Batman – Was wurde aus dem dunklen Ritter?

In „Batman – Was wurde aus dem dunklen Ritter“ von Neil Gaiman und Andy Kubert finden sich diverse Geschichten, die sich um verschiedene Charaktere drehen und diese aus einer neuen Perspektive heraus ausloten.

In der ersten, Titel-gebenden, Story geht es dabei um Batman selbst. Was macht ihn eigentlich aus?

Die Story beginnt spannend, denn auch hier ist der Blickwinkel außergewöhnlich: Batman ist unsichtbarer Gast bei seiner eigenen Beerdigung und alle möglichen Gauner kommen zu Besuch und erzählen, wie Batman sein Ende fand. Jede Geschichte ist dabei anders. Ehe es langweilig wird den spannenden Versionen von Batmans Ende zuzuhören, kürzen Gaiman und Kubert die Berichterstattungen und kommen mehr und mehr darauf zu sprechen, wie es sein kann, dass Batman dies alles miterlebt…

(c) Panini & DC

Ohne den „Clue“ der Geschichte verraten zu wollen, möchte ich doch darauf hinweisen, dass die Auflösung sowohl in gewisser Weise spirituell ist als auch einen typischen Batman-Moment darstellt…

Die Zeichnungen von Andy Kubert und Simon Bisley sind kunstvoll geraten, wandern zwischen klaren Linien, geheimnisvollen Schattenspielen bis hin zu skizzierten, beinahe übersinnlich erscheinenden Motiven.

Die Art der Erzählweise, verbunden mit diesen gelungenen Zeichnungen sorgt dafür, dass man, hat man sich über die ersten zwei, drei Seiten eingelesen, geradezu eingesogen wird.

Es ist eine von jenen eher biografisch angehauchten Erzählungen, in denen kein spektakulärer Endgegner für großartige Actionsequenzen sorgt, sondern in der beinahe lyrisch über das Wesen von Batman  meditiert wird. Wer Batman mag, wird die Story mögen.

Gefolgt wird die Hauptstory von einer der verrücktesten kleinen Storys, die ich je in einem Batman – Comic erlebt habe. Es ist von vorneherein eine Geschichte, die sich komplett vom Üblichen unterscheidet.

„Eine Welt in Schwarz und Weiß“ wurde, der Titel verrät es, in schwarz-weiß gezeichnet. Es ist ewig her, dass ich ein schwarz-weiß Comic gelesen habe und früher fand ich das auch immer etwas enttäuschend. Doch so wie schwarz-weiß –Filme einen besonders künstlerischen Touch haben, so ist das auch in dieser Story, in der Batman und Joker so frapant übertrieben gezeichnet werden, dass man schon von einer Karikatur reden kann. So wie die Hauptstory gibt es aber auch hier einen „Clue“ der Story, den ich nur ansatzweise verraten will: Was wäre, wenn Batman und Joker wüssten, dass sie „fürs Comic“ arbeiten?

Die letzten Geschichten, „Pavane“ und „Erbsünden“ befassen sich mit Poison Ivy und mit einem Reporter, der meint eine Warnung von Batman in den Wind schlagen zu können: Er möchte die kriminellen Superschurken Joker, Riddler und Co. als Opfer darstellen. Ob das gut geht?

Alles in Allem ein vergnüglicher Band, der Spaß macht, weil er so vielseitig ist.

https://paninishop.de/batman-superhelden-comics/batman-was-wurde-aus-dem-dunklen-ritter-ddcpb017

 

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Inspector Lestrade – ein Fall für Scotland Yard – Fall 8: Der Geist von Old Hall

„Der Geist von Old Hall“ weist wieder eine Menge typischer Ideen auf, die ein Hörspiel schauerlich – schön machen, denn wenn Inspector Lestrade und Seargent McKinstry die „Besserungsanstalt für junge Damen“ besuchen ist nicht alles so, wie es scheint.

Ein altes Gemäuer, in dem es offnbar gruselt? Selbst Lestrade ist sich schließlich nicht mehr sicher, ob er seinem Verstand glauben kann. Dabei soll diese Anstalt doch eine der modernsten ihrer Art sein!

Ein gruseliges, spannendes Verwirrspiel, dass man sich (nicht nur) bei Regenwetter genüßlich zu Gemüte führen kann.

Die Sprecher, die Musik und die Stimmung passen einfach. Dieser Lestrade hat sich längst von Holmes und Watson abgenabelt und führt ein Eigenleben, dass zu verfolgen zunehmend Spaß macht.

https://www.romantruhe.de/serien/krimi-thriller/inspector-lestrade-ein-fall-fuer-scotland-yard/inspector-lestrade-cd-8-der-geist-von-old-hall-20856

Preis: 9,95 €

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Playmobil – Piraten voraus!

Die ersten Sonnenstrahlen strichen sachte über das Land als ein gerade 10 Jahre alt gewordener Junge sich in seinem Bett hin- und herwältze. Die ganze Nacht schon war höchst unruhig geworden. In seinem Kopf stellte er sich wilde Szenen vor: Er war Seemann an Bord des Playmobil – Segelschiffs, kämpfte mit seinem Säbel gegen Seeräuber, barg Schätze, sprach mit seinem Kapitän in der Kajüte des schönen Segelschiffs…. seiner Fantasie waren kaum Grenzen gesetzt.

Um 5 Uhr morgens an diesem, seinem zehnten Geburtstag, saß er denn auch schon mit seiner frisch geweckten Mutter am Wohnzimmertisch, wo sie gemeinsam das erste Playmobil-Schiff aufbauten, dass je in See gestochen war. Der Spaß und die Aufregung, die dieser Junge an diesem Morgen hatte sind kaum zu beschreiben. Dass um 10:30 Uhr – im Anschluss an das ZDF Matinee – auch noch der zweite Teil der Serie „Robinson Crusoe“ mit Robert Hoffmann kam passte wie die Faust aufs Auge. Kein Zweifel mehr, wie er sein Schiff nennen sollte: „Esmeralda“!

