{"id":930,"date":"2018-05-21T18:16:33","date_gmt":"2018-05-21T16:16:33","guid":{"rendered":"http:\/\/starbase-fantasy.de\/?p=930"},"modified":"2018-05-21T18:16:33","modified_gmt":"2018-05-21T16:16:33","slug":"h-g-wells-teil-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/starbase-fantasy.de\/?p=930","title":{"rendered":"H.G. Wells  Teil 1"},"content":{"rendered":"<p><em><strong>Diesen Text schrieb ich urspr\u00fcnglich f\u00fcr den FEDCON INSIDER, das Magazin f\u00fcr die Besucher der Fedcon.<\/strong><\/em><\/p>\n<p lang=\"\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-size: medium;\"><em><strong>Herbert George Wells<\/strong><\/em> wurde am 21. September 1866 in Bromley, heute ein Stadtteil Londsons, geboren. Sein Vater, Joseph, arbeitete im Eisenwarenhandel, seine Mutter Sarah, geborene Neal, war bis zu ihrer Heirat, als Hauswirtschafterin t\u00e4tig. Joseph Wells Laden in der High Street sorgte f\u00fcr ein \u00e4rmliches Leben und doch h\u00e4tte es so viel schlimmer sein k\u00f6nnen: Die Familie Wells geh\u00f6rte immerhin der unteren Mittelschicht an, wobei die \u00dcberg\u00e4nge zwischen den Schichten fliesend war.<\/span><\/p>\n<p lang=\"\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-size: medium;\">Es ist wichtig zu begreifen, in was f\u00fcr eine Gesellschaft Wells hinein geboren wurde!<\/span><\/p>\n<p lang=\"\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-size: medium;\">Im fr\u00fchen viktorianischen Zeitalter gab es nur eine kleine Mittelschicht. Zwei Drittel der Bev\u00f6lkerung geh\u00f6rten der Unterschicht an, deren L\u00f6hne sehr gering waren. Oft hatten sie kein eigenes Zuhause, waren auf Nahrungsmittel aus dem eigenen Garten angewiesen, arbeiteten bis zu 16 Stunden am Tag und das ohne Pause. Das wurde nicht besser als die Industrialisierung um sich griff, denn die Besitzer der Unternehmen standen unter hohem Konkurenz-Druck und waren zudem oft selbst verschuldet. Leider sah man das Heil f\u00fcr einen m\u00f6glichst hohen Gewinn darin, die Arbeiter so gering zu bezahlen wie m\u00f6glich. Daher wurde es notwendig, dass auch die Frauen und deren Kinder arbeiteten, damit sie schlichtweg \u00fcberleben konnten. Selbst F\u00fcnfj\u00e4hrige wurden zu harter Arbeit gezwungen (z.B. um in Mienen in unbegehbare Winkel zu klettern), was h\u00e4ufig Krankheit und Tod zur Folge hatte<\/span><\/p>\n<p lang=\"\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-size: medium;\">Ab 1834 gab es keine Zusch\u00fcsse mehr f\u00fcr Arbeitsf\u00e4hige, die nicht arbeiteten. Im selben Zuge errichtete man zur Abschreckung Arbeiterh\u00e4user, in denen es hart zuging. Kinder wurde von Eltern getrennt, Ehem\u00e4nner von ihren Frauen. Es gab wenig zu essen. Alle &#8222;Au\u00dfenseiter&#8220; der Gesellschaft kamen hier zusammen. Es galt das Motto: &#8222;Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen.&#8220; Die wirtschaftliche Depression um 1840 stand diesem Spruch im krassen Gegensatz: Es gab schlicht zu wenig Stellen, um alle zu besch\u00e4ftigen. Gleichzeitig waren die Arbeiterh\u00e4user so verufen, dass viele Arbeitgeber keinen Grund sahen, mehr zu bezahlen, denn wer wollte schon in einem solchen Haus enden?<\/span><\/p>\n<p lang=\"\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-size: medium;\">Erst zum Ende der 40er Jahre kam man langsam zu der Einsicht, dass ausgeruhte, satte Arbeiter bessere Arbeiter sind als solche, die hungrig und \u00fcberm\u00fcdet sind.