Mr. Jones und die Musik – eine Kurzgeschichte

von Matthias Wieprecht (c)

Mr. Jones saß am Frühstückstisch und sah matt aus dem Fenster, vor dem die zugezogene, halb durchsichtige Spitzengardine hing. Er seufzte, während er das Marmeladenbrot in seiner rechten Hand hielt, es jedoch nicht zum Mund führte. Dann legte er das Brot wieder ab.

Es war ihm schwer ums Herz.

Verdammt, dachte er, und gab sich einen Ruck. Er nahm seine Kaffeetasse und trank einen Schluck. Der recht kalt gewordene Kaffee schmeckte wie die Erinnerung an etwas, was einmal schön gewesen war. Wieder seufzte er und sackte innerlich zurück in seinen hölzernen Stuhl, den er vor langer Zeit von seiner Großmutter geerbt hatte.

So richtig Appetit hatte er nicht. So wie der Kaffee kalt war, wirkte sein Wohnzimmer – er lebte in einer 2 – Zimmer Wohnung von 55 Quadratmetern – an diesem Morgen recht farblos. Das graue Wetter draußen und der leise gegen die Scheibe klopfende Regen, der langsam zu Schnee überzugehen schien, machte das auch nicht besser.

Jetzt, da er bemerkte, dass einige Regentropfen tatsächlich halb aus Schnee zu bestehen schienen, dachte er an Weihnachten – und der Unterschied zwischen der warmen, umarmenden Erinnerung und der kalten freudlosen Gegenwart des großen Festes, tat ihm im Herzen weh. Und machte ihn noch viel schwerer. Noch war es ja eine Weile hin, so an die zwei Monate. Fast.

Während Mr. Jones so da saß, hörte er irgendwann das Ticken seiner Wanduhr, auch ein Erbstück, und das hatte etwas tröstliches. Das Ticken dieser Uhr, man musste sie gewiss aufziehen, erklang nun schon seit Generationen von Jones. Wie ein unsichtbares Korsett durchzog es alle Leben seiner Vorfahren und nun auch seines, gleichgültig, was in seinem Leben an wundervollen oder schrecklichen Dingen geschehen war. So auch jetzt, an diesem trostlosen Morgen.

Seine volle Blase vermochte es Mr. Jones zum Aufstehen zu bewegen. „Was muss, dass muss“, sagte er leise vor sich hin.

Als er zurückkehrte, nur wenige Minuten später, hatte sich etwas verändert. Er erkannte es. Der Regen war vollkommen in Schnee übergegangen. In wenigen Minuten hatte er dafür gesorgt, dass die Welt ein wenig weißer, ein wenig heller geworden war. Und der fünfjährige Junge in Mr. Jones rannte, so schnell er freilich konnte, zum Fenster und zog die Gardine beiseite.

Draußen fuhren die Autos wie eh und je, auch die Wege waren voll von Fußgängern, wie eh und je. Die Straßenbahn fuhr, alles war fast wie immer. Fast! Denn der Schnee berührte einige Menschen, das konnte er sehen. Natürlich viele der Kinder, die hier herumliefen, auf dem Weg zur Schule etwa, vielleicht zur dritten Stunde? Sie schnappten mit dem Mund nach einzelnen Schneeflocken, sie bauten aus dem wenigen Schnee, der liegen geblieben war, Schneebälle und begannen sich gegenseitig zu bewerfen. Sie lachten, sie waren voller Lebensfreude. So wunderte sich Mr. Jones nicht, dass er bei diesem Anblick lächeln musste.

Denn damals, vor so langer Zeit, liebte er das Leben auch so wie diese Kinder. Nicht wegen eines vollen Bankkontos, das er schon lange nicht mehr hatte, obwohl er in seiner Teilzeitbeschäftigung ein wenig verdiente, sondern wegen alltäglicher Freuden wie die über ein paar Flocken vom Himmel.

Auch manche Erwachsene hatten durch diese kleine Veränderung ihrer Umgebung plötzlich leuchtende Augen, wenige von ihnen strahlten übers Gesicht. Nur nicht die überzeugten Autofahrer, die waren am jammern, kaum das die Welt ein wenig vom Zauber des Schnees bedeckt worden war.

Mr. Jones zauderte. Ein Teil von ihm war tatsächlich geneigt, dem Wunsch seines inneren kleinen „Jones jr.“ nachzugeben, zum Schallplattenschrank zu gehen und Weihnachtsmusik aufzulegen.

„Weihnachtsmusik werden wir nicht auflegen“, sagte er laut vor sich hin. „Aber mal sehen…“ Nun hatte ihn eine winzig kleine Neugier gepackt, denn eine Erinnerung war zum Leben erweckt worden. „Dieses Stück habe ich schon ewig nicht mehr gehört“, flüsterte er andächtig.

Vor einer gefühlten Ewigkeit war er einmal von seinen Eltern mit in ein klassisches Konzert geschleppt worden, das totsterbenslangweilig gewesen war, bevor die Musik die Luft erfüllte. Damals, er war in seinens päten Teenager – Jahren, packte ihn diese Musik. Gespielt wurde etwas von Mozart. Seine 40. Symphonie.

Er legte also die Schallplatte auf und die Musik, die ihm so vertraut war, lies ihn vergessen, dass er da saß und nur lauschte. Erneut, wie damals, packte ihn schon der 1. Satz, der verzweifelt und lebensfroh zugleich war, der 2. Satz, der ihn träumen lies und wieder war er an die 17 Jahre alt und saß neben seinen Eltern im Konzertsaal. All die Menschen hatten sich schick gemacht, hörten aufmerksam, was gespielt wurde. Auch alte Freunde aus jener Zeit kamen ihm ins Gedächtnis zurück, Liebschaften, seine damalige „Unart“ täglich Rumkugeln zu verzehren (damals konnte er noche essen, was er wollte), der 3. Satz, der sich anhörte wie ein mächtiger Protest, so voller Kraft, dass Mr. Jones sich für einen Moment selbst erfüllt fühlte von der Kraft seiner vergangenen Jugend. Vor seinem inneren Auge nahm er es mit allen Ämtern auf, die ihm das Leben schwer gemacht hatten, mit ehemaligen Vorgesetzten, selbst mit Mitschülern seiner Kindheit, die ihn gemobbt hatten -und er triumphierte! Wie war es, im Einklang mit diser Musik, auch anders möglich? Der 4. Satz, der ihn – wegen seiner sprühenden Lebensfreude – nur lächelnd das Plattencover fallen lies, von dem er vergessen hatte, das er es in seiner linken Hand gehalten hatte, verklang so schnell und berauschend, wie er begonnen hatte.

