{"id":880,"date":"2018-05-06T12:56:13","date_gmt":"2018-05-06T10:56:13","guid":{"rendered":"http:\/\/starbase-fantasy.de\/?p=880"},"modified":"2018-05-10T21:39:54","modified_gmt":"2018-05-10T19:39:54","slug":"nur-ein-traeumer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/starbase-fantasy.de\/?p=880","title":{"rendered":"Nur ein Tr\u00e4umer"},"content":{"rendered":"<p>M\u00e4rchen von Matthias Wieprecht<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" hcb-fetch-image-from=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=_Bp8KNJL__M\" title=\"Nur ein Tr\u00e4umer\" width=\"640\" height=\"360\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/_Bp8KNJL__M?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>Es war einmal vor langer, langer Zeit, da lebte ein Bauernjunge, sein Name war Jonathan, der mit seinem Leben nichts Rechtes anzufangen wusste. Immer tr\u00e4umte er, Tag ein, Tag aus, davon ein Ritter in einer goldenen, gl\u00e4nzenden R\u00fcstung zu sein. Er stellte sich vor, wie er gegen Drachen k\u00e4mpfen und Jungfrauen befreien w\u00fcrde oder wie er mit der Kraft seiner Liebe diese Welt zu einem besseren Ort machen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Aber ach, das gefiel seinem Gro\u00dfvater, bei dem er lebte, so gar nicht. Er schlug ihn immer, wenn sein Blick versonnen in die Ferne schweifte. \u201eWirst du wohl aufpassen!\u201c mahnte er ihn dann mit strenger Stimme. Auf dem Feld nahm ihn der Gro\u00dfvater besonders hart ran und wenn Jonathan nach dem kargen Abendessen ins Bett fiel, f\u00fchlte er sich halb tot an. Dann schlief er schnell ein und begann wieder zu tr\u00e4umen.<\/p>\n<p>Sein Leben bestand aus Arbeit und aus Tr\u00e4umen und h\u00e4tte man ihn gefragt, wo er am Liebsten lebte, dann w\u00e4re seine Antwort gewesen: \u201eIn meinen Tr\u00e4umen!\u201c.<\/p>\n<p>Freunde hatte Jonathan schon lange nicht mehr. Damals als seine Eltern noch lebten, da hatte er ein paar gro\u00dfartige Freunde, aber die lebten weit weg in einer anderen Stadt und er ging davon aus, sie niemals wieder zu sehen.<\/p>\n<p>Eines Tages nun starb aber sein Gro\u00dfvater und John, wie ihn seine Mutter stets genannt hatte, weinte bitterlich. Er f\u00fchlte sich ganz verlassen und merkte schnell \u2013 als ihm der Magen zu knurren anfing \u2013 das er alleine von Tr\u00e4umen nicht leben konnte. Hatte der Gro\u00dfvater vielleicht Recht gehabt? Waren seine Tr\u00e4ume, wie er selbst, zu nichts Nutze? Mit diesen Fragen begann ein gro\u00dfer Kummer in ihm zu wachsen, w\u00e4hrend er sich bem\u00fchte, das Land seines Gro\u00dfvaters alleine zu bewirtschaften.<\/p>\n<p>Tage und N\u00e4chte vergingen, die Sonne kreiste am Himmel um das Erdenrund viele Dutzend Male und wechselte sich mit dem Mond ab, w\u00e4hrend aus Jonathan, dem Tr\u00e4umer Jonathan der Bauer wurde.<\/p>\n<p>Er h\u00f6rte bald auf zu tr\u00e4umen und f\u00fchlte sich dabei als w\u00e4re er nur noch zur H\u00e4lfte lebendig, aber die Leute achteten ihn nach drei Jahren als ehrbaren Nachbarn und Bauern, als einen Mann, der zur Vernunft gekommen w\u00e4re und dem Ernst des Lebens begegnete, wie es gottgef\u00e4llig sei.