{"id":637,"date":"2017-11-26T16:53:36","date_gmt":"2017-11-26T15:53:36","guid":{"rendered":"http:\/\/starbase-fantasy.de\/?p=637"},"modified":"2017-11-26T17:04:29","modified_gmt":"2017-11-26T16:04:29","slug":"western-story-die-ganze-geschichte-ihr-anfang-und-ende-doch-weniger-als-fleisch-an-einem-knochen-ist-den-sam-tablun-seinem-hund-nach-der-messe-zuwirft-am-ostermontag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/starbase-fantasy.de\/?p=637","title":{"rendered":"Western Story.  Die ganze Geschichte, ihr Anfang und Ende, aber doch weniger als Fleisch an einem Knochen ist, den Sam Tablun seinem Hund nach der Messe zuwirft. Am Ostermontag."},"content":{"rendered":"<p>Es ist egal, wer ich bin. Ich werde eines Tages sterben und nur wenige werden sich an mich erinnern. Wichtig ist vielleicht eher Johnny McLeourd, der den alten S\u00e4ufer, Bixby, davor bewahrt hat, erschossen zu werden. McLeourd war ein Rotschopf, ein Ire und wenn Iren etwas haben, ist es Feuer. Der alte S\u00e4ufer Bixby (niemand wusst, wie sein wahrer Name war, aber Bixby war es sicher nicht) beleidigte nach der zweiten Flasche Fusel alles, was ihm in den Weg kam. Auch an jenem Sonntagnachmittag als McLeourd den Saloon betrat. McLeourd war da noch niemanden bekannt, auch mir nicht. Das sollte sich noch ordentlich \u00e4ndern, aber dazu sp\u00e4ter. Sicher ist, dass McLeourd den Saloon betrat und gleich eine Salve Beleidungen an den Kopf geschmissen bekam. Nicht etwa er, sondern seine Begleitung, Jeff McGreedy, z\u00fcckte bei so vielen ungerechtfertigen wie gerechtfertigten Verw\u00fcnschungen gleich seinen Colt, doch McLeourd, auch ein Ire, aber viel reifer, schlug seinen Kumpel nieder, so dass er einen Zahn verlor. Daf\u00fcr dankte er ihm sp\u00e4ter, denn der Zahn machte ihm schon lange Schmerzen, doch hatte McGreedy nie den Mut aufgesammelt, um beim Zahnarzt rein zu schauen und, bei Gott, wer will ihm das verdenken? Der letzte Besucher beim Zahnarzt konnte ein Jahr danach nur Brei essen, erst dann wieder Fleisch und das hat er mit uns gefeiert, das kann ich euch sagen.<\/p>\n<p>Nun kann man sich vorstellen, dass der Kumpel von McLeourd erstmal nicht so begeistert von dem Schlag war, denn da wusste er noch nichts vom Segen dieses gezielten Schlags. Also rappelte er sich auf, wie ein Stier so wild und wollte jetzt sowohl Bixby, der seine Klappe immer noch nicht halten konnte, als auch seinem Freund ans Leder. McLeourd hatte aber dessen Waffe in Gewahrsam genommen und nat\u00fcrlich kam es wie es kommen musste: Zu einer Schl\u00e4gerei. Was auch sonst sollten die Cowboys an einem Sonntagnachmittag tun? McLeourd hielt sich da aber eben so raus wie ich, der ich zuf\u00e4llig auch vor Ort war und darum davon zeugen kann.<\/p>\n<p>Sowohl er als auch ich zogen uns &#8211; ohne voneinander zu wissen &#8211; ins Poker-Zimmer zur\u00fcck und genehmigten uns dort je ein Glas Whiskey. In aller Ruhe. Die ganzen Spieler waren, neugierig vom L\u00e4rm nebenan , in den Saloon geeilt um dort an der Schl\u00e4gerei teilzunehmen \u2013 oft auch unfreiwillig, denn blo\u00dfe Gaffer und \u201eZeugen\u201c wurden oftmals in eine aktive Rolle gezwungen.<\/p>\n<p>Jedenfalls sa\u00dfen wir dann da und tranken und als wir uns dabei sahen, erschraken wir wohl beide. Denn auch er zuckte kurz zusammen. \u201eWas, sie wollen da nicht mitmachen?\u201c fragte ich und deutete zum Nachbarzimmer von dem die Ger\u00e4usche brechenden Holzes, Gegr\u00f6le und Gest\u00f6hne zu h\u00f6ren waren. \u201eIch bin nicht irre, nur Ire\u201c, sagte der Andere und wiederholte damit einen uralten Witz, den ich schon tausend Mal geh\u00f6rt hatte, aber in diesem Augenblick lies er mich laut losprusten vor Lachen, wobei ich den letzten Schluck Whiskey auf dem Pokertisch verteilte. Wir stellten einander vor, nachdem wir miteinander gelacht hatten. Ich kann euch sagen, wann und wen ihr auch immer wo kennenlernt: Geschieht es mit einem Lachen, freut euch des Lebens, denn das wird halten und viel abk\u00f6nnen in der Zukunft!<\/p>\n<p>Da ich mir den Nachnamen von McLeourd (eben jenen) erst nicht merken konnte, nannte ich ihn nur \u201eJoe\u201c, obwohl das gar nicht sein Name war und er nannte mich \u201eJack\u201c. Er meinte, ich s\u00e4he aus wie ein \u201eJack\u201c. Witzig, dachte ich, da mich meine Eltern Bartholom\u00e4us genannte hatten. Jack gefiel mir besser. Aber das behielt ich f\u00fcr mich. Damals jedenfalls.<\/p>\n<p>\u201eWas hat dich \u2026 eh&#8230;. euch hergetrieben? Gold?