Dann bewegte sich der Tonarm zurück in seine Position und die Mechanik im Gerät hörte auf sich zu regen. Stille herrschte wieder vor – neben dem regelmässigen Ticken der Wanduhr.

Mr. Jones Wangen hatten Farbe angenommen und seine Augen leuchteten ein wenig. Als er aufstand, zog es etwas im Rücken, aber er bemerkte es kaum. Viel kräftiger als zuvor ging er zum Fenster, zog die Gardine zur Seite und fasste den Entschluss, durch diese wunderbare Schneelandschaft, die sich ihm hier zeigte, spazieren zu gehen. Wer weiß? Vielleicht würde er sogar Essen gehen in einem schicken Restaurant.

Als er ging und die Tür hinter ihm schloss, blieb sein Wohnzimmer in graues Licht getaucht und die Stille blieb nur unterbrochen vom einsamen Tick – Tack der Wanduhr.

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Zwei Sherlock Holmes Veröffentlichungen bei PIDAX (April 2025)

Holmes – Fans haben PIDAX einiges zu verdanken. Viele TV – Produktionen rund um den Meisterdetektiv kamen nur durch Pidax überhaupt auf den Markt. Man denke nur an die „Hund von Baskerville“ – Verfilmung mit Stewart Granger und William Shatner, an „Eine Pfeife in New York“ oder die einzigartigen Peter Cushing – Verfilmungen, die von Pidax sogar neu synchronisiert worden sind. Nun gibt es erneut zwei (Wieder)veröffentlichungen in Sachen „Sherlock Holmes“. Leider wurde dabei eine Chance nicht genutzt. Sehenswert sind die veröffentlichten Pidax – Neuheiten aber auf jeden Fall!

Neu bei Pidax: Jeremy Brett & Matt Frewer als Holmes

Kürzlich erschienen bei Pidax zwei neue DVD-Sammlungen:

  1. Sämtliche Folgen und Filme der berühmten Granada-TV-Serie mit Jeremy Brett
  2. Alle vier TV-Filme mit Matt Frewer als Sherlock Holmes

Jeremy Brett – Der Inbegriff des Holmes

Jeder Sherlock-Holmes-Fan kennt mindestens zwei Darsteller des Meisterdetektivs aus London: Basil Rathbone (besonders bekannt durch seine 14 Filme von 1939–1946) und Jeremy Brett, der in der Granada-Serie (1984–1994) eine neue Ära einläutete.

Während Rathbones Filme nach den ersten beiden Produktionen von 20th Century Fox zu Universal wechselten und die Handlung ins London der 1940er-Jahre verlegten, hielt Granada TV sich eng an die literarischen Vorlagen von Sir Arthur Conan Doyle. Man legte „erstmals“ Wert auf historische Genauigkeit, Ausstattung und Atmosphäre.

Ich schreibe „erstmals“ bewusst in Anführungszeichen – denn bereits die BBC-Serie mit Douglas Wilmer (1964–1965) und später Peter Cushing (1968) war bemerkenswert werkgetreu. Dennoch schaffte es Jeremy Brett wie kein anderer, den nur skizzenhaft beschriebenen Holmes mit Leben zu füllen – brillant, exzentrisch, verletzlich, analytisch.

Liebe zum Detail – bis in die Ausstattung

Zur Serie gehörte auch ein überzeugendes Watson-Duo: David Burke in den ersten Staffeln und später Edward Hardwicke. Beide spielten Dr. Watson mit Würde, Intelligenz und Menschlichkeit – weit entfernt vom „tölpelhaften“ Watson früherer Adaptionen, (wiewohl ich Nigel Burce hier etwas in Schutz nehmen möchte. Rathbone und Bruce machten mich mit der „Holmes – Welt“ bekannt und werden daher immer einen Platz in meinem Fan – Herzen haben).

Besonders auffällig: Die viktorianische Ausstattung wurde mit großer Sorgfalt rekonstruiert. Auch visuell orientierte sich die Serie an den legendären Illustrationen von Sidney Paget, die einst im Strand Magazine abgedruckt wurden.

(c) Granada, Pidax: Jeremy Brett, der „definitive“ Sherlock Holmes

Spätere Schwächen und Bretts gesundheitlicher Verfall

Im späteren Verlauf der Serie lässt die Qualität vereinzelt nach. Problematisch sind Episoden wie „Der begehrte Junggeselle“ („The Eligible Bachelor“) oder „Der letzte Vampir“ („The Last Vampyre“), die sich weit von der Vorlage entfernen oder Holmes‘ Charakter stark verändern – er erscheint abergläubisch oder depressiv.

Ein Grund dafür war der gesundheitliche Verfall Jeremy Bretts. Er litt unter einem schwachen Herzen und wurde zudem falsch medikamentös behandelt (Lithium gegen bipolare Störungen). Dies führte zu Gewichtszunahme, angeschlagener Konstitution und schließlich seinem frühen Tod 1995. In den letzten Folgen wirkte er körperlich und stimmlich deutlich geschwächt. Dennoch blieb er dem Publikum dankbar und entschuldigte sich in der Einleitung des Buchs The Television Sherlock Holmes für seine Verfassung – ein Zeichen echter Größe.

Eine Pflichtanschaffung – mit kleinem Wermutstropfen

Die bei Pidax erschienene Box der Jeremy-Brett-Serie ist für Fans ein Muss – sofern sie sie nicht längst besitzen. Bedauerlich bleibt aber: Vier Episoden der zweiten Staffel wurden nie deutsch synchronisiert (Silver Blaze, Wisteria Lodge, The Devils Food, The Bruce-Partington Plans). Auch Pidax hat dies leider nicht nachgeholt. Das schmälert den Wert der Edition leicht – aber es ändert nichts daran, dass es sich um eine der besten Holmes-Umsetzungen aller Zeiten handelt.