Seit damals verzaubert Playmobil immer wieder Kinder auf aller Welt mit der vielleicht best durchdachtetsten Spielzeugfiguren-Reihe, die es je gab. Die Playmobil – Figuren, die diverse Gegenstände in ihren Händen halten, sich aber auch festhalten können und die man in einem gewissen Rahmen sogar umziehen kann, kennt heute jeder.

Nicht jeder ist sich dessen bewusst, wie viele Veränderungen die Piraten alleine schon im Laufe der Zeit durchgemacht haben! Klar, das Grundprinzip blieb immer gleich. Playmobil-Männchen sehen immer aus wie Playmobil-Männchen eben aussehen. Aber die farbliche Bedruckung, die mit der Zeit dazu kam, sorge für eine viel größere Auwahl, viel mehr verschiedene Charaktere, so dass manche Playmos einfach cooler aussehen als andere.

Was die großen Piratenschiffe angeht, gab es im Laufe der Zeit ebenfalls Variationen. Der erste Segler (3550) erschien tatsächlich 1978. Es hatte baumwollweiße Segel, eine Crew von ganzen 5 Piraten und eine relativ aufwendige Takelage. Die Schnur, die vom Bug bis zum Heck führte wurde später abgeschafft. Auch die Vertäuungen zwischen Segeln und Klampe wichen später einfachen Plastik Haken. Die Originalversion verfügte über Anker und einen Kranhaken aus relativ schwerem Metall. Merkwürdiges Detail: Der Mastkorb war damals weiß!

An dieser Variante orientierten sich noch viele weitere Segelschiffe bis hin zum jüngsten großen Piratenschiff, der Nummer 70411. Zwar besteht die mitgelieferte Crew hier nur aus drei Piraten, diese sehen dafür aber ganz besonders verwegen aus. Die Montierung der beiden Kanonen sind noch eleganter gelöst als in der 1978er – Version, da die Kanonen leicht befestigt werden und sich dabei im kleinen Winkel noch wenden können. Die bunten Segel fallen besonders auf. Bedrohliches rot ist die Grundfarbe und auf dem ersten Segel prangt zudem noch ein Totenkopf! Das Hecksegel jedoch wurde eingespart. Optisch schade, aber praktisch vielleicht besser: Es war immer etwas im Weg, wenn man den Steuermann mit anderen Kumpanen palavern lassen wollte.

Totenkopf-Kampfschiff, (c) 2020 Playmobil

Die Haken für die frühere Schiffsglocke am ersten Masten und für eine Petroleumlampe an der Decke der Kajüte sind noch vorhanden. Wenngleich jene Glocke nicht mehr im Erstzteil-Shop von Playmobil.de erhältlich ist, kann man durchaus mit ein wenig Geschick eine der von Hand getragenen Petroleumlampen an der Decke anbringen. Hier ist jedoch vorsicht geboten: Die früheren Petroleumlampen waren aus härterem Plastik. Das Einsetzen, ohne dabei den Haken abzubrechen, war einfacher! Vielleicht hat man auch deshalb darauf verzichtet?

Schön gelungen und neu im Vergleich zum Original von 1978: Die Aufkleber, die dem Schif rundherum ein Holz-Outfit verleihen. Der Anker ist nun aus leichtem Plastik, der Kran wurde ebenfalls eingespart.

Es gibt eine Reihe Zubehör, so ein Affe, ein Papagei, Spaten, Axt, Enterhaken, ein Fass, ein Kompass uvm.

Das schöne Segelschiff mit den roten Segeln gibt es aktuell für rund 75 – 90 Euro im Internet oder in Spielzeugläden, soweit sie geöffnet haben (→ Corona).

Um das Thema der „großen Playmobil Schiffe“ abzuschließen sei noch das Schiff 3940 (aus dem Jahre 2000) und das „Piratentarnschiff“ 4290 (von 2007) aus erwähnt.

Der Schwerpunkt bei 3940 lag darauf, dass das Schiff mehrere Kanonen aus diversen Klappen seitlich schauen lassenkonnte. Natürlich konnte man diese auch benutzen. Das erinnerte ungemein an manche Szene aus so manchem Film. Außerdem wurde der Kapitän in seiner Kajüte mit einem richtigen Bett ausstaffiert.

4290 kam mit einem komplett neuen Design daher. Die Produktreihe des Jahres 2007 war hier besonders einfallsreich. Größte Stärke und auch größte Schwäche des damaligen Schiffs war seine Möglichkeit, sich quasi etwas zu „verwandeln“. Die Gallionsfigur konnte von einem Schnörkel in einen Totenkopf gewechselt werden, zog man an einer Schnur entblößte sich der Jolly Roger und die Kanonen konnten aus der Versenkung geholt werden. Schwäche, weil: 1) So ein Schiff gab es sicher nie in Wirklichkeit, 2) die Heckkanone hing bei Nicht – Gebrauch mitten in die Kajüte des Kapitäns. Nicht gerade bequem, kann ich mir denken. Dennoch war auch dieses Schiff von Playmobil sehr schön anzusehen und stellte ein Prunkstück der Reihe dar.

Wer jedoch jemals eines dieser Segelschiffe sein eigen nenne konnte, hatte normalerweise immer das Problem: Mit wem (verdammt noch mal (Piraten dürfen fluchen)) sollte man kämpfen? Playmobil hat sich auch hier eine tolle Sache einfallen lassen: Kleine Segelboote, die 1) die Geldbörse weniger belasten und 2) alles bieten, was ein „Feind“ bieten muss.

