Star Trek – Discovery: Was kommt auf uns zu?

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Wöchentlich, ab dem 25. September 2017, können wir auf Netflix eine neue Folge von Star Trek – Discovery sehen.

Es wird viel über die neue Serie gesprochen, die von Bryan Fuller erdacht wurde. Unter Anderem auch, dass er selbst nicht mehr Teil der Serie ist. Oh, was gab es für ein Hin und her in Bezug auf „Discovery“ und wie oft wurde die Premiere verschoben!

Angekündigt wurde sie im November 2015, worauf sich Bryan Fuller als Showrunner im darauf folgenden Frühjahr entpuppte. Im Oktober 2016 verlies er die Serie. Und warum? Nun, es darf spekuliert werden. Sicher scheint, dass Fuller und CBS sich nicht ganz einigen konnten. Fuller wollte eine Serie erschaffen, die sich – in in sich abgeschlossenen Staffeln – durch die Zeit vor, während und nach den Ereignissen bewegt, die wir kennen. Wir hätten Captain Kirk und Captain Picard begegnen können und ja, letztlich auch sehen können, was nach TNG passiert!

Dies und die Tatsache, dass die Serie immer weiter hinaus geschoben wurde, sorgte bei den Fans für einigen Verdruss.

Was für die Serie spricht, wie mir scheint, ist weniger die Anwesenheit von Reboot-Drehbuchautor Alex Kurzman (dessen regelmäßiger Autoren-Partner Roberto Orci CBS / Paramount viel zu „Star Trek – lastig“ ist) als vielmehr in dem Projekt involvierte Persönlichkeiten wie „Star Trek II und VI“ – Autor und Regisseur Nicholas Meyer oder die – wenn auch vielleicht nur Pro-Forma-Anweseit von Rod Roddenberry, dem Sohn des „great bird of the galaxy“, Gene Roddenberry. Immerhin verrät seine Anwesenheit eine gewisse Geisteshaltung, die viele Fans lange bei den Verantwortlichen vermisst haben. Es ging immer schon um Geld, machen wir uns nichts vor, aber im letzten Jahrzehnt wurde das unangenehm deutlich und vordergründig. Star Trek muss aber von Leuten „gemacht“ werden, die auch einen gewissen Idealismus an den Tag legen und nicht ausschließlich Dollar-Zeichen in den Augen tragen.

Beim Design der Serie hat ein Team von Könnern rund um Mark Worthington und Todd Cherniawsky gute, aber umstrittene, Arbeit geleistet. Es ist das alte Dilemma: Was unsere Technik betrifft, kam die Zukunft schneller als erwartet. Kirks fortschrittliches „Handy“ liegt von seinen Möglichkeiten weit hinter denen eines heutigen Smartphones. Wie soll man die Zukunft einer Prequel-Serie so gestalten, dass sie Wiedererkennungswert hat und doch glaubwürdig ist? Natürlich mussten Kompromisse eingegangen werden und Kompromisse werden nicht allen gefallen, das ist ja klar.

Ähnliches gilt auch für die Klingonen. Niemand schimpfte meines Wissens nach über die Stirnwülste der Klingonen in „Star Trek – the motion picture“, aber heutzutage wollen viele Fans die „Michael Westmore“- Klingonen sehen. Eben das Vertraute, aber neu – nur nicht zu neu. Nein, es allen Recht zu machen, das schafft Star Trek lange schon nicht mehr. Versucht euch mal mit euren Freunden darauf zu einigen, was Star Trek ist und geht ins Detail. Das wird garantiert spannend…

Ich muss euch leider etwas spoilern, aber wirklich nur seicht, wenn ich sage, worum es in diesen ersten Folgen von „Star Trek: Discovery“ gehen wird. Die Handlung beginnt zehn Jahre VOR den Abenteuern von Captain Kirk. Es wird um Klingonen gehen, um kalten Krieg, um Vorurteile. Wenn mich etwas an einem der jüngsten Trailer neugierig gemacht hat, dann ist es der Text eines eher lahmen Songs, in dem gesungen wird: „I want to change the world, but I don´t know what to do…!“

Genau das denke ich nämlich selbst in letzter Zeit, wenn ich mir das Aufflammen von Rassismus in Amerika, die angespannte Lage zwischen Amerika und Nordkorea oder auch das regionale Stärker-Werden rassistischer und radikaler Parteien ansehe.


Unsere Welt, die enger und enger zusammenrückt, verstehst sich dadurch nicht nur besser, sie muss auch mehr denn je lernen, die gemeinsamen Probleme zu bewältigen. Es wird noch dauern, bis wir verstehen, dass wir – frei nach Carl Sagans „Pale Blue Dot“ – eine Menschheit sind und die Mauern und Grenzen genauso hinterfragt werden müssen, wie die Traditionen der einzelnen Völker in ihrer Verschiedenheit gewürdigt werden sollten. Wenn es überhaupt je in der Realität dazu kommen wird.

Hier scheint mir „Star Trek: Discovery“ anzusetzen. Mehr denn je, so heißt es in einem Interview mit dem Cast der neuen Serie, würde Star Trek: Discovery das kommentieren, was gerade tatsächlich in der Welt geschieht. Schon Star Trek VI – meiner Meinung nach einer der allerbesten Star Trek Kinofilme – beeindruckte mit dem Fall der Mauer im Star Trek Universum und natürlich meine ich nicht die mexikanische Mauer…

In einem Comic-Con-Interview gaben die prinzipiell zum Schweigen verurteilten Darsteller noch ein paar Details preis. Es gehe vor Allem um die Charaktere, die Serie hätte darüber hinaus einen cineastischen, opulenten Stil. Was mich aber wirklich packte war, dass der von James Fraine in einer Folge gespielte junge Sarek tatsächlich der Sarek ist, den wir kennen. Kein „zweite Zeitlinie“-Sarek, sondern der, der uns schon so lange bekannt ist. Was mit ihm geschieht, was er tut, soll sich fugenlos in die Original-Zeitlinie einfügen und deutlicher machen, warum er später in der Original Serie oder auch in TNG tut, was er tut. Auch wird Harry Mudd in seinen jungen Jahren zu sehen sein. Was immer wir also zu sehen bekommen, es wird sich dadurch vertrauter anfühlen, dass wir wieder in „unserer“ altbekannten Zeitlinie angekommen sind. Endlich.

Der Name der Serie, Discovery = Entdeckung, ist Programm. Entdeckt werden sollen nicht nur neue Welten, sondern vor Allem die Menschlichkeit selbst – bei uns und in allem Fremden, ohne das wir von einem „Homo Sapiens Club“ (Tochter des klingonischen Kanzlers Gorkon, Azetbur) sprechen würden.

Fazit und Aussicht: Ich bin skeptisch, was „Star Trek – Discovery“ angeht und gleichzeitig gibt es hier und da Ansätze, die mir ausgesprochen gut gefallen.

Eines aber würde ich – bei aller vorsichtigen Skepsis – nie tun: Der Serie von Anfang an keine Chance zu geben! Wir Fans waren es, die „TNG“ seinerzeit (in der Masse) keine ehrliche Chance geben wollten und die später dafür gesorgt haben, dass Star Trek 11 nicht von der „next generation“ handelte, sondern eine zweite Zeitlinie erfunden wurde. Etwas heuchlerisch haben die gleichen Fans dann über jene geschimpft… In Zeiten, in denen TV – Serien sofort zum Kassenschlager werden müssen, ohne Zeit zu haben sich selbst zu finden – sollten wir der Serie in jedem Fall die Möglichkeit einräumen, richtig gut geworden zu sein oder es zu werden.

Am Ende aller Analyse steht für mich eine ganz simple Feststellung: „Es kommt wieder eine neue Star Trek Serie ins Fernsehen! Wie geil ist das denn?!“

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