Ein paar flüchtige Gedanken zu Star Wars Episode I – III, Variante II

Ich bin kein „Hater“, der die Prequels grundweg ablehnt. Ich liebe die Prequels aber auch nicht. Das hat ebenfalls seine Gründe.

Episode I

Ich hatte kein Problem damit, dass Episode I Anakin Skywalker als Kind zeigen, auch hatte ich kein Problem mit Jar Jar Binks. Mir gefiel indes die Herangehensweise den Bösewicht der Zukunft erstmal als argloses Kind zu zeigen. Episode I vermittelt eines ganz klar: Anakin war ursprünglich ein hilfsbereiter Kerl, erst, das man ihn von seiner Mutter löst sorgt dafür, dass sich in ihm die Traurigkeit, Sorge und Angst (um seine Mutter und weil er alleine ist) einnistet und zu Bestandteil seiner Persönlichkeit wird. Da Angst zur dunklen Seite führt, nicht ganz unwichtig das zu erklären. In dem Zusammenhang kam mir die Idee, dass auch die Diktatoren und Tyrannen der Realität allesamt mal arglose Kinder gewesen sein mussten, denen ähnliches widerfuhr. Ein gewagter Blickwinkel also, den diese erste Episode einnahm. Der mit der Handelsföderation kollaborierende Palpatine hat keinen Erfolg durch den Einsatz der Droidenarmee. So mag in ihm die Idee gekommen sein, eine Klonarmee zu schaffen, die notfalls – Order 66 – ganz seinem Willen gehorcht.

Was Episode I falsch macht ist meiner Ansicht nach recht wenig. Aber auch in der ersten Prequel – Episode gibt es ein paar, sagen wir, unschöne Dinge. Im Wesentlichen Zwei. a) der Umstand, dass Anakin eine „Jungfrauengeburt“ sein soll und b) das Auftauchen messbarer Macht in Form von Midichlorianern.

Luke war der Kumpel von Nebenan in Episode IV. Der „Junge vom Lande“. Naiv, ja, aber charakterlich voll in Ordnung. Never ever wäre jemals irgendwer auf die Idee gekommen, er sei ursprünglich mal eine „Jungfrauengeburt“ gewesen. Na gut, wenn George Lucas (GL) so etwas behauptet, dann muss er es auch ausführen, was genau er damit meint, aber das tat er nicht. Auch erklärte er nicht, warum die Macht, die in den Episoden IV – VI jeden und alles durchdringt und eher unfassbar, aber allgegenwärtig ist, nun plötzlich irgendwas mit „mächtigen Pantoffeltierchen“ zu tun haben soll. Haarsträubend. Lucas begann leider schon hier, große Veränderungen in den Prequels dem Publikum vorzusetzen, ohne sie zu erklären. In den gesamten Prequels muss man sich hier und da immer selbst was erklären oder mutmaßen und das bleibt so bis zum Ende, womit der letzte Moment in Episode III den Zuschauer unbefriedigt zurück lässt.

Episode II

Episode II zeigt uns beeindruckende Orte, eine tolle Speeder-Verfolgungjagd in den Straßenschluchten von Corruscant, eine imposante Klonarmee und spannende Wendungen viele Jahre später, die last but not least in den Klonkriegen münden. Außerdem zeigen sie uns die große Liebesgeschichte von Anakin und Padme. Mit all dem habe ich kein (großes) Problem. Star Wars war immer etwas wie „Shakespeare“ in unserer Zeit. Pop-Kultur-Shakespeare könnte man sagen und da dürfen meiner Meinung auch „Romeo und Julia“ auftauchen. Alles gut damit, finde ich. Ja, vielleicht zu hölzern, vielleicht sind die Dialoge nicht so ganz eines Shakespeares würdig, aber insgesamt okay.

Was mich wahnsinnig macht an Episode II ist jedoch, dass die Handlung auf eine Briefmarke passt, obwohl so viel zu erzählen ist. Das wäre das Erste. Und diese kleine Handlung (Die Klonarmee wird entdeckt und wird eingesetzt, womit die Klonkriege beginnen, wobei sich Anakin und Padme das „Ja-Wort“ geben und Palpatine zum Herrscher wird) wird auch noch ungeschickt und inkomplett erzählt. Das Skript ist einfach Mist. Es ist wie ein Flickenteppich, der ungeschickt zusammengenäht wurde.

Die große Story um die Klone. Ein paar offene Fragen gefällig? Okay, los geht’s. Wer hat die Klonarmee wirklich in Auftrag gegeben? Wäre die Klonarmee auch eingesetzt worden, wenn sie nicht von Obi – Wan entdeckt worden wäre? Was wäre gewesen, wenn die Jedi – Ritter die Existenz der angeblich von einem Jedi in Auftrag gegebenen Klonarmee für sich behalten hätten? Was waren die Pläne von Palpatine mit der von … äh, wem? … in Auftrag gegebenen Klonarmee? Warum hat ein JEDI (angeblich) ausgerechnet einen KOPFGELDJÄGER als Vorbild für die Klone genommen? (Außer, dass dessen Sohn Boba bei den Fans so beliebt ist?).

Was mich außerdem gewaltig stört, ist das Zölibat bei den Jedi-Rittern und die unendlich vielen Fehler, die die Jedi machen. Sie hängen eine Menge Zeit im Büro von Palpatine, spüren aber nicht, dass er ein SITH – LORD ist? Wie blind kann man eigentlich sein? Und sollten sie etwas vermuten, warum wird das nicht (dem Zuschauer) gezeigt? Ich meine gezeigt – außer dem scheelen Seitenblick von Yoda, wenn ihr wisst, was ich meine.

Während ich Hayden Christansen für einen guten Darsteller halte, finde ich, dass das schreckliche Drehbuch von ihm verlangt hat einen unreifen Rotzbengel darzustellen. Nach Jahren der Unterweisung, der Meditation ist er…. DAS, was man da sieht? Das die Angst in ihm wohnt, okay, hatten wir oben schon. Ist okay. Aber diese große Unreife ist schlimmer als die eines James Dean.

Der Mord an den Tusken / der Mord an seiner Mutter. Noch so ein Punkt. Hätten die Tusken auf Befehl Palpatines gehandelt, hätte Palpatine in diesem Teil dafür gesorgt, dass die Angst und der Hass in Anakin größer werden. Das wäre verständlich gewesen. Aber nein, die Tusken, die nur an Schrott interessiert sind (Landspeeder in Episode IV) und damals Luke Skywalker lediglich bewustlos schlugen und dann achtlos liegen ließen, weil sie eben am Schrott interessiert waren, sind nun plötzlich aggressive Folterer „just for fun“? Das erzählt sich, aber es erzählt sich nicht rund.

Zudem hätte Anakin in einer echten Unterweisung a´la Episode V (und bei Anakin war vergleichsweise viel, viel Zeit!) gelernt, seine Angst und Aggressionen weit, weit besser unter Kontrolle zu halten und seine Lehrer hätten seine Ängste weit, weit ernster genommen, die er äußert als er von seinen Träumen und Emotionen spricht. Diese Lehrer jedoch verhalten sich ignorant. Sie „wissen es besser“, hören nicht zu. Es fehlt ihnen jede Weisheit.

So bleiben am Ende von Episode II viele Fragen offen und einiges an Unzufriedenheit. Ich finde das immer besonders schade, denn ich weiß noch, wie heiß mich der damalige Trailer auf den Film machte, der so viel versprach und relativ wenig davon hielt.

Das Yoda kämpfen kann, zeigt sich am Ende des Films. Vielleicht wäre es besser gewesen, ihm die Rolle des „Gurus“ zu überlassen und das Kämpfen anderen zu überlassen?

Wirklich unreif war das Drehbuch dieses Films und vielleicht dessen Autor.

Episode III

Dieser dritte und letzte Teil ist meiner Ansicht nach der Stärkste der Trilogie. Er beeilt sich teilweise Fehler aus Episode II wieder gut zu machen, in dem im Eilverfahren gezeigt wird, dass Anakin ein guter Pilot und Freund von Obi-Wan ist. Nebenbei wird er auch noch von Palpatine verführt und wendet sich ihm ab und dann wieder zu. Da in Episode III alles wie mit der „heißen Nadel“ gestrickt wirkt (und wurde?), kommt es unfreiwillig komischen Szenen oder solchen, die einem mit einem „Echt jetzt?“ zurücklassen. So die rasante Entwicklung eines Anakin, der eben noch Palpatine vor das Gericht zerren will zu einem Sith-Lord, der Kinder tötet. Jemand, der so derart sprunghaft ist, ist meiner Ansicht nach ein Fall für den Psychiater. Seine Beweggründe – die Angst wieder jemanden zu verlieren – sind zwar nachvollziehbar, aber seine daraus resultierenden Handlungen können vom Zuschauer nicht nachemfpunden werden.

Das ist vielleicht eine der größten Schwächen der Prequels: Ich fand niemanden in den Filmen, mit dem ich mich hätte identifizieren können. Bei der ersten Trilogie gab es zwischen meinen Freunden und mir Leute, die Luke sein wollten oder Han Solo. In den Prequels wirken die Charaktere wie Kunsgebilde, zu denen man nur mit einem „Kunsthandbuch“ einen Zugang finden könnte. Leider hat GL dieses Buch nie veröffentlicht. Was er sich generell bei den Prequels dachte, bleibt oft verborgen und schwer nachvollziehbar.

Das sich Leia in Episode VI an ihre Mutter erinnern kann, Luke jedoch nicht, muss sich der Zuschauer genau so selbst erklären, wie die Äußerung Obi-Wans in Episode IV, er hätte den Namen Obi-Wan schon lange nicht mehr gehört, hätte ihn schon vor Lukes Geburt abgelegt.

Die Prequels sind für sich genommen gar nicht mal so schlecht. Sieht man sich die Prequels aber als Teil der Saga an, stimmt vieles nicht. Es ist so als hätte GL darauf gepfiffen, was in seiner ersten Trilogie passiert ist und gesagt wurde. Er hat einfach eine neue Geschichte geschrieben, die ihm gefiel, ohne Rücksicht zu nehmen. Am Ende von Teil 3 wird manches zurechtgebogen – und so fühlt es sich an, auch, wenn der romantische Zwei-Sonnen-Untergang zu John Williams genialer Musik zu sehen ist, die die großen Themen von Luke und Leia anstimmt.

Abschließende Gedanken

1988 veröffentlichte Lucasfilm einen Filim von Ron Howard, genannt „Willow“. Am Anfang des Films gibt es eine Szene, in der ein Baby aus dem Dorf gebracht wird, um esin Sicherheit vor den – ich sage mal plakativ „Bösen“, da ich den Film nicht mehr gut in Erinnerung habe – zu bringen. Als ich den Film damals sah, dachte ich daran, so müsse die Szene aussehen, wenn Luke in Sicherheit gebracht wird.

Wie viele tausend Fans auf der ganzen Welt, setzte auch ich meine Ideen über die „Prequels“ aus den Bausteinen zusammen, die mir die Filme gaben. Ich stellte mir eine ehrenvolle Zeit vor, in der Jedi-Ritter die großen, strahlenden Helden waren. Eine Fantasy-reiche Zeit voller Unholden und Monstern. Vor meinem geistigen Auge waren der junge Obi-Wan und Anakin aber dicke Freunde, beide zwischen 20 und 30 Jahre alt, begabte Piloten, wobei Anakin noch ein wenig besser war. Obwohl sie ab und zu miteinander herumflachsten, konnten sie im Jedi-Rat sehr ernst sein. Sie gaben sich oft ihren mystischen, beeindruckenden Meditationen hin, in denen sie gemeinsam spüren konnten, welche Dinge geschahen, in jener Galaxie, weit weit entfernt…

So ist es kein Wunder, dass Lucas die Fans enttäuschen musste, denn jeder Junge, jedes Mädchen jener Zeit hatte solche oder ganz andere Ideen, die sich aus den Anspielungen der Trilogie auf die Klonkriege und mehr nährten.

Ich bin daher nicht enttäuscht, dass die Prequels anderes wurden als ich es mir vorgestellt hatte. Ich bin enttäuscht, dass sie nicht zur ersten Trilogie passen. George Lucas hätte sich seine Filme einfach nur mal wieder ansehen sollen, ehe er zu Stift und Papier griff. Dann wäre das Produkt viel besser geworden. Seine Ignoranz gegenüber der ersten Trilogie ist auch seine Ignoranz gegenüber den Filmen. Er erschuf sie für sich selbst, so wie jemand, der einen Familienfilm dreht und zuhause allein schneidet, um ihn sich alleine oder mit der Familie mal anzusehen. Nur eben mit viel mehr Geld im Rücken und einem leidlich höheren Anspruch.

Bei all den unnötigen Remakes da draußen, halte ich das Remake der Prequels für wirklich nötig.

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