<\/p>\n<p>So w\u00e4re sein Leben wohl weiter verlaufen wie das seines Gro\u00dfvaters, w\u00e4re da nicht jener schicksalhafte Tag gekommen an dem ihn jene schwarzen Ritter besuchten. Es waren f\u00fcnf Ritter in schwarzer R\u00fcstung, die allesamt stanken, weil sie sich ewig nicht gewaschen hatten. Sie hatten keine Manieren, nichts an ihnen gl\u00e4nzte und sie forderten von John Unterkunft und Verpflegung. W\u00e4hrend er mit ihnen schlie\u00dflich, innerlich aufgebracht, beim Abendbrot sa\u00df und zusehen musste, wie sie seinen Vorrat f\u00fcr das n\u00e4chste halbe Jahr auffra\u00dfen \u2013 denn \u201espeisen\u201c konnte man das nicht nennen, wie sie da mit spuckendem Mund a\u00dfen und beim Trinken sabberten \u2013 begann der Anf\u00fchrer von ihnen, Fragen zu stellen.<\/p>\n<p>\u201eIst hier in den letzten Tagen jemand vorbei gekommen?\u201c fragte er und John verneinte. Aber der Mann lies nicht locker. \u201eSolltest du wen verstecken, wirst du deinen n\u00e4chsten Geburtstag nicht mehr erleben, ist das klar?\u201c John nickte.<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Morgen, John hatte bei den Schweinen geschlafen und ihnen das Haus \u00fcberlassen m\u00fcssen, ritten sie weiter. \u201eEndlich\u201c, sagte er sich. \u201eUnd es ist wieder mal ein Beweis daf\u00fcr, wie t\u00f6richt meine Tr\u00e4ume gewesen sind, die ich fr\u00fcher hatte. Ritter sind elend, nicht ruhmreich.\u201c<\/p>\n<p>Nun h\u00e4tte es so bleiben k\u00f6nnen, doch diese Begegnung war nur das Vorspiel. Am Abend jenes Tages n\u00e4mlich klopfte es an seiner T\u00fcr. Er \u00f6ffnete sie und alles ver\u00e4nderte sich f\u00fcr ihn in diesem Augenblick. Vor ihm stand n\u00e4mlich Prinzessin Amelia Lightheart. Nein, er wusste nicht, dass das ihr Name ist, aber er erkannte, dass von ihr eine Warmherzigkeit ausging, die direkt sein Herz ber\u00fchrte. War dieses beim Anblick der schwarzen Ritter schwer und kalt geworden, f\u00fchlte es sich nun gro\u00df und weit an.<\/p>\n<p>Amelia sah ihn ebenfalls lange an und l\u00e4chelte. Dann sagte sie: \u201eK\u00f6nnt ihr mich verstecken?\u201c Da wurde John alles klar.<\/p>\n<p>\u201eIhr seid es? Ihr seid die Person, hinter denen die Ritter her sind?\u201c Die Prinzessin fasste sich an ihr Herz und sah sich um wie ein in die Enge getriebenes Reh. \u201eDas tut mir so leid, Junge. Ich wollte Euch nicht in Schwierigkeiten bringen! Ich dachte, sie w\u00e4ren noch lange nicht hier angekommen, doch nun werden sie Euer Haus beobachten. Ihr seid nicht mehr sicher!\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch bin kein Junge mehr!\u201c protestierte John. Daraufhin sah Amelia ihn abermals an. \u201eNein, das seid Ihr wirklich nicht mehr. Nun gut. Ich werde gehen. Bitte verratet mich nicht. Es geht um Leben und Tod!\u201c<\/p>\n<p>\u201eIst gut&#8230;\u201c stammelte John, verwirrt ob der Schnelligkeit der Ereignisse, von denen er nicht wirklich wusste, was er davon halten sollte. Schon schloss Amelia die T\u00fcr und dann h\u00f6rte er sie bald davon reiten.<\/p>\n<p>In der folgenden Nacht konnte John lange nicht einschlafen. Schlie\u00dflich stand er auf und ging in seinem Wohnzimmer auf und ab. Da sah er pl\u00f6tzlich, wie sich vor ihm ein Licht formte, das immer gr\u00f6\u00dfer wurde. Als es pl\u00f6tzlich verschwand, fiel ein Schwert scheppernd zu Boden. Ein blaues, gleisendes Licht ging davon aus. Der Griff war schwarz, durchzogen von silbernen Verzierungen.<\/p>\n<p>Aus dem Nichts ert\u00f6nte die Stimme seiner Mutter. \u201eTraue deinem Herzen, John\u201c, raunte sie ihm zu. \u201eMutter?\u201c rief er und und sackte auf seine Knie, w\u00e4hrend eine Tr\u00e4ne \u00fcber seine rechte Wange lief. Da war immer noch das Schwert vor ihm. Was sollte er tun?<\/p>\n<p>\u201eOh mein Gott\u201c, sagte er laut und begann zu weinen. \u201eIch habe alles getan, wie Gro\u00dfvater es wollte! Ich habe es geschafft ein ehrbarer Bauer zu werden. Warum pr\u00fcfst du mich jetzt so? Das ist nicht Recht!\u201c<\/p>\n<p>Nun h\u00f6rte er die Stimme seines Vaters.<\/p>\n<p>\u201eHeb das Schwert auf, mein Sohn. Sonst werden wir uns sehen, ehe es Zeit daf\u00fcr ist!\u201c<\/p>\n<p>Da f\u00fchlte er, wie eine Welle von Angst \u00fcber ihn kroch noch bevor er das Huftrappeln drau\u00dfen h\u00f6ren konnte. Schon standen die schwarzen Ritter vor ihm.<\/p>\n<p>\u201eWir sahen die Spuren!\u201c sagte deren Anf\u00fchrer, nachdem er die T\u00fcr zu Johns H\u00e4uschen aufgebrochen hatte. Zwischen dem Ritter und John lag immer noch das blau leuchtende Schwert.<\/p>\n<p>\u201eHebe es auf!\u201c h\u00f6rte er abermals die Stimme seines Vaters, die nun eindringlicher klang.<\/p>\n<p>Dann griff er entschlossen zu und das Licht des Schwerts wurde so gleisend hell, dass die schwarzen Ritter ihre Augen verbergen mussten. John jedoch konnte alles gut sehen und lief hinaus, wo er sich auf eines der Ritter \u2013 Pferde schwenkte um im Galopp davon zu reiten. Wie lange war es her, dass er von Vater und Mutter das Reiten gelernt hatte?<\/p>\n<p>Doch zum tr\u00e4umen von alten Zeiten gab es keine Gelegenheit, schon waren die schwarzen Ritter hinter ihm her, wenn auch nur vier davon, weil sie Einen wegen des gestohlenen Pferdes zur\u00fccklassen mussten.<\/p>\n<p>John kannte nur den Weg zwischen dem Bauernhof seines Gro\u00dfvaters und der Stadt, in der er versuchte, Brot oder Eier zu verkaufen. Der Wald auf den er nun zusteuerte war ihm fremd und er sah \u00fcberraschend bedrohlich aus. Die schwarzen Ritter hinter ihm sahen allerdings auch \u00fcberaus bedrohlich aus.<\/p>\n<p>So ritt er tief in den fremden, dunklen Wald hinein. Jeden Moment, den er tiefer in den Wald geriet, schien ihm dieser noch fremder und furchterregender zu werden. Bald klopfte ihm sein Herz bis an den Hals, aber nicht, weil es ihm so anstrengend gewesen w\u00e4re zu reiten, sondern weil seine Angst nahe daran war, ihn zu \u00fcbermannen.<\/p>\n<p>Da erschien ihm ein Gl\u00fchw\u00fcrmchen, das erst ganz klein war, sich dann aber als Fee herausstellte, die hell und l\u00e4chelnd vor ihm her schwebte. Sie bedeutete ihm, ihr zu folgen. John traute sich nicht, etwas zu sagen, war aber sehr dankbar f\u00fcr die Hilfe der Fee, deren Existenz er nicht mehr anzuzweifeln wagte. Schlie\u00dflich blieb die Fee an einem Punkt im Wald in der Luft stehen und deutete nach vorne in die Richtung einer Burgruine. John nickte dankbar und die Fee fuhr ihm streichelnd \u00fcber eine Wange. \u201eTr\u00e4umer!\u201c sagte sie liebevoll und verschwand so schnell wie sie erschienen war.<\/p>\n<p>Es mag nicht verwundern, dass John in der Burgruine die Pinzessin Lightheart vorfand, die sich dort versteckte. Doch die schwarzen Ritter waren ihr auf der F\u00e4hrte. Weit entfernt h\u00f6rte man das Knacken von Holz im Wald und das laute Fluchen der Ritter, denen m\u00f6glicherweise ganz andere Wesenheiten begegneten als freundliche Feen.<\/p>\n<p>\u201eWieso sind die hinter Euch her?\u201c fragte er die Prinzessin als er sie erblickte. Doch sie antwortete: \u201eDas ist nicht Euer Kampf, Bauer.\u201c<\/p>\n<p>\u201eJohn. Nennt mich John.\u201c antwortete Johnathan.<\/p>\n<p>\u201eAlso gut, John, dies ist nicht Euer Kampf!\u201c<\/p>\n<p>\u201eVielleicht ist er es ja doch. Seit meiner Kindheit habe ich von all diesem hier getr\u00e4umt!\u201c<\/p>\n<p>\u201eUnd vielleicht seid ihr nur ein Tr\u00e4umer, der lieber auf sein Leben achten solle!