Die Mondlandung feiert(e) Jubiläum
I. „Space Race“
Als ich im September 1969 geboren wurde, war ich eines der ersten Kinder, die in eine Zeit geboren wurden, in der jeder wusste, dass die Menschheit es zum Mond geschafft hatte. Inzwischen waren die Mondlandungen eine dermaßen große Routine geworden, dass die Medien kaum noch Notiz von den weiteren Landungen des „Apollo“ – Programms nahmen. Mittlerweile, wir schreiben das Jahr 2019, ist es sogar Mode geworden, die Mondlandungen als pure Fiktion zu deuten.
Gewiss, Amerika hatte in Russland einen ernstzunehmenden Herausforderer, so dass eine inszenierte Mondlandung auf dem ersten Blick Sinn gemacht hätte, ähnlich wie in dem Film „Unternehmen Capricorn“ aus dem Jahre 1978, in dem den Medien eine Landung auf dem Mars vorgegaukelt wird.
In gewisser Weise sind diese Zweifel schmeichelhaft, denn sie zeigen, wie unfassbar das „Apollo-Programm“ gewesen ist. So unglaubliches hat die Menschheit hier erreicht, dass sich heute Mythen und Märchen darum gebildet haben. Aber war das in der Menschheitsgeschichte nicht immer so? Legenden, die ihren Kern in einer wirklichen Begegebenheit hatten, wurden ausgeschmückt und umgedeutet.
Wer der Wissenschaft jedoch im Rahmen einer rationalen Vernunft folgt, der wird erkennen, dass der Aufwand rund um einen solchen Schwindel sogar noch größer gewesen wäre als das ohnehin großartige Apollo-Programm selbst. Viel zu viele Personen waren darin eingebunden. Wer sich im Detail damit befassen möchte, warum die Mondlandung berechtigte Fragen aufwirft, die aber allesamt wissenschaftlich erklärbar sind, findet bei Eingabe von „Harald Lesch“ und „Mond Fake“ ein paar befriedigende Antworten.
Die Sowjetunion war der eigentliche Vorreiter. Vor dem 4. Oktober 1957 flog noch nicht ein einziger Sattelit um die Erde. Es waren „die Russen“, welche an diesem historischen Tag „Sputnik 1“ in die Umlaufbahn der Erde schossen. Schon einen Monat später folgte mit „Sputnik 2“ der zweite Sattelit, der von vom Ostblock in den Weltraum geschossen wurde. Amerika nahm den Fehdehandschuh auf und schickte im Januar 1958 ihren Satteliten „Explorer“ in die Umlaufbahn. Daraufhin folgte etwa drei Jahre später, im April 1961, der erste bemannte Raumflug mit dem legendären Juri Gagarin, gefolgt von John Glenn, auf der amerikanischen Seite, im Feburar 1962.
So ging es weiter und bei jeder Aktion folgte eine Reaktion, die das Vorgehen des politischen Gegners noch übertreffen sollte.
Am 25. Mai 1961 hielt John F. Kennedy vor dem amerikanischen Senat jene Rede, in der er beschloss, dass noch in den nächsten zehn Jahren ein Amerikaner den Mond betreten würde. Das war damals mindestens so unfassbar als wenn ein Politiker in unserer Zeit sagen würde: „In zehn Jahren haben wir den Klimawandel gestoppt!“
Keine Frage: Hätte die Politik keinen Sinn im „Space Race“ gesehen, und wäre folglich kein Geld geflossen, dann wäre bis heute wohl nie ein Mensch auf dem Mond gewesen, obwohl es mittlerweile theoretisch möglich gewesen wäre. Kennedys Rede war jedoch eine Kampfansage. Die Wissenschaft, entsprechend seitens des Staates gefördert, lief langsam aber sich zu Höhenflügen auf, im wahrsten Sinne.
Als Vorbereitung auf die Apollo-Missionen lief 1965 und 1966 das Programm „Gemini“, welches den Erfahrungshorizont u.a. in Sachen „Weltraumspaziergänge“ und „Navigation“ erweitern sollte. Wie heiß es bei diesem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Amerika und Russland ging, zeigt z.B., dass die Sowjetunion am 18. März 1965 mit Alexei Leonow den ersten Menschen eine „Außenbordmission“ durchführen lässt. Auf amerikanischer Seite stand schon länger Edward White hierfür in den Startlöchern, der schließlich, nur wenige Monate später, am 3. Juni 1965 seine E.V.A. Vollzog (EVA = Extra-vehicular Activity). Während dieses „Weltraumspaziergangs“ überzog Ed White die vorgegebene Zeit. Zu fasziniert war er von dem Anblick der Erde und des Weltraums. Als er schließlich zurück in das Raumschiff kommen sollte, sagte er wörtlich:
„I’m coming back in… and it’s the saddest moment of my life.”
II. Die Tragödie: „Apollo 1“
Am 27. Januar 1967 übten Virgil Grissom, Edward „Ed“ White und Roger Chaffee routinemäßig den erdgebundenen bis dahin als unkritisch geltenden „Plug out Test“, bei dem alle Verbindungen gekappt werden. Die Atmosphäre in der Kapsel, die sich in einem „Versorgungsturm“ befand, wurde mit 100% Sauerstoff gefüllt. Am Abend, um 18:31 Uhr meldete sich ein Astronaut, dass ein Feuer ausgebrochen sei: Alle drei Astronauten starben einen schrecklichen Tod in den Flammen. Ein öffnen der Luke war nicht möglich gewesen!
Dieser Tag brachte den Apollo-Missionen eine Schwere, die man sich wohl schwer vorstellen kann. Gene Kranz (geb. 1933), der Flugdirektor, trommelte einen Tag nach dem Unfall alle Mann zusammen und erklärte in treffender, nüchterner Weise, wie es zu diesem Unfall – jenseits von technischen Gründen – gekommen war:
„[…] Wir sind die Ursache! Wir waren noch nicht bereit! Wir haben unseren Job nicht gemacht. Wir haben gewürfelt und gehofft, dass die Dinge bis zum Starttag irgendwie passen würden, wenngleich wir in unseren Herzen wussten, dass dazu ein Wunder nötig war.“
Und weiter:
„[…] Von diesem Tag an wird Flight Control unter zwei Begriffen bekannt sein: „Hart“ und „Kompetent“.
Hart (tough) bedeutet, dass wir für immer verantwortlich sind für das, was wir tun oder was wir nicht tun. Wir werden unsere Verantwortung nie wieder aufs Spiel setzen. Jedes Mal, wenn wir Mission Control betreten, wissen wir, wofür wir einstehen.
Kompetent heißt, dass wir nichts für selbstverständlich halten. Wir werden in unserem Wissen und in unseren Fähigkeiten niemals [wieder] zu schwach sein. Mission Control wird perfekt sein. Wenn Sie dieses Meeting heute verlassen, gehen Sie in Ihr Büro und schreiben als Erstes „Tough and Competent“ an Ihre Tafel. Es wird niemals gelöscht. Jeden Tag, wenn Sie den Raum betreten, werden diese Worte Sie an den Preis erinnern, den Grissom, White und Chaffee gezahlt haben. Diese Worte sind der Preis für die Aufnahme in die Reihen der Mission Control.“
Kranz, der in seinem Buch „Failure is not an option“ erzählt, dass ihm damals klar wurde, dass sie zu vieles für selbstverständlich gehalten hatten, prägte hiermit die geistige Einstellung der NASA für die nahen weiteren Missionen und spornte gleichzeitig alle Beteiligten an, weiterzumachen. Dieser Vorfall, verbunden mit der Rede von Gene Kranz, ist ein Wendepunkt, denn von nun an wurde in der Tat härter und kompetenter gearbeitet.
Die Witwen der verstorbenen Astronauten baten darum, dass der tödliche Test zu „Apollo 1“ umgetauft wurde.
Der Bitte wurde entsprochen.
III. Ein Wunder wird wahr
Erst 1968 kam es wieder zu einem beannten Flug – mit Apollo 7. Und Apollo 8, der 1968 stattfindenden Mission zur Weihnachtszeit, schickte Frank Borman, William Andres und James Lovell zu einer ersten Umrundung des Erdtrabanten in den Weltraum. Am 24. Dezember 1968 las die Crew der Apollo 8 Teile der biblischen Schöpfungsgeschichte über Funkverbindung vor und gaben dem, irdisch gesehen, schrecklichen Jahr, einen etwas friedlicheren Abschluss.
Am 19. Juli 1969 erreichte letztlich die Besatzung der Apollo 11 – Mission, Neil Armstrong (*1930 – 2012), Edwin „Buzz“ Aldrin (*1930) und Michael Collins (*1930), die Mondumlaufbahn. Collins blieb am folgenden Tag im Kommandomodul „Columbia“, während Armstrong und Aldrin sich mit dem Landemodul (LEM = Lunar Excursion Module), „Eagle“, auf dem Mond landeten. Vor der Landung, die von rund 600 Millionen Menschen weltweit verfolgt wurde, gab es noch einen kleinen Zwischenfall. Beim Abkooppeln des LEM kam es zu einer kleinen Abweichung der geplanten Zielroute. Der Bordcomputer nahm nun eine Stelle ins Visier, die etwa 4,5 Kilometer hinter dem ursprünglich geplanten Landegebiet lag. Wer einmal „Lunar Lander“ gespielt hat weiß, wie fatal es sein kann, wenn die Landung nicht funktioniert (empfohlen sei auch der Apollo Simulator, bei dem Gene Cernan Pate stand: http://eaglelander3d.com/ ).
Als das Landemodul ca. 1,5 Kilometer über der Mondoberfäche war kam es zu weiteren Alarmmeldungen ( Fehler 1201 und 1202), was Armstrong hätte ablenken können. Er blieb dennoch ruhig und konzentriert, während sich herausstellte, dass die Fehlermeldungen ignoriert werden konnten.
Als sich vor Armstrong und Aldrin nun der große West-Krater auftat übernahm Armstrong kurzerhand die Handsteuerung der Eagle und suchte spontan selbst nach einer geeigneten Landestelle. Laut Anzeige hatten sie noch für 20 Sekunden Treibstoff als Neil Armstrong am 20. Juli 1969 um genau 20:17:39 UTC auf dem Mond aufsetzte. 19 Sekunden später erreichte ein Funkspruch Mission Control, der dort viele aufatmen lies:
„Houston, Tranquility Base here. The Eagle has landed!“
Einen Tag später, am 21. Juli 1969, betrat Neil Armstrong als erster Mensch den Mond. Seine Worte machten Geschichte:
„That’s one small step for man, one giant leap for mankind!“
IV. Perspektiven
Obwohl dies das Ergebnis des „Space Race“ gewesen war und später die amerikanische Flagge gehisst wurde, hatte Armstrong den „Geist“ der Mission mit seinen ersten Worten vollkommen erfasst. Es war die Menschheit, die den Mond erreicht hatte, nicht explizit Amerika. Vom Mond aus aus ist die Erde nur eine wunderschöne Kugel, einer Murmel gleich, ohne politische Grenzen und auf der Erde waren die Menschen allesamt begeistert davon, was die Menschheit geschafft hatte. Zwanzig Minuten nach Neil Armstrong betrat auch “Buzz” Aldrin die Mondoberfläche.
Die Rückkehr zur Erde verlief unproblematisch und am 24. Juli 1969 um 16:50 UTC wasserte die Kapsel mit allen drei Astonauten sicher im Pazifik, wurde mit Hilfe eines Helikopters geborgen und sicher zum Bergungsschiff, der U.S.S. Hornet, gebracht.
Wenn man etwas vorgeblich „Unmögliches“ für möglich hält und alles in seiner Macht stehende tut, um es umzusetzen, zumal wenn daran so viele begabte Menschen arbeiten, dann kann dieses „Unmögliche“ Realität werden! Für mich persönlich ist die Mondlandung von 1969 ein Sinnbild dafür, was die Menschheit alles erreichen kann, wenn diese Voraussetzungen gegeben sind. Idealismus, gepart mit viel Geld und einigen begabten, visionären Menschen kann sprichwörtlich „Wunder“ wirken.
Natürlich kann man die Mondlandung unter vielen Aspekten sehen und bewerten. Alleine als Muskelspiel im Rahmen des „kalten Krieges“, als eine Zeit großer technischer Innovationen oder eingestampfter anderer NASA – Projekte, die für die Mondlandung in der „untersten Schublade“ landeten.
Grund zum Feiern?
Schon Apollo 13 fand in der Öffentlichkeit kaum noch Beachtung und wurde dann nur durch jenen berühmten Unfall und wiederum Gene Kranz innovatives Eingreifen populär. Die Menschheit, die Jahrhunderte davon geträumt hatte, zu fliegen und dann vielleicht sogar den weit entfernten Mond zu erreichen, konnte sich in nur knapp 2 Jahren sehr schnell daran gewöhnen, dass dieser Traum wahr geworden war. Auch Wunder können „alltäglich“ werden.
Wie man es auch werten mag, so bleibt doch die Landung auf dem Mond im Jahre 1969, eine Sternstunde der Menschheit. Und genau dieses erstaunliche Ereignis jährt sich in diesem Jahr zum 50. Mal.
Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich bin in Feierlaune.