Matt Frewer als Holmes – ungewöhnlich, aber sehenswert

Die zweite Neuveröffentlichung umfasst die vier TV-Filme mit Matt Frewer als Sherlock Holmes, die zwischen 2000 und 2002 produziert wurden:

  • Der Hund von Baskerville
  • Im Zeichen der Vier
  • Skandal in Böhmen
  • Der Vampir von Whitechapel

Matt Frewer ist gewiss kein zweiter Brett, aber er verleiht Holmes eine eigene Note – schräg, energiegeladen, mit einem markanten Gesicht, das gut zum klassischen Bild des Detektivs passt. Kenneth Welsh als Dr. Watson überzeugt als ruhiger, reflektierter Gegenpart – seriös und würdevoll, ein wenig, wie ein „seriöser“ Nigel Bruce – Watson.

Matt Frewer: Relativ unbekannt, aber sehenswert!

Überraschend solide Produktionen

Die Filme bieten handwerklich solide Krimikost. Besonders „Der Vampir von Whitechapel“ ist hervorzuheben: eine originelle Neugeschichte mit leichtem Grusel, die Assoziationen zu Im Namen der Rose weckt – ohne dabei zu sehr ins Übernatürliche abzudriften. Die Mischung aus „Grusel“ und „Krimi“ funktionierte schon bei einem anderen Werk Conan Doyles sehr gut…

Dass „Der Hund von Baskerville“ einmal mehr verfilmt wurde, wirkt zwar überflüssig, wurde hier aber dennoch gut umgesetzt. (Wie gerne denke ich an die Zeit zurück, als mir der „Hund“ noch unbekannt war – und ich den Roman las, bevor ich eine Verfilmung sah!).

„Skandal in Böhmen“ ist für mich persönlich der schwächste Film, da ich grundsätzlich alle Umsetzungen ablehne, die Moriarty oder Irene Adler all zu oft zitieren (abgesehen von der hervorragenden Audible Hörbuch – Umsetzung „Moriarty“ von Charles Kindinger). Sehenswert ist der Film trotzdem.

„Im Zeichen der Vier“ ist grundsolide – keine „Offenbarung“, aber ein guter Krimiabend.

Fazit: Zwei lohnenswerte Veröffentlichungen

Pidax liefert erneut wertvolle Beiträge zur Holmes-Videothek. Die beiden DVD-Boxen mit Jeremy Brett und Matt Frewer bieten klassische sowie unkonventionelle Sichtweisen auf den Detektiv – für Sammler und Fans sind sie gleichermaßen empfehlenswert.

Die umfangreiche Jeremy Brett Box kostet bei Pidax 44,90 EUR, während die vier Matt Frewer Filme in der Komplettbox 16,90 EUR kosten. Hier könnt ihr sie bestellen…

Jeremy Brett DVD – Box bestellen

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Batman: Dark Age – Bruce Wayne hat seine Autobiografie geschrieben!

Batman: Dark Age zu lesen, hat mir großen Spaß bereitet. Gewiss, es war etwas ganz anderes als die grandiosen First Knight-Comics, die ich zuvor gelesen und hier vorgestellt habe. Die hatten mich mit ihrer Crime-Noir-Stimmung und ihrer echten Zeichenkunst wirklich gepackt.

Was mich an Batman: Dark Age begeistert hat, ist der frische Ansatz. Ich mag Origin-Storys – aber hier bekommen wir nicht einfach nur den hundertsten Aufguss der bekannten Batman-Geschichte, sondern gleich eine ganze fiktive Autobiografie, erzählt von einem gealterten Bruce Wayne höchstpersönlich. Und das in Comicform – das ist schon faszinierend. Mit seinen 268 Seiten ist das Ganze auch ein ziemlicher Wälzer, den Panini für faire 35 € anbietet.

(c)DC /Panini: Batman – Dark Age

Dark Age erzählt die bekannte Geschichte von Batman anders. Das Schlüsselereignis in Bruces Leben – der Mord an seinen Eltern – ist hier dezent, aber bedeutungsvoll verändert. Und Bruce stolpert durch nichts Geringeres als die Weltgeschichte. Alles beginnt in den 1950ern, zieht sich über den Vietnamkrieg bis hin zur Reagan-Ära und darüber hinaus.

Es ist ein bisschen so, als würde Bruce sagen: „Ich weiß, was ihr über mich gehört habt. Aber so war’s wirklich.“ Und dann erzählt er seine Version. Sogar Superman taucht auf, aber selbst das wirkt in diesem Kontext fast glaubhaft. Man wartet als Fan auf gewisse Wendepunkte, auf bekannte Figuren und Ereignisse, und jedes Mal ist es spannend zu sehen, wie sie eingebaut wurden. Es ist immer ein guter Kompromiss zwischen dem, was man kennt, und einer geerdeteren, glaubwürdigeren oder einfach komplett neuen Variante.

Die Geschichte stammt aus der Feder von Mark Russell (geb. 1971), einem Autor, der für seinen satirischen und gesellschaftskritischen Stil bekannt ist. Er hat u. a. die Flintstones-Neuerzählung und The Snagglepuss Chronicles geschrieben. Ihm gelingt hier das Kunststück, Batman nicht zu entmythologisieren, sondern seine Legende in einen neuen Rahmen zu setzen – mit Nachhall.

Gezeichnet wurde das Ganze von Mike Allred (geb. 1962), einem Künstler, der sich mit Serien wie Madman, iZombie (später als TV-Serie adaptiert) und seinem Silver Surfer mit Dan Slott einen Namen gemacht hat. Sein Stil wirkt retro, erinnert an die Bronze- und sogar an die Goldene Ära der Comics, ist aber zugleich moderner, geschickter und durchdachter. Er schafft es, diese alternative Welt optisch so einzufangen, dass man sich zu Hause fühlt – und doch nie ganz sicher ist, was als Nächstes kommt.

Als alter Batman-Fan, der ich seit den späten 70ern dabei bin, hat mir dieser Band eine Menge guter Unterhaltung beschert. Das Knallbunte, das Überzogene, das manchmal Alberne – das ist hier alles rausgefiltert. Stattdessen bekommt man: einen Mann, seine Geschichte, seine Stadt – und das Gefühl, dass es genau so auch hätte gewesen sein können.

Wer neugierig geworden ist: Batman: Dark Age ist im März 2025 bei Panini Comics Deutschland erschienen und direkt hier erhältlich:
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Review: Batman – First Knight, Teil 2 & 3 / Komplette Trilogie (Panini)

Ich muss gestehen, dass ich Batman-Comics liebe. Aber diese Trilogie liebe ich sogar noch etwas mehr. Warum? Nun, die First Knight-Reihe setzt Maßstäbe – nicht nur für Batman-Comics, sondern für das gesamte Noir-Genre im modernen Comic. Teil 2 und 3 treiben die düstere, atmosphärisch dichte Handlung weiter voran und liefern eine in sich schlüssige, vielschichtige Erzählung, die mich nicht losgelassen hat, bis ich die letzte, erschreckende Seite vor Augen hatte. Warum erschreckend? Das müsst ihr selbst herausfinden.

Ein Batman wie aus den besten Noir-Filmen

Was diese Trilogie so besonders macht, ist ihre konsequente Verbeugung vor dem klassischen Film-Noir. Gotham ist in keiner Weise bunt oder „comicbooky“ (Gruß an den Batcast), sondern ein schmutzig-realistischer Stadtdschungel, der so auch in den späten 1930ern existiert haben könnte. Dunkle Gassen, von Straßenlaternen nur spärlich erhellt, schwere Schatten, die sich über verregnete Pflastersteine ziehen – jede Panel-Komposition atmet die Ästhetik der großen Detektivfilme der damaligen Zeit.

Auch Batman selbst wird hier nicht als allmächtiger Superheld inszeniert, sondern als harter, aber nicht unfehlbarer Ermittler, der mehr mit seiner Intelligenz als mit Gadgets agiert. Sein Kampf gegen das Verbrechen erinnert an die klassischen Hardboiled-Detektive: ein Getriebener, stets an der Grenze zwischen Ordnung und Chaos, zwischen Gesetz und Selbstjustiz. Obwohl das Outfit, das ja bekanntermaßen stark an dem ersten Erscheinen des Mitternachtsdetektivs angelehnt ist, weniger cool ausschaut wie beispielsweise die Neal Adams oder auch die Frank Miller – Variante, ist Batman hier auf seine Weise so einzigartig, so individuell wie lange nicht – nicht nur in seinem Erscheinen, auch in seinem ganzen Handeln und Auftreten. Was ich sagen will: Dieser Batman sieht nicht nur anders aus, er hat auch eine andere „Version“ von Charakter! Spannend, gerade für alte Batman – Fans!

(c) Panini / DC – First Knight Band 2

Detailverliebte Zeitreise in die 1930er Jahre

Ein weiteres Highlight ist die akribische Gestaltung der Welt: Mode, Fahrzeuge, Gebäude – alles ist detailgetreu in die späten 1930er eingebettet. Die schweren Oldtimer, die Trenchcoats mit hochgestellten Kragen, die Art-déco-Fassaden der Hochhäuser – all das vermittelt den Eindruck, als hätte man ein altes Schwarz-Weiß-Meisterwerk aus der Ära von Humphrey Bogart und Edward G. Robinson vor sich. Die Farbgebung, oft in gedämpften, fast monochromen Tönen gehalten, verstärkt dieses Gefühl noch.

Ungute Nachrichten wehen aus dem Deutschland jener Tage durch die Comic – Panels und das Batman in Gotham einen Rabbi zum Freund gewinnt, ermöglicht der Story noch etwas erwachsener zu wirken. Einen Batman – Comic zu verwenden um die Geschichte jener Zeit zu hinterfragen… sicher nichts, was sich ein deutscher Comicautor trauen würde, aber dieser Teil der Geschichte berührt einen, wie ich finde, und es wäre irgendwie unrealistisch gewesen im Jahre 1939 nicht auch zu erwähnen, was gerade in der Welt los ist.

Ein Hauch von Horror – und ein unerwarteter Twist

Kleiner Spoiler: Die Geschichte verwendet weiterhin und zunehmend Elemente klassischer Gruselfilme der 30er und 40er Jahre – eine gelungene Hommage an eine Ära, in der sich Noir-Krimis und Gothic Horror oft die Hand reichten. Dieser Subtext fügt der ohnehin dichten Atmosphäre eine zusätzliche, angenehm unheimliche Note hinzu.

(c) DC / Panini – First Knight Band 3

Ein Universum mit Potenzial für mehr

Die First Knight-Comics haben mir wahnsinnig viel Spaß gemacht. Ich konnt emich nicht sattsehen an den Panels und die Handlung lies auch nicht zu, dass ich sie beiseite legte.

Diese Interpretation ist in sich so stimmig, dass sie problemlos als Grundlage für weitere Geschichten oder sogar eine eigenständige Comicreihe dienen könnte. Ich würde mich freuen. Aber auch so, eigenständig, ist diese Trilogie ein wirklich originelles Geschenk an alle Batman – Fans in der Welt.

Link: First Knight auf Panini.de bestellen

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Bat-Man – First Knight – Band 1…

… ist ein Hardcover – Band aus der Black Label Reihe von DC. Das schmucke Buch kommt auf 56 Seiten. Zeichner ist Mike Perkins, Autor Dan Jürgens.

Das Buch ist im Oktober 2024 erschienen. Bereits im Dezember erschien Band 2. Band 3 wird im März 2025 erscheinen.

(c) DC, Panini - First Knight 1

(c) DC, Panini – First Knight 1

Wow!

Das Erste, was mir einfiel als ich das Coverbild betrachtete war ein Wort: Kunst! Versteht mich nicht falsch, natürlich kann man alles, was es bis ins Comic schafft, letztlich mit „Kunst“ bezeichnen, aber das hier sorgt für ein echtes „Wow!“.

Paradoxerweise hielt mich das erstmal davon ab, den Comic zu lesen. Ich warf nur einen Blick auf die ersten Seiten und fühlte mich ein wenig erschlagen. So viel dichte Atmosphäre schlug mir da entgegen. Man sagt, der Film „The Batman“ sei im Crime Noir Stil gedreht worden (auch deswegen liebe ich ihn), aber dieser Comic schlägt noch mal ein paar Pfund „Noir – Stimmung“ obendrauf.

Endlich fand ich Zeit, diesen Comic mit der gebührenden Aufmerksamkeit zu lesen…

Aber worum geht es?

Beschrieben wird hier Gotham City in den späten 30iger Jahren. Die Wirtschaft steckt in einer tiefen Depression. Der „große Krieg“, der vor 21 Jahren endete, steckt den Menschen noch in den Knochen. Gotham ist korrupter denn je. Hoffnungslosigkeit an jeder Ecke. Und als ob der letzte Krieg nicht genug gewesen wäre, gibt es da so einen Typen in Deutschland mit Schnauzbart, der von sich Reden macht und die Welt wohl schon bald in den nächsten Krieg stürzen wird.

