Ein mysteriöser gelber Koffer samt schockierendem Inhalt wird in die Baker Street 221b geliefert und bringt Sherlock Holmes und Dr. Watson so auf die Spur eines schottischen Adligen, dessen Ehefrau offenbar um ihr Leben bangt. Die Herren zögern nicht, dem dringlichen Hilferuf zu folgen und machen sich auf in den hohen Norden der Insel …
Ein Titel, der zu viel verraten könnte…
Die Figur Blaubart stammt aus dem französischen Märchen La Barbe bleue von Charles Perrault (1697). Mir persönlich war nicht im Detail bekannt, worum es sich bei dieser Gestalt handelt, und hätte ich es gewusst, hätte ich mich vielleicht geärgert, weil sie schon so viel von diesem Fall vorweggenommen hätte.
Das wäre umso bedauerlicher gewesen, da dieses Hörspiel aus der Reihe „Die geheimen Fälle des Meisterdetektivs“ von Titania Medien mal wieder ein Volltreffer ist. Erst kürzlich berichtete ich von Folge 70 „Die Dame mit dem blauen Hut“ und kritisierte, dass sich Sherlock Holmes hier atypisch verhielt.
In der aktuellen Folge, „Blaubarts Erben“, stimmt meiner Meinung nach jedoch wirklich alles. Wo soll ich beginnen? Am besten am Anfang.
Ein rästelhafter Koffer und eine merkwürdige Einladung
Wir bekommen eingangs (endlich wieder) einen Schlagabtausch zwischen Holmes – Mrs. Hudson – Dr. Watson serviert. Ein gelber Koffer sei abgegeben worden, der für Missverständnisse und Mrs. Hudsons Unmut sorgt, zumal ein unangenehmer, chemischer Geruch von ihm ausgeht.
Der Koffer ist Teil der Bitte einer Lady Dungrave, hervorragend gesprochen von Marie Bierstedt (ja, die Tochter von unserem Watson, Detlev Bierstedt), Mr. Holmes möge sie inkognito besuchen. Der Inhalt des Koffers ist für Holmes (Joachim Tennstedt) ein gewichtiges Argument, dieser Bitte eilig nachzukommen.
Das Spiel beginnt!
So verschlägt es Holmes und Watson sehr bald, in der Rolle eines Künstlers und seines Gehilfen, in ein schottisches Schloss. Kälte, Sturm, zugige Gänge, ein äußerst charmant wirkender Lord Dungrave sowie dessen Verbot, bestimmte Räumlichkeiten zu meiden, sorgen für eine schaurig-mysteriöse Stimmung. Natürlich darf auch ein Butler nicht fehlen, schön ehrwürdig von dem wunderbaren Lutz Mackensy gesprochen.
Ohne ins Detail gehen zu wollen, erwärmte mir diese Geschichte das Fan-Herz, weil sie sich wirklich wie eine authentische Holmes-Story anfühlte. Vom Anfang bis zum letzten Klang der End-Title-Melodie wirkt dieses Krimi-Hörspiel einfach „gut komponiert“. Es gibt keine Längen, alles wirkt plausibel und auch Holmes verhält sich so, wie ich es von Holmes aus den Krimis kenne – natürlich mit der besonderen Konnotation des „Titania-Medien-Holmes“, und nichts anderes würde ich erwarten.
Fazit
Wer an einem verregneten Frühlingstag über 87 Minuten bei einem Tee und einem Gurken-Sandwich von Mrs. Hudson in kurzweiliger Gegenwart von Holmes und Watson verbringen will, kann hier getrost zugreifen.