Rotrocksegler (c) 2020 Playmobil

Ein Neuzugang in Sachen „kleines Segelschiff(chen)“ ist da der Rotrocksegler (70412). Vom Prinzip her gleicht der Rotrocksegler mit seinem Kronen-Motiv auf dem Hauptsegel vielen anderen Boten dieser Bauart, die es bei Playmobil bereits gab. Doch der zusätzliche Aufbau sorgt dafür, dass das Schiff weitaus imposanter daher kommt als z.B. das kleine Piratenschiff 70151, dass aber auch seinen eigenen Reiz hat (besonders aufgrund der Hängematte und den dazugehörigen Figuren).

Kleines Piratenschiff 70151 (c) Playmobil

Eine Kanone und zwei Soldaten sorgen für passende Feinde diverser Piraten. Die Schlach kann beginnen – und sollte noch gar kein großes Piratenschiff zur Verfügung stehen, bietet der Rotrocksegler (70412) noch ein zusammengeflicktes Floß samt Piraten mit Kanone an. Alles dabei! Der Rotrocksegler mit Floß und drei Figuren kostet, wie das genannte kleine Piratenschiff,  ca. 30 – 40 Euro im Internet.

Playmobil hat schon viele Träume wahr werden lassen. Die Spielewelten werden immer realistischer und einfallsreicher. So gibt es seit einiger Zeit Piraten mit Spezialkanonen, die mit einer App (auf dem Smartphone) interagieren. Man kann quasi Ziele beschießen (ganz ohne Kugel).

Ich habe das Gefühl, da wird noch viel Spannendes kommen. Ich werde Playmobil auf jeden Fall im Auge behalten ;)

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City Slickers – Großstadthelden, jetzt auf Blu-Ray bei KOCH

„City Slickers – Großstadthelden“ ist eine Westernkomödie von 1991, in der u.a. Billy Crystal (als „Mitch Robbins“), Jack Palance (als „Curly“), Daniel Stern („Phil“), Bruno Kirby (als „Ed“) mitspielten.

Das große Thema ist „Midlife Crisis“. Jene Zeit, die an keinem Mann so ganz und gar vorbeigeht und in der er entdeckt, dass er auf die Mitte des Lebens zugeht und das Gefühl bekommt, „das könnte es vielleicht gewesen sein.“ Kommt da jetzt nichts mehr?

In Etwa dieses Gefühl hat auch Mitch Robbins als er 40 wird und merkt, dass ihm „da Haare wachsen, wo sie früher nicht wuchsen und sie da, wo sie bisher gewesen waren, ausgehen“. Er sieht sein Leben von einer zunehmend depressiven Warte aus. Aber was sollen seine Freunde dazu sagen? Allen voran Phil, der sich kurz nach Beginn des Films beruflich und privat vor dem „Aus“ befindet. Am Glücklichsten scheint da immer noch Ed zu sein, der aber auch seine Themen mit sich herumschleppt.

Von Anfang an hat dieser Film weit mehr Tiefe als man es glauben könnte, wenn man den eher albernen und actionreichen Trailer ansieht. Aber das ist die andere Stärke des Films: Es ist ein Wohlfühl-Film. Egal, wie ernst die Fragen sind, um die es geht: Am Ende fühlt man sich mit Mitch, Ed und Phil, aber auch in gewisser Weise mit Curly, verbunden. Es ist ein Film, der einem ein gutes Gefühl macht.

 

Jack Palance gibt mit „Curly“ ein Paradebeispiel eines harten Cowboys. Er wirkt dabei wie ein Urgestein und würde er sagen, dass er schon 1880 mit Wyatt Earp zusammen gekämpft hätte, würde man ihm das abkaufen.

Doch wie kamen sie zu diesem Typen? Nun, eigentlich ist es eine Einladung, die Mitch von seinen Ferunden bekam: Eine Herde Rinder wie die Cowboys früher von A nach B bringen und dabei „ein richtiger Cowboy werden“ – oder so was in der Art. Mitch ist erst gar nicht begeistert, macht dann aber doch mit. Vielleicht auch, weil seine Frau ihm keine Wahl lässt: Er soll sein Lächeln wieder finden!

Wer etwas für Western übrig hat, sich – wie Mitch – ebenfalls um die Mitte des Lebens herum bewegt oder wer einfach einen Sinn für feinen Slapstick – Humor und witzige Zwischentöne hat, der sollte sich, wenn noch nicht geschehen, unbedingt diesen Film ansehen!

(c)Koch (c)Colombia Pictures

Die Special Edition dieses Film ist nun bei Koch – Media auf Blu-Ray erschienen. Neben dem Film in bester Bildqualität finden sich hier Trailer, Audiokommentare, Featurettes, geschnittene Szenen und eine schicke Bildergalerie.

Regie Ron Underwood
Darsteller Billy Crystal
Daniel Stern
Bruno Kirby u.a.
Genre Komödie
Filmlänge ca. 113 min
Sprachen Deutsch, Englisch
Untertitel Deutsch
Produktion USA 1991
Tonformat DTS HD-Master Audio 2.0/5.1
Bildformat 1.85:1 (16:9)
FSK ab 12
Extras Trailer, Audiokommentar, Featurettes, Geschnittene Szenen, Bildergalerie
Im Handel ab 12.03.2020

Kaufen könnt ihr die Blu-Ray hier:

https://www.amazon.de/s?k=4020628775834&__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85Z%C3%95%C3%91&ref=nb_sb_noss

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Sherlock Holmes – „Die neuen Fälle“ – Die Glocken des Teufels

Sherlock Holmes´ Freund und Kollege Dr. John Watson wird zu einer Lesung der von ihm dokumentierten Kriminalfälle nach Kingston upon Thames eingeladen. Holmes begleitet ihn widerwillig, doch als ein Vorstandsmitglied des Literaturclubs unerwartet verstirbt, ist der kriminalistische Spürsinn des Meisterdetektivs geweckt. Als der Rechtsmediziner des Ortes unter mysteriösen Umständen verschwindet, führt die Spur zur geheimnisvollen Anora Black, die mit ihrem Hexenbrett seherische Fähigkeiten beweist, von denen sie schließlich auch Inspector Lestrade überzeugen kann.

Gerade in unseren unsicheren Zeiten ist es schön, wenn auf jemanden Verlass ist. Oder wie sagte doch Holmes einmal zu Dr. Watson?

Good old WatsonYou are the one fixed point in a changing age.“

Auf eine eigene Weise könnte man das auch von der Maritim – Reihe um die neuen Abenteuer des Sherlock Holmes sagen. Verlässlich war denn auch die Veröffentlichung von Fall 44 der „neuen Fälle“: „Die Glocken des Teufels“.

Wieder einmal überzeugen Rode und Groeger als Holmes und Watson und der Fall ist durchaus einfallsreich. Sowohl an sonnigen Quarantäne – Tagen als auch verregneten kann man dieses Hörspiel wohlig genießen.

Neben Rode und Groeger sind auch Lutz Harder als Inspector Lestrade sowie Achim Buch, Robert Missler, Jannika Jira, Dirk Müller, Kerstin Draeger, Kaspar Eichel und Tobias Nath mit von der Partie.

Alles in Allem findet sich mit „Die Glocken des Teufels“ ein solides, gutes Stück Hörspiel, welches Anhänger des berühmten Teams aus viktorianischen Zeiten zu unterhalten weiß. Und das ist doch immerhin etwas. Zumal in diesen unsicheren Zeiten, die durchaus zermürben können.

Bestellbar ist das Hörspiel u.a. hier:

https://www.romantruhe.de/serien/krimi-thriller/sherlock-holmes/sherlock-holmes-die-neuen-faelle/sherlock-holmes-neue-faelle-cd-44-die-glocken-des-teufels-18465

Bleiben Sie gesund!

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Maverick bei PIDAX

Beginnen wir mit einem Ratespiel: Findet heraus, wen ich meine, wenn ich von „Maverick“ spreche!

Wer heute den Titel „Maverick“ in Verbindung mit einem Film hört, der denkt an „Top Gun 2“, der „Maverick“ als Zweitnamen trägt. Aber „Maverick“ heißt eigentlich „Einzelgänger“, zu gut deutsch übersetzt.

Um auf „meinen“ hier beschriebenen „Maverick“ zu kommen, würde ich raten, an den guten alten Western zu denken. Okay, ja, genau den meine ich, aber auch nicht, denn ihr denkt jetzt sicherlich an den Kinofilm „Maverick – Den Colt im Gürtel, ein As im Ärmel“  mit Mel Gibson und Jodie Foster aus dem Jahre 1994. Fast richtig, denn ich meine schon DEN Maverick, aber James Garner, der in diesem Kinofilm eine Nebenrolle spielte war einmal Teil einer Western – Serie gleichen Namens.

Jetzt werden aber wieder einige Leser aufs Glatteis gelaufen sein, denn sie werden an die Serie „Bret Maverick“ aus dem Jahre 1981 denken, die im Privatfernsehen lief. Das ist in der Tat jedoch eine Nachfolgeserie des Originals – und genau DAS meine ich.

Die von mir gesuchte Serie, „Maverick“, wurde zwischen 1957 und 1962 im amerikanischen TV produziert und bestand aus insgesamt 124 Schwarzweiß – Folgen. Die Serie teilte sich in Episoden, in denen man Abenteuer von Bret Maverick (James Garner, 1928 – 2014) und von seinem Bruder Bart Maverick (Jack Kelly, 1927 – 1992) erleben konnte. Garner sollte der eigentliche Star der Reihe sein, aber um das wöchentliche Pensum an Episoden leisten zu können, zogen zwei getrennte Produktionsteams los und filmten. Später kam auch noch James Bond, eh, ich meine (Roger Moore, 1927 – 2017) dazu und zwar als Beau Maverick.

Jeder der Mavericks hat einen ganz eigenen Charakter. Bart ist ernsthafter als Bret und Beau, während Beau mehr der Chameur ist. An Frauenbekanntschaften interessiert ist zwar auch Bret, aber sein Lebensmotto lautet eher: Halte dich aus allem heraus und sorge dafür, dass du immer was vom Kuchen abbekommst, wenn du einen siehst.

Garner als Maverick (c)Pidax

Garners komödiantische Art, die er später in den wundervollen Filmen mit Doris Day oder z.B. auch in der brillanten Western – Komödie „Auch ein Sheriff braucht mal Hilfe“ immer wieder zum Besten geben sollte, ist bereits in „Maverick“ deutlich erkennbar. Als Bret gefragt wird, was eigentlich sein Prinzip sei, antwortet er: „Am Leben bleiben, sich das Essen schmecken lassen und öfter mal lachen.“

Damit agiert er völlig im Gegensatz zu allen typischen Revolverhelden aus den zig anderen Western – Serien, die es gibt. In einer Folge („Ein Mann namens Waco“) begleitet er sogar einen echten Helden, wie man ihn kennt! Nur allerdings, um immer wieder über dessen draufgängerische, heldenhafte Art den Kopf zu schütteln. Im ersten Moment mag einem Bret Mavericks Art feige erscheinen, doch auf dem zweiten ist das ziemlich sympatisch, denn wer von uns würde nicht lieber die Hintertür einem offenbar tödlichen Duell vorziehen? Das macht ihn ungemein menschlich. Das Pokerblatt zieht er dem Colt vor und doch kann auch er manchmal nicht anders als den Helden zu spielen – wider Willen zwar, aber nicht weniger ehrenhaft, denn im Herzen ist er ein guter Mensch und kann Unrecht nicht leiden.

Am Anfang jeden Vorspanns sieht man das Foto desjenigen Maverick, der in der folgenden Episode die Hauptrolle spielen wird. Jene Folgen mit Garner sind dabei die weitaus Besten, was die mit Jack Kelley jedoch nicht als schlecht bezeichnen soll! Als Westernserie besticht diese Serie jedoch weniger als  beispielsweise „Laramie“ (auch bei Pidax erhältlich), sondern vor Allem durch die schauspielerische Darstellung James Garners, die wie das Salz in der Suppe wirkt.

Fans klassischer Westernserien finden spätestens nach dem Genuß der zweiten Episode Gefallen an der schwarzweiß Serie, die einen auf sorglose, teils witzige Weise zu unterhalten vermag.

Insgesamt hat Pidax 14 Folgen (plus eine Episode mit Clint Eastwood im Original mit deutschen Untertiteln) auf zwei DVDs veröffentlicht. Der Einzelpreis beträgt 15,90 EUR bzw. 16,90 EUR und ein wenig sparen kann man mit dem Bündel beider DVDs für 29,90 EUR.

Die Brüder Bret und Bart Maverick ziehen beide unabhängig voneinander durch den Wilden Westen. Einer geregelten Arbeit gehen sie nicht nach. Das brauchen sie auch nicht, denn ihren Lebensunterhalt verdienen sich die Mavericks beim Kartenspiel in diversen Saloons. Natürlich haben die Brüder durch ihre Glücksspiele nicht nur Freunde. Gerade Bret gewinnt häufig beim Pokerspiel und selten geben sich seine Gegner damit zufrieden, was ihn zwingt, seine Fertigkeiten mit dem Colt unter Beweis zu stellen oder sich schnell aus dem Staub zu machen. Bart Maverick ist der ältere und vernünftige Bruder von Bret. Jedoch gerät auch er als leidenschaftlicher Spieler in ähnliche Probleme wie sein Bruder. Werden die Mavericks in jeder brenzlichen Situation einen Ausweg finden?

Volume 1

Episodenliste:
1. Zwei Brüder aus Texas
2. Ein interessantes Buch
3. Ein Grabstein in White Rock
4. Das letzte Telegramm
5. Ein Mann namens Waco
6. Eine merkwürdige Reise
7. Das Ultimatum

Volume 2:

Episodenliste:
1. Die Tage mit Diana
2. Begegnung mit dem Silberkönig
3. Poststation Oblivion
4. Ein Gentleman
5. Unter Gaunern
6. Pferdeund Dollars
7. Ein schlechtes Horoskop

Bonusmaterial:
Bonusfolge „Duel at Sundown“ mit Clint Eastwood (Original mit dt. Untertiteln)

Hier erhältlich:

https://www.pidax-film.de/Western-Klassiker/Maverick-Gesamtedition::1822.html

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Mayerling – Sherlock Holmes Hörspiel Nr. 41 aus dem Hause Titania

„Die geheimnisvollen Fälle des Meisterdetektivs Sherlock Holmes“ aus dem Hause Titania wurde jüngst um ein weiteres Hörspiel bereichert. Der Fall „Mayerling“ fängt, wie so viele Fälle, in den Räumlichkeiten der Baker Street 221 B an. Holmes und Watson sitzen beieinander, wobei es Holmes wurmt, dass Mrs. Hudson seinen Kumpanen so sehr verwöhnt. Schließlich rückt er mit einer Einladung heraus: Es soll nach Wien gehen, wo Wagners „Ring der Nibelungen“ gegeben wird. Watson kann der großzügigen Einladung nicht widerstehen und so finden sich die beiden Herren bald in der österreichischen Hauptstadt.

Holmes und Watson sind in diesem Hörspiel vor Allem eines: Nämlich Zeugen! Entsprechend historisch interessierten Lesern wird „Mayerling“ ja ein Begriff sein und sie werden auch wissen, was dort tatsächlich geschah: Am 30. Januar 1889 begingen – auf dem damaligen Jagdschloß „Mayerling“ – der Kronprinz Rudolf (einziger Sohn von Kaiser Franz Josef I. und seiner Frau, der Kaiserin Elisabeth) – zusammen mit seiner Geliebten, Mary Vetsera, Selbstmord.

Für dieses Hörspiel bzw. dessen literarischem Vorbild wurden minutiös die Umstände – soweit bekannt – aufgearbeitet. Durch Sherlock Holmes und Dr. Watson, die hier in die politischen und persönlichen Hintergründe involviert werden, erfahren wir „die Wahrheit“, wobei es tatsächlich keine definitive Erklärung dafür gibt, was in jener Nacht geschen ist.

Durch hervorragende Stimmen (ganze 25 ! Sprecherinnen und Sprecher sind im Einsatz) und die fulminanten Hintergrundgeräusche sowie geschmackvoll ausgewählter Hintergrundmusik kann der Hörer – gemeinsam mit Holmes und Watson – das alte Wien besuchen und Zeuge jener Geschehnisse werden, die dem Hörspiel den Titel gaben.

Diese 157minütige „Zeitreise mit Holmes und Watson“ – frei nach Sir Arthur Conan Doyle & Herman Cyril McNeile – ist als solche großartig gelungen. Wer freilich einen irgendwie herkömmlichen Fall erwartet, der wird möglicherweise enttäuscht sein. Ich persönlich bin begeistert von der atmosphärischen Dichte. Wer einen Faible für entsprechende Historie hat, wird hier sicher auf spannende Weise unterhalten. Auch musste ich das ein oder andere mal über Holmes und Watson lachen. Die Chemie zwischen den Sprechern Bierstedt und Tennstedt funktioniert eben auf ihre eigene Weise sehr gut. 

Insgesamt ein wahrer Opus, der hier geschaffen wurde.

Für nur 12,19€ bei Amazon erhältlich:

https://www.amazon.de/gp/product/3785781415?pf_rd_p=8997cce2-05c4-4359-bdb7-10e52332d836&pf_rd_r=0B3GPMZNH74JF633XK0B

Weitere Informationen:

https://www.titania-medien.de/cms/hoerspiele/sherlock-holmes/823-sherlock-holmes-folge-41-mayerling.html?rCH=2

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Jeremy Brett´s Sherlock Holmes – eine Erinnerung

Es war irgendwann in den 1980er Jahren. Meine sherlockianische Brieffreundin Daniela K. aus Bonn hatte mir in einem Brief geschrieben, dass es demnächst die tolle Sherlock Holmes Serie mit Jeremy Brett und David Burke auch im deutschen TV gäbe.

Ich war erfreut und skeptisch gleichermaßen. Ich hatte doch schon „meinen“ besten Sherlock Holmes: Basil Rathbone! Die Originalgeschichten kannte ich nur teilweise und aus diversen Übersetzungen. Die große Haffmans – Übersetzung gab es noch nicht. Bekannt war mir die teils gekürzte Ullstein – Übersetzung, in der sich die Zimmernachbarn Holmes und Watson Duzen, was meiner Vorstellung völlig widersprach.

Schließlich war ein Freund so nett die erste auf dem DDR – Fernsehen ausgestrahlte Folge für mich aufzunehmen. „The speckled Band“. Wir sahen sie uns gemeinsam an und ich muss sagen, dass mir das Setting zwar außerordentlich gut gefiel, aber der Holmes! Mein Gott, was für ein blasierter, eigenwilliger Mensch! Pomade im schwarzen Haar, voller Ticks und mit einem merkwürdigen Gebaren. Erstmal wusste ich nicht recht, was ich von ihm halten soll. Das war so was von „KEIN RATHBONE“, dass ich abgeschreckt war.

Einen gewissen Reiz hatte die Serie dennoch und so ist es kein Wunder, dass ich dran blieb. Teils fand ich die Folgen etwas lahm („Die einsame Radfahrerin“ z.B.), dann auch wieder höchst spannend („Der griechische Dolmetscher“ z.B.).

So die einzelnen Folgen ver-folgend wurde ich automatisch zu einem Fan dieses schrulligen Detektivs. Die Haffmans – Übersetzung, die wohl die akkurateste von allen deutschen Übersetzungen bis zum heutigen Tage ist – zeigte mir (zu meiner Überraschung) keinesfalls einen Basil Rathbone (den ich aber auf ewig bewundern und im  Herzen tragen werde), sondern einen Jeremy Brett! So bekam auch Brett einen Ehrenplatz auf meiner imaginären Tribüne, zu der sich später noch Geoffrey Whitehead, Christopher Plummer und viele mehr gesellen sollten…

Autogramme und Erinnerungen…

Als Brett und der spätere Watson (Edward Hardwicke) auf Tour gingen (Wynhdams Theater, „The Secret of Sherlock Holmes“) war ich leider noch zu mittellos und unsicher, um mir einen Trip nach London zuzutrauen. Ein Freund brachte mir ein T-Shirt, ein Plakat und Flugzettel der Show mit.

Zu dieser Zeit schrieb ich auch an Granada TV und bat um ein Autogramm von Jeremy Brett und Edward Hardwicke. Zurück kam der „Sherlock Holmes Granada Companion Nr. 1“ mit einer tiefen Entschuldigung dafür, dass die Darsteller aktuell nicht „under contract“ seien, weil sie ja ihr Bühnenstück aufführten. Der Companion sei ein kleines Trostpflaster. Es war ein großes 😉

Dennoch schrieb ich – unermüdlich – an das Wyndhams und erhielt eines Tages einen Brief, gerichtet an „Matthias Wieprecht, Esq.“ aus London. Inhalt waren ein Autogramm von Jeremy Brett (leider schrieb er mit dunkelblauer Tinte auf schwarzen Hintergrund, aber sei es drum) und einen jener Wyndhams Flugzettel mit einem Autogramm von Edward Hardwicke. Meine Freude war maßlos. Hätte ich geahnt, dass Jeremy Brett bereits zum BESTEN Holmes im Fernsehen geworden war, hätte ich mich vielleicht sogar noch mehr gefreut.

Jeremy Brett´s Autogramm: Nur für geübte Augen erkennbar, aber immerhin!

Ich bestellte mir den Soundtrack beim damals noch existierenden „Cinema Soundtrack Club“ und sah mir alle Folgen an, die folgen sollten, bis ich Brett und Holmes für kurze Zeit in einer wilden, schrägen Phase meines Lebens aus den Augen verlor.

Etwa 1994 kamen die letzten Langfilme mit Brett auf Tele5 und ich war so erfreut wie erschrocken. Jeremy Brett wirkte krank und war extrem dick geworden, aber auch die Handlungen von „The last Vampyre“ und „The eligible bachelor“ waren verwirrend, verstörend und den Originalgeschichten wie dem wunderbaren Darsteller unwürdig! Alleine „Der Erpresserkönig“ vermochte noch zu überzeugen.

Im Zivildienst las ich 1995 in einem Detektiv – Magazin wieder von Jeremy Brett, dort, ich war bestürzt, von seinem Tod. Ich las die ganze Geschichte um seine Krankheit und seinen Tod. Depression, falsche Medikation, Probleme mit dem Herzen… Schrecklich!

Viel später in meinem Leben schrieb ich Edward Hardwicke, weil ich seine aufgenommenen Hörbücher (Sherlock Holmes Stories) entdeckt hatte. Ein spätes Wiederhöhren mit Watson 😉 Der Mann antwortete nicht nur mit einem Autogramm, sondern mit einem langen, handgeschriebenen Brief, in dem er ebenfalls bestätigte, wie sehr er Jeremy jeden Tag vermisse.

Traurig enden meine Erinnerungen damit, dass ich irgendwann auch von dem Krebs-Tod Edward Hardwicks (2011) las.

Wie der Original-Holmes werden auch Brett, Burke und Hardwicke nie vergessen sein!

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Wassili Liwanow´s Sherlock Holmes auf DVD

Wassili Borissowitsch Liwanow wurde 1935 in Moskau geboren. Zwischen 1979 und 1986 erschienen fünf Filme mit ihm als Sherlock Holmes. Dr. Watson wurde von Witali Solomin gespielt (1941 – 2002).

Für seine Darstellung als Sherlock Holmes erhielt der russische Darsteller den „Order of the british empire“, einen Ritterorden, der für besondere Dienste im Bereich Wissenschaft und Kultur vergeben wird. Er ist der einzie Russe, dem diese Ehre zuteil wurde. Die Tochter von Sir Arthur Conan Doyle (Jean Conan Doyle) meinte einmal, ihr Vater würde die Holmes – Darstellung Livanows sicherlich gutheißen.

Pidax brachte die drei Doppel – Folgen auf DVD heraus, die aktuell mit deutscher Synchronstimme vorliegen:

Der Hund von Baskerville (1981), allseits bekannt und geschätzt…

Der Schatz der Agra (1983), der – im Gegensatz zu „Der Hund von Baskerville“ – neben dem Hauptfall (hier: „Das Zeichen der Vier“) auch noch „Ein Skandal in Böhmen“ in Szene setzt.

Sherlock Holmes im 20. Jahrhundert (1986) wiederum setzt das Schlusslicht der erfolgreichen Serie. Gleich vier Erzählungen fanden hier Eingang: „Der Daumen des ingenieurs“ (selten verfilmt!), „Der zweite Fleck“, „Die Bruce-Partington-Pläne“ und „Seine Abschiedsvorstellung“ (ebenfalls selten verfilmt).

Was wir nicht auf deutsch und somit bei Pidax zu sehen bekommen, da keine deutsche Synchronisation vorliegt, sind die Folgen:

Sherlock Holmes und Dr. Watson (1979), in dem die „Studie in Scharlachrot“ sowie „Das gefleckte Band“ verarbeitet wurden.

und

Die Abenteuer von Sherlock Holmes und Dr. Watson (1980). Hier wurden der Fall „Charles Augustus Milverton“, „Das letzte Problem“ und „Das leere Haus“ verwendet.

Aber wie gefielen mir die Verfilmungen? Ganz ehrlich gesagt gefallen sie mir „ganz gut bis recht gut“. Sie reichen meiner Ansicht nach keinesfalls an Jeremy Brett und Co. heran, dafür ist die Serie visuell zu sehr zwischen „ein wenig zu unenglisch“ und „offensichtlich russisch“ angesiedelt. Dann wieder ist es den Produzenten doch gelungen hier und da London aus den Mauern russischer Städte erstehen zu lassen. Man arbeitete z.B. mit Fotos des „Elizabeth Towers“ (Big Ben), um dann z.B. im Beispiel der Themse-Verfolgungsjagd in „Der Schatz der Agra“ einen sehr ähnlichen Fluss mit sehr ähnlichem Ufer zu zeigen. Eine „Fast Themse“. In der Verfilmung mit Jeremy Brett, die ja auch die 80er Jahre durchzog, konnten die Produzenten natürlich die echte Themse verwenden, was eindeutig ein Vorteil war. Auch sah der „Wilde“ (Tonga) im britischen Pendant eindeutig „wilder“ aus als der des russischen Vetters.

Liwanow als Sherlock Holmes im „Hund von Baskerville“ (c) Pidax

Die Personen verhalten sich, vom Temperament her, teils weniger „steif“ als man das von britischen oder sogar amerikanischen Verfilmungen kennt. Henry Baskerville z.B. wirkt wie die „Karikatur“ eines großspurigen Cowboys, den es nach England verschlagen hat. In „Der Schatz der Agra“ kommt es zu einem witzigen Moment, in dem sich Holmes verkleidet hat und Lestrade dies zunächst nicht bemerkt. Danach lachen sich alle Beteiligten beinahe „tot“, wobei Lestrade heftig gesikuliert. Er gestikuliert überhaupt ständig, wenn er spricht.

Die Spielfreude der Schauspieler ist dabei jedoch, trotz aller Befremdlichkeiten, offensichtlich. Alle sind mit Herzblut dabei! Sie haben auch keine Vorgänger, an denen sie sich unbedingt hätten messen müssen, wie das automatisch bei britischen oder amerikanischen Darstellern / Produktionen der Fall gewesen wäre. Nicht nur ließen sie sich merklich unbeeindruckt von schauspielerischen Vorgängern wie Basil Rathbone und Douglas Wilmer, es wurden auch mitunter weitgehend unverfilmte Geschichten produziert.

Die frischen Gesichter mit ihrem frischen Herangehen kommen mit einer Art „Unschuld“ daher. Am Ende könnten dies tatsächlich Holmes und Watson sein, denn sie sind ganz anders und gleichzeitig genau so wie in den Werken von Sir Arthur Conan Doyle. Die Reihe zeugt jedenfalls von Einfallsreichtum und einer ganz deutlichen Liebe zu den Originalwerken.

Solomin´s Dr. Watson hat einen eigenen Charme (c) Pidax

Es gibt auch einige Situationen, in denen Holmes – sei es wörtlich oder mittels gekonnter Kameraeinstellung samt Musik – als Held gefeiert wird und andere, in denen der Zusammenhalt von Holmes und Watson noch viel klarer im Vordergrund steht als selbst im literarischen Original. Gefragt, ob er bereit wäre aktiv zu werden, ggf. auch kriminell zu werden, steht er sofort parat, ohne Fragen zu stellen. Die beiden Darsteller spielen ihre tiefe Verbundenheit so überzeugend, dass ich davon ausgehe, dass sie sich auch im realen Leben sehr gut verstanden haben.

Das man verschiedene Originalgeschichten miteinander verwoben hat ist, meiner Meinung nach, eine geniale Idee. So wurden lange Filme gedreht, die aber doch keine Pastiches sein müssen, weil sie die Originale erzählen. Auch hat die Serie einen ganz eigenen Humor, etwa, wenn Mycroft Holmes zwischen lauter klingelnden Telefonen sitzt, die er – im Gespräch – abnimmt und wieder auflegt, weil er sich ja im Gespräch befindet.

Die Synchronisation, speziell vom „Hund von Baskerville“, ist teilweise nur schwer zu ertragen, was die Hintergrundkulisse und Geräusche angeht. Etwa wenn geschossen wird, Rauch aus der Pistole steigt, aber kein Knall zu hören war. Die verwendeten Hintergrundgeräusche bleiben minimal. Im Wohnzimmer hört man gemütlich eine Uhr ticken, aber nicht den Kamin mit seinen knisternden Holzscheiten und auch das absetzen eines Cognakglases ist nicht zu vernehmen. So hat man damals zuweilen „synchronisiert“, aber teils ist das schon gewöhnungsbedürftig.

Last but not least war es für mich – als langjährigen Fan – immer schon eine große Frage, was sich hinter der legendären Serie mit Wassili Liwanow und Witali Solomin, verbirgt. Pidax sei Dank können wir deutschen Fans nun die deutsche (DDR-)Synchronisation auf DVD erstehen. Niemals im Leben hätte ich geglaubt, dass ich das mal tun könnte.

Sich ein eigenes Bild der Filme zu machen rate ich jedem Sherlockian(er) im deutschsprachigen Gebiet an. Es ist auf jeden Fall eine interessante Erweiterung des Bildes von Mr. Sherlock Holmes, Baker Street 221B. Übrigens besuchte Liwanow die Original – Baker – Street! Im russichen TV wurde seinerzeit berichtet. Ein Bild vom Liwanow – Holmes vor der Tür des Sherlock Holmes Museums ist dort auch heute noch zu erstehen.

Die DVDs jedoch, von denen dir Rede ist, könnt ihr hier erhalten:

https://www.pidax-film.de/advanced_search_result.php?keywords=sherlock+holmes

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Star Wars? Danke, Disney, danke!

Ich bin dankbar dafür, dass Disney und Kathleen Kennedy die neue Trilogie erschaffen haben. Ohne sie hätten wir nie wieder Luke Skywalker, Leia Organa oder Han Solo im Kino zu Gesicht bekommen. Aber auch über Poe, Finn, Rey und auch Rose freue ich mich. Die Idee, den Imperator zurück zu holen ist genial und funktioniert auch in Episode IX. Sogar rückwirkend. Aber heute wird alles analysiert und schlecht gemacht. Heute achten die Kinder darauf, dass keine Petersilie in ihrer Suppe schwimmt! Nicht, dass man die unbedingt großartig schmecken würde. Alleine das sie da schwimmt reicht, um das Essen zurück in die Küche gehen zu lassen.

Als damals Episode IV als „Krieg der Sterne“ in die Kinos kam, hatte noch niemand auf der Welt ein Bild von „Krieg der Sterne“ im Kopf. Ich bin überzeugt, dass es nur deshalb ein so großer Erfolg werden konnte. Hätte George Lucas „Flash Gordon“ verfilmt, hätte er viele Fans von Flash Gordon nur enttäuschen können.

Heute „weiß“ jeder, was „Star Wars“ ist. Gleichzeitig weiß es keiner. Statt sich einfach zu freuen, dass es verdammt nochmal endlich weiter geht mit dieser totgesagten Saga, wird genölt. Klar, ich wollte auch nicht, dass Snoke in VIII stirbt. Oder Luke. Aber es gab endlich wieder unsere Helden auf der Leinwand zu sehen. Und obschon Luke Skywalker in VIII stirbt, wird hier Luke gefeiert. Er wird vom Einsiedler, der im Exil lebt (Yoda lässt grüßen) zum Idealisten, der er ja eigentlich immer im Herzen gewesen ist. Der er auch in IX konsequent ist.

Okay, eine drei Teile überspannende Story – Outline hätte sein müssen. Das sehe ich auch kritisch. Aber am Ende passt es doch alles überraschend gut zueinander!

Ich mochte auch „Rogue One“ und noch mehr „Solo“. Aber überall wird genölt. Ich glaube, nur, wenn Star Wars in einem Sarg sein Dasein fristen würde und niemand den Schlüssel dazu hätte, würden sich die Menschen wieder erzählen, wie genial diese Serie war. Auch die letzten Filme. Und in zwanzig, dreißig Jahren könnte man Sätze hören wie „Hey, die müssten mal wieder einen Star Wars drehen!“ Aber wehe, wenn 😉

Ich bin kein „Ja“-Sager. Ich mochte Episode II kaum, III am meisten von den Prequels, aber perfekt ist er nicht. Wir können uns auch kritisch darüber unterhalten, inwiefern die Prequels und die Original Trilogie überhaupt zusammen passen. Dürfte eine lange Diskussion werden… Ich bin durchaus kritisch, aber mir gefällt bisher alles, was ich von Disney sah in Sachen „Star Wars“. Klar, mal mehr und mal weniger, aber schlecht war da gar nichts. Ich werde nicht von Disney bezahlt, merke aber, dass es schon eines gewissen Mutes bedarf, öffentlich zur neuen Trilogie zu stehen oder überhaupt zu „Disney / Star Wars“. Muss nicht jeder mögen, aber hey, wenn man es mag: Ist doch okay!? Leben und leben lassen.

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