<\/span><\/p>\n<p lang=\"\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-size: medium;\">Die Arbeiterpartei, die &#8222;Labour Party&#8220;, der Wells sp\u00e4ter beitrat, sollte erst 1883 gegr\u00fcndet werden. Wells setzte sich nicht nur f\u00fcr sozial Schwache ein, er kritisierte oftmals auch die Gesellschaft durch gleichnishafte Erz\u00e4hlungen. So geht es in der &#8222;Zeitmaschine&#8220; nicht allein um diese Erfindung und der &#8222;Krieg der Welten&#8220; wei\u00df von mehr zu berichten als nur von einer au\u00dferirdischen Invasion. Davon sp\u00e4ter mehr. <\/span><\/p>\n<p lang=\"\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-size: medium;\">H. G. Wells las f\u00fcr sein Leben gern! &#8222;Geerbt&#8220; haben mocht er diese Leidenschaft gegebenenfalls von seinem Vater. Er fr\u00f6hnte ihr, indem er die \u00f6rtliche Leihbibliothek sowie im literarischen Institut von Bromley. Zun\u00e4chst besuchte er eine Art Vorschule, dann die Thomas Morley&#8217;s Commercial Academy, eine Privatschule.<\/span><\/p>\n<p lang=\"\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-size: medium;\">Sein Vater brachs ich 1877 den Oberschenkel und wurde arbeitsunf\u00e4hig. Wells konnte vielleicht schon damals sp\u00fcren, wie nahe seine Familie am sozialen Abgrund stand. Doch Sarah Wells nahm erneut eine Stellung als Haush\u00e4lterin in Uppark\/Sussex an, bei ihrem einstmaligen Arbeitgeber. In dessen Herrenhaus gab es eine gro\u00dfe Bibliothek, in der der junge Herbert George Wells stundenlang B\u00fccher lesen durfte. Seine Mutter lehrte ihn Respekt vor K\u00f6nigin Victoria und eine recht strenge religi\u00f6se Sicht &#8211; und sie achtete darauf, dass niemand in ihrer Familie, auch H. G. nicht, Kontakt mit Personen aus der Unterschicht bekamen. Weder beruflich, noch privat.<\/span><\/p>\n<p lang=\"\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-size: medium;\">Er begann seine Lehre in einer Tuchhandlung in Windsor, wurde dort jedoch schon nach einem Monat entlassen. Er versuchte sich als Hilfslehrer in Somerset, als Apothekengehilfe in Midhurst und abermals &#8211; dieses Mal f\u00fcr zwei Jahre, aber dennoch unvollendet &#8211; in einer Tuchhandlung (in Southsea), dann wieder &#8211; mittlerweile 16 Jahre alt &#8211; als Hilfslehrer in einem Progymnasium in Midhurst &#8211; als ihm ein Stipendium von 21 Shilling pro Monat dabei half, sich beruflich weiter orientieren zu k\u00f6nnen. <\/span><\/p>\n<p lang=\"\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-size: medium;\">Die Zeit an der Normal School of Science (ab 1890: The Royal College of Science; heute: Imperial College of Science) in South Kensington, in der er von 1884 &#8211; 1887 Astronomie, Physik, Chemie, Geologie und Biologie studierte, war immens wichtig f\u00fcr den angehenden Schrifsteller. Im &#8222;Debatierclub&#8220; der Schule konnte er seine eigene Meinung formen, er wurde zum Mitbegr\u00fcnder des &#8222;Science School Journal&#8220;, wurde durch den Schriftsteller George Bernard Shaw mit der sozialistisch ausgerichteten &#8222;Fabian Society&#8220; bekannt gemacht und beganns sich f\u00fcr die Labour Party (Arbeiterpartei) zu interessieren. Elementar f\u00fcr sein zuk\u00fcnftiges Vorankommen war auch sein Biologie-Professor, Thomas Henry Huxley, der Wells ein darwinistisches Weltbild beibrachte: Das Christentum sei Unfug, der Mensch ein weiterentwickelter Affe und das der Evolutionsprozess eher unmoralisch sei und letztlich stets zur eigenen Zerst\u00f6rung f\u00fchrte statt zum Fortschritt.<\/span><\/p>\n<p lang=\"\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-size: medium;\">W\u00e4hrend er sich von einem Fu\u00dfball &#8211; Unfall erholte, schrieb er &#8222;The chronic Argonauts&#8220;. Die Geschichte, auf de sp\u00e4ter &#8222;Die Zeitmaschine&#8220; fu\u00dfen sollte, wurde 1888 von der Royal College of Science ver\u00f6ffentlicht und wurde recht gut aufgenommen. Die Kurzgeschichte erz\u00e4hlt in der dritten Person von der Ankunft eines unheimlichen Erfinders in der irischen Stadt Llyddwdd. Sein Name ist Dr. Moses Nebogipfel und er bezieht ein leer stehendes Haus. Die einfache Bev\u00f6lkerung ist schon bald der Meinung, Dr. Nebogipfel w\u00fcrde teuflische Dinge tun. Sie wollen ihn aus dem Dorf vertreiben. Reverend Elijah Ulysses Cook, vermag es Nebogipfel bei seiner Flucht in die Zeit zu helfen, wobei er ihn begleitet. Drei Wochen sp\u00e4ter findet der Erz\u00e4hler der Geschichte den Reverend, welcher von seinen &#8222;Zeitreise-Abenteuern&#8220; mit Dr. Moses Nebogipfel berichtet, welcher in der Zeit nach einem Ort sucht, an dem er mit seinen F\u00e4higkeiten willkommen gehei\u00dfen wird. <\/span><\/p>\n<p lang=\"\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-size: medium;\">Der Erfolg seiner kleinen Geschichte ermutigte Wells, weiterhin schriftstellerisch t\u00e4tig zu sein. 1889 wurde er in der Henley House School in Kilburn Mitglied des Lehrerkollegiums. (Kilburn ist ein Stadtteil Londons. )<\/span><\/p>\n<p lang=\"\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-size: medium;\">Anfang Herbst 1890 bestand Wells seine akademische Pr\u00fcfung in Zoologie an der Londoner Universit\u00e4t, woraufhin er von 1891-1893 als Tutor f\u00fcr Biologie wurde. Er vollendete zwar sein Studium, doch was in wirklich reizte, war die Schriftstellerei.<\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-size: medium;\"><span lang=\"\">Was sein &#8222;Liebesleben&#8220; angeht, heiratete er 1891 seine Cousine (Isabel Mary Wells), von der er sich allerdings schon nach drei Jahren trennte. 1895 folgte seine zweite Heirat, dieses Mal mit seiner Studentin, Amy Catherine Robbins. Aus dieser Ehe gingen zwei S\u00f6hne hervor: George Philip (1901 \u2013 1985) und Frank Richard (1903 \u2013 1982). <\/span>1909 ging aus einer Beziehung mit der Schriftstellerin Amber Reeves (1887 \u2013 1981) zudem eine Tochter hervor. Weitere Aff\u00e4ren hatte Herbert George Wells mit der 26 Jahre j\u00fcngeren Journalistin Rebecacca West, die ihm ebenfalls einen Sohn gebar. Angeblich gab es auch &#8222;Bekanntschaften&#8220; mit margaret Sanger, Odette Keun und Elizabeth von Arnim. <\/span><\/p>\n<p lang=\"\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-size: medium;\">Zur\u00fcck ins Jahr 1893: H. G: Wells hatte im Sommer des Jahres mit einer schweren Lungenblutung zu tun, was zur Folge hatte, das er nur noch sitzende T\u00e4tigkeiten aus\u00fcben durfte. W\u00e4hrend er sich erholte, begann er Kurzgeschichten, Essays und Rezensionen f\u00fcr die Pall Mall Gazette, The Sunday Review und weitere Zeitschriften zu schreiben. Sein erstes Buch, &#8222;Textbook of Biology&#8220;, erschien im selben Jahr. Zwei Jahre sp\u00e4ter ver\u00f6ffentlichte er einen Kurzgeschichten &#8211; Band, &#8222;The stolen Bacillus&#8220; in dem &#8222;Methuen und Co.