Paul Dano: Der Riddler – Das erste Jahr

Als ich ein Kind war, war Batman für mich mehr als nur ein Superheld. Er war irgendwie auch eine väterliche Heldenfigur. Vielleicht mochte ich ihn gerade deshalb so sehr: Batman brauchte keine Superkräfte. Kein Kryptonit, keine Mutationen, keine göttliche Herkunft. Er war einfach ein Mensch. Einer, der etwas Schreckliches erlebt hatte und trotzdem – oder sogar deshalb! – versuchte, das Richtige zu tun.

Von Bronze zu „The Batman“

Besonders geprägt hat mich dabei, meine Leser wissen das inzwischen, die Bronze-Age-Zeit mit Neal Adams und anderen Künstlern dieser Ära. Das war für mich der perfekte Batman. Düster, aber nicht kaputt. Ernst, aber nicht hoffnungslos. Kein alberner Witzbold wie früher im TV („Batman hält die Welt in Atem“), aber auch kein „Wahnsinniger“, der zufällig auf der Seite der „Guten“ und ggf. des Rechts steht.

Für mich kommen in den besten Batman Comics auch keine „Superschurken“ vor. Nicht Monster, die Schurken darstellen sollen, sondern Monster, die aussehen wie normale Schurken, funktionierten für mich immer am Besten.

Vielleicht konnte mich deshalb „The Batman“ so überraschen.

Matt Reeves zeigte einerseits einen Bruce Wayne, verletzt, aber geerdet, nach Rache strebt, nur um zu erkennen, dass es mehr als Rache gibt. Andererseits gab es da den Riddler – und der ist hier mal wenigstens ebenso geerdet und überzeugend!

Eine Charakterstudie

Der Riddler in „The Batman“ hat kaum noch etwas mit der klassischen Comicfigur gemeinsam. Kein exzentrischer „Spinner“ mit Rätselstock. Kein bunter Superschurke wie in „Batman forever“. Sondern ein Täter, der erschreckend real wirkt.

Viele Szenen seiner eruptiven Gewalt waren im Kino schwer auszuhalten. Was es aber wirklich creepy für mich machte war, dass dieser Riddler einer inneren Logik folgt, wie es reale Täter oft auch tun. Er sieht sich selbst nicht als Monster. Sondern als jemand, der endlich „die Wahrheit“ ausspricht.

Und genau darum geht es auch in „Der Riddler – Das erste Jahr“.

Der Comic erzählt die Vorgeschichte von Edward Nashton und zeigt, wie aus dem stillen, unscheinbaren Mann langsam der Riddler wird.

Geschrieben wurde der Band von Paul Dano selbst, also dem Schauspieler aus dem Film. Dano lässt uns in die Seele seines dargestellten Charakters blicken. So begleitet der Leser Edward Nashton durch seinen trostlosen Alltag als Buchhalter in Gotham. Man sieht seine Einsamkeit, seine sozialen Probleme und seine wachsende Wut auf die Stadt.

Immer wieder zeigt der Comic, wie sehr Edward unter dem Gefühl leidet, unsichtbar zu sein. Die Charakterzeichnung fühlt sich manchmal merkwürdig an, wenn man als Leser plötzlich versteht, wie und warum Nashton so tickt, wie er es tut. In jedem von uns mag ein „Batman“ stecken, aber womöglich auch ein „Edward Nashton“? Ein gefährlicher Gedankengang…

Einbettung in Reeves Batman – Universum

Der gesamte Comic orientiert sich, verständlicher – und dankenswerter Weise, sehr eng an der Welt aus „The Batman“. Der Wayne Renewal Fund spielt eine wichtige Rolle, genauso die Korruption in Gotham und Edwards Vergangenheit im Waisenhaus.

Besonders interessant ist dabei, wie der Comic Edwards Obsessionen langsam aufbaut. Anfangs wirkt vieles noch harmlos. Seine Rätsel. Seine Gedanken. Seine Beobachtungen. Doch nach und nach steigert er sich immer tiefer hinein.

Gerade das macht den Comic teilweise unangenehm intensiv.

Gotham – ein finsterer Ort

Die Zeichnungen von Stevan Subic passen hervorragend dazu. Gotham wirkt hier dreckig, kalt und kaputt. Viele Panels haben etwas Fieberhaftes. Teilweise sehen sie fast aus wie verstörende Erinnerungen oder paranoide Gedankensplitter. Seitenweise Notizen können auch schon mal die Geduld des Lesers auf die Probe stellen, aber sind Teil dieses einzigartigen Comic – Erlebnisses, das eigentlich ein Abstieg in die Psyche von Edward Nashton ist.

Fazit

Wer einen Batman – Comic erleben will, sollte die Finger davon lassen. Wer in die Psyche eines erschreckend realistischen Killers aus dem „The Batman“ – Universum blicken will, der sei gewarnt, dass das hier erschreckend gut funktioniert.

Nachdem Dano diesen Comic über den Riddler geschrieben hat, wünsche ich mir nur noch einen Origins – Comic von Colin Farrel. Es mag sein, dass die Schauspieler, die die Charaktere verkörpern, ihnen in der Tat erstaunlich nahe kommen. Das Ergebnis dieses Comics hier jedenfalls ist erstaunlich.

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