\u201c<\/p>\n<p>\u201eJup. Bei mir ist es einfache Neugier, bei meinem Kumpel ist es Gold. W\u00fcrde sagen Goldfieber. Der Verr\u00fcckte kann einfach nicht aufh\u00f6ren. Dabei hat er wei\u00df Gott Pech gehabt. Den ganzen Yukon sind wir lang und das ist viel, viel Platz, den der einnimmt. W\u00fcrde mich gerne mal erkundigen, wie lang der ist. Aber wei\u00df ja keiner. Egal. Jedenfalls hat er mich tats\u00e4chlich vor einem netten Paar Indianer besch\u00fctzt. Ja, ehrlich! Normalerweise ist er ein Draufg\u00e4nger und Raufbold, aber \u2026. Stell dir einfach vor, ich stand da und mir gegen\u00fcber, nur 50 Meter im leichten Morgendunst entfernt, zwei Indianer mit Kriegsbemalung. Da wirft er mir aus der Deckung einen Stein zu und winkt mich her. Wir haben uns unter einer Decke versteckt, auf der er ne Menge Erde gepackt hatte. Ich habe keine Ahnung, ob die Indianer mir \u00fcberaupt ans Leben wollten, aber vielleicht gut, das ich das nicht wei\u00df.\u201c<\/p>\n<p>Darauf tranken wir und unsere Gl\u00e4ser klirrten aneinander. Nicht zum letzten Mal. Dann begann ich von mir zu erz\u00e4hlen.<\/p>\n<p>\u201eMeine Frau ist mir weggelaufen. Ja, es ist ein Klischee. Haben uns oft gestritten. Die Ertr\u00e4ge der Farm brachten nicht mehr so viel wie sie wollte. Sie wollte leben wie die S\u00fcdstaaten-Damen, bei mir gab es nur Essen und ein Dach \u00fcber dem Kopf, das reichte ihr nicht. Also ging sie weg. Ich begann zu triken, litt sehr darunter und dann verkaufte ich alles, nahm meine Ersparnisse, zog los und blieb hier in diesem Hotel stecken. Bisher. Ich habe keinen Plan, was kommen mag.\u201c<\/p>\n<p>Da bekamen die Augen von Jeff einen gl\u00e4nzenderen Ausdruck als es alleine vom Alkohol her m\u00f6glich gewesen w\u00e4re.<\/p>\n<p>\u201eJa\u201c, sagte er, \u201edas Leben ist manchmal ne schwere Sache.\u201c<\/p>\n<p>In dieser Art quatschten wir noch die ganze Nacht hindurch, wurde sozusagen im Eiltempo beste Freunde, w\u00e4hrend es nebenan ruhiger wurde, weil der Sheriff kam, der Arzt kam, aufger\u00e4umt wurde und als der Saloon am fr\u00fchen morgen schlie\u00dfen wollte, freute ich mich dar\u00fcber, in mein Bett zu fallen, nachdem ich mich von meinem neuen Bekannten verabschiedet hatte.<\/p>\n<p>Ich ging davon aus, das sei die erste und letzte Begegnung mit Jeff. Aber dabei blieb es nicht. Eigentlich wollte ich nichts weiter erz\u00e4hlen. Nur unser Kennenlernen beschreiben. Aber na gut&#8230;<\/p>\n<p>Jeff und ich sahen uns erstmal nur noch im Vorbeilaufen, so lange er mit seinem Kumpel in der Stadt war, der nat\u00fcrlich mehr als ein blaues Auge davon getragen hatte und dem Sheriff nunmehr als Unruhestifter bekannt geworden war. Dann verlies er die Stadt. Wir trafen uns kurz davor im Drug-Store. \u201eWohin soll es gehen?\u201c fragte ich ihn. Er machte ein vielsagendes Gesicht, das ich nicht deuten konnte. \u201eMcGreedy meint, er wei\u00df, wo es wirklich Gold zu finden gibt.\u201c sagte er dann. \u201eIst was dran?\u201c fragte ich ihn und er zuckte mit den Achseln. \u201eWir werden sehen.\u201c<\/p>\n<p>Eine Woche sp\u00e4ter erhielt ich einen Brief, in dem sich scheinbar nur Sand befand. Zum Gl\u00fcck rieselte es nicht auf den Boden, sondern auf ein frisches Blatt wei\u00dfen Papiers auf meinem Schreibtisch. Dort erkannte ich, dass es GOLDSTAUB war.<\/p>\n<p>Jack kam bald alleine zur\u00fcck in die Stadt und bot mir an, mit mir den Rest des Goldes zu holen, dass sein Kumpel und er in einer Mine gefunden hatten. Ich war einverstanden. So begannen vier spannende Jahre, in denen es hoch und runter ging. Wir begegneten Bankr\u00e4ubern, Indianern, mussten mit Soldaten k\u00e4mpfen und vor ihnen davon laufen. Wir wurden Teil einer Bande, um nicht aufzufliegen, lernten Mexiko kennen und fanden beide die Liebe unseres Lebens, ehe wir uns in zwei H\u00e4usern niederlie\u00dfen, die nahe beieinander standen.<\/p>\n<p>Manchmal kam abends der Eine zum Anderen und wir sprachen \u00fcber die \u201ealten Zeiten\u201c. Vielleicht werde ich auch mal dar\u00fcber schreiben. Aber erstmal soll es das gewesen sein, denn meine Frau verlangt nach mir. Seltsam, wie mich das freut, denn vermutlich hat sie nur wieder etwas zu Tun f\u00fcr mich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist egal, wer ich bin. Ich werde eines Tages sterben und nur wenige werden sich an mich erinnern. Wichtig ist vielleicht eher Johnny McLeourd, der den alten S\u00e4ufer, Bixby, davor bewahrt hat, erschossen zu werden. 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