&#8220; &#8211; Verlag. Dabei handelte es sich um ein Kurzgeschichten-Band mit 15 Storys aus dem Bereich Fantasy und Sci-Fi. <\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-size: medium;\"><span lang=\"\">Ich zitiere hier aus dem Buch von Elmar Schenkel: &#8222;H. G. Wells &#8211; Der Prophet im Labyrinth&#8220;, erschienen im Zsolnay Verlag, S. 11. Hier wird darauf eingegangen, das schon damals eine literarische Verwandtschaft zwischen Wells und Verne vermutet wurde. Verne mochte dies nicht sonderlich und beantwortete eine entsprechende Frage: &#8222;<\/span><span lang=\"\"><i>Nein, es besteht keine Beziehung zwischen seiner und meiner Arbeit. Ich mache Gebrauch von der Physik. Er erfindet. Ich fliege zum Mond in einer Kanonenkugel. Das ist keine Erfindung. Er fliegt zum Mars in einem Luftschiff, das er aus einem Metall konsturiert, das das Gesetz der Schwerkraft ignoriert. Das ist ganz reizend (&#8230;), aber zeigen Sie mir das Metall. Lassen Sie es ihn produzieren!&#8220; <\/i><\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-size: medium;\">Die Comiczeichnerin Kate Beaton brachte es auf den Punkt: <\/span><\/p>\n<p lang=\"\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-size: medium;\">Verne sorgte sich stets sehr darum, dass seine fantastischen Geschichten eine wissenschaftliche Grundlage haben. Wells nutzte seine wissenschaftlichen Erfindungen dazu, eine Geschichte zu erz\u00e4hlen. <\/span><\/p>\n<p lang=\"\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-size: medium;\">So konnte der Zeitreisende in Wells erstem Roman &#8222;Die Zeitmaschine&#8220; (1895) zwar \u00fcber die Theorie der Zeitreise erz\u00e4hlen, nichts jedoch \u00fcber die Funktionsweise der Zeitmaschine. Im Umkehrschlu\u00df h\u00e4tte Verne sich allerdings auch nie die Freiheit genommen, \u00fcber eine Maschine zu schreiben, deren Funktionsweise er nicht nachvollziehen konnte. W\u00e4re Wells wie Verne gewesen, h\u00e4tte jemand anders \u00fcber die &#8222;Zeitmaschine&#8220; geschrieben. Oder es w\u00e4re ein anderer Wells in einer parallelen Zeitlinie gewesen. Oder eben in unserer, die ebenfalls m\u00f6glicherweise parallel zu anderen verl\u00e4uft, in denen er z.B. Lehrer geblieben ist oder beim Tuchhandel geblieben ist. So gesehen k\u00f6nnen wir uns gl\u00fccklich sch\u00e4tzen, den Wells gehabt zu haben, der den Roman schrieb, denn es handelt sich dabei um ein Meisterwerk der Science Fiction Literatur, ohne den ich solche multidimensionalen Ideen heute vielleicht gar nicht h\u00e4tte haben k\u00f6nnen.<\/span><\/p>\n<p lang=\"\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-size: medium;\">Der Anfang der Zeitmaschine ist nicht zuletzt so einladend, weil sie h\u00f6chst unterschiedliche Charaktere in einem Raum zusammenbringt und sie mit einer faszinierenden Idee konfrontiert. Der streits\u00fcchtige, rothaarige Filby ist in der sp\u00e4teren Verfilmung durch George Pal (1960) des Zeitreisenden gr\u00f6\u00dfter Freund. Des Weiteren fanden sich ein Psychologe und ein B\u00fcrgermeister sowie ein Arzt beim &#8222;Zeitreisenden&#8220; (im Film von George Pal einfach &#8222;George&#8220; genannt), auf dessen Einladung hin, ein. Der Zeitreisende erkl\u00e4rt ihnen (und somit dem Leser), das es neben den drei bekannten Dimensionen &#8211; L\u00e4nge, H\u00f6he und Breite &#8211; noch eine vierte gibt: Die Zeit! Schlie\u00dflich pr\u00e4sentiert er die Zeitmaschine in einem kleinen Modell. Er l\u00e4sst sie sogar in die Zukunft verschwinden. Die G\u00e4ste zeigen sich von den Ausf\u00fchrungen des Zeitreisenden \u00fcberfordert. <\/span><\/p>\n<p lang=\"\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-size: medium;\">Was Wells hier aber sehr unterhaltsam darstellt ist eine Theorie \u00fcber die vierte Dimension. Es folgt eine jener angeregten Unterhaltungen zwischen den Zeugen des verschwundenden Modells, wie sie uns SciFi &#8211; Fans schon \u00f6fter begegnete. Was w\u00e4re alleine Star Trek ohne seine Zeitreisen und damit zusammenh\u00e4ngenden Theorien? So philosophieren die G\u00e4ste des Zeitreisenden: W\u00e4re das Modell der Zeitmaschine in die Vergangenheit gereist, h\u00e4tte man sie beim Betreten der Wohnung nicht sehen m\u00fcssen? Der Psychologe meint, die Maschine sei noch dort, w\u00fcrde sich aber so schnell bewegen, dass man sie nicht sehen k\u00f6nne. Der Arzt appelliert: &#8222;Heute Abend klingt alles plausibel genug, aber (&#8230;) warten sie auf den gesunden Menschenverstand des Morgens!&#8220; <\/span><\/p>\n<p lang=\"\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-size: medium;\">&#8222;Ich denke, damals glaubte keiner so recht an die Zeitmaschine&#8230;&#8220; erz\u00e4hlt der fiktive Berichterstatter der Ereignisse um die Zeitmaschine weiter. Wells dachte \u00fcber Zeitreisen nach, wie viele andere Autoren dies mittlerweile tun. Das Besondere ist, dass er so ziemlich der Erste war, der diese Gedanken in einem Buch ver\u00f6ffentlichte. Wenn Jules Verne der Urgro\u00dfvater der Science Fiction ist, so ist Wells der Gro\u00dfvater. <\/span><\/p>\n<p lang=\"\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-size: medium;\">Herbert George Wells h\u00e4tte sich, wenngleich sein Anliegen nie allein der Wissenschaft galt, sondern zumindest auch einer gewissen Sozialkritik gewidmet war, sehr gewundert, wenn er in unseren Tagen erfahren h\u00e4tte, dass seine wilden Spekulationen \u00fcber die Dimensionen erst der Anfang waren. Die Wahrheit scheint viel fantastischer zu sein. Es gibt noch keine klare Antwort. Aber begonnen bei der Idee, dass es per Definition eigentlich gar keine Dimension gibt bis hin zu der Idee, dass es unendlich viele w\u00e4ren, ist so ziemlich alles m\u00f6glich. In der Theorie sogar die Zeitreise. Wer sich in das Thema heutzutage vertieft, wird vor Allem begreifen, wie wenig wir von unserer Welt wissen. Genau das fasziniert jedoch, macht neugierig. <\/span><\/p>\n<p lang=\"\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-size: medium;\">\u00c4hnlich h\u00e4ngt man als Leser auch Wells an den Lippen, wenn sein Zeitreisender uns von den Dimensionen erz\u00e4hlt.<\/span><\/p>\n<p lang=\"\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-size: medium;\">Dann beginnt der zweite Teil der &#8222;Zeitmaschine&#8220; und hier offenbar sich die wahre Berufung H. G. Wells. \u00c4hnlich Gene Roddenberrys Star Trek Episoden, in denen Gleichnisse erz\u00e4hlt werden, die einen\u00a0Bezug zur aktuellen Zeit aufweisen, war Wells besonders gut darin auf die selbe Weise auf Missst\u00e4nde\u00a0seiner Zeit hinzuweisen. <\/span><\/p>\n<p lang=\"\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-size: medium;\">Der Zeitreisende reist also in die ferne Zukunft und findet sich schlie\u00dflich im Jahre 802.701 wieder. Hier leben die sanftm\u00fctigen, fragilen Eloi. Sie scheinen im Wohlstand zu leben, doch niemand von ihnen muss daf\u00fcr arbeiten. Sp\u00e4ter stellt sich heraus, dass sich die Menschen in zwei Gesellschaften gespalten hat: Neben den Eloi gibt es auch noch die furchterregenden Morlocks und der Wohlstand der Eloi ist allein darauf zur\u00fcckzuf\u00fchren, dass die Eloi von den Morlocks wie Vieh gehalten werden, um dann als Nahrung zu dienen. <\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-size: medium;\"><span lang=\"\">Was wir hier haben ist H. G. Wells Idee einer m\u00f6glichen Zukunft in einer Gesellschaft, in der es lediglich zwei Schichten gibt. Die Unterschicht, bestehend aus Arbeitern, nutzt die Oberschicht als Nahrungsmittel. Diese ist ihrerseits vollkommen unf\u00e4hig zu handeln, geschweige denn sich zu wehren. Wells kritisiert seine Gesellschaft. Zitat: \u201eDa ich von den Problemen unserer Zeit ausging, schien es mit zuerst sonnenklar zu sein, dass die stufenweise Vergr\u00f6\u00dferung des gegenw\u00e4rtig nur tempor\u00e4ren und sozialen Unterschiedes zwischen Kapitalist und Arbeiter der Schl\u00fcssel zu der hier bestehenden Konstellation sein m\u00fcsste. Zweifellos wird Ihnen das recht grotesk \u2013 und v\u00f6llig unglaublich! \u2013 vorkommen; und doch existieren schon jetzt Verh\u00e4ltnisse, die auf diese Entwicklung hindeuten. Man neigt doch dazu, den Raum unter der Erde f\u00fcr die weniger dekorativen Zwecke der Zivilisation zu nutzen; da gibt es zum Beispiel die Metropolitan Railway in London und andere elektrische Untergrundbahnen, unterirdische Werkst\u00e4tten und Restaurants, und sie vermehren sich und breiten sich weiter aus. Augenscheinlich, dachte ich, hatte sich diese Tendenz noch verst\u00e4rkt, bis die Industrie allm\u00e4hlich ihr Geburtsrecht unter dem Himmel verloren hatte. Ich meine, dass sie tiefer und tiefer in gr\u00f6\u00dfere und immer gr\u00f6\u00dfere unterirdische Fabriken verlegt worden war und die Arbeitskr\u00e4fte einen immer mehr wachsenden Teil ihrer Zeit darin verbrachten, bis sie am Ende -! Lebt nicht schon heute ein Industriearbeiter im Eastend unter so k\u00fcnstlichen Bedingungen, dass er von der nat\u00fcrlichen Oberfl\u00e4che der Erde so gut wie abgeschnitten ist?\u201c (Die Zeitmaschine, DTV).<\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-size: medium;\">Diese Kritik an der Gesellschaft ist es, die Wells am Herzen lag. So alt diese Kritik ist, so zeitlos ist sie auch, den die Techologie entwickelt sich weiter, doch der Mensch hat nur wenige Schritte mehr getan als in den Tagen von H. G. Wells.<\/span><\/p>\n<p lang=\"\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-size: medium;\">Es folgten weitere erfolgreiche Romane, wie z.B. &#8222;Die Insel des Dr. Moreau&#8220; (1896), &#8222;Der Unsichtbare&#8220; (1897) und 1898 folgte sein zweiter Roman, mit dem man seinen Namen heute in Verbindung bringt: &#8222;Der Krieg der Welten&#8220;!<\/span><\/p>\n<p lang=\"\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-size: medium;\">Oberfl\u00e4chlich betrachtet ist diese Geschichte lediglich die Urform einer &#8222;B\u00f6se Au\u00dferirdische greifen die Erde an&#8220; &#8211; Idee. Tats\u00e4chlich jedoch kritisierte Wells mit dem &#8222;Krieg der Welten&#8220; die Kolonialpolitik des britischen Empire. <\/span><\/p>\n<p lang=\"\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-size: medium;\">Was mit Christoph Columbus begann, nahm mit der Zeit immer h\u00e4\u00dflichere Z\u00fcge an: Europ\u00e4ische Staaten nahmen die L\u00e4nder fremder Kulturen in Besitz, wobei sie sich selbst stets als die \u00fcberlegene Rasse ansahen! England entwickelte sich schnell zum gr\u00f6\u00dften Kolonialreich. Die geistige Haltung war &#8222;staatlich anerkannt&#8220; rassistisch. W\u00e4hrend des zweiten Burenkrieges wurden Internierungslager eingerichtet, die &#8222;concentration camps&#8220; genannt wruden: Konzentrationslager. Zwar wurde hier nicht, wie sp\u00e4ter unter Hitler in Deutschland, systematisch gemordet, allerdings f\u00fchrten die hygienischen Bedingungen und das schlechte und magere Essen zum Tod von etwa 26.000 Frauen und Kindern. Das Wirken der Menschenrechtlerin Emily Hobhouse (1860 &#8211; 1926) sorgte f\u00fcr eine Verbesserung der Situation, in dem sie selbst Ende des 20. Jahrhunderts Konzentrationslager besuchte und in ihrer Heimat von den menschenunw\u00fcrdigen Bedingungen erz\u00e4hlte. Wenngleich ihr Engagement von der britischen Regierung kaum beachtet wurde, sorgte es doch f\u00fcr gro\u00dfe Beachtung in der Bev\u00f6lkerung. Es wurde eine Fawcett Commission gebildet, die sich um Verbesserungen der Lager k\u00fcmmerte. Dies nur als kleiner Exkurs, der verst\u00e4ndlicher macht, was H. G. Wells mit dem Roman &#8222;Krieg der Welten&#8220; zum Ausdruck bringen wollte: Jetzt waren es die Au\u00dferirdischen, die die Erde kolonisieren wollten. Sie waren in einer erschreckenden \u00dcbermacht! Das es ausgerechnet Bakterien, die Kleinsten aller Lebewesen, waren, die die Widersacher schlie\u00dflich besiegten, sollte ein weiterer Seitenhieb gegen das Empire sein.<\/span><\/p>\n<p lang=\"\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-size: medium;\">Selbst, wenn man diese Parabel beiseite l\u00e4sst, begeistert Wells\u00b4&#8220;Krieg der Welten&#8220;, da er bis ins Detail beschreibt, was geschieht und das so glaubw\u00fcrdig als w\u00e4re er selbst dabei gewesen. <\/span><\/p>\n<p lang=\"\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-size: medium;\">Im zweiten Teil werde ich davon berichten, wie es mit H. G. Wells weiterging. Au\u00dferdem werde ich euch von anderen medialen Umsetzungen seiner zwei gr\u00f6\u00dften Romane berichten.<\/span><\/p>\n<p lang=\"\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-size: medium;\">&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;<\/span><\/p>\n<p lang=\"\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-size: medium;\">Quellen u. Empfehlungen:<\/span><\/p>\n<p lang=\"\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-size: medium;\">wikipedia.de<\/span><\/p>\n<p lang=\"\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-size: medium;\">Elmar Schenkel: H. G. Wells &#8211; Der Prophet im Labyrinth<\/span><\/p>\n<p lang=\"\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-size: medium;\">H. G. Wells: Die Zeitmaschine, ISBN: ISBN 978-3-423-12234-4, 7,90 EUR<\/span><\/p>\n<p lang=\"\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-size: medium;\">H. G. Wells: Krieg der Welten, ISBN 978-3-423-13487-3, 8,50 EUR<\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><a href=\"http:\/\/www.3sat.de\/page\/?source=\/scobel\/bt\/161893\/index.html\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span lang=\"\">http:\/\/www.3sat.de\/page\/?source=\/scobel\/bt\/161893\/index.html<\/span><\/span><\/span><\/a><\/p>\n<p lang=\"\" align=\"JUSTIFY\">\n<p lang=\"\" align=\"JUSTIFY\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Diesen Text schrieb ich urspr\u00fcnglich f\u00fcr den FEDCON INSIDER, das Magazin f\u00fcr die Besucher der Fedcon. Herbert George Wells wurde am 21. September 1866 in Bromley, heute ein Stadtteil Londsons, geboren. 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