(Hintergründig übrigens, wie der Diktator hier in wenigen Worten mit Bezug zur aktuellen politischen Weltlage, umschrieben wird. Was ich meine, müsst ihr aber selbst herausfinden, aber ihr werdet wissen, was ich meine…)

Der Zeichenstil

Passend zu dieser hoffnungslosen Stimmung sehen wir extrem detailreiche Skylines, Häuserfronten und Straßenfluchten. Beim Einfärben der einzelnen Panels wurde darauf geachtet, dass man trotz der verwendeten Farben das Gefühl hat, die Story nicht zu bunt, ja beinahe schwarz – weiß wirken zu lassen. Beim lesen fühlte ich mich fast so als wenn ich einen alten schwarz – weiß Film sehen würde.

Die Gesichter der auftretenden Charaktere sind ebenfalls so fein gezeichnet (und vom Stil her passend zu Filmikonen jener Zeit) als könnten sie wirklich zum Leser sprechen. Manches dieser „Portraits“ könnte man sich so an die Wand hängen.

Keine gute Zeit, um Ratsmiglied zu sein…

Es gibt natürlich, hey es ist Gotham, eine Mordserie. Jemand tötet reihenweise Politiker aus Gotham, was die Stimmung in der Stadt, deren Einwohner es mit der Weltwirtschaftskrise schwer genug haben, natürlich nicht gerade stabilisiert.

Bat-Man ist anfangs noch mehr Mythos als das er „Teil der Stadt“ wäre. Gibt es ihn wirklich? Ist er eine lebensgroße Fledermaus? Was will er? Er ist noch nicht lange „im Amt“ und wir werden u.a. Zeuge, wie er erstmals Gordon besucht. (Ja, genau, so, wie wir ihn kennen und lieben.)

1939

Spannend ist, dass dieser Bat – Man, ziemlich genau so ausschaut wie im ersten Comic vom Mai 1939.

Schmunzeln musste ich als ich las, was für ein Film in einem Kino, welches am Rande zu sehen ist, gespielt wird: „Son of Frankenstein“ mit Basil Rathbone und Boris Karloff. Der Film kam (in der realen Welt) am 13. Januar 1939 in die Kinos. „Schaurig – witzig – sehenswert“ ist der Streifen übrigens heute noch, in dem ebenfalls mit Schwarz – Weiß und viel Schatten experimentiert wurde. Und mit Frankenstein.

Wir bekommen also zweierlei mit diesem Comic: Einen spannenden Fall, in dem die Fledermaus ermittelt und eine Art „remastertes 1939er – Batman – Comic“, das so damals nie erschienen ist. Ich hoffe, ihr wisst, was ich meine.

Es gibt noch einen Teil der Handlung, den ich nicht verraten möchte, nur so viel: Auch das Ende passt exakt zu den damals so typischen Cliffhangern: Batman befindet sich in unmittelbarer Todesgefahr und ist eigentlich nicht mehr zu retten. Oder doch?

Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen!

Kaufen könnt ihr den Comic in jedem Comicshop, beim großen „A“ und natürlich auch direkt bei Panini, für 16 EUR:

Auf zum Kauf!

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Die drei ??? und der Karpatenhund (Kinofilm): Kurz-Review

Schon der Vorgänger war gelungen. Mit „Die drei ??? und der Karpatenhund“ ist ein neuer, spannender Drei ??? – Film entstanden. Zu viel habe ich nicht erwartet. Ist oft gut, auch hier: Denn ich fühlte mich nach dem Film reich beschenkt!

Beschenkt durch einen Film, der in Teilen dem Original – Buch gerecht wird, ohne das der kundige Leser (oder Hörspielhörer) schon alles wissen würde. Anders als im „Erben des Drachen“ wirkt dieser Film viel mehr „aus einem Guss“.

Ich verlor mich im „Karpatenhund“, vergass zeitweise, dass ich im Kino saß und wurde gefühlt 40 Jahr jünger. So fragte auch ich mich, woher die Erschütterungen und das Hundgeheul in der Wohnung von Mr. Prentice kamen. Fand diesen Skinny Norris echt ätzend, aber genau so muss er sein. Regte mich über Mrs. Boogle auf – und hätte ich das nicht tun können, hätte etwas mit dem Film nicht gestimmt 😉 Und so weiter. An dem Film stimmt einfach ganz viel.

Die Filmmusik, speziell wo sie symphonisch wird, klingt richtig gut. Leider habe ich mich vergebens nach einer entsprechenden Veröffentlichung des Soundtracks umgesehen.

Das beinahe ausverkaufte Kino war voll von Kindern, Eltern und Großeltern. Alle hatten ihren Spaß. Das war eine gelungene Überraschung. Gut gemacht!

Sicher ist, das ich nach dem Film „mehr von denen“ sehen möchte. Die „Toteninsel“ soll 2026 kommen, was kommt danach? Hoffentlich drehen sie noch zwei Filme, solange die Jungschauspieler noch jung genug rüber kommen.

Ach ja, wenn ihr euch den Film anseht: Schaut euch den Nachspann an! 😉

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PARZIVAL – Eine Kurzgeschichte

Mein Name ist Ghamuret.

Ich danke euch, das ihr meine Zeilen lest. Es war nicht leicht für mich, einen Verbündeten in eurer stofflichen Welt zu finden, der sie aufschreibt. Ich bin schon lange tot.

Als mich die Lanze traf, zweifelte ich noch einen Moment an meinem Ende. Mein letzter Gedanke gehörte meinem Sohn Parzival. Er war noch sehr klein und es war für mich das bitterste, das ich ihm nie das reiten, das Bogenschießen, das kämpfen mit dem Schwert beibringen könnte. Ihm nie würde zusehen können, wie er ein erwachsener Mann wird. Dieser Gedanke erzeugte einen tiefen Schmerz in mir, der sich mit dem des Speers in meiner Brust mischte. Ich stürzte vom Pferd und schon im stürzen trennten sich meine Seele und mein Körper. Ich fühlte nicht einmal mehr den Aufprall auf dem sandigen Boden.

Ich sah, wie mein Knappe, der Getreue, um mein Leben rang und anderen Rittern, die sich ebenfalls im Kampf befanden, anrief, man möge ihm helfen. Wie gerne hätte ich ihm eine Hand auf die Schulter gelegt und ihn beruhigt! Aber das konnte ich nicht mehr. Meine Zeit auf Erden war so kurz gewesen – und ein für allemal beendet.

