Kolumne: Weihnachtliches im Juli

Was machst du in der Weihnachtszeit? An Freunde denken, Familie, und Dir die Zeit dafür nehmen, darüber nachzudenken, wer du bist und an welchem Platz in deiner Lebensgeschichte du angekommen bist, während der Schein der Kerze die Dunkelheit erhellt?

Ein ähnlich bizarres Ansinnen erfasste mich im Juli dieses Jahres. Ich hörte mir Weihnachts – Songs an und rutschte so in jene Stimmung, die normalerweise vom Duft gebackener Plätzchen und Weihnachtsbraten umrahmt ist. Nun war sie von Sonne umrahmt und von vielen Menschen, die mit einem Mund- Nasenschutz herum liefen.

Dennoch brachte mir diese innere Einkehr auch im Monat der beginnenden Sommerferien ein Gefühl davon, was ich am meisten ersehne. Das ist das Eine. Es sind so herkömmliche Sehnsüchte wie die nach einer intakten Familie, in der die Liebe ungehindert fließen kann oder nach einer Beziehung, in der die Liebe ebenso in ihrer schönsten Harmonie existiert. Sehnsüchte, die viele Menschen unserer Gesellschaft haben und deren Erfüllung nur selten erlebt wird. Vielleicht auch, weil es letztlich mehr um das Geld und den Konsum als um irgendetwas sonst geht.

Merkwürdig, dass ich an Weihnachten denke und mich dies dazu animiert, den Konsum zu kritisieren, nicht weil ich von Weihnachten rede, sondern dadurch, dass ich besinnlich werde und darüber sinniere, worum es im Leben eigentlich gehen sollte.

Also um Liebe. Aber auch um ein nettes Miteinander. Nettigkeit ist keinesfalls etwas schlechtes, genau so wenig wie es schlecht ist ein „Gutmensch“ zu sein. Das der Wert dieser Begriffe überhaupt verteidigt werden muss zeigt, was in unserer Gesellschaft in der Regel hoch angesehen wird: Der „Schlecht-Mensch“ und alle, die sich eben nicht „nett“ verhalten. Wir sind halt „Tiere mit Krawatte“, nicht mehr und nicht weniger. Oder doch?

Genau das kam mir, während ich einen wunderschönen Song von Pentatonix hörte, in den Sinn. Denn Weihnachten hat mich immer weich gemacht. Nicht, dass ich sonst der knallharte Typ bin, aber der Teil von mir der weiß, wie hilfreich es sein kann, einem verständnisvollen Menschen zu begegnen, regt mich – speziell in der Vorweihnachtszeit – dazu an, ebenfalls dafür zu sorgen, dass meine Mitmenschen einen schönen Tag haben.

Wie gestaltet sich mein Leben eigentlich sonst? Ehrlich gesagt, auch das wurde mir beim lauschen der Weihnachts-Songs klar, ist dies vor Allem ein Kampf. Irgendwie, denke ich mir, hat es die Menschheit geschafft, das Geschehen des Dschungels und der Natur auch in die selbstgeschaffene „Zivilisation“ zu tragen: Der Kampf ums (Über)leben findet hier nur anders statt. Zum Beispiel in unzähligen Begegnungen mit den „Schlechtmenschen“ des Alltags. Manche von ihnen leben ihre Launen, ihre eigenen Probleme aus, andere machen „nur ihren Job“ und machen das Leben ihrer Mitmenschen dennoch zur Hölle oder wenigstens bedeutend stressiger. Ein Grund, warum ich niemals Gerichtsvollzieher werden wollte und es mir, vor Urzeiten, auch nicht sonderlich gefiel in einem Praktikum Ordnungswidrigkeiten zu verfolgen (wobei man fairer Weise sagen muss, dass einige davon auch von „Schlechtmenschen“ zutage traten und wirklich verfolgt werden mussten).

Worauf ich aber hinaus will ist dies: Mein Leben fühlt sich oft an wie einer von diesen Faustkämpfen auf einem fahrenden Zug, wie man es aus Western und Actionfilmen kennt. Bei einer Kerze innehalten ist das Gegenteil und es lässt vieles im Alltag so unnötig und – das Wort passt schon wieder! – bizarr wirken.

Und es ist vieles unnötig. Verletzungen, die man über sich ergehen lassen muss, Herausforderungen, nach denen man nie gefragt hat, ja, selbst der ein oder andere Bescheid des ein oder anderen Amtes, der natürlich zum Wochenende kommt, um jenes so richtig versauen zu können. Schon Shakespeare´s Hamlet dachte darüber nach, sich wegen des „Übermuts der Ämter“, das Leben zu nehmen. Ein altes Leiden unserer Welt also.

Die populäre, selten umgesetzte Wahrheit ist wohl die, dass man nur bei sich selbst anfangen kann, diese Welt zu einem etwas freundlicheren Platz zu machen. Und das ist es auch, was mir „Weihnachten“ stets sagt. Eine verdammt nötige und gute Idee, finde ich. Warum nur wird sie auf den letzten Monat des Jahres verbannt? Sie sollte immer und überall propagiert und vorgelebt werden. Von Schauspielern, Politikern und Spitzensportlern.

Ich werde noch oft Weihnachtsmusik hören in diesem Sommer, mir dabei eine Kerze anzünden und darüber sinnieren, was eigentlich gerade um mich herum und in mir passiert. Sei es nur, um mir immer wieder klar zu machen, worum es wirklich geht, was wirklich zählt.

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