\u201c meinte Prinzessin Amelia Lightheart.<\/p>\n<p>Das traf ihn tief und er fragte sie: \u201eMeint ihr das wirklich?\u201c<\/p>\n<p>Ehe sie jedoch antworten konnte, brachen die Ritter aus dem Wald hervor und griffen an. Es ist unglaublich, wie gut John mit dem verzauberten Schwert k\u00e4mpfen konnte. Als der erste schwarze Ritter am Boden lag, ergriff auch Amelia ein Schwert und sie k\u00e4mpften Seite an Seite. Der Mann jedoch, den die schwarzen Ritter zur\u00fcckgelassen hatten, war ihr Anf\u00fchrer. Dieser ritt nun auf einem scheu\u00dflichen, Z\u00e4hne bleckenden, Drachen und schleuderte einen Morgenstern. Immer wieder flog er knapp an John und Amelia vorbei und versuchte, sie zu treffen. Schlie\u00dflich kam er so nahe, dass er Amelia einen empfindlichen Schlag versetzen konnte, so dass sie zu Boden st\u00fcrzte, mit einer klaffenden Wunde an ihrer Stirn. Johnathan konnte den Anf\u00fchrer der Bande zwar von seinem Drachen rei\u00dfen, der davon flog, sobald sein Reiter ihn verlassen hatte, aber f\u00fcr den Moment war es John klar, dass diese Prinzessin, die er kaum gekannt hatte, tot war.<\/p>\n<p>Kummer und Wut sorgten daf\u00fcr, dass er nunmehr \u00fcberw\u00e4ltigend und kraftvoll gegen den Anf\u00fchrer der Bande antrat, der wie eine Katze mehrere Leben zu haben schien. Endlich, endlich besiegte er ihn. Dann setzte er sich neben die Leiche von Amelia. Er wusste genau, was er tun musste, ohne es zu verstehen. So ber\u00fchrte er sein Herz und zog daraus einen goldenen Faden Energie. Das hatte er noch nie getan, au\u00dfer in seinen Tr\u00e4umen. Er zog diesen Faden bis zu ihrem Herzen, dass prompt wieder zu schlagen begann. Die ganze Farbe, die ihrem Antlitz entwichen war, kehrte nun zur\u00fcck, sie begann wieder zu atmen.<\/p>\n<p>Das hatte auch ein anderer gesehen, den John gar nicht bemerkt hatte. Es war K\u00f6nig Sorrov von Kardyll, der Vater von Prinzessin Amelia. Stolz sa\u00df er auf seinem Pferd, w\u00e4hrend unendliche Dankbarkeit in seinen Augen schimmerte.<\/p>\n<p>\u201eDu hast ihr das Leben gerettet!\u201c rief er und auch die Ritter in seinem Gefolge erstarrten vor Ehrfurcht vor seiner einmaligen Tat. \u201eWie ist dein Name, sprich!\u201c<\/p>\n<p>\u201eDas ist John, Vater&#8230;.\u201c sagte die Prinzessin mit gebrochener Stimme. \u201eEr ist ein Bauer.\u201c<\/p>\n<p>Da sch\u00fcttelter der Vater den Kopf.<\/p>\n<p>\u201eVon heute an wirst du Sir John Savior hei\u00dfen. Willst du uns zum Hofe von Kardyll begleiten? Du wirst dort von der ganzen Tragweite deiner guten Tat erfahren. Und, wenn du willst, werde ich dich zum Ritter schlagen.\u201c<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich wollte John das.<\/p>\n<p>Nach wenigen Tagen bei Hofe wurde es John und Amelia klar, dass sie f\u00fcreinander bestimmt waren. John erkannte, dass es sein Schicksal gewesen war zu tr\u00e4umen. Nicht die Stimmen fremder Stadtbewohner, sondern seine Tr\u00e4ume wussten immer, was in ihm steckt.<\/p>\n<p>Und dann erfuhr er, dass sein Schicksal erst gerade begonnen hatte sich zu erf\u00fcllen, denn das B\u00f6se war noch lange nicht vernichtet, das Gute noch lange nicht in Sicherheit. Aber das ist eine andere Geschichte&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>M\u00e4rchen von Matthias Wieprecht Es war einmal vor langer, langer Zeit, da lebte ein Bauernjunge, sein Name war Jonathan, der mit seinem Leben nichts Rechtes anzufangen wusste. 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