Von meiner fabelhaften Reise in Gottes Reich erzähle ich euch nicht. Es wäre mir möglich, würde aber meiner eigentlichen Erzählung abträglich sein. Außerdem würdet ihr mir nicht mehr recht glauben, insofern ihr überhaupt bereit seit, einem „Geist“ zu glauben.

Ich trat, wie soll ich es beschreiben? Ja, ich trat vor Gottes „Thron“ und ich bat ihn, meinen Sohn Parzival bis zum Mannesalter begleiten zu können. Gott ist ein gütiger Gott und nicht so erbärmlich, wie ihr ihn euch oft vorstellt. Er ist wahrhaftig ein großer Geist – und er hatte ein Einsehen mit mir. Er erbarmte sich meiner.

Als Geist waren mir die Möglichkeiten gebunden, aber immerhin konnte ich ein wenig Einfluss auf das Leben meines Sohnes nehmen. Ein einziges Mal dürfte ich sein Geschick lenken. Das war ein Geschenk, das ich mit auf meinen Weg bekam.

Wenn ich euch erzähle, dass meine Frau und ihr Sohn Parzival bescheiden in einer Holzhütte im Wald lebten, mögt ihr euch fragen, wie das sein kann, da ich doch ein Ritter  war und ein Ritter eine Burg besitzen müsse! Das war auch so.

Meine geliebte Frau hieß Herzeleid. Wahrhaftig erlebte sie schon oft in ihrem Leben großen Kummer, großes „Herzeleid“. Als sie von einem Boten erfuhr, dass ich im Kampf gefallen war und das unser Sohn die Burg und alles erben sollte, weinte sie bitterlich. Ich sah es mit an! Ich konnte bis in ihr Herz sehen! Sie sah vor ihrem inneren Auge, dass eines Tages auch ein Bote daher kam und vom Tod unseres lieben Sohnes Parzival erzählen würde.

Was soll ich sagen? Sie packte alles ein, was nötig war – und nichts mehr als dies – und zog mit Parzival in den Wald. „Du wirst kein Ritter“, sagte sie dem kleinen Kerl, der noch kein Jahr alt war. Sie hatten nicht viel, aber immer genug. Ernährten sie sich von Pilzen, Beeren und ein Mal im Monat fuhren sie, mit einer alten Kutsche, auch in die benachbarte Stadt, um sich Nahrung zu kaufen.

Parzival wurde ein starker Jüngling. Aber er kannte außer Herzeleid niemanden. Wenn er sich für die Frauen in der Stadt interessierte, erzählte sie ihm: „Diese Frauen bringen nur Kummer, bleib lieber bei mir.“ Und wenn andere Männer, etwa der Sohn des Bäckers, Fabian, mit ihm einen Humpen Bier trinken gehen wollte, erhob sie Einwand: „Das ist kein Umgang für dich, vertraue mir!“ sagte sie ihm dann.

Lange Jahre lebten die beiden zufrieden in ihrer Holzhütte. Es war ein bescheidenes Leben, aber hatte durchaus seinen Reiz. Ich konnte sie sogar verstehen, wenngleich mir beide dennoch sehr leid taten. Herzeleid hatte ich durch meinen Tod das Herz gebrochen und Parzival verpasste so unendlich viele, wunderbare Dinge im Leben. Dennoch war Parzival zufrieden und ich begnügte mich damit, dass er zufrieden war.

Tage gingen und Nächte flossen dahin, wie der Fluss, der in das Meer mündet. Bald war Parzival ein richtiger Kerl, noch größer und stärker denn je und sein Herz war voller Leidenschaft und ehrenhaftem Mut. Er wollte sich der Welt stellen, er wollte wissen, was außerhalb ihrer Hütte geschah. Das bemerkte Herzeleid und war voller Kummer. „Wenn er das tut“, meinte sie, „dann werde ich ihn verlieren und er wird sein Leben verlieren.“ sagte sie, in einer stillen Stunde, zu sich.

Wie gerne hätte ich ihr zugeflüstert: „Du irrst! Vertraue dem Leben! Ein Mann muss in die Welt gehen, muss Fehler machen dürfen, muss wachsen dürfen!“ Als Geist war mir dies jedoch unmöglich. Abgesehen davon hätte sie mir kaum zugehört, hatte ich doch durch mein ständiges Kämpfen in der Welt mein Leben verloren und ihr Herz gebrochen. Wie konnte ihr jemand, der so gelebt hatte, einen „guten Rat“ geben können? Ich konnte sie verstehen, aber ich sah auch bekümmert, wie mein lieber Parzival immer trauriger wurde und all seine große Kraft verlor sich im Laufe der so kostbaren Zeit.

Ja, vermutlich denkt ihr, dass ich an diesem Punkt in sein Geschick eingriff? Genau so ist es gewesen. Denn eines Tages ritten drei Ritter  durch den Wald, in dem die Hütte stand. Ihre Namen tun nichts zur Sache, wohl aber, dass sie wunderschöne, glänzende Rüstungen trugen. Ich warf ihnen einen Baum in den Weg, so dass sie an der Hütte vorbeikommen mussten. Parzival, der gerade Feuerholz spaltete, sah sie und erstarte vor Ehrfurcht. „Seid ihr göttliche Wesen? Seid ihr Engel?“ fragte Parzival. Die Ritter lachten. „Bürschchen, willst du uns auf den Arm nehmen?“ fragte einer der Ritter und Parzival verneigte sich und sprach: „Keinesfalls, mein Herr. Entschuldigt. Ich habe noch nie jemanden gesehen, der so edel gewandet war!“ Jetzt sahen sich die Ritter an und es wurde klar, dass sie meinen Sohn mochten. Der Älteste von ihnen richtete sein Wort an ihn. „Du hast also noch nie Ritter gesehen? Nun, dann sind wir die ersten, die du zu Gesicht bekommst. Wir sind Ritter und wir kämpfen und streiten für König Artus, den gerechtesten König, den es je gab und geben wird.“

Parzival war in diesem Moment sicher, dass auch er Ritter werden wollte. Als Herzeleid bemerkte, dass sie ihren Sohn nicht aufhalten konnte, in die Welt zu gehen – und sie hatte es beileibe versucht – kleidete sie ihn bunt und keck, so dass er eher wie ein Hofnarr aussah. Sie erhoffte sich, dass ihn so gekleidet niemand bei Hofe ernst nehmen würde. Sie tat das nicht aus Böswilligkeit, sondern weil sie sich sicher war, ihn so vor einem zu frühen Tod als Ritter bewahren zu können.

