Flucht in die Zukunft (Time after Time) erstmals auf deutscher Blu-Ray!

I. Ich stelle vor: Nicholas Meyer!

Nicholas Meyer ist eine Legende, aber nicht jeder weiß das. Unter „Star Trek“-Kennern genießt er den Ruf, den vermeintlich besten Star-Trek-Film aller Zeiten gedreht zu haben: Star Trek II – Der Zorn des Khan. Übrigens war er hier nicht nur Regisseur, er überarbeitete auch das Drehbuch. Nach dem epischen, aber eher trockenen Star Trek – The Motion Picture war das für das Franchise 1982 ein echter Befreiungsschlag, der noch lange Jahre nachwirkte.

Der andere Star-Trek-Film, der mir bei Nicholas Meyer einfällt, ist Das unentdeckte Land, bei dem er wieder am Drehbuch beteiligt war und Regie führte. Nebenbei war dieser Film das vielleicht schönste Ende der Classic-Film-Ära von Star Trek, das man sich nur wünschen konnte.

Auch an dem sehr erfolgreichen Teil IV, dem „mit den Walen“, schrieb er mit. Für die moderne Star-Trek-Serie Discovery war er bei der ersten Staffel als Berater mit an Bord.

Sollte ich jedoch noch ein anderes „Franchise“ nennen, welchem ich so nahe stehe, wie „Star Trek“, dann wäre das „Sherlock Holmes“ – und was soll ich sagen? Meyer schrieb inzwischen ganze SIEBEN Sherlock-Holmes-Romane! Alle klug, witzig, nahe am Original und in seiner persiflierenden Art und mit den vielen Fußnoten von „Dr. Watson“, ein echter Genuss für jeden Holmes-Fan. In seinem ersten Roman – The Seven-Per-Cent Solution (Kein Koks für Sherlock Holmes) – begegnete Holmes niemand Geringerem als Dr. Sigmund Freud in Wien, in den folgenden Romanen begegnet er Bernard Shaw, Oscar Wilde, Bram Stoker und vielen anderen. Leider wurde nur die Hälfte dieser außergewöhnlichen Romane ins deutsche übersetzt. Liebe Verlage: Hier gibt es was zu tun! 😉

Unter der Regie von Herbert Ross erschien 1976 eine Verfilmung seines ersten Romans (in den Rollen als Holmes und Watson spielten Nicol Williamson und Robert Duvall. Alan Arkin gab Freud, während Laurence Olivier Professor Moriarty darstellte).

(c)Plaion – Wells (M. McDowell) mit Deerstalker. Holmes lässt grüßen 🙂

II. Jack the Ripper reist durch die Zeit

Karl Alexander ist der Autor des Romans Time After Time, in dem Jack the Ripper – auf der Flucht vor der Polizei – in das (damals) gegenwärtige San Francisco gelangt. Aber er war nicht ganz zufrieden mit seinem Drehbuchentwurf, den er verfasst hatte. So wandte er sich an seinen Freund Nicholas Meyer. Man kann sich vorstellen, dass der Holmes-Enthusiast eine Jack-the-Ripper-Handlung faszinierend fand. Er überarbeitete das Drehbuch von Alexander so umfangreich und gut, dass Orion Pictures ihm anbot, auch im Regiestuhl Platz zu nehmen.

Nun muss man wissen, dass Meyer niemals zuvor Regie geführt hatte!

Time After Time war 1979, mit einem Einspielergebnis von rund 13 Millionen Dollar, ein solider Erfolg und machte den Autoren Meyer über Nacht zum anerkannten Regisseur. Der Film erhielt mehrere Auszeichnungen und führte – hier schließt sich der Kreis – direkt zu seinem Regieplatz in Star Trek II.

III. Die deutsche Blu-ray-Veröffentlichung

Hierzulande erschien nun der Film Flucht in die Zukunft (Time After Time) bei PLAION Pictures für rund 30,00 EUR auf Blu – Ray.

Bei der Veröffentlichung des Films, in dem David Warner (St. John Talbot in Star Trek V, Kanzler Gorkon in Star Trek VI, Gul Madred in einer ST:TNG-Doppelfolge), Malcolm McDowell (Dr. Tolian Soran in Star Trek VII) und Mary Steenburgen (Clara Clayton in Zurück in die Zukunft III) mitspielen, hat man sich viel Mühe gegeben. Es ist keine lieblose Produktion, die schnell auf den Markt geworfen wurde. In dem Mediabook, welches auch als Buch gestaltet ist, samt wunderschönem Covermotiv des originalen Kinoposters, befinden sich neben der DVD und der Blu-ray, neben großen Bildern, einige tiefe Einblicke in die Produktion des Films selbst.

 

(c)Plaion – Das schöne Mediabook bietet DVD, Blu-Ray und Lesestoff

IV. H. G. Wells’ Vermächtnis

Ich kann mich gut daran erinnern, wie ich als Kind, stets um Silvester herum, den Film Die Zeitmaschine mit Rod Taylor sah. In der Tat ist dieser sehr stimmungsvolle Film ein ganz eigener Kultfilm.

Auch befasste ich mich in der Vergangenheit ausführlich mit H. G. Wells, dem viktorianischen Mann mit den ungewöhnlich modernen Sichtweisen. Ich fand ihn und sein Werk stets faszinierend. Der Krieg der Welten ist vielleicht „das“ andere Werk von Wells, welches bekannt ist und immer wieder einmal verfilmt wurde. Oft ging in den Verfilmungen, so schön sie waren, die soziale Botschaft von Wells etwas unter, was nur stört, wenn man davon weiß.

Ich habe Malcolm McDowells Darstellung in Time After Time darum als so sehr erfrischend wahrgenommen. Der Film ist mehr als ein „Krimi mit Zeitreise“ (was aufregend genug wäre). Der Film ist auch eine Gesellschaftskritik eines (kritischen) Idealisten aus dem 19. Jahrhundert zu „unserer“ Zeit (1979).

V. Wo die Liebe hinfällt…

Steenburgen spielt in ihrer Rolle als Amy Robbins die etwas naive, aber sehr moderne Frau im San Francisco jener Zeit äußerst charmant und überzeugend. Sie ist, wenn auch auf andere Art, ebenfalls „aus der Zeit gefallen“, ist ebenfalls eher ein Menschenfreund, ist emanzipiert, dabei auch gleichsam etwas unsicher. Das passt hervorragend zu McDowells verträumtem Wells – und ihnen alleine beim Flirten zuzusehen, ist schon eine Freude. Übrigens kamen sich McDowell und Steenburgen tatsächlich nahe und heirateten 1980. Aus der Ehe, die bis 1990 hielt, gingen zwei Kinder hervor: die Schauspielerin Lilly McDowell und der Regisseur Charlie McDowell.

Niemand würde diesem „Team“, wenn man es sich so ansieht, zutrauen, es mit Jack the Ripper (David Warner) aufzunehmen. Zwei Menschenfreunde gegen ein Monster! Das macht diesen Film auf eine tiefere Art spannend, denn es ist leicht, sich mit Wells und Amy zu identifizieren.

VI. Großes Kino!

So ist es am Ende nicht einfach nur die Frage, ob alles „gut“ wird. Es ist auch eine Wette: Wer wird gewinnen? Die Seite der anständigen, der „Guten“ oder die Seite des zynischen Monsters? Dabei wird Jack the Ripper vielschichtig dargestellt. Er ist intelligent und man kann seiner Sichtweise auf die 1970iger Jahre (wie umsomehr auf unsere Zeit) durchaus nachvollziehen, wenngleich Jack the Ripper natürlich ganz – sagen wir – „eigene“ Schlussfolgerungen aus seinen Beobachtungen zieht…

Was noch erwähnt werden sollte: Der große Hollywood-Komponist Miklós Rózsa (Ben Hur, Quo Vadis, Ivanhoe etc.) komponierte den Soundtrack zu diesem Film, was der Stimmung sehr zuträglich ist.

Time After Time ist ein mitreißender Film aus den 1970er Jahren. Zu unrecht vergessen, jetzt auf „Hochglanz poliert“ und überraschend gut gealtert. Empfehlenswert!

Dieser Beitrag wurde unter Filme und Merchandise, Rezension abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert