Arthur & George – Eine Miniserie für Sherlock Holmes Fans – ohne Sherlock Holmes!

Wusstet ihr, dass der Cousin von Martin Clunes, dem britischen Schauspieler, der auch „Doc Martin“ spielt, niemand geringeres ist als der ehrenwerte Jeremy Brett? Jetzt sagt nicht, ihr wisst nicht, wer Jeremy Brett ist.

Kurzer Abstecher in eine andere Serie…

Okay, Jeremy Brett´s (1933 – 1995) weltberühmte Darstellung von Conan Doyles Meisterdetektiv Sherlock Holmes wurde vor dem Mauerfall in Westdeutschland ziemlich stiefmütterlich behandelt, was man auch an der Synchronisation seiner „Sherlock Holmes Serie“ merkt, die zunächst nur vom „Fernsehen der DDR“ synchronisiert und ausgestrahlt wurde. Die Qualität der Synchronisation war allerdings recht mittelmäßig. Allein der Hauptdarsteller (Jeremy Brett) erhielt im Laufe der Serie drei verschiedene Synchronstimmen. Später kamen durch Nachzügler-Synchronisationen noch zwei weitere Synchronstimmen hinzu. Aber auch die Übersetzung war nicht gerade galant, hörte sich teils an als hätte man sie mit einem Englisch – Deutsch – Wörterbuch übersetzt, wobei der englische Satzbau nur selten dem deutschen angepasst wurde, was teilweise seltsam wirkte.

Ich reite nur deshalb auf der sehr wechselhaften und mittelmäßigen Synchronisation der – wie gesagt – weltberühmten und anerkannten Serie so herum, weil das zeigt, wie wenig man sich im „West Fernsehen“ damals um die Serie kümmerte, die in vielen anderen Ländern – von Europa bis Amerika – so sehr gepriesen wurde. Ich habe das bis heute nicht ganz begriffen und wünschte mir, man würde der Serie ein einziges Mal eine einheitliche, wirklich gute Synchro verpassen, zumal bis heute noch vier Folgen gänzlich unsynchronisiert sind. Unfassbar!

Würde sich z.B. Pidax einer gesamten, einheitlichen Synchronisation annehmen, wären viele deutsche Sherlock Holmes Fans dankbar. Das nur am Rande. Jetzt aber endlich zu…

Arthur & George

und damit auch zurück zu Martin Clunes. Was hat der Kerl nun mit Holmes zu tun, abgesehen von seiner Verwandtschaft mit Jeremy Brett? Nun, genau so viel wie Arthur Conan Doyle in gewisser Weise, denn diesen spielt er in dem Fernseh – 3 – Teiler „Arthur und George“.

Pidax brachte diesen 3 – Teiler kürzlich auf den Markt und überraschte zumindest mich damit komplett, da ich überhaupt nicht damit gerechnet hatte, dass irgendetwas in der Art von itv Studios je gedreht worden war. Dabei bin ich ein ausgemachter „Holmesian“. Die Serie ging einfach an mir vorbei.

Sir Arthur Conan Doyles Leben liest sich selbst wie das Leben eines Abenteurers. Ähnlich wie der reale Jules Verne erlebte auch Doyle diverse Reisen mit allerlei Abenteuern, machte diverse Abstecher ins Reich des Spiritismus – und löste einen Fall!

Julian Barnes schrieb genau darüber ein Buch, in dem es eben darum geht, wie Arthur Conan Doyle und Alfred Wood, genauer Major Alfred Herbert Wood, den Doyle immer „Woody“ nannte, sich eines Falls annahmen. (Woody war ein ehemaliger Schuldirektor und zwischen 1897 und 1930 Conan Doyles Freund, Privatsekretär und „Manager“.)

Den hier beschriebenen „Fall Edalji“ gab es tatsächlich. Aber ob er sich in jedem Detail genau so zugetragen hat, wie hier zu sehen ist, weiß niemand. Jedenfalls kann man sich das aber gut so vorstellen. Das Ende, wie ich fand, war zu schön in Szene gesetzt als das es sich wirklich exakt so abgespielt haben könnte. Die Grundlagen der Story stimmen auf jeden Fall.

Edalji landete wegen Tierverstümmelungen drei Jahre im Gefängnis. Mir scheint fast, heute würde man – zu Unrecht!- besser bei einer solchen Straftaten davon kommen, aber das ist ein anderes Thema. Als Vorbestrafter wurde George Edalji – ein angehender Rechtsanwalt – aus der „Law Society“ ausgeschlossen. Conan Doyle nahm sich des Falls an und stellte während seiner Ermittlungen, in denen er teilweise so brillierte wie sein literarisches Geschöpf Sherlock Holmes, einige Fehler während der polizeilichen Ermittlungen fest. Außerdem wurde der angehende Anwalt, der in Bombay geboren wurde, mit rassistischen Vorurteilen konfrontiert. Woody half Doyle dabei ähnlich wie Watson es bei Sherlock Holmes tat.

Diese „wahre Geschichte“ wurde mit hervorragenden Schauspielern in einem aufwendigen, zeitgenössischen Ambiente produziert. Auch die deutschen Synchronsprecher sind durch die Bank weg gut gewählt.

Wer sich für Sherlock Holmes interessiert, dem wird auch dieser 3 – Teiler gefallen. Aber vorsicht: Die mutwillige Verstümmelung von Pferden wird nicht nur erwähnt, sondern teilweise auch gezeigt bzw. deren Folgen. Das sollte man vorher wissen.

Fazit: „Arthur und George“ ist eine beeindruckende, spannende Produktion und für alle Freunde viktorianischer Krimis empfehlenswert und kostet nur rund 15 EUR.

https://www.pidax-film.de/Serien-Klassiker/Arthur-George::2232.html

 

Inspector Lestrade Fall 14: Die Tode des Adrian Abernethy

Als sich Adrian Abernethy das Leben nimmt, scheinen seine Gemahlin und die Töchter beinahe erleichtert zu sein. Wenig verwunderlich, hatte sich doch der erfolgreiche Unternehmer nach dem gewaltsamen Tode seines Bruders immer mehr zu einem tyrannischen Zerrbild seiner selbst gewandelt. Niemand im Hause Abernethy blieb davon verschont. Aber so nachvollziehbar die Gefühle der Hinterbliebenen auch scheinen, Lestrade und Dash haben das seltsame Gefühl, dass mehr hinter der Sache steckt. Und ihre Ahnung soll sie nicht täuschen…

Es deutete sich schon länger an, dass sich die Lestrade Hörspielserie von der „Sherlock Holmes“ Reihe völlig emanzipieren würde. Dieser Schritt ist nun gelungen. Dieser Fall findet wohl etwa zur Zeit des ersten Weltkriegs statt, wie man durch eine beiläufige Bemerkung von Comissioner Hawksley (Bodo Wolf) erfährt. Somit haben wir (längst) das viktorianische Zeitalter verlassen. Obwohl Holmes in der erst kürzlich erschienen Sherlock Holmes („neue Fälle“) – Folge 51 („Ein Schilling für den Tod“) dem Inspector begegnete, sprach er an anderer Stelle von Holmes (in der „Lestrade“-Reihe) bereits in der Vergangenheit.

Aber nicht nur zeitlich hat sich die Serie „freigeschwommen“. Auch inhaltlich. Das Ensemble an Mitarbeitern rund um Inspector Lestrade (Lutz Harder) ist ein eingespieltes Team. Inspector Dash (Michael Pink) steht dem Inspector als direkter „Assistent“ zur Seite, Dr. Thomas Lovell (Jörg Hengstler), der die Leichen nach unappetitlichen Ungewöhnlichkeiten untersucht und McKinstry (Tino Kießling). Ich frage mich manchmal, wie die Original – Sherlock Holmes – Fälle aus Sicht DIESES Lestrade beschrieben worden wären.

Der Fall lebt sich nicht nur in Bezug auf abscheuliche Details der Verstorbenen aus, es gibt nun auch mindestens ein „FSK 12“, was die Erotik angeht, so viel sei verraten. Natürlich nur kurz und andeutungsweise, aber vielleicht ist das ja auch richtungsweisend? Wir werden es erleben.

So haben wir hier ein recht „erwachsenes“ Hörspiel, jedenfalls nichts, was man seinen Kindern zum Einschlafen geben sollte, das zudem Anfang des 20. Jahrhunderts handelt. Wer bereit ist, diesen selbstbewussten Schritt der Hörspielserie mitzugehen, erlebt ein ansprechendes Hörspiel aus der Feder von Andreas Masuth, der ja auch schon eine eigene „Scotland Yard“ Reihe erfand (die meines Wissens nach noch immer fortgesetzt wird).

Als sollte es unterstrichen werden, dass man sich vom Staub und den Spinnweben alter Sherlock Holmes Fälle befreit hätte, wird die Serie weiterhin von recht jazzigen, an „Edgar Wallace“ erinnernder Musik von Christian Bluthard bereichert. Nichts, was nach „Edward Elgar“ und Zeitgenossen klingt, aber irgendwie passt es.

Fazit: Mit „Die Todes des Adrian Abernethy“ hat sich die Lestrade – Serie meiner Ansicht nach vollkommen von der Sherlock Holmes Serie der „neuen Fälle“ gelöst. Die Entwicklung hin zur ganz und gar eigenständigen Serie ist geglückt. Während des Hörens wurde ich definitiv gut unterhalten – keine Frage! Der Nostalgiker in mir sehnte sich aber gleichzeitig nach Gemütlichkeit, nach Droschken und die Sherlock Holmes Ära, in der es immer 1899 war. Das aktuelle Hörspiel ist gute Unterhaltung – befreit vom flackernden Licht der Gaslaternen, könnte man sagen. Ein moderner „Lestrade“, passend zu unserer Zeit.

Inspector Lestrade: Die Tode des Adrian Abernethy (Fall 14)

Batman – Die Welt des dunklen Ritters (DK Verlag mit DC)

Als ich ein Kind war, gab es die Batman – Comis im Ehapa – Verlag. Für kleines Geld gab es seinerzeit Taschenbücher, Superbände, Extra – Taschenbücher und dergleichen am Kisok um die Ecke. Es war eine schöne Zeit. Die Sammelecken in den alten Comics konnte man ausschneiden und an den Verlag senden, um dafür „umsonst“ ein lebensgroßes Poster von Batman oder auch von der Bathöhle zu erhalten. Heute noch sind die Poster kostspielige Sammlerstücke, die immer mal wieder auf Ebay und Co. angeboten werden.

Irgendwann wurde dann ein Hardcover – Band angekündigt. Ich bestellte ihn lange bevor Jeff Bezos Amazon erfand und musste entsprechend viele, viele Wochen darauf warten, dass das Buch ankam. „Die Legende von Batman“ hieß der zweite Band in der Reihe „Die großen Superhelden“. Auf dem Cover prangte unten rechts der Hinweis: „Die wichtige Sammlerausgabe! Alles über Batman“.

Da das Buch recht dick in der Werbung dargestellt wurde (eher ein einbändiger „Bockhaus“ als ein Taschenbuch) war ich etwas enttäuscht als mich das 98seitige Buch erreichte. Die Zeichnungen, die man nach dem aufblättern sah, waren in blau-weiß gehalten und wussten zu gefallen, aber ansonsten waren das vor Allem einfach nur Comics. Eben „Die Legende von Batman“, wie sie auch schon im Batman Superband 1 erzählt worden war. Auf lediglich drei Seiten wurde grob skizziert, wie die Bathöhle aussah, viel gröber als im Superband 1, in dem das Bathöhlen – Poster in „Kleiner“ zu sehen gewesen war. Eine Handvoll Fahrzeuge wurde vorgestellt und der Kampfgürtel. Das Buch war einzig in seiner Art – als Hardcover – und dennoch eine Enttäuschung.

Viele Jahre später fand ich im Buchhandel das Buch „Batman – Die Welt des dunklen Ritters“ aus dem DK – Verlag. Dieses Buch, dass jüngst in einer Neuauflage erschienen ist, bietet alles (und mehr!) was ich damals erhofft hatte.

Das schwere, großformatige Buch, welches 216 Seiten umfasst, hat zwar „nur“ den Comic-Batman zum Thema, aber das in allen erdenklichen Facetten. Wer dieses Buch durcharbeitet, wird sich danach einen „Kenner“ des Batman nennen dürfen. Es liefert mehr als nur Basiswissen.

Batman – Die Welt des dunklen Ritters (c) DK, DC

Natürlich geht es auch hier erstmal um die Geburt von Batman – sowohl die Story als auch die Erfindung des Superhelden durch Bob Kane und Bill Finger. Eine Doppelseite befasst sich alleine mit dem Anzug von Batman, gefolgt von Bat – Anzug Varianten – inklusive jener, die von Batman in alternativen Realitäten und von anderen Trägern getragen wurden. Zwei Seiten befassen sich mit dem Kampfgürtel, gefolgt von Waffen und Ausrüstung, gefolgt von Themen wie „die Bathöhle“, „das Batmobil“ usw.

Es würde zu weit führen und müßig zu lesen sein, jedes Detail des Buchs zu beschreiben. Vereinfacht gesagt wird hier gezeigt, wer Batman ist und welche großen Epochen des Mitternachtsdetektivs es gegeben hat, welche Comic man kennen sollte, welche Charaktere im Leben von Batman / Bruce Wayne eine wichtige Rolle spielten usw. Und das alles äußerst exakt und in allen Einzelheiten.

Inhaltlich reicht die aktualisierte Ausgabe bis zu zuletzt erschienenen Comics wie „Die drei Joker“ und „Batmans Hochzeit“.

Im Fazit kann ich sagen, dass dies genau das Buch ist, welches ich mir einst erhoffte. Es lädt dazu ein, wirklich tief in die Welt von Batman einzusteigen.

Das Buch, welches von Matthew K. Manning und Daniel Wallace verfasst wurde, ist mit über 800 Comic – Illustrationen versehen und aktuell für 22,00 EUR im Buchhandel erhältlich.

https://www.dorlingkindersley.de/buch/matthew-k-manningdc-batman-die-welt-des-dunklen-ritters-9783831043460

Menschentier (Gedicht, April 2022)

Ich bin eine Kugel voll Gefühl,

ein Mann, fast niemals kühl,

erfüllt von Emotionen,

was ich will hier betonen.

Seh in der Welt mit grau-grün´n Augen,

was ich will und kann nicht glauben,

es berührt mich, geht mich an

und lässt nicht wieder los.

So leicht.

Mache ich´s mir nicht,

spüre in mein Leid hinein und

finde manchmal kaum heraus.

In gewissen Zeiten

fühl ich mich fremd in dieser Welt,

wie ein Kunstliebhaber

in einer Geisterbahn,

ein Eisbär in Afrika oder

ein Lachen am Begräbnis.

Eindrücke regnen auf mich ein

und strahlen nach,

gehen mir bis auf den Grund

lassen mich in Seel und Körper erzittern,

ich kann diese nicht komplett schützen

ohne sie zu vergittern.

Das will ich nicht.

Wissen, wie mich manche Andre seh´n.
Es geht zwar, fällt mir aber selbst oft schwer,

mich selbst ganz zu verstehen.

Ich strecke meine Hände aus

nach Sonnenlicht, nach Schönheit, Ruhe, Gleichmaß,

nach Frieden, Hoffnung, Lächeln und Menschen,

die mit Frohsinn beieinander lachen und tanzen,

Wissend,

dass das Leben nur eines ist und zu kurz dazu,

als das Streit und Krieg es bereichern könnten, außer

mit Klagen, Leere, Agonie.

Ich wünschte mir nur,

es sei einfacher

über Dornen zu gehen,

wo andere nur normale Straßen seh´n.

Dann wär auch ich wie ihr

ein ganz normales

Menschentier.

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