Ich beobachtete noch vieles, aber will euch nicht langweilen. Das Wichtigste scheint mir ist, dass Sir Parzival bald ein Ritter bei Hofe des Königs wurde und mehr als das! Er fand den Heiligen Gral, den Gral des wahrhaftig letzten Abendmals von Jesus, unserem Herrn.

Vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass er nach 7 Jahren und vielen bestandenen Abenteuern zu seiner Mutter zurückkehrte. Er nahm sie zu sich, auf seine Burg, und kümmerte sich um sie, denn sie war alt und gebrechlich geworden. Als sie eines Abends in einem gemütlichen Zimmer seiner Burg, auf ihrem Bett lag und merkte, dass sie bald diese Welt verlassen würde, kniete sich Parzival zu ihr und sie beteten zusammen. Dann sagte sie: „Parzival, sieh dich nur an. Du bist ein wunderbarer Mann geworden. Ich war im Unrecht. Es war falsch, Dich all die Jahre zurück zu halten.“ Aber Parzival legte ihr nur einen Finger sanft auf ihre Lippen und meinte: „Es ist alles gut, Mutter.“ Lächelnd schlief sie ein.

Das war dann auch der Augenblick, in dem ich mich gänzlich aus dem irdischen Leben verabschiedete. Obwohl ich zuvor noch eine Sache zu erledigen hatte. Genau, es ging darum, diese Zeilen einem Menschen zukommen zu lassen, der sie dann aufschrieb. Ich setzte mich in dessen Kopf, so dass er meinte, ihm selbst wären diese Gedanken gekommen.

Ich bin froh und erleichtert, dass alles so gut ging. Und euch kann ich nur bitten, euren Herzen zu folgen, denn all die Angst vor all den Dingen, die passieren könnten, halten euch nur davon ab, ein erfülltes Leben zu führen. Ihr müsst ja nicht gleich den heiligen Gral finden, aber – wer weiß – vielleicht findet ihr euren ganz persönlichen „Gral“? Was das für euch ist, das müsst ihr selbst herausfinden.

Jetzt kann ich endlich in Frieden ruhen.

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Sherlock Holmes (Titania Medien), Folge 065: Der Fall Harry Houdini

Offizieller Pressetext:

Der berühmte Entfesselungskünstler Harry Houdini entgeht nur knapp einem Säureanschlag während eines Auftritts im Circus Busch in Berlin. Obwohl er einen begründeten Verdacht hat, wer hinter dem perfiden Mordversuch steckt, können die vermeintlichen Täter nicht dingfest gemacht werden. Sherlock Holmes und Dr. Watson weilen auch gerade in der Metropole und bieten ihre Hilfe an …

Mit den bekannten Stimmen von Joachim Tennstedt als Sherlock Holmes, Detlef Bierstedt als Dr. Watson, Regina Lemnitz als Mrs. Hudson, Philine Peters-Arnolds als Margery Mapleton, sowie Matthias Lühn, Fabienne Hesse, Sebastian Fitzner, Monika John, Uli Krohm, Willi Röbke, Rolf Berg, Kristine Walther, Axel Lutter, David Berton, Jean Paul Baeck, Marc Gruppe, Edward McMenemy und Stephan Bosenius.

(…)

Meine Review des Hörspiels:

1908 erschien, in der Reihe „Aus den Geheimakten des Weltdetektivs“, die Ausgabe 101: „Auf den Spuren Houdinis“ beim Berliner Verlagshaus für Volksliteratur und Kunst. Dieser Fall wurde von Marc Gruppe zu einem interessanten Hörspiel umgearbeitet.

Harry Houdini, der weltbekannte Entfesselungskünstler (1874 – 1926), tritt 1908 in Berlin mit einer seiner großen Nummern auf. Das auf Houdini, während dieses Auftritts, ein Anschlag verübt wird, fällt lediglich Holmes auf. Die Art des Anschlags (und wie er vereitelt wurde) wirkt nicht so ganz glaubwürdig, wenn man darüber nachdenkt. Auch das sofort Verdächtige bekannt sind, dient nicht unbedingt der Komplexität des Falls.

Aber das ist schon fast egal, denn kaum kommen Holmes (Joachim Tennstedt), Watson (Detlef Bierstedt) und Houdini (Matthias Lühn, hervorragend gespielt!) zusammen, beginnt sich die wahre Stärke dieses Hörspiels zu entfalten: Insgesamt 18 ! StimmschauspielerInnen sind in ebenso vielen Rollen zu hören! Da sind richtige „Marken“ darunter, einfach köstlich!

Zusammen mit der stimmungsvollen Atmosphäre, die uns durch vielfältige Sounds u.a. mit in den Zirkus und auf die Straßen des alten Berlins nimmt, entsteht in diesem Hörspiel echtes Kopfkino.

So richtig geht der Fall „Houdini“ aber erst los als dieser tatsächlich entführt wird… Holmes und Watson haben zwar schon einen Verdacht, aber wo der Entfesselungskünster abgeblieben ist, ja, ob er überhaupt noch lebt, bleibt unklar…. So beginnt eine „Reise durch Berlin“, die das vertraute Team mit manch eigenartigen Personen und „Typen“ konfrontiert.

Ich habe den Fall sehr genossen und kann ihn allen Freunden des britischen Detektivs empfehlen, die ihn einmal in Berlin kurz nach der damaligen Jahrhundertwende und / oder ein Zusammentreffen der beiden Charaktere erleben möchten.

Das lebendige Hörspiel aus dem Hause Titania Medien könnt ihr (zum Beispiel) hier bestellen…

Folge 065: Der Fall Harry Houdini

Übrigens…

Wer noch mehr „Holmes und Houdini“ erleben möchte, dem möchte ich das Buch „Sherlock Holmes und der Fall Houdini“ von Daniel Stashower empfehlen, welches nur noch antiquarisch erhältlich ist.

 

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„Robin of Sherwood“ lebt immer noch! Mehr denn je!

Irgendwann in den 1980er Jahren gab es im ZDF am späten Nachmittag die Serie „Robin Hood“ mit Michael Praed, Judi Trott und vielen anderen britischen DarstellerInnen, die teils relativ unbekannt waren. Die Serie, die im Original „Robin of Sherwood“ heißt, hat in englischsprachigen Fankreisen ein auditives Revival erlebt.

Der Erfinder, Richard „Kip“ Carpenter, hatte einst ein Drehbuch für einen „Robin of Sherwood“ Kinofilm geschrieben, der aber nie umgesetzt wurde. Die SchauspielerInnen der Serie, die sich heute noch blendend verstehen, kamen, unter der Leitung von Convention – Leiter Barnaby Eaton-Jones, erneut zusammen und sprachen das Drehbuch als Hörspiel ein. Das Ganz erschien, streng limitiert, auch als Buch.

Dies hatte einen großen Erfolg und weitere Geschichten um die Outlaws entstanden, dieses Mal aus der Feder diverser AutorInnen, sowohl als Hörspiel, Hörbuch und auch als Roman, immer in englischer Sprache und teilweise in Deutschland nur bei erhöhten Kosten (dem Brexit sei Dank… räusper). Einige der Hörbücher und Romane kann man freilich inzwischen auch bei Amazon und Audible erwerben.

Die Fanszene blieb aktiv und es kamen weitere faszinierende Publikationen an die Oberfläche.

Weitab vom Fangeschehen machten sich die „Pop-Folk“-Gruppe Clannad (schon lange) auf die Suche nach verlorenen Mastern einiger Titel, die sie für die Serie aufgenommen hatten. Clannad hatte nämlich den Soundtrack zur Serie geliefert, eine wunderbare Mischung aus eben Folk und Pop: Alt traf modern! Aber der Soundtrack, der einst veröffentlicht wurde, er trug den Titel „Legend“, war freilich sehr kurz geraten. Eine Schallplatte vermochte nicht all zu viel an Songs zu transportieren und selbst für diese Limitierung waren die knapp 30 Minuten nicht die Welt. Natürlich sogen wir Fans – die wir uns noch recht einsam vorkamen (es gab keine social media!) – Titel wie „Lady Marian“ oder „Together we“ ein, wie ein Taucher die frische Luft, wenn er wieder aus dem Wasser guckt. Aber es fehlten doch einige prägnante Titel.

Da war die Musik, zu der die Dorfbewohner in der Folge „Herr der Bäume“ tanzten! Da war die Musik, die gespielt wurde, als Prinz John zu Anfang der zweiten Staffel auftauchte! Und die dritte Staffel, in der Jason Connery, Sohn von Sean Connery, den Wolfshead darstellte, kamen gleich noch ein ganzer Reigen neuer Titel dazu, die noch komplexer, noch schöner, noch selbstbewuster daher kamen als jene ersten Titel, die schon toll waren!

Genau diese Songs und Stücke waren verschollen. Für lange Zeit. Wie ernsthaft gesucht wurde, weiß niemand, aber schließlich wurden sie gefunden. Zum 40. Jubiläum des Clannad Albums „Legend“ erschienen nun auch diese zusätzlichen Titel, zusammen mit dem Original – Album.

Was zu hören ist, beeindruckt und macht Lust auf noch mehr. Genug kann es für uns Fans ja nie geben 😉 Ich kann nur sagen, dass mich speziell diese neuen Songs zurück in die magischen frühen 1980er Jahre kataplutierten – und ins Mittelalter.

Wer, wie ich, damals die Serie geliebt hat und nun einen „gesamten Soundtrack“ erwerben will, sollte zugreifen. Lohnt sich!

Hier kann man die neue CD bei MediaMarkt kaufen… Es gibt sie auch als LP und anderswo 😉

 

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Der verschwundene Grafensohn (Titania Medien, Folge 64)

„Der verschwundene Grafensohn“ ist der Titel des 64. Falls aus der „Sherlock Holmes“ – Reihe von Titania Medien. Die literarische Vorlage stammte dieses Mal von Marc Gruppe.

Die Geschichte um den „verschwundenen Grafensohn“ ist von Anfang an sehr spannend inszeniert. Dabei war ich mir anfangs überhaupt nicht sicher, ob mir der Fall gefallen würde. Abermals ist der (Haupt-)ort der Handlung Wien. Abermals geht es um adelige Kreise in der österreichischen Hauptstadt. Für gewöhnlich sind die „wiener“ Geschichten nicht so ganz nach meinem Geschmack. Dieses Mal gab es keine Längen und mir wurde nicht ein einziges Mal langweilig.

Ein Privileg gegenüber Holmes, dem am Anfang dieses Falls sehr langweilig ist. Er hat auch so gut wie kein Verständnis für seinen Freund und Kollegen Watson, der vor nicht all zu langer Zeit seine Frau Mary verloren hat (bekannt aus der Original – Geschichte „Das Zeichen der Vier“) und in die Baker Street 221B zurück-gezogen ist.

Auch Mrs. Hudson ist anfangs mit von der Partie. Man zieht sich gegenseitig auf, was recht amüsant ist, bis ein Telegramm überreicht wird, aus dem hervorgeht, dass der adelige Östreicher Friedrich von Schönburg seinen fünfjährigen Sohn vermisst und dringend um Hilfe bittet.

Holmes und Watson reisen – nach kurzer, spannend inszenierter Unterbrechung – nach Wien, wo sie sich gegenüber den verdächtigen Verwandten des Grafen selbst als entfernt verwandte ausgeben. Die Rechnung geht zwar nur halbwegs auf, aber dennoch führt diese Verdächtigung Holmes und Watson letzten Endes auf die richtige Spur…

Abgesehen davon, dass ich nicht glaube, dass ein Sherlock Holmes wahrhaftig glaubt, dass ein Bild, dass „zufällig“ an der Wand hängt,  jemanden auf dumme Gedanken bringen kann, ist dies ein gelungener, runder Fall.

Bodo Primus ist als Graf hervorragend besetzt. Aber das kann man sicherlich auch von allen anderen Beteiligten sagen, allen voran David Berton als Karl Viktor und Kristine Walther als Maria Josepha.

Wer mit Holmes und Watson nach Wien reisen möchte, um ein vermutlich entführtes Kind zu finden, dem kann ich dieses Hörspiel nur wärmstens empfehlen.

Ach ja: Ich mag Krimis, die mit einem Gewitter anfangen… 😉

Sherlock Holmes

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