Micro – Crimes: Sherlock Holmes und der Tod aus der Themse

Als alter Sherlock Holmes Fan ist man immer wieder auf der Suche nach neuen Erscheinungen, die es einem ermöglichen, mit Holmes und Watson Zeit zu verbringen. Was schließlich gibt es für einen Fan des Duos schöneres als sich im alten London zu treffen und mit ihnen Fälle zu lösen?

Ich traf bei meiner Recherche auf ein großformatiges Wimmel – Bilderbuch. „Micro – Crimes. Das Krimi Suchbuch. Sherlock Homes und der Tod aus der Themse.“

Selbst, wenn in den hier abgebildeten Wimmebildern von Gecko Keck (sicher ein Künstlername), keine Verbrechen versteckt wären, könnte man sich Stunden darin verlieren. Ich war zwei Mal in London und ja, es wimmelt dort tatsächlich von so vielen (und mehr) Menschen.

Gecko Keck (geb. 1967) designte Ü-Eier (5000 Designs und 300 Modelle) und war auch schon für Lizenzen zu Harry Potter, Herr der Ringe, Peanuts, Hello Kitty u.a. aktiv. Über 60 Bücher gehen auf sein Konto, darunter auch Kinder- und Jugendbücher sowie Bücher zum Thema zeichnen und malen. Das (und ein wenig mehr) verrät uns die Kurzvorstellung auf https://www.thalia.de/autor/gecko+keck-1313087/.

Ich fühlte mich sofort von den Zeichnungen angezogen. An berühmten Orten wie dem Big Ben, Covent Garden, Tower Bridge, Picadilly Circus und vielen weiteren sehen wir das bunte Treiben bei Tag und auch mal bei Nacht, wie es wohl etwa in den 1920er Jahren stattfand.

Wie, die Holmes – Geschichten handeln gar nicht in den 1920er Jahren? Nun, diese hier schon. Und das hat auch einen Grund. Hier kommen wir zum tieferen Sinn des Buchs. Watson richtet sich selbst an die Leser und erklärt, dass der alte Holmes, der sich offiziell von seinem Dienst zurückgezogen hatte, sich nun doch bereit erklärt, von seinem Schreibtisch aus für Recht und Ordnung zu sorgen. Alles, was er erhält sind diese akribischen Zeichnungen. Dazu Fragestellungen, wie z.B. diese hier:

„Nahe Big Ben, unweit der Themse schlägt der Veteran und Taucher John Loyd das erste Mal zu […] Es gilt seine Mordserie zu stoppen, auch wenn seine Opfer mutmaßliche Verbrecher aus der Londoner Unterwelt sind.“

Dies führt dazu, dass man schließlich höchstselbst mit einer Lupe die Wimmelbilder begutachtet. Eine nahezu meditative Beschäftigung, bei der man manchmal über die Detailsfreude der Zeichnungen schmunzeln kann. Aber es fallen einem auch manche Personen auf, die sich sehr verdächtig verhalten. Der Rest ist Kombinationsgabe: Hängt das, was wir sehen zusammen? Wenn ja, wie?

Natürlich löst Holmes auf, so dass wir am Ende wissen, was geschehen ist. Der eigentliche Spaß, da würde Holmes vermutlich zustimmen, ist das „Ermitteln“ selbst.

Übrigens ist bei diesem Buch auch noch ein hübsches Poster im Wimmelbild – Stil dabei.

Mittlerweile gibt es zwei Bücher in dieser Reihe, die sich großer Beliebtheit erfreuen und zu den SPIEGEL – BESTSELLERN gehören! Im zweiten Band treffen Holmes und Arsene Lupin aufeinander. Ein dritter ist bereits in Vorbereitung. Im März soll ein weiteres Buch dieser Art erscheinen, in dem es die Leser nach Berlin in den 1920ern verschlägt.

Fazit: Holmes – Fans mit wenig Kombinationsgabe kommen alleine durch das Betrachten der wunderschönen Bilder auf ihre Kosten. Fans mit Kombinationsgabe haben hier die Möglichkeit auf eine neue Weise das Lösen von Fällen zu erleben. Spaß ist garantiert. Die Bücher der Reihe sind sehr schön gebunden, die Seiten sind aus starkem Papier. Für nur 20 EUR lohnt sich zumindest mal ein Versuch.

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David Lean´s Oliver Twist

Oliver Twist – vom Buch zum Film

„Oliver Twist or The Parish Boy’s Progress“ („Oliver Twist oder der Weg des Fürsorgezöglings“) von Charles Dickens erschien zwischen 1837 und 1839 in Fortsetzungen in der Zeitschrift Bentley´s Miscelanny.

Charles Dickens (1812 – 1870) schrieb viele einschlägige Gesellschaftsromane in seiner Zeit, die häufig eine recht deutliche Kritik an der Zwei – Klassen – Gesellschaft jener Epoche in sich trugen. Die Slums von London waren so dreckig und die Lebensqualität so dürftig wie die prunkvollen Seiten der britischen Großstadt beeindruckend und in vielerlei Hinsicht großartig waren.

Dickens Werke kennt auch heute noch – über 100 Jahre später – jeder. Zumindest hat man von ihenn gehört. Unter ihnen so bekannte Namen wie „David Copperfield“, „Nicholas Nickelby“, die „Pickwick Papers“ oder die bekannte „Weihnachtsgeschichte“.

Für den enormen Bekanntheitsgrad in unseren Tagen sorgen nicht zuletzt zahlose Verfilmungen. „Oliver Twist“ beispielsweise wurde erstmals 1922 verfilmt. Am Bekanntesten ist heute sicher die Verfilmung von Roman Polanski (2005).

David Lean´s Oliver Twist auf Blu-Ray und DVD!

1948 setzte David Lean (1908 – 1991) das literarische Werk in einem schwarz – weiß Film um, der bei Pidax in blendender Qualität auf Blu-Ray veröffentlicht worden ist. Lean arbeitete sich vom Filmklappen-Assistenten zum Regisseur hoch. Vor „Oliver Twist“ hatte er bereits einen Film nach Motiven von Charles Dickens verfilmt: „Geheimnisvolle Erbschaft“ (1946). Alec Guiness (1914 – 2000), der bereits in diesem Film vorkam und als Fagin eine Hauptrolle in „Oliver Twist“ erhielt, sollte in beinahe allen Filmen des Regisseurs vorkommen.

Oliver Twist (c)Pidax

Seine Werke aus den 50er und 60er Jahren sind vom Namen her weit bekannter als „Oliver Twist“, darunter: „Die Brücke am Kwai“ (1957), „Lawrence von Arabien“ (1962) und „Doktor Schiwago“ (1965).

Seinen Sinn für große, literarische Verfilmungen setzte er auch schon in „Oliver Twist“ (1948) ein, indem er die Geschichte mit beeindruckenden Bildern und teils recht bedrückenden Stimmungen auf die damals große Leinwand zauberte.

Guiness zeigte schon damals sein Talent, indem er Fagin mal gewitzt, mal charmant, mal bedrohlich in Szene setzte. Oliver wird von John Howard Davies (1939 – 2011) verkörpert, von dem es hieß, es habe nie einen zerbrechlicher wirkenden Darsteller für Oliver Twist gegeben. Auch dieser zeigte großes Talent, speziell wenn man sein junges Alter bedenkt! Während man den Werdegang von Alec Guiness nicht nur dank „Star Wars“, sondern auch dank „Ladykillers“, „Der kleine Lord“ und eben auch durch die großen Lean-Produktionen kennen mag, verwundert es vielleicht zu hören, dass auch John Howard Davies recht erfolgreich als Regisseur und Produzent – u.a. für „Monty Pythons flying circus“ und „Mr. Bean“ – tätig wurde.

Alec Guiness als Fagin (c)Pidax

Die Blu-ray bietet, neben dem Film in deutscher Fassung und in Langfassung, den Original-Kinotrailer, die Dokumentation „A Profile of Oliver Twist“ (deutsch untertitelt) und den Aufruf von „Pip“ (Great Expectations) zum Bewerben potentieller Jungschauspieler für die Rolle des Oliver.

DVD und Blu-Ray gibt es u.a. auf Pidax.de, z.B. hier:

https://www.pidax-film.de/Film-Klassiker/Oliver-Twist-Blu-ray::1784.html

Alle Bilder: (c)Pidax und (c)itv