Inspector Lestrade – Ein Fall für Scotland Yard Nr. 9 – Kainsmal

Der von allen geachtete Inspector Stanley Hopkins wird plötzlich zum Verbrecher. Was für seine Kollegen und Scotland Yard immer unvorstellbar war, scheint nun bittere Gewissheit. Lestrade und sein Kollege Dash stoßen in ihren Ermittlungen in ein Wespennest aus Verrat, Mord und Erpressung. Mehr und mehr zweifelt Lestrade an der Schuld seines Kollegen. Liegen die Dinge doch anders, als es den Anschein hat?

Kainsmal“ ist eines jener Hörspiele, bei denen man gut aufpassen muss. Nichts ist so, wie es am Anfang scheint. Die Story entwickelt sich so rasant, dass ich mich an die TV Serie „24“ erinnerte fühlte. Gleichzeitig hat die Story etwas Hitchcock – haftes, wenn man an das Hauptmotiv der Story denkt, aber ich will nicht zu viel verraten. 

Begleitet von fetzigen Rhytmen aus der Feder von Christian Bluthardt, die irgendwie an die alten Edgar Wallace Filme und einen Hauch an „James Bond“ erinnern, wandelt sich Lestrade hier endgültig vom „Einäugigen unter den Blinden“ in den Sherlock Holmes Storys zum „Star“ unter den Scotland Yard Beamten. Mit coolen Sprüchen und stets bereitem Schießeisen, respektiert und geneckt von Kollegen, ist er es, der Licht ins Dunkel bringt.

Schade ist, dass Lestrade in einem Nebensatz von „seiner Sherlock Holmes Zeit“ in der Vergangenheitsform spricht. Ich habe mir immer gerne vorgestellt, dass dies eben die Fälle sind, in denen er dem (Christian Rode) Holmes und dem (Peter Groeger) Watson eben mal nicht zur Seite steht, diese aber imaginär nocht existieren.

Vielleicht war es aber auch an der Zeit, die Vergangenheit in dem Sinne ruhen zu lassen als das sie der Entwicklung des Charakters im Wege stand. Dies ist ein Lestrade, wie er „nach Holmes“ wurde. So kann er aus dem Schatten der Berichte von Dr. Watson steigen und größer werden als sein literarisches Vorbild.

Als „Scotland Yard“ – Abenteuer aus der Feder von Andreas Masuth funktioniert dieses Hörspiel und macht einfach Spaß. Neben der wundervollen Stammbesetzung (u.a. Lutz Harder, Michael Pink, Tino Kiessling und Bodo Wolf) ist u.a. Lutz Mackensy zu hören. Seine Stimme kennt jeder Hörspiel – Fan der letzten gut 40 Jahre. Ich persönlich liebte seine Darstellung des „Flash Gordon“ in der gleichnamigen Europa – Hörspiel – Reihe. Aber ich freue mich immer, wenn ich seine Stimme höre. Schön und durch die „neuen Fälle“ des Sherlock Holmes bekannt, ist die Cover – Zeichnung von Lidia Beleninova. Eine Holmes – Übersetzung mit ihren Zeichnungen wäre sicher schön anzusehen…

Schade finde ich nur, dass die „viktorianisch anmutende Atmosphäre“ allmählich sehr in den Hintergrund gedrängt wird. Es gibt noch Pferdegetrappel, aber gelegentlich fragte ich mich beim Anhören, ob dieses Hörspiel nicht auch in unserer Zeit stattfinden könnte. Und die Musik, die ich bereits lobend erwähnte, unterstreicht zwar stilsicher die Coolness des Falles, aber weniger die nebelverhangene Atmosphäre, in der unheimliche Orchesterklänge möglicherweise mehr Positives erreichen könnten. Aber das ist natürlich Geschmackssache.

Insgesamt aber ein tolles, spannendes Hörspiel, dessen innere Logik funktioniert und das, bei allen Wirren, mit einem ungeahnten Ausgang ein passendes Ende findet.

Schön, dass es die Reihe gibt!

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