<p>Mr. Jones wurde sehns\u00fcchtig um sein Herz. Wie gerne h\u00e4tte er mal wieder so \u201eunvern\u00fcnftig\u201c gespeist! Aber seit gut 5 Jahren hatte er eine Mischung aus einem unangenehmen Reizdarm und einer nicht definierbaren Neigung zu Entz\u00fcndungen im Verdauungstrakt entwickelt. W\u00e4hrend hoch entwickelte Technik und gut ausgebildete \u00c4rzte alle Fakten zusammentrugen, wurde klar, dass er \u201eirgendetwas\u201c hat. Eine Definition blieb bisher aus und es gab Tage, an denen Mr. Jones nicht ungl\u00fccklich dar\u00fcber war, w\u00e4hrend er an anderen Tagen dar\u00fcber schimpfte, wie \u201edilletantisch die heutige Medizin ist! Mein Gott, wir leben im 21. Jahrhundert!\u201c<\/p>\n<p>Aber dieser Kerl da am Fr\u00fchst\u00fcckstisch konnte wirklich essen, was er wollte. Er nahm offenbar nicht wirklich zu und, wie sich im Verlauf seiner Fantasie \u00fcber die Vergangenheit, herausstellte, hatte er auch eine vern\u00fcnftige Verdauung.<\/p>\n<p>Dann fiel Mr. Jones eine gewisse Leichtigkeit an ihm auf, denn er begleitete den jungen Mann weiter durch seinen Tag, w\u00e4hrend er etwa im Pleasant Garden \u2013 Park spazieren ging. Er sah h\u00fcbschen jungen Frauen \u2013 in seinem Alter! &#8211; hinterher. Aber er wurde leider von diesen kaum beachtet. Was Mr. Jones, der \u00c4ltere, nicht verstand. W\u00e4hrend er versuchte, sich klar zu werden, woran das lag, fiel ihm erstmals eine gewisse Schwermut an dem j\u00fcngeren Jones auf. Aber viel mehr noch bemerkte er, wie viele wundersch\u00f6ne Frauen in seinem Alter es gegeben hatte!<\/p>\n<p>Er verfolgte den 25j\u00e4hrigen auch beim Einkauf. Keine Schwierigkeiten hatte er damit, eine T\u00fcte Chips und eine ganze Rolle Prinzenkekse zu kaufen. Sp\u00e4ter wurde er Zeuge, wie der j\u00fcngere Jones beides an nur einen einzigen Tag verdr\u00fcckte. Offenbar ein Ritual, dass ihm wie von selbst \u201epassierte\u201c.<\/p>\n<p>Der j\u00fcngere Jones hatte Tr\u00e4ume, Freuden und Hoffnungen, die auch der \u00e4ltere Jones noch kannte. Leere Versprechungen eines gl\u00e4nzenden, damals noch fast \u201eneuen\u201c Lebens als Erwachsener.<\/p>\n<p>Jones Senior seufzte als er sich \u00fcber Jones Juniors Schulter beugte, um zu lesen, was er in seinem Tagebuch schrieb. Er schrieb, wie schwer das Leben sei. Das er davon tr\u00e4ume, eine Partnerin zu finden. Aber keine sei wirklich an ihm interessiert. Beruflich sei er \u201egefangen\u201c, da er eine Ausbildung hinter sich gebracht hatte, die sich nie wirklich nach \u201eihm\u201c angef\u00fchlt hatte. Nun versuchte er in der Verwaltung einen Posten zu finden, der m\u00f6glichst wenig mit Verwaltung und mehr mit Menschen und Kreativit\u00e4t oder Kultur zu tun hatte. Aber gab es sowas \u00fcberhaupt?<\/p>\n<p>Als Jones Jr. Sein Tagebuch schloss \u2013 stimmungsvoll in Gegenwart einer brennenden Kerze und eines Glases halbs\u00fc\u00dfen Weins \u2013 schloss Jones Senior seine Augen und nickte voller Verstehen und Mitgef\u00fchl.<\/p>\n<p>Sein Leben war weitestgehend unver\u00e4ndert geblieben. Und er? Er war nur noch mehr der geworden, der er immer schon gewesen war. Ein junger Mann mit einem Herzen voller Tr\u00e4ume. Nur das sein K\u00f6rper nicht mehr so jung war. War es so, zu altern? Aus seinem K\u00f6rper heraus in die Welt zu schauen, unver\u00e4ndert im Geist, und zuzusehen, wie sich um einen herum alles \u00e4ndert, w\u00e4hrend man selbst im Auge des Sturms bleibt, bis er einen mit sich rei\u00dft?<\/p>\n<p>Zum Gl\u00fcck bekam Mr. Jones, als er sich dies fragte, gro\u00dfen Hunger. In Wirklichkeit waren nur f\u00fcnf Minuten vergangen, in denen er daran gedacht hatte, wie er fr\u00fcher gewesen war. Immer noch sa\u00df er vor dem Spiegel und obwohl ihm weder der Bauch, noch die trockene Haut oder die Falte an seinem Auge gefiel, l\u00e4chelte er sich an. Dann streckte er sich die Zunge aus und lachte. Zeit f\u00fcr ein Fr\u00fchst\u00fcck!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als Mr. Jones an diesem Morgen aufwachte und in die K\u00fcche zu seinen Medikamenten gehen wollte, kam er \u2013 wie jeden Morgen \u2013 an seinem Spiegel